{"id":256559,"date":"2025-07-10T06:24:17","date_gmt":"2025-07-10T06:24:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/256559\/"},"modified":"2025-07-10T06:24:17","modified_gmt":"2025-07-10T06:24:17","slug":"der-dieselskandal-hat-sauberere-luft-in-leipzig-bis-2019-verhindert-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/256559\/","title":{"rendered":"Der Dieselskandal hat sauberere Luft in Leipzig bis 2019 verhindert \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Es klang so einfach, als das Dezernat Umwelt, Klima, Ordnung und Sport j\u00fcngst meldete: \u201eDie Stadt Leipzig setzt ihren Kurs f\u00fcr bessere Luftqualit\u00e4t konsequent fort. Wie aus der Sitzung der Verwaltungsspitze hervorgeht, greifen die st\u00e4dtischen Ma\u00dfnahmen zur Luftreinhaltung. Seit 2019 werden die gesetzlichen Grenzwerte f\u00fcr Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid an allen Leipziger Messstationen eingehalten. Auch die zus\u00e4tzlich f\u00fcr Stickstoffdioxid im Zeitraum von 2021 bis 2023 durchgef\u00fchrten Messungen belegen eine sichere Unterschreitung des gesetzlichen Grenzwertes.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Einhaltung der aktuell geltenden Grenzwerte ist ein wichtiges Etappenziel\u201c, konstatierte Leipzigs Umweltb\u00fcrgermeister Heiko Rosenthal. \u201eDoch die kommenden Anforderungen machen deutlich: Wir m\u00fcssen den eingeschlagenen Weg auch entschlossen weitergehen, um die Gesundheit der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nachhaltig zu sch\u00fctzen.\u201c<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/74b7b12f9afe41a2adf9a93684353a98.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/kassensturz\/2025\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/kassensturz\/2025\/07\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Aber wie das so ist: Die wirklich spannenden Sachen standen nicht in der Meldung der Stadt. Die stehen daf\u00fcr im Umsetzungsbericht zum Luftreinhalteplan, <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2022007&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der inzwischen auch im Ratsinformationssystem zu finden ist<\/a> und der \u00fcber die Fortschritte im Zeitraum 2022 bis 2023 informiert. Das hei\u00dft: <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2022\/11\/zwischenstand-luftreinhalteplan-leipzigs-luftqualitaet-ist-etwas-besser-geworden-483089\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Den letzten Umsetzungsbericht gab es 2022.<\/a> Da waren die Ergebnisse noch nicht so deutlich. Und das hat Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/feinstaub.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-629031 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/feinstaub.jpg\" alt=\"Zur Entwicklung der Feinstaubbelastung PM10 in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig\" width=\"2250\" height=\"939\"  \/><\/a>Entwicklung der Feinstaubbelastung PM10 in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde, die zwar der Bericht liefert, aber nicht die Meldung der Stadt, in der es geradezu strohtrocken hie\u00df: \u201eDemnach wurden mehr als die H\u00e4lfte der im Luftreinhalteplan vorgesehenen Ma\u00dfnahmen im Berichtszeitraum \u00fcberwiegend oder vollst\u00e4ndig umgesetzt. In einigen F\u00e4llen ist die Umsetzung bereits abgeschlossen.<\/p>\n<p>Der Bericht informiert dar\u00fcber, dass sowohl lokale als auch nationale und europ\u00e4ische Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Luftqualit\u00e4t beitragen. Auch im Rahmen des Green City Plans, der insbesondere auf eine nachhaltige Mobilit\u00e4tsentwicklung abzielt, ist die Umsetzung weiter vorangeschritten. Bei beiden Pl\u00e4nen bleibt die Umsetzung von Ma\u00dfnahmen stark von der Verf\u00fcgbarkeit von F\u00f6rdermitteln abh\u00e4ngig.\u201c<\/p>\n<p>Als m\u00fcsste unbedingt erkl\u00e4rt werden, wie flei\u00dfig man ist.<\/p>\n<p>Es ist nicht nur die Umweltzone<\/p>\n<p>Dabei zeigt gerade der Ma\u00dfnahmenkatalog im Luftreinhalteplan, dass sich alle Verkehrsthemen gegenseitig bedingen und der Kauf von Elektrobussen durch die LVB genauso in die Luftreinhaltung hineinspielt wie der Bau neuer Radwege, Geschwindigkeitsbegrenzungen f\u00fcr Kfz, das Pflanzen neuer Stra\u00dfenb\u00e4ume oder der Bau von Park-and-Ride-Pl\u00e4tzen. Dutzende Ma\u00dfnahmen enth\u00e4lt der Luftreinhalteplan.<\/p>\n<p>Die Umweltzone ist nur die bekannteste. Sie allein bedingt den starken R\u00fcckgang an Feinstaub und Stickoxiden in der Stadt nicht. So ist sie auch nicht angedacht. Sie soll nur daf\u00fcr sorgen, dass m\u00f6glichst keine Fahrzeuge ohne Gr\u00fcne Plakette in die Stadt einfahren. Fahrzeuge ohne diese Plakette brauchen eine Sondergenehmigung.<\/p>\n<p>Aber das allein hat die Luftwerte in Leipzig nicht verbessert. Was beim Thema Stickoxide besonders deutlich wird. Denn die Autoren des Umsetzungsberichts staunen berechtigterweise, dass es ab 2019 einen mehr als deutlichen R\u00fcckgang bei den Stickoxid-Werten gab, die man vorher einfach nicht unter die EU-Grenzwerte bekommen hat. Woran lag das?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/stickoxid.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-629032 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/stickoxid.jpg\" alt=\"Zur Entwicklung der Stickoxid-Belastung in Leipzig (Abbildung 6). Grafik: Stadt Leipzig\" width=\"2250\" height=\"926\"  \/><\/a>Entwicklung der Stickoxid-Belastung in Leipzig (Abbildung 6). Grafik: Stadt Leipzig<\/p>\n<p>\u201eDer Luftschadstoff gab mehr noch als PM10 Anlass dazu, den Luftreinhalteplan fortzuschreiben und den Green City Plan zu erstellen. Wie sich Abb. 6 entnehmen l\u00e4sst, wurde der f\u00fcr das Jahresmittel der Konzentration gesetzlich geltende Grenzwert in H\u00f6he von 40 \u00b5g\/m\u00b3 an den verkehrsnahen Messstationen seit dem Jahr 2019 nicht mehr \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>Als ein Grund daf\u00fcr wird die Modernisierung der Kraftfahrzeugflotte angesehen, die insbesondere bei einem Teil der Diesel-Pkw nach Aufdeckung der Manipulationen an deren Abgassystemen (Dieselabgas-Skandal) einsetzte. Nach Angaben der Bundesregierung wurden die im Rahmen des Nationalen Forum Diesel am 2. August 2017 gemeldeten 5,3 Millionen Fahrzeuge sowie dar\u00fcber hinaus 900.000 weitere Fahrzeuge umger\u00fcstet (Bundesregierung 2021). Bei den betroffenen Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 5 und Euro 6 sollen mit der Nachbesserung die NOx-Emissionen um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent reduziert werden (ebd.).\u201c<\/p>\n<p>Dieselabgas-Tricks sorgten auch f\u00fcr mehr Feinstaub<\/p>\n<p>Allein die Messwerte aus Leipziger Stra\u00dfen zeigen, wie sehr die Dieselabgas-Tricksereien bis dahin auch die Leipziger Luft belastet haben. Die Umr\u00fcstung der Diesel-Fahrzeuge zeigte sofort Wirkung. Die Stickoxid-Werte gingen sofort deutlich nach unten und kamen 2023 erstmals in die N\u00e4he des EU-Grenzwertes f\u00fcr 2030.<\/p>\n<p>Im Bericht hei\u00dft es dazu weiter: \u201eDer Jahresmittelwert f\u00fcr NO2 der ab dem Jahr 2030 innerhalb der EU einzuhalten ist, betr\u00e4gt 20 \u00b5g\/m\u00b3. Der Wert konnte an den verkehrsnahen Messstandorten bislang nicht erreicht werden. Lediglich im st\u00e4dtischen Hintergrund stellt seine Einhaltung kein Problem dar. Die WHO h\u00e4lt zum Schutz der Gesundheit indes einen Wert in H\u00f6he von 10 \u00b5g\/m\u00b3 f\u00fcr erforderlich (WHO 2021, S. 116). Ein Wert der in den ver gangenen Jahren in Leipzig auch an der st\u00e4dtischen Hintergrundmessstation Leipzig-West, wie Abb. 6 zeigt, nicht erreicht werden konnte.\u201c<\/p>\n<p>Und nicht nur hier zeigte es Wirkung, denn die Abgasmanipulationen hatte auch erh\u00f6hte Feinstaub-Konzentrationen zur Folge.<\/p>\n<p>\u201eEs wird angenommen, dass der deutliche R\u00fcckgang der NO2-Belastung ab dem Jahr 2019 zu einem Teil auf die Wirkung der verpflichtenden und freiwilligen Software-Updates bei der Abgasbehandlung an Diesel-Pkws zur\u00fcckzuf\u00fchren ist\u201c, hei\u00dft es im Bericht.<\/p>\n<p>\u201eN\u00e4here Informationen zur Abgas-Thematik bietet bspw. das Kraftfahrbundesamt (KBA 2024). Da auch ein merklicher R\u00fcckgang der jahresmittleren Belastung bei PM10 und PM2,5 ab dem Jahr 2019 feststellbar ist, gibt es offenbar weitere Wirkfaktoren. Schl\u00fcssig ist dazu ein Absinken der Luftschadstoffemissionen in Deutschland sowie innerhalb der EU \u2026\u201c<\/p>\n<p>Oder so formuliert: Die Abgas-Manipulationen haben \u00fcber Jahre eine bessere Luftqualit\u00e4t in den St\u00e4dten verhindert. Die Autos hatten zwar die Gr\u00fcne Plakette, verpesteten aber trotzdem die Luft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/euronorm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-629033 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/euronorm.jpg\" alt=\"ZurEntwicklung der vergebenen Euro-Normen in Deutschland (linker Balken) und Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Entwicklung der vergebenen Euro-Normen in Deutschland (linker Balken) und Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig<br \/>\nVerkehrswende hei\u00dft auch: bessere Luft<\/p>\n<p>Wobei der Bericht eben auch alle Ma\u00dfnahmen beleuchtet, mit denen die Stadt zus\u00e4tzlich versucht, die Luftbelastung zu verringern. Dazu geh\u00f6ren auch Ma\u00dfnahmen, die scheinbar \u201enur\u201c in das Feld \u201eVerkehrswende\u201c geh\u00f6ren. Obwohl die Verkehrswende selbst erheblich dazu beitr\u00e4gt, dass die Luftbelastung in Leipzig sinkt \u2013 wozu eben auch der Ausbau von Ladestationen f\u00fcr E-Autos geh\u00f6rt, Bike-Sharing, Lastenradverleih, Flexa-System. Parkraum-Management oder der Kauf von E-Autos bei der Stadt.<\/p>\n<p>Und ganz offensichtlich sorgt der ganze Ma\u00dfnahmen-Mix daf\u00fcr, dass die Luftqualit\u00e4t sich auch nach dem jetzt vorgelegten Berichtsjahr 2023 weiter verbessert<\/p>\n<p>\u201eDie Belastung der Luft mit Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid ist im Jahr 2025 nur noch sehr gering (kleiner 1 Mikrogramm pro Kubikmeter) und wird in den kommenden Jahren weiter abnehmen. Aus diesem Grund beabsichtigt die Stadtverwaltung, bei der n\u00e4chsten Fortschreibung des Luftreinhalteplans s\u00e4mtliche Ma\u00dfnahmen auf ihre Relevanz und rechtliche Zul\u00e4ssigkeit hin zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dies wird insbesondere die Fortf\u00fchrung der Regelung zur Umweltzone miteinschlie\u00dfen\u201c, hatte das Umweltdezernat gemeldet.<\/p>\n<p>Die Vorlage zur Pr\u00fcfung der Umweltzone m\u00fcsste eigentlich langsam fertig sein, <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2024\/09\/luftbelastung-in-leipzig-juni-2025-stadt-umweltzone-603113\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">denn die hatte das Dezernat schon f\u00fcr Juni versprochen.<\/a><\/p>\n<p>Aber das Umweltdezernat weist auch gleichzeitig darauf hin, dass man beim Ma\u00dfnahmenpaket zur Luftreinhaltung \u00fcberhaupt nicht nachlassen darf, im Gegenteil. \u201eAb dem Jahr 2030 treten deutlich versch\u00e4rfte Grenzwerte f\u00fcr Luftschadstoffe in Kraft. Ihre sichere Einhaltung gilt es fr\u00fchzeitig zu gew\u00e4hrleisten. Daher wird die Luftreinhaltepolitik in Leipzig weiterhin ein zentrales Handlungsfeld bleiben.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es klang so einfach, als das Dezernat Umwelt, Klima, Ordnung und Sport j\u00fcngst meldete: \u201eDie Stadt Leipzig setzt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":256560,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,71,25814,78254,78255,859],"class_list":{"0":"post-256559","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-leipzig","12":"tag-luftqualitaet","13":"tag-luftqualitaetsueberwachung","14":"tag-luftreinhalteplan","15":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114827510798442205","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/256559","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=256559"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/256559\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/256560"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=256559"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=256559"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=256559"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}