{"id":257786,"date":"2025-07-10T17:27:14","date_gmt":"2025-07-10T17:27:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/257786\/"},"modified":"2025-07-10T17:27:14","modified_gmt":"2025-07-10T17:27:14","slug":"berlin-tag-macht-ist-friedrich-merz-der-jay-z-von-brilon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/257786\/","title":{"rendered":"Berlin Tag &#038; Macht: Ist Friedrich Merz der Jay-Z von Brilon?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Modisch gl\u00e4nzt das politische Berlin selten, Bundeskanzler Merz aber sticht zumindest mit Stilsicherheit hervor. Hauen und Stechen droht ihm daf\u00fcr im eigenen Laden. Probleme stapeln sich, wie einst im Gassenhauer des Rappers Jay-Z. Mit dem Ehemann von Beyonc\u00e9 hat der Kanzler aber nichts gemein &#8211; oder?<\/strong><\/p>\n<p>Die Fashion Week in Berlin ist vor\u00fcber. Eine gute Nachricht f\u00fcr unsere Spitzenpolitiker und Franziska Giffey. Die turboerfolgreiche Kanzler-Clique kann sich wieder entspannt den wirklich wichtigen Themen widmen und muss sich nicht mehr von hyperventilierenden PR-Beratern mit &#8222;Vogue&#8220;-Abo drangsalieren lassen, doch wenigstens w\u00e4hrend der Modewoche etwas Outfit-Innovationsbereitschaft anzudeuten. Der Vorsto\u00df, die eigene Garderobe zumindest an D\u00e9fil\u00e9-Tagen gelegentlich mal kalendersynchronisierend mit den Inhalten der anstehenden Termine abzugleichen, st\u00f6\u00dft beim aktuellen Kabinett n\u00e4mlich auf weniger Kooperationsbereitschaft als der Vorschlag, den Nachrichtendienst X von strafbaren Inhalten zu befreien bei Elon Musk.<\/p>\n<p>Das ist auf der einen Seite verst\u00e4ndlich, denn als machtbewusster Deutschland-Lenker m\u00f6chte man auf den Titelseiten gro\u00dfer politischer Vordenker-Magazine (also vornehmlich dieser Kolumne) landen und weniger in Modemagazinen. Auf der anderen Seite: Wer mal die Couture-Entscheidungen von Lars Klingbeil analysiert hat, der ahnt, dass Modeberatung zu den am meisten untersch\u00e4tzten Dienstleistungszweigen im Regierungsviertel geh\u00f6rt. <\/p>\n<p>Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass der Vizekanzler morgens regelm\u00e4\u00dfig vor seinem Kleiderschrank steht und denkt: &#8222;Okay, dann nehme ich heute mal ein ungeb\u00fcgeltes Hemd, das aussieht, als h\u00e4tten es die Kinder aus der Kita im Finanzministerium beim Origami-Unterricht als Faltmuster verwendet.&#8220; Zerknitterter als Klingbeils Oberbekleidung ist h\u00f6chstens noch Sahra Wagenknecht, wenn sie herausfindet, dass der Mossad w\u00e4hrend der Bundestagswahl doch keine papierfressenden Minidrohnen eingesetzt hat, um Stimmzettel f\u00fcr das BSW zu vernichten.<\/p>\n<p>50 Shades of Dunkelblau<\/p>\n<p>Friedrich Merz dagegen ist stets akkurat gekleidet. Okay, sein Ma\u00dfschneider gilt nicht unbedingt als Anw\u00e4rter auf den &#8222;LVMH Award For Young Fashion Designers&#8220;. Vornehmlich, weil seine Stoff-Farbpalette sich auf 50 Versionen von Dunkelblau beschr\u00e4nkt. Aber daf\u00fcr sind seine Anz\u00fcge durchg\u00e4ngig faltenfreier als der Hals von Botox-Antagonistin Uschi Glas. Kontexteinschub: Die in der Beauty-Hochburg Landau an der Isar geborene Glas m\u00f6chte sich nicht mit Botox behandeln lassen, da sie &#8222;nicht aussehen will, wie alle anderen. So gleichgemacht.&#8220;<\/p>\n<p>Andererseits: Das Urteilsverm\u00f6gen von Uschi Glas darf durchaus skeptisch gesehen werden. So geh\u00f6rte die durch Blockbuster wie &#8222;Zur Sache, Sch\u00e4tzchen&#8220; bekannt gewordene Wahlm\u00fcnchnerin beispielsweise zur durcheuphorisierten Promiriege, die 2021 im Rahmen eines der TV-Trielle zur Bundestagswahl auf die Melodie von &#8222;Seven Nation Army&#8220; minutenlang &#8222;Armin Laschet wird Kanzler&#8220; skandierte.<\/p>\n<p>In diesem regelm\u00e4\u00dfig als Warnvideo f\u00fcr vernunftbasierten Umgang mit bewusstseinserweiternden Substanzen fehlinterpretierten Zeitdokument offenbart Glas die nostradamischen F\u00e4higkeiten eines Fabio de Masi. Der prophezeite einst, nach seinem Abgang bei den Linken k\u00e4me dort nur noch der Insolvenzverwalter. &#8222;LVMH&#8220; \u00fcbrigens &#8211; das nur f\u00fcr alle, denen im Strandurlaub noch nie eine braune Damenhandtasche angepriesen wurde &#8211; steht f\u00fcr &#8222;Louis Vuitton Mo\u00ebt Hennessy&#8220;. Vier Vokabeln, die in der Bundespolitik, abseits der Kreditkartenabrechnung von AfD-Superstar Maximilian Krah, eher untergeordnete Rollen spielen.<\/p>\n<p> Beyonc\u00e9 Merz<\/p>\n<p>Friedrich Merz jedenfalls, da helfen ihm auch perfekt sitzende Anz\u00fcge wenig, hat sich bereits nach wenigen Wochen Regierungsverantwortung als Jay-Z der Bundespolitik etabliert. F\u00fcr ihn gilt definitiv: &#8222;I Got 99 Problems, But a Bitch Ain&#8217;t One&#8220;. Gut, auf den ersten Blick erkennt man popkulturell nur wenige \u00dcberschneidungen zwischen Merz (kommt aus Brilon) und Jay-Z (kommt aus Brooklyn, New York). Ein Beispiel: Jay-Z geh\u00f6rte das NBA-Team Brooklyn Nets. Merz h\u00e4lt gerne Reden bei der St. Sebastianus Sch\u00fctzenbruderschaft im sauerl\u00e4ndischen Oeventrop.<\/p>\n<p>Jene 99 Probleme prasseln nun seit Tagen aus allen Richtungen auf Merz ein, mitunter sogar aus der eigenen Fraktion. Stellt sich also nur noch die Frage: Wenn Friedrich Merz der Jay-Z der Berliner Republik ist, ist Ehefrau Charlotte dann die deutsche Beyonc\u00e9? Was zun\u00e4chst abwegig klingt, wirkt bei genauerem Hinsehen pl\u00f6tzlich \u00fcberraschend real. Hier exemplarisch die Top Sechs der gr\u00f6\u00dften Hits von Popstar Charlotte-Beyonc\u00e9 Merz-Knowles:<\/p>\n<p><b>1. &#8222;Beautiful Liar&#8220;<\/b> &#8211; Ein Song \u00fcber Merz&#8216; 360-Grad-Wende beim Thema Sonderverm\u00f6gen?<\/p>\n<p><b>2. &#8222;D\u00e9j\u00e0 Vu&#8220;<\/b> &#8211; Ein Song \u00fcber die Wahl zum CDU-Parteivorsitz, die Merz 2020 gegen Armin Laschet verlor, nachdem derselbe Versuch bereits 2018 gegen Annegret Kramp-Karrenbauer scheiterte?<\/p>\n<p><b>3. &#8222;Irreplaceable&#8220; <\/b>&#8211; Ein Song \u00fcber Merz&#8216; Nibelungentreue zu Jens Spahn?<\/p>\n<p><b>4. &#8222;Best Thing I Never Had&#8220;<\/b> &#8211; Ein Song dar\u00fcber, wie Merz keine Zahnarzttermine bekommt, weil ausreisepflichtige Asylbewerber &#8222;beim Arzt sitzen und sich die Z\u00e4hne neu machen lassen&#8220;?<\/p>\n<p><b>5. &#8222;7\/11&#8220;<\/b> &#8211; Ein Song dar\u00fcber, auf wie viel Prozent die SPD bei der n\u00e4chsten Bundestagswahl kommen wird?<\/p>\n<p><b>6. &#8222;If I Were a Boy&#8220;<\/b> &#8211; Ein Song \u00fcber Merz&#8216; Vorhaben, das Selbstbestimmungsgesetz anzupassen?<\/p>\n<p>Merz das besser mal aus<\/p>\n<p>Ich stelle nur Fragen. Abseits dieser vermeintlichen Charterfolge blickt Merz bislang nicht auf ein fl\u00e4chendeckend mit Legendenerfolgen \u00fcbers\u00e4tes Kanzlerfeld. In aktuellen Umfragen liegt die Union nochmals unter dem ohnehin schwachen Ergebnis der Bundestagswahl. Harsche Kritik seitens der Opposition oder au\u00dferparlamentarischer Splitterparteien (&#8222;Hallo, FDP!&#8220;) geh\u00f6rt traditionell zum Regierungshandwerk. Stetiges Rumoren aus den eigenen Reihen ist hingegen selten ein Hinweis, dass die Kanzler-Regentschaft rekordverd\u00e4chtige Ewigkeiten \u00fcberdauern wird.<\/p>\n<p>Spontanes Durchtrennen der Schuldenbremsschl\u00e4uche oder Festhalten an Personalien wie dem kommentarauff\u00e4lligen Au\u00dfenminister Johann Wadephul oder Masken-Al-Capone Jens Spahn hatten bereits f\u00fcr partiellen Unmut im Heimatlager gesorgt. Die Nominierung von Frauke Brosius-Gersdorf als Bundesverfassungsrichterin, wohl eine Hommage an den Koalitionsfrieden mit der SPD, sorgt nun vermehrt f\u00fcr unverhohlene Gefolgschaftsverweigerung aus der Unionsfraktion. Als Merz das kontroverse Castingergebnis auf R\u00fcckfrage von AfD-Klimaexpertin Beatrix von Storch (die zur Vermeidung von Extremwetterph\u00e4nomenen zuweilen auch mal die Sonne verklagen m\u00f6chte) unmissverst\u00e4ndlich best\u00e4tigte, applaudierte die sonst zuverl\u00e4ssig beifallsindoktrinierte eigene Abgeordnetenarmada \u00fcberraschend verhalten. Statt fl\u00e4chendeckendem Claqueur-Support, wie bei revisiblen Schlagabt\u00e4uschen im Plenarsaal \u00fcblich, gab es lediglich vereinzelten Zuspruch aus der Kanzlerfraktion.<\/p>\n<p>Kein Bleiberecht f\u00fcr Migranten, daf\u00fcr aber f\u00fcr Paragraf 218<\/p>\n<p>Dass Brosius-Gersdorf f\u00fcr Friendly Fire innerhalb der Union und damit auch f\u00fcr eine Zerrei\u00dfprobe f\u00fcr die Koalition sorgt, liegt prim\u00e4r an ihren unionseskalierenden Einlassungen zum hochbrisanten Thema Schwangerschaftsabbruch. Ihre \u00dcberzeugung, die verfassungsgesicherte bedingungslose Menschenw\u00fcrde gelte &#8222;erst f\u00fcr Menschen ab Geburt&#8220; l\u00e4sst die Auslegungsvariante zu, sie hielte Schwangerschaftsabbr\u00fcche f\u00fcr straffrei bis zur Geburt. Eine Carte Blanche f\u00fcr Rechtspopulisten.<\/p>\n<p>Wenn man n\u00e4mlich dem Narrativ der AfD folgt, bedeutet das unweigerlich, jede Frau k\u00f6nne noch bis zwei Minuten vor der Geburt ohne Konsequenzen ihre Schwangerschaft beenden. Eine Vorstellung, die in dem einen oder anderen Vollzeit-Verteidiger des ungeborenen Lebens den verzweifelten Gedanken keimen l\u00e4sst, seine CDU w\u00e4re haarscharf davor, woke-infiziert in den Linksextremismus abzudriften. Folgerichtig trendet rund um die Parlamentsdebatte das Hashtag #BrosiusGersdorf. Ein Name, so zukunfstssexy wie Siemens-Nixdorf. Und selbst das klingt ja, als w\u00fcrde man Daten da noch auf Floppy-Disk abspeichern.<\/p>\n<p>Kritiktr\u00fcffelschwein Merz hat zuletzt aber noch weitere Themenflanken ge\u00f6ffnet, die wie ein Gegenwindmagnet zuverl\u00e4ssig prominente Stimmen aus allen Richtungen anlocken. Selbst FridaysForFuture meldet sich aus der Bedeutungs-Rekonvaleszenz zur\u00fcck, nachdem man beim spektakul\u00e4rsten Vereinswechsel des bisherigen Transfersommers den Abgang von Starspielerin Greta Thunberg verkraften musste. Die linke Fl\u00fcgelflitzerin entschied sich \u00fcberraschend f\u00fcr einen Wechsel zum mit Katar-Millionen handlungsf\u00e4hig gepimpten FC Antisemitismus und hinterlie\u00df Ratlosigkeit bei nicht wenigen Fans und Aktivisten. Die waren bislang davon ausgegangen, Thunberg ginge es um D\u00e4monisierung klimasch\u00e4dlicher Politik und nicht um die Israels. <\/p>\n<p>Rechnet man nun noch mit ein, dass auch Parteifreund Hendrik W\u00fcst (Ministerpr\u00e4sident von Nordrhein-Westfalen) ziemlich namenstreu (also w\u00fcst) mit der Merz-Strategie zum Themenbereich Stromsteuer umgeht, muss man kein Warren Buffett der Politik sein, um zu prognostizieren, dass der Fraktionshaussegen im Konrad-Adenauer-Haus schon mal wasserwaagenneutraler hing als derzeit. Aktuell wirkt Friedrich Merz themen- und lager\u00fcbergreifend so angeschlagen, es scheint nur eine Frage von Tagen, bis Jette Nietzard, die markant Kontroversen-s\u00fcchtige Sprecherin der Gr\u00fcnen Jugend, mit einem &#8222;ABAB&#8220;-Hoodie im Bundestag aufkreuzt (&#8222;All Bundeskanzlers are Bastards&#8220;). Welche Farbe besagter Hoodie haben wird, verrate ich hier dann kommende Woche. Bis dann! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Modisch gl\u00e4nzt das politische Berlin selten, Bundeskanzler Merz aber sticht zumindest mit Stilsicherheit hervor. 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