{"id":258629,"date":"2025-07-11T01:11:14","date_gmt":"2025-07-11T01:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/258629\/"},"modified":"2025-07-11T01:11:14","modified_gmt":"2025-07-11T01:11:14","slug":"wie-oft-denken-wir-wirklich-ans-essen-wissenswert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/258629\/","title":{"rendered":"Wie oft denken wir wirklich ans Essen? &#8211; Wissenswert"},"content":{"rendered":"<p>Fehlerhafte Datenerhebung und falsche Schlussfolgerung<\/p>\n<p>Nach Ansicht von Claassen und ihren Kollegen ist diese Schlussfolgerung jedoch nicht zutreffend und die Zahl 200 eigentlich \u201enichtssagend\u201c. Der Fehler liege schon im Studienkonzept: Menschen neigen dazu, h\u00f6here H\u00e4ufigkeiten anzugeben, wenn sie einzelne Aspekte einer allgemeinen Frage separat einsch\u00e4tzen sollen \u2013 zum Beispiel, ob jemand einen Oscar gewinnt oder ob er diesen Award in bestimmten Kategorien gewinnt. Durch diesen Subadditivit\u00e4tseffekt kamen in der Studie damals unrealistisch hohe Angaben zustande.<\/p>\n<p>Demnach spiegelt die hohe Zahl an \u00fcber 200 Essensentscheidungen keine empirische Realit\u00e4t wider, sondern ist ein Ergebnis dieses kognitiven Effekts, wie die MPI-Forscher erkl\u00e4ren. So f\u00fchrte letztlich eine fehlerhafte Datenerhebung zu irref\u00fchrenden Vorstellungen \u00fcber das Essverhalten in der Wissenschaft und Bev\u00f6lkerung.\n<\/p>\n<p>\u201eDiese Zahl vermittelt ein verzerrtes Bild davon, wie Menschen Entscheidungen \u00fcber ihre Nahrungsaufnahme treffen\u201c, sagt Claassen. \u201eVereinfachte Botschaften wie diese lenken davon ab, dass Menschen durchaus in der Lage sind, bewusste und fundierte Entscheidungen in Bezug auf ihr Essen zu treffen.\u201c\n<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnte man die wahre Zahl herausfinden?<\/p>\n<p>Doch wie oft denken wir wirklich \u00fcbers Essen nach? Und wie l\u00e4sst sich das sinnvoll und richtig untersuchen? \u201eUm das Essverhalten besser zu verstehen, m\u00fcssen wir besser verstehen, wie genau Entscheidungen getroffen werden und was sie beeinflusst\u201c, sagt Seniorautor Ralph Hertwig vom MPI f\u00fcr Bildungsforschung. \u201eDie Erhebungsmethode ist entscheidend und pr\u00e4gt die Ergebnisse\u201c, so sein Team.\n<\/p>\n<p>Claassen und ihre Kollegen schlagen daher vor, nicht nur einfach nach dem \u201ewas\u201c, \u201ewann\u201c und \u201ewie viel\u201c zu fragen, sondern solche Essensentscheidungen zuerst konkret und situationsabh\u00e4ngig zu definieren und erst dann mit Probanden zu untersuchen: Entscheiden wir uns zum Beispiel zwischen Salat und Pasta, zwischen einem Apfel und Tiramisu? Verzichten wir ganz auf eine Mahlzeit oder einen Gang? Entscheiden wir uns f\u00fcr ein vegetarisches statt ein fleischhaltiges Gericht? Und ist die Antwort eine andere, wenn wir in der Kantine oder mit der Familie essen? Wichtig sei dabei auch, nach dem \u201ewarum\u201c zu fragen: Hei\u00dft das Ziel \u201eabnehmen\u201c oder \u201enachhaltig essen\u201c?<\/p>\n<p>Da es bei diesen Fragen je nach Emotion und Kontext oft mehrere Antworten gibt, die gleichzeitig erfasst werden m\u00fcssen, pl\u00e4dieren die Forschenden daf\u00fcr, unser Essverhalten \u00fcber mehrere Methoden zu erfassen. K\u00fcnftige Forscher k\u00f6nnten beispielsweise nicht nur Testpersonen \u00fcber pr\u00e4zise Situationen befragen, sondern sie auch Tagebuch f\u00fchren lassen oder \u00fcber digitale Tracking-Tools wie Kameras, Kausensoren oder GPS-Sender verfolgen. Wo kauft der Mensch ein und wie sieht seine Umgebung beim Essen aus? Das w\u00fcrde helfen, den Kontext zu verstehen und die Ergebnisse der Frageb\u00f6gen erg\u00e4nzen.\n<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndnis hilft bei der Ern\u00e4hrung<\/p>\n<p>Solche aussagekr\u00e4ftigeren Studien nachzuholen ist wichtig, betont das Team. Denn wenn Menschen ihre eigenen Essensentscheidungen besser verstehen, k\u00f6nnen sie gesunde Ern\u00e4hrungsgewohnheiten im Alltag besser umzusetzen und ihre selbstgesetzten Ern\u00e4hrungsziele leichter erreichen.\n<\/p>\n<p>Eine eing\u00e4ngige, \u201emagische\u201c Zahl wird es daf\u00fcr aber wohl nicht geben, da sie die komplexe Realit\u00e4t nicht wiedergeben kann \u2013 und auch nicht hilfreich f\u00fcr pers\u00f6nliche Essensentscheidungen w\u00e4re. Denn wer sich von den m\u00f6glicherweise vielen unbewussten Entscheidungen abschrecken l\u00e4sst, traut sich selbst keine Entscheidung mehr zu, erkl\u00e4ren Claassen und ihre Kollegen. \u00c4hnlich ist dies bei Menschen, die ihre f\u00fcr die Gesundheit empfohlenen <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/medizin\/schon-zwei-wochen-faulsein-machen-schwach\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">10.000 Schritte am Tag<\/a> nicht schaffen und sich dann stattdessen gar nicht mehr bewegen und noch unges\u00fcnder leben als ohne diese unn\u00fctze <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/dossierartikel\/mogeln-gehoert-dazu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zahlenfixierung<\/a>.\u00a0\n<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir zwar \u00fcber Fitnesstracker und Co alle m\u00f6glichen Lebensstilparameter in Zahlen fassen und uns daran orientieren, unsere Essensentscheidungen jedoch nicht. (Appetite, 2025; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.appet.2025.107928\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">doi: 10.1016\/j.appet.2025.107928<\/a> \/ Environment and Behavior, 2007; <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/10.1177\/0013916506295573\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">doi: 10.1177\/0013916506295573<\/a>)\u00a0\n<\/p>\n<p>Quelle: Max-Planck-Institut f\u00fcr Bildungsforschung<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t<\/p>\n<p>11. Juli 2025\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Claudia Krapp<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fehlerhafte Datenerhebung und falsche Schlussfolgerung Nach Ansicht von Claassen und ihren Kollegen ist diese Schlussfolgerung jedoch nicht zutreffend&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":258630,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1834],"tags":[3364,29,2306,78777,5763,3688,78778,78779,30,1209,16921],"class_list":{"0":"post-258629","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-essen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-entscheidung","11":"tag-entscheidungsfindung","12":"tag-ernaehrung","13":"tag-essen","14":"tag-essensentscheidung","15":"tag-fixpunkt","16":"tag-germany","17":"tag-nordrhein-westfalen","18":"tag-zahl"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114831942294037265","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258629","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=258629"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258629\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/258630"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=258629"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=258629"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=258629"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}