{"id":259190,"date":"2025-07-11T06:16:12","date_gmt":"2025-07-11T06:16:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/259190\/"},"modified":"2025-07-11T06:16:12","modified_gmt":"2025-07-11T06:16:12","slug":"frankreich-wartet-seit-40-jahren-auf-einen-toursieger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/259190\/","title":{"rendered":"Frankreich wartet seit 40 Jahren auf einen Toursieger"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>Tourreporter<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 11.07.2025 07:15 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die siebte Etappe der Tour de France f\u00fchrt durch Yffiniac, den Heimatort von Bernard Hinault, dem letzten franz\u00f6sischen Toursieger. Seit 40 Jahren wartet Frankreich nun schon auf dessen Nachfolger. F\u00fcr junge franz\u00f6sische Radprofis ein enormer Druck.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.sportschau.de\/sendung\/reporter\/michael-ostermann,autor-michael-ostermann-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Michael Ostermann\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/michael-ostermann-100.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Ort wird besonders geschm\u00fcckt sein, wie alle Orte in Frankreich, durch die die Tour de France kommt. Voll wird es sein am Stra\u00dfenrand, es wird Tische, St\u00fchle, Speisen und Getr\u00e4nke geben &#8211; auch das wie \u00fcberall. Das Peloton wird auf der D712 von Osten her hineinfahren nach Yffiniac in der Bretagne und dann auf die D10 abbiegen Richtung Saint Brieuc.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n120,5 Kilometer sind es von Yffiniac noch bis ins Ziel und die meisten Fahrer werden keinen Gedanken an den Ort mit seinen knapp 5.000 Einwohnern verschwenden. Eine weitere Ortsdurchfahrt in Frankreich halt. Allenfalls der ein oder andere der 38 franz\u00f6sischen Radprofis im Feld wird wissen, dass sie historischen Grund befahren. Yffiniac ist der Heimatort von Bernard Hinault &#8211; das ewige Trauma des franz\u00f6sischen Radsports.<\/p>\n<p>    Hinault: &#8222;Sie haben keine Chance&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHinault, der in Yffiniac aufwuchs und mit dem Radsport begann, hat f\u00fcnf Mal die Tour de France gewonnen. Sein letzter Sieg datiert aus dem Jahr 1985, und es war gleichzeitig das letzte Mal, dass ein Franzose in Paris im Gelben Trikot auf dem Podium in Paris stand. Seit 40 Jahren wartet die Grande Nation auf einen Toursieg &#8211; eine Ewigkeit. Und eine Last f\u00fcr alle franz\u00f6sischen Radprofis, auch weil Hinault selbst immer wieder in der Wunde bohrt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Es ist eine schreckliche Feststellung, aber sie ist unvermeidlich: Es gibt in Frankreich keine gro\u00dfen Champions mehr, die die Tour gewinnen k\u00f6nnen&#8220;, sagte der mittlerweile 70 Jahre alte Hinault vor dem Start der Tour de France in der Sportzeitung L&#8217;Equipe. Die franz\u00f6sischen Fahrer h\u00e4tten keine gro\u00dfen Motoren mit 1000, sondern nur noch mit 750 Kubikzentimeter. &#8222;Sie tun zweifellos alles, um es zu schaffen, aber sie haben nicht die Ergebnisse und vor allem keine Chance, die Tour zu gewinnen.&#8220; <\/p>\n<p>    &#8222;Jeder franz\u00f6sische Fahrer kennt die L\u00fccke&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer zweimalige Weltmeister Julian Alaphilippe wurde sieben Jahre nach Hinaults letztem Sieg geboren. 2019 befl\u00fcgelte er die Fantasie der franz\u00f6sischen Radsportfans, als er sich nach der dritten Etappe der Tour das Gelbe Trikot \u00fcberstreifte und erst auf der 19. Etappe wieder abgab an den sp\u00e4teren Sieger Egan Bernal.&#8220;Jeder franz\u00f6sischer Fahrer kennt die L\u00fccke zwischen Bernard und heute&#8220;, erkl\u00e4rte Alaphilippe vor dem Start der Tour. Aber weder er, noch der n\u00e4chste franz\u00f6sische Toursieger werde sich damit besch\u00e4ftigen, sagt er.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch Guillaume Martin, 32, vom Team Groupama-FDJ, kennt die Diskussion um die lange Durststrecke und das Warten auf den n\u00e4chsten Hinault. Dem studierten Philosophen sind Hinaults Argumente zu d\u00fcnn. &#8222;Was bedeutet es, dass sie nicht die Mittel haben? Sie k\u00f6nnen die Tour nicht gewinnen, weil sie nicht stark genug sind. Das ist eine Tatsache, sonst w\u00fcrden sie die Tour gewinnen.&#8220; Martin verweist auf die Generationsunterschiede. &#8222;Man kann den Radsport von 40 Jahren nicht mit dem von heute vergleichen&#8220;, sagt er. Damals h\u00e4tten f\u00fcnf oder sechs gro\u00dfe Nationen um den Toursieg gek\u00e4mpft. &#8222;Heute haben wir einen globalisierten Radsport.&#8220;<\/p>\n<p>    Eine andere Zeit, ein anderer Radsport<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Hinaults Zeit f\u00e4llt der \u00dcbergang vom traditionellen von den Radsportnationen gepr\u00e4gten hin zu einem globalisierten und kommerzialisierten Radsport. Bei Hinaults erster Tour 1978 standen elf Teams am Start, darunter sechs Mannschaften aus Frankreich. Als er acht Jahre sp\u00e4ter zum letzten Mal zur Tour aufbrach waren es 21 Teams, darunter zwei aus Kolumbien und eins aus den USA. Der Sieger stammte aus Hinaults Team La Vie Claire: Nach einem teaminternen Zweikampf holte sich der US-Amerikaner Greg LeMond das Gelbe Trikot. Er war der erste Nicht-Europ\u00e4er, der die Tour gewann.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn diesem Jahr starteten 184 Fahrer in die Tour de France. Auch aus Asien, Afrika und Ozeanien sind Radprofis am Start. Zwar stellt Frankreich mit 38 Startern immer noch den gr\u00f6\u00dften Anteil, aber die Konkurrenz ist internationaler und damit gr\u00f6\u00dfer geworden. Hinzu kommt, die finanzst\u00e4rksten Teams stammen auch nicht aus dem Heimatland der Tour. Die franz\u00f6sischen Teams befinden sich auf der unteren \u00f6konomischen Stufe der World Tour und k\u00e4mpfen teilweise um ihre Zukunft wie etwa das Team Arkea-B&amp;B Hotels, das zur kommenden Saison einen neuen Hauptsponsor sucht.<\/p>\n<p>    Pinot und Bardet litten unter dem Druck<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch all diesen Entwicklungen zum Trotz, sucht Frankreich weiter nach dem n\u00e4chsten Hinault. Der Druck auf junge Fahrer ist enorm. Als der damals 22 Jahre alte Thibaut Pinot bei der Tour 2012 seinen ersten Etappensieg einfuhr, titelte die franz\u00f6sische Sportzeitung L&#8217;Equipe am n\u00e4chsten Tag: &#8222;Aber kann er auch die Tour gewinnen?&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n2016 stand er als Dritter auf dem Podium in Paris und 2019 sah es sogar aus, als k\u00f6nne Pinot es tats\u00e4chlich schaffen: Er war in der Form seines Lebens, bis ihn auf der 19. Etappe eine Knieverletzung stoppte. Vor zwei Jahren beendete er seine Karriere. Geliebt haben ihn seine Landsleute trotzdem. Und der eher zur\u00fcckhaltende Pinot bekannte zum Abschied: &#8222;Ich bin froh, die Tour nicht gewonnen zu haben. Ich wage gar nicht mir vorzustellen, was sonst los gewesen w\u00e4re.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00c4hnliche Erfahrungen machte Romain Bardet. Der Mann aus der Auvergne war so nah dran an einem Toursieg wie kein anderer Franzose in den vergangenen zehn Jahren. 2016 beendete er die Rundfahrt als Zweiter mit rund vier Minuten R\u00fcckstand auf den damaligen Sieger Christopher Froome. Auch Bardet hat seine Karriere k\u00fcrzlich beendet. Als er im vergangenen Jahr die erste Etappe der Tour gewann und einen Tag lang das Gelbe Trikot tragen durfte, wirkte er wie befreit: &#8222;Es ist das erste Mal, dass ich vor dem Start der Tour de France gel\u00e4chelt habe. Nicht im Gesamtklassement mitzufahren, nimmt mir enormen Druck.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Romain Bardet im Gelben Trikot bei der Tour de France 2024\n                    <\/p>\n<p>    Seixas und Vauquelin sind die n\u00e4chsten Hoffnungstr\u00e4ger<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer lastet jetzt auf anderen. Als gr\u00f6\u00dftes Talent des franz\u00f6ischen Radsports gilt der 18 Jahre alte Paul Seixas aus Lyon, der die Dauphin\u00e9-Rundfahrt im Juni auf Rang acht beendete und alles mitbringt, was einen guten Rundfahrer ausmacht. Seixas ist in diesem Jahr noch nicht dabei bei der Tour, doch die Erwartungen sind geweckt. &#8222;Er wird eine Menge Druck zu sp\u00fcren bekommen, der n\u00e4chste Hinault zu sein&#8220;, erkl\u00e4rte Warren Barguil, Gewinner des Bergtrikots bei der Tour 2017 und fr\u00fcher ebenfalls mal als m\u00f6glicher Nachfolger Hinaults gehandelt, dem Portal &#8222;The Athletic&#8220;. &#8222;Es ist immer das gleiche, wenn eine Reihe guter Erfolge hat &#8211; Hinault.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas bekommt in diesen Tagen auch Kevin Vauquelin zu sp\u00fcren. Der 24-J\u00e4hrige f\u00e4hrt sich gerade in die Herzen seiner Landsleute. Zuletzt wurde er Zweiter bei der Tour de Suisse. Vauquelin stammt aus Bayeux, dem Startort der sechsten Etappe. Und nach diesem Teilst\u00fcck und einem entfesseten Zeitfahren am Tag zuvor liegt er auf Rang vier der Gesamtwertung mit einer Minute R\u00fcckstand auf Mathieu van der Poel.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Bayeux war nat\u00fcrlich die Familie zu Besuch, der Papa, die Mama, der Bruder, die Freundin. Sie alle mussten Interviews geben und konnten es gar nicht fassen. &#8222;Das ist verr\u00fcckt, das ist wahnsinnig, wie leben einen Traum&#8220;, sagte Vauquelins Mutter Valerie. &#8222;Man kann es gar nicht glauben, dass so viele Journalisten da sind. Wir sind das nicht gewohnt, das ist ein komisches Gef\u00fchl.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nW\u00e4hrend Valerie Vauquelin sp\u00e4ter noch ein paar Tr\u00e4nen verdr\u00fcckte, war man in Vauquelins Team darum bem\u00fcht, den Hype irgendwie einzufangen. &#8222;Alle reden jetzt \u00fcber Hinault &#8211; Tatitata&#8220;, sagte der Sportliche Leiter des Teams Arkea-B&amp;B-Hotels, Yvon Landois, &#8222;aber es gibt nur einen Hinault. Und er hei\u00dft Kevin Vauquelin. Kevin steht am Anfang seiner Karriere. Er ist ein sehr guter Fahrer, aber muss noch viel beweisen und lernen, bevor er Anspruch auf den Sieg bei der Tour erheben kann.&#8220; So lange bleibt es bei jeder guten Leistung eines Franzosen: Hinault.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tourreporter Stand: 11.07.2025 07:15 Uhr Die siebte Etappe der Tour de France f\u00fchrt durch Yffiniac, den Heimatort von&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":259191,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,78917,548,663,3934,3980,156,13,14,15,9408,12,34902],"class_list":{"0":"post-259190","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-bernard-hinault","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-france","15":"tag-frankreich","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-radsport","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-tour-de-france"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114833141708675569","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259190","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=259190"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259190\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/259191"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=259190"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=259190"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=259190"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}