{"id":259417,"date":"2025-07-11T08:23:10","date_gmt":"2025-07-11T08:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/259417\/"},"modified":"2025-07-11T08:23:10","modified_gmt":"2025-07-11T08:23:10","slug":"eine-kleine-utopie-am-flussufer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/259417\/","title":{"rendered":"Eine kleine Utopie am Flussufer"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspAMht\">Das Heranwachsen ist im Grunde eine einzige Abfolge von Irritationen. Insofern erf\u00fcllt \u201eDer Fleck\u201c, das Regiedeb\u00fct von Willy Hans, das zentrale Kriterium eines Coming-of-Age-Films, auch wenn er ansonsten auf g\u00e4ngige Motive und Konflikte des Genres verzichtet. Stattdessen l\u00e4sst er sich auf die Momente ein, die gesch\u00e4tzte 90 Prozent des Alltags eines Teenagers kurz vor Beginn der Sommerferien ausmachen. Es ist ein Film der Launen und Stimmungen, viele von ihnen so diffus, dass sie zu immer wieder neuen Irritationen f\u00fchren. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/leute.tagesspiegel.de\/?utm_source=tagesspiegel.de&amp;utm_campaign=newsletter-signup&amp;utm_medium=website&amp;utm_content=link&amp;icid=single-topic_14002496___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBJk9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Newsletter f\u00fcr jeden Berliner Bezirk  Registrieren Sie sich hier kostenlos f\u00fcr unsere Newsletter aus den Berliner Bezirken <\/a><\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Das f\u00e4ngt schon mit der Entscheidung des 17-j\u00e4hrigen Simon (Leo Konrad Kuhn) an, ohne sichtlichen Anlass den Sportunterricht zu schw\u00e4nzen und sich auf den Weg zu machen. Irgendwohin, Hauptsache weg. Die Egal-Haltung wird durch ein falsch herum angezogenes T-Shirt, auf dem sp\u00e4ter noch ein Blutfleck landet, sch\u00f6n versinnbildlicht; die Distanz zur Umwelt wiederum durch ein paar blaue Augen, die vorsichtig unter einer Wuschelfrisur hervorblicken. So geht es an einen Fluss, wo der Nachbarsjunge Enes ein paar Freunde trifft. Simon kommt mit \u2013 freiwillig zwar, aber auch etwas willenlos.    <\/p>\n<p class=\"tspBEki\">Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p> An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgew\u00e4hlten, externen Inhalt, der den Artikel f\u00fcr Sie mit zus\u00e4tzlichen Informationen anreichert. Sie k\u00f6nnen sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. <\/p>\n<p> Externen Inhalt anzeigen <\/p>\n<p class=\"tspBEko\"> Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden.  Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Worum genau es in \u201eDer Fleck\u201c geht, ist letztlich nicht die entscheidende Frage, schon gar nicht an einem hei\u00dfen Sommertag. Die Kamera von Paul Spengemann, wie der Regisseur ein Sch\u00fcler <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/ich-versuche-bruche-sichtbar-zu-machen-5003545.html?icid=in-text-link_14002496\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der Berliner Filmemacherin Angela Schanelec<\/a>, saugt zun\u00e4chst die lethargische Energie am Flussufer auf, sie imitiert die neugierigen und herausfordernden Blicke der Teenager untereinander; manchmal wird gezwinkert, unter einer Decke geknutscht. Die Frage nach den Pl\u00e4nen f\u00fcr die Zeit nach Schule steht kurz im Raum, ohne zufriedenstellende Antwort. Ein Freund von einem aus Gruppe ist Krankenpfleger geworden. Aber die Zukunft ist an diesem Ort totaler Gegenw\u00e4rtigkeit keine reale Option.      <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">So wenig Zeit f\u00fcr die jugendliche Wahrnehmung eine ernsthafte Kategorie darstellt, so verschwenderisch geht auch \u201eDer Fleck\u201c mit dieser filmischen Ressource um. Eine weitere Irritation, ein Ball an Simons Kopf (beziehungsweise voll in die Kamera), l\u00f6st die n\u00e4chste Suchbewegung in Hans\u2019 Film aus. Simon und Marie (Alva Sch\u00e4fer), trotz ihrer blauen Haare alles andere als ein \u201eManic Pixie Girl\u201c, l\u00f6sen sich von der Gruppe und beginnen durch den Wald zu spazieren. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Und wie schon zuvor geht das gegenseitige Erkunden durch Blicke in einer Art \u00f6kologischen Emphase f\u00fcr die Natur auf, die aber nie zur \u00dcberh\u00f6hung f\u00fchrt. Denn auch das 16-mm-Filmmaterial entwickelt ein Eigenleben. \u00dcberbelichtungen, die Perforationen des Negativs zeichnen sich am Rand ab: Sie legen die Bildproduktion offen. Einmal taucht eine Klappe im Bild auf. Szene im Kasten. <\/p>\n<p> Mehr Kino im Tagesspiegel: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/die-ganze-welt-liebt-pedro-pascal-ich-bin-dein-cooler-versauter-daddy-13994111.html?icid=topic-list_14002496___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBJk9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die ganze Welt liebt Pedro Pascal  \u201eIch bin dein cooler, versauter Daddy\u201c <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/superman-in-der-krise-auf-den-hund-gekommen-13991675.html?icid=topic-list_14002496___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBJk9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Superman in der Krise Wenn der Held Eichh\u00f6rnchen vor einst\u00fcrzenden Wolkenkratzern rettet <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/britische-kinokomodie-the-ballad-of-wallis-island-fanliebe-kann-heilen-13964615.html?icid=topic-list_14002496___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBJk9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Britische Kinokom\u00f6die \u201eThe Ballad of Wallis Island\u201c Fanliebe kann heilen <\/a><\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Das Spielerische des filmischen Konzepts spiegelt sich im Rollenspiel der Jugendlichen, darum w\u00e4re es falsch, der Erforschung von Gr\u00e4sern, Insekten, Steinen und Moosen, den tanzenden Sonnenstrahlen in den Bl\u00e4ttern Eskapismus zu unterstellen. Die Bilder wirken eher dokumentarisch als poetisch. Denn sie halten einen Zwischenzustand fest (und testen seine Strapazierf\u00e4higkeit), in dem die Jugendliche noch \u00fcber die Autonomie verf\u00fcgen, sich nicht als voll funktionst\u00fcchtige Subjekte der Gesellschaft identifizieren zu m\u00fcssen. <\/p>\n<p class=\"tspAMht\">Er f\u00e4ngt ihre rohe Sprache, ihre unartikulierten Gef\u00fchle ein. Ein Flussufer in einem Waldst\u00fcck, abseits der Betonstrukturen, die die Welt der Eltern verfassen, ist der logische Ort f\u00fcr diese Utopie. Auch wenn im Unterholz sich auch schon der M\u00fcll der Zivilisation ausbreitet. Der 43-j\u00e4hrige Willy Hans hat einen der definitiven Filme \u00fcber die Jugend gemacht \u2013 ohne ihr Geheimnis preiszugeben.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Heranwachsen ist im Grunde eine einzige Abfolge von Irritationen. 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