{"id":259431,"date":"2025-07-11T08:30:11","date_gmt":"2025-07-11T08:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/259431\/"},"modified":"2025-07-11T08:30:11","modified_gmt":"2025-07-11T08:30:11","slug":"27-millionen-tonnen-nanoplastik-allein-im-nordatlantik-plastikverschmutzung-der-meere-ist-noch-groesser-als-bisher-angenommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/259431\/","title":{"rendered":"27 Millionen Tonnen Nanoplastik &#8211; allein im Nordatlantik &#8211; Plastikverschmutzung der Meere ist noch gr\u00f6\u00dfer als bisher angenommen"},"content":{"rendered":"<p>Dann folgte die Fahndung nach dem Nanoplastik. Daf\u00fcr filterten die Forschenden zun\u00e4chst alle Partikel gr\u00f6\u00dfer als ein Mikrometer aus den Proben heraus. Dann trockneten und erhitzten das \u00dcbrigbleibende und analysierte seine Zusammensetzung mithilfe einer Kombination von Protonentransfer-Reaktions-Massenspektrometrie (PTR-MS) mit thermischer Desorption (TD). \u201eDa jedes Polymer dabei einen eigenen chemischen Fingerabdruck erzeugt, lassen sich Identit\u00e4t und Konzentration sehr gut ermitteln\u201c, erkl\u00e4rt Co-Erstautor Du\u0161an Materi\u0107 vom Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung in Leipzig.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/n\/a\/nanoplastik2g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/n\/a\/nanoplastik2g.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/n\/a\/nanoplastik2g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/n\/a\/nanoplastik2g.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-303551\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/nanoplastik2g-300x201.jpg\" alt=\"Probenstellen\" width=\"300\" height=\"201\"  \/><\/a>Nanoplastik war an allen Probenstellen nachweisbar \u2013 vom europ\u00e4ischen Kontinentalschelf (grau) bis zum Nordatlantischen Str\u00f6mungswirbel (NASG). \u00a9 ten Hietbrink et al.\/ Nature,<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC-by 4.0<\/a><br \/>\n\u00dcberall pr\u00e4sent<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wurde das Team f\u00fcndig: Die Analysen wiesen in allen zw\u00f6lf Messstellen Nanoplastik im Meerwasser des Nordatlantiks nach. Besonders hoch war die Konzentration im Oberfl\u00e4chenwasser und in den k\u00fcstennahen Bereichen auf dem europ\u00e4ischen Kontinentalschelf. Dort enthielten die Proben im Schnitt 25 Milligramm pro Kubikmeter Meerwasser. \u201eDies liegt daran, dass das Nanoplastik zum einen aus der Atmosph\u00e4re auf die Meeresoberfl\u00e4che gelangt und zum anderen, dass viel Plastik \u00fcber die M\u00fcndungsbereiche von Fl\u00fcssen eingetragen wird\u201c, erkl\u00e4rt Materi\u0107.\n<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt der Nanoplastik-Kontamination liegt im subtropischen Str\u00f6mungswirbel des Nordatlantiks \u2013 einem Meeresgebiet, in dem sich auch besonders viel Mikro- und Makroplastik sammelt. Dort fand das Team in Wasser aus tausend Meter Tiefe eine fast doppelt so hohe Nanoplastikkonzentration wie au\u00dferhalb des Wirbels\u2013 im Schnitt rund 13,5 Milligramm pro Kubikmeter gegen\u00fcber 7,5 Milligramm au\u00dferhalb.\n<\/p>\n<p>Zwei Plastiksorten fehlen \u2013 noch<\/p>\n<p>Die Analysen zeigte auch, aus welchen Kunststoffen das marine Nanoplastik besteht. Wenig \u00fcberraschend dominierten dabei Plastiksorten wie Polyethylenterephthalat (PET), Polystyrol (PS) und Polyvinylchlorid (PVC) \u2013 Kunststoffe, die auch in unserem Alltag h\u00e4ufig sind. Sie finden sich beispielsweise in Plastikflaschen, Verpackungsfolien oder Plastikgeschirr. PET-Nanopartikel waren sogar noch bis in 4500 Meter Tiefe nachweisbar.\n<\/p>\n<p>Unerwartet war jedoch, dass einige h\u00e4ufige Plastiksorten fehlten: Ten Hietbrink und ihre Kollegen konnten an keiner Messstelle Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) nachweisen. Diese Kunststoffe werden beispielsweise in M\u00fclls\u00e4cken und Plastikt\u00fcten verwendet. \u201eEs gibt sehr viel PE\/PP-Mikroplastik an der Meeresoberfl\u00e4che, aber wir fanden keine Nanopartikel davon\u201c, berichtet Materi\u0107.<\/p>\n<p>Das bedeutet aber nicht, dass es dieses Nanoplastik im Ozean nicht gibt. Stattdessen vermuten die Forschenden, dass diese Kunststoff-Sorten beim Zerfallen molekular so stark ver\u00e4ndert werden, dass ihre Analysemethode sie nicht mehr erkennt. Denkbar w\u00e4re auch, dass dieses Nanoplastik besonders stark an organische oder mineralische Partikel im Meerwasser bindet und dadurch in den Proben unentdeckt blieb, wie ten Hietbrink und ihre Kollegen erkl\u00e4ren.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/n\/a\/nanoplastik3g-1.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/n\/a\/nanoplastik3g-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/n\/a\/nanoplastik3g-1.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/n\/a\/nanoplastik3g-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-303552\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/nanoplastik3g-1-300x201.jpg\" alt=\"Nanoplastik-Konzentrationen\" width=\"300\" height=\"201\"  \/><\/a>Mittlere Nanoplastik-Konzentrationen in verschiedenen Bereichen des Nordatlantiks. \u00a9 ten Hietbrink et al.\/ Nature,<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC-by 4.0<\/a>\n<\/p>\n<p>Mehr Nanoplastik als gesamter anderer Kunststoffm\u00fcll<\/p>\n<p>Auf Basis ihrer Messdaten hat das Team hochgerechnet, wie viel Nanoplastik insgesamt im Nordatlantik vorhanden sein k\u00f6nnte. Das Ergebnis: Allein dieser Teil des Ozeans k\u00f6nnte rund 27 Millionen Tonnen Nanoplastik enthalten \u2013 das ist mehr als f\u00fcr Mikro- und Makroplastik im gesamten Atlantik gesch\u00e4tzt. \u201eEine schockierende Menge\u201c, sagt Ten Hietbrink. Die Verschmutzung der Meere mit Plastik sei demnach gravierender als angenommen. Denn in fr\u00fcheren Sch\u00e4tzungen wurde Nanoplastik nicht ber\u00fccksichtigt.\n<\/p>\n<p>Jetzt zeigt sich: Nanoplastik k\u00f6nnte sogar den L\u00f6wenanteil der gesamten Plastikverschmutzung der Ozeane ausmachen. \u201eDiese Sch\u00e4tzung legt nahe, dass mehr Plastik in Form von Nanoplastik in diesem Teil des Ozeans schwimmt als gr\u00f6\u00dfere Mikro- oder Makroplastikteilchen im Atlantik oder sogar in allen Weltmeeren zusammen\u201c, sagt Seniorautor Helge Niemann vom K\u00f6niglich Niederl\u00e4ndischen Institut f\u00fcr Meeresforschung.\n<\/p>\n<p>Gefahr f\u00fcr die marine Lebenswelt?<\/p>\n<p>Nach Ansicht des Forschungsteams ist das Ausma\u00df der Nanoplastik-Kontamination im Meer ein Grund zur Besorgnis. \u201eEs ist bereits bekannt, dass Nanoplastik tief in unseren K\u00f6rper eindringen kann. Sogar im Gehirngewebe wurde es nachgewiesen\u201c, sagt Niemann. \u201eDa wir nun wissen, dass diese Nanopartikel im Ozean allgegenw\u00e4rtig sind, ist es auch offensichtlich, dass sie das gesamte \u00d6kosystem durchdringen \u2013 von Bakterien und anderen Mikroorganismen bis hin zu Fischen und Top-Pr\u00e4datoren wie uns Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Welche Folgen dies f\u00fcr die marine Lebenswelt hat, muss nun erforscht werden. Gleichzeitig pl\u00e4dieren die Forschenden auch f\u00fcr eine effektivere Bek\u00e4mpfung der Plastikflut: \u201eDas Nanoplastik, das bereits im Meer ist, l\u00e4sst sich nie wieder entfernen\u201c, sagt Niemann. \u201eEine wichtige Botschaft unserer Studie ist daher: Wir m\u00fcssen zumindest die weitere Verschmutzung unserer Umwelt mit Plastik verhindern.\u201c (Nature, 2025 ;<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-025-09218-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> doi: 10.1038\/s41586-025-09218-1<\/a>)\n<\/p>\n<p>Quelle: Nature, Royal Netherlands Institute for Sea Research, Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung\n<\/p>\n<p>\u00a0<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t<\/p>\n<p>10. Juli 2025\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dann folgte die Fahndung nach dem Nanoplastik. 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