{"id":259563,"date":"2025-07-11T09:39:32","date_gmt":"2025-07-11T09:39:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/259563\/"},"modified":"2025-07-11T09:39:32","modified_gmt":"2025-07-11T09:39:32","slug":"meret-oppenheim-bei-hauser-wirth-in-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/259563\/","title":{"rendered":"Meret Oppenheim bei Hauser &#038; Wirth in Basel"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">W\u00e4re Meret Oppenheim von Gesch\u00e4ftssinn geleitet gewesen, h\u00e4tte sie sich auf ewig als Pelztassentante vermarktet. Nach dem ber\u00fchmten \u201eObjekt\u201c aus dem Jahr 1936, f\u00fcr das sie als junge K\u00fcnstlerin unter den Surrealisten in Paris, inspiriert von einem launigen Austausch mit Pablo Picasso und Dora Maar, ein Kaffeehausgedeck mit Gazellenpelz \u00fcberzog und das noch im selben Jahr vom Museum of Modern Art in New York gekauft wurde, h\u00e4tte sie ein haariges Ding nach dem anderen produzieren k\u00f6nnen. Doch solches Kalk\u00fcl lag der 1913 in Berlin geborenen deutsch-schweizerischen K\u00fcnstlerin fern. Sie hatte anderes im Sinn: \u201eDie Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen\u201c, lautet ein Zitat von ihr.<\/p>\n<p>Emanzipiert, ohne mit der Wimper zu zucken<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Von dieser Freiheit im k\u00fcnstlerischen Ausdruck zeugt die kleine, feine Retrospektive, die zur Zeit in den R\u00e4umen der Galerie Hauser &amp; Wirth in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Basel\" data-rtr-id=\"9b65b647fc5758bb92f4aea1e0d58b653c229e42\" data-rtr-score=\"59.945330296127565\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/thema\/basel\" title=\"Basel\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Basel<\/a> zu sehen ist. Da schaut einem \u00fcber die Flucht zweier R\u00e4ume hinweg gleich beim Eintreten eine Dauerbetrachtete entgegen, als wollte sie die Blickgewalt an sich rei\u00dfen: \u201eDas Auge der Mona Lisa\u201c malte Meret Oppenheim 1967, ein halbes Jahrhundert, nachdem der mit Surrealismus und Dadaismus verbundene, als Vater des Ready-mades gefeierte Marcel Duchamp seine Gioconda mit Schnurrbart geschaffen hatte. Heimlich waren Duchamp und sie f\u00fcr eine kurze Weile ein Liebespaar.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Umdeutung des Mythos\u2019: Meret Oppenheim,  \u201eDaphne und Apoll\u201c, 1943, \u00d6l auf Leinwand, 140 mal 80 Zentimeter\" height=\"3000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/umdeutung-des-mythos-meret.jpg\" width=\"1902\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Umdeutung des Mythos\u2019: Meret Oppenheim,  \u201eDaphne und Apoll\u201c, 1943, \u00d6l auf Leinwand, 140 mal 80 Zentimeter2025, ProLitteris, Zurich<a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Meret Oppenheim\" data-rtr-id=\"a29f8cbd712dd99d31c5980d3df9970199986013\" data-rtr-score=\"814.5129840546697\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/meret-oppenheim\" title=\"Meret Oppenheim\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Meret Oppenheims<\/a> kleinformatiges Augenbild in \u00d6l ist eine Reminiszenz an ihre Zeit als \u201eMuse\u201c von Surrealisten wie Man Ray, der sie 1933 nackt an einer Druckerpresse inszenierte, demonstriert aber vor allem ihre F\u00e4higkeit zur emanzipatorischen Subversion: Ein vertrautes Bildelement wird isoliert zu etwas Unheimlichem, das Autonomie ausstrahlt. Das Detail aus Leonardos ikonischem Bild erinnert an das Symbol des Auges Gottes. Doch anders als in der patriarchal gepr\u00e4gten christlichen Ikonographie \u00fcbt bei Meret Oppenheim ein weibliches Auge Macht aus. Der feministisch umgelenkte Blick der Mona Lisa folgt einem in der Ausstellung \u00fcberall hin.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Insgesamt 24 Arbeiten sind versammelt, Zeichnungen, Gem\u00e4lde und Objekte vor allem aus Privatsammlungen, darunter K\u00e4ufliches in einer Preisspanne von 75.000 bis 800.000 Franken. Das fr\u00fcheste Werk, \u201eErlk\u00f6nigin\u201c von 1940, deutet im Bild Goethes naturmagisches Gedicht vom kindermordenden Erlk\u00f6nig weiblich um; das sp\u00e4teste, \u201eDie Spirale\u201c aus Bronze und Glas von 1977, versinnbildlicht den Kreislauf des Werdens und Vergehens.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Schlanke Sch\u00f6nheit: Meret Oppenheim, \u201eLa Dame Bleue\u201c, 1963, geschnitztes und bemaltes Holz, H\u00f6he 110 Zentimeter\" height=\"3000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/schlanke-schoenheit-meret.jpg\" width=\"2001\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Schlanke Sch\u00f6nheit: Meret Oppenheim, \u201eLa Dame Bleue\u201c, 1963, geschnitztes und bemaltes Holz, H\u00f6he 110 Zentimeter2025, ProLitteris, Z\u00fcrich<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Zwischen Abstraktion und Figuration hat Meret Oppenheim sich einen eigenen Weg gebahnt, ob kurz nach ihrer Ankunft 1932 in Paris mit ihrer Freundin Ir\u00e8ne Zurkinden (der die Kulturstiftung Basel H. Geiger bis 7. September eine Ausstellung widmet), w\u00e4hrend einer Schaffenskrise, die sie mit einer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Basel \u00fcberbr\u00fcckte oder in ihrem weit gef\u00e4cherten sp\u00e4teren Werk. Sie dichtete und entwarf M\u00f6bel, Schmuck, Kleidung oder Brunnen, schuf Objekte, malte, zeichnete. Die Vielfalt ihres Lebenswerks, das sie bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 1985 verfolgte, kann die Kabinettausstellung nicht abbilden, aber exemplarisch seine Reichhaltigkeit zeigen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-af81c750=\"\" data-v-439309db=\"\">Immer wieder geht es um Blickwechsel: Der \u201eTierk\u00f6pfige D\u00e4mon\u201c von 1961 aus einer Standuhr, die von einem Keil durchbohrt wird, scheint Ren\u00e9 Magrittes Gem\u00e4lde \u201eDie durchbrochene Zeit\u201c zu reflektieren; eine \u201eMondlandschaft\u201c von 1963 weckt Assoziationen an Max Ernst \u2013 auch er ein fr\u00fcherer Geliebter. Wolkenbilder oder eine bislang nur in Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen bekannte Holzskulptur \u201eLa dame bleue\u201c von 1963 weisen in andere Richtungen. Und ein Pelzobjekt gibt es dann doch, wie zum reinen Vergn\u00fcgen: das \u201eEichh\u00f6rnchen\u201c von 1970 aus einem Bierkrug.<\/p>\n<p><strong>\u201eMeret Oppenheim\u201c<\/strong>, Hauser &amp; Wirth, Basel, bis 19. Juli <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4re Meret Oppenheim von Gesch\u00e4ftssinn geleitet gewesen, h\u00e4tte sie sich auf ewig als Pelztassentante vermarktet. Nach dem ber\u00fchmten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":259564,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-259563","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114833940885571518","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259563","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=259563"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259563\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/259564"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=259563"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=259563"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=259563"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}