{"id":260223,"date":"2025-07-11T15:38:14","date_gmt":"2025-07-11T15:38:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/260223\/"},"modified":"2025-07-11T15:38:14","modified_gmt":"2025-07-11T15:38:14","slug":"trumps-zollpolitik-folgt-der-us-praesident-doch-einem-plan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/260223\/","title":{"rendered":"Trumps Zollpolitik: Folgt der US-Pr\u00e4sident doch einem Plan?"},"content":{"rendered":"<p> <img class=\"image authors__image\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/pache-timo.jpg\" alt=\"Timo Pache\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n Die Zoll- und W\u00e4hrungspolitik des amerikanischen Pr\u00e4sidenten scheinen chaotisch. Doch es spricht viel daf\u00fcr, dass seine Regierung einer klaren Idee folgt \u2013 und damit auch schon vorankommt\n <\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Wenn es um Donald Trump geht, gibt es grob gesagt zwei Lager \u2013 so auch bei uns in der Redaktion von Capital. Das eine Lager, eindeutig das gr\u00f6\u00dfere, h\u00e4lt Trump f\u00fcr einen ziemlichen Chaoten, frei von jedweden \u00dcberzeugungen und Prinzipien. Entscheidungen trifft er mehr oder weniger aus dem Bauch heraus, stets seinem Instinkt und der Aussicht auf den gr\u00f6\u00dften Gewinn folgend. Und jede Entscheidung ist f\u00fcr ihn ein neues Spiel, in dem es jedes Mal darum geht, f\u00fcr sich oder sein Land den gr\u00f6\u00dften Nutzen rauszuschlagen \u2013 es gibt bei ihm keinen \u00fcbergeordneten Plan und keine Strategie.<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Unbestreitbar hat dieses Lager viele gute Argumente auf seiner Seite, daf\u00fcr muss man sich nur die j\u00fcngsten Nachrichten aus Washington anschauen: Nachdem es wochenlang so ausgesehen hatte, als lasse Trump von seinen Horrorz\u00f6llen ab, zieht er sie jetzt wieder aus der Schublade. 50 Prozent f\u00fcr Brasilien, 25 Prozent f\u00fcr Japan, 35 Prozent f\u00fcr Kanada \u2013 und sicher ist auch die EU bald dran. Daf\u00fcr will er nun doch wieder Waffen in die Ukraine liefern, vielleicht \u2013 man wei\u00df es noch nicht so genau. Es gibt keine Linie, Trump hangelt sich von Tag zu Tag, und mit ihm die ganze Welt.<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Das andere, sehr viel kleinere Lager, mag die Lesart von Chaos und Prinzipienlosigkeit nicht einfach akzeptieren. Es sucht nach Mustern und Argumenten quasi in der zweiten und dritten Reihe der Administration, die das Hin und Her doch plausibel machen. Nicht, dass einen der vielleicht doch vorhandene Masterplan dann besonders hoffnungsfroh stimmen w\u00fcrde. Die Vertreter dieses Lagers wirken mit ihrer Sinnsuche oft etwas verzweifelt, so als wollten sie einfach nicht glauben, dass die wichtigste Milit\u00e4r- und Wirtschaftsnation der Erde in den Status einer Bananenrepublik abgleitet.<\/p>\n<p> Chaos als Mittel der Erpressung<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Das t\u00e4gliche Zollchaos oder auch Trumps offensichtliche Erpressungen gegen\u00fcber den wichtigsten milit\u00e4rischen Verb\u00fcndeten sind demnach Teil einer offen feindlichen Verhandlungsstrategie, um f\u00fcr die USA an anderen Stellen vorteilhafte Gesch\u00e4fte herauszuholen: Auftr\u00e4ge f\u00fcr die US-R\u00fcstungsindustrie etwa, Zugang zu seltenen Rohstoffen, oder Zugest\u00e4ndnisse der wichtigsten Gl\u00e4ubigerstaaten beim Schuldendienst \u2013 die Liste von Trumps m\u00f6glichen Interessen kann sehr lang werden. Chaos als Mittel der Erpressung, um am Ende ganz andere Dinge durchzusetzen, ganz abwegig klingt auch dieser Ansatz nicht.<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Ich gebe zu, dass ich eine gewisse Sympathie f\u00fcr das zweite Lager habe. Wahrscheinlich, weil auch ich nicht glauben will, dass ein Land wie die USA nun von einem Haufen planloser Chaoten gef\u00fchrt wird. Und weil der zweite Ansatz einen eher dazu anh\u00e4lt, stets ein paar Schritte weiterzudenken \u2013 w\u00e4hrend man sich im ersten Lager eigentlich nur noch def\u00e4tistisch ergeben kann, weil die Dinge unter Trump ohnehin immer unkalkulierbar sind.<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> In diesem Zusammenhang sind mir in den vergangenen Tagen ein interessanter Gedanke und ein spannender Befund begegnet, die meines Erachtens in deutschen Medien bisher zu wenig Beachtung finden.<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Dem Gedanken hat sich k\u00fcrzlich mein Kollege Stefan Schaaf in Frankfurt gewidmet, er stammt von George Saravelos, einem leitenden \u00d6konomen der Deutschen Bank. In einem Diskussionspapier hat Saravelos k\u00fcrzlich noch einmal den im Fr\u00fchjahr viel diskutierten Mar-a-Lago-Accord aufgegriffen und <a data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/geld-versicherungen\/wie-trumps--pennsylvania-plan--den-dollar-weiter-schwaechen-koennte-35839440.html\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">setzt diesem nun den \u201ePennsylvania-Plan\u201c entgegen<\/a>. Im Kern, sagt Saravelos, sei der Mar-a-Lago-Plan gescheitert \u2013 er sah vor, durch hohe Importz\u00f6lle f\u00fcr andere Handelspartner sowie Chaos und Unsicherheit in der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik gro\u00dfen ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubigern Zugest\u00e4ndnisse beim US-Schuldendienst abzupressen. Ohne dabei den Status des Dollars als Leitw\u00e4hrung f\u00fcr die Welt zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p> Klassische Form der finanziellen Repression<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> \u201eVergesst Mar-a-Lago\u201c, schreibt Saravelo nun, der neue Plan von Trumps Strategen und Helfern im US-Finanzministerium bestehe nun darin, ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubiger bewusst zu vergraulen und die immer gr\u00f6\u00dferen US-Staatsschulden \u2013 \u00e4hnlich wie in Italien oder Japan \u2013 gr\u00f6\u00dftenteils bei inl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubigern wie Banken, Versicherungen und Pensionsfonds unterzubringen. Die Macht dazu h\u00e4tte die US-Regierung, sie m\u00fcsste Banken und Versicherungen zum Beispiel nur vorschreiben, mehr US-Anleihen in ihre B\u00fccher zu nehmen. Es w\u00e4re eine klassische Form der finanziellen Repression.<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Vor einigen Wochen haben wir bei Capital den bekannten US-\u00d6konomen Kenneth Rogoff <a data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/kenneth-rogoff---das-schlimmste-kommt-erst-noch--31932750.html\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">genau nach dieser M\u00f6glichkeit befragt<\/a>. Er sagte darauf: \u201eNa ja, Japan hat es ja vorgemacht: Die Regierung dort hat Banken, Pensionsfonds und Versicherungen gezwungen, hohe Best\u00e4nde an japanischen Anleihen zu halten. (\u2026) Ich f\u00fcrchte, so eine Phase droht uns in den USA jetzt auch.\u201c<\/p>\n<p> <img class=\"image teaser__image\"   title=\"Die Pressesprecherin des Wei\u00dfen Hauses, Karoline Leavitt, zeigt einen Brief von US-Pr\u00e4sident Donald Trump.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/535042061.jpg\" alt=\"Die Pressesprecherin des Wei\u00dfen Hauses, Karoline Leavitt, zeigt einen Brief von US-Pr\u00e4sident Donald Trump.\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/www.capital.de\/geld-versicherungen\/trumps-zoelle--6-gruende--warum-sie-an-den-boersen-noch-ignoriert-werden-35877912.html\" class=\"teaser__link js-embedded-teaser teaser__link--overlay\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n Aktienmarkt<br \/>\n Sechs Gr\u00fcnde, warum Investoren Trumps Z\u00f6lle noch ignorieren<\/p>\n<p> <\/a><br \/>\n 08.07.2025<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump droht erneut mit der Zollkeule, doch Investoren bleiben anders als zum \u201eLiberation Day\u201c im April gelassen. Den M\u00e4rkten droht dennoch ein unruhiger Sommer, warnt ein bekannter Experte.<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Der zweite Befund kam mir unter, als wir vor einigen Tagen in der Redaktion die Folgen von Trumps \u201eOne big beautiful bill\u201c diskutierten, dem gro\u00dfen Steuersenkungs-, Ausgaben-\u00a0 und Sparprogramm, das am vergangenen Wochenende von Trump feierlich ins Werk gesetzt wurde. In hiesigen Medien ist vor allem von den gewaltigen Defiziten die Rede, die Trumps Mega-Paket produzieren wird \u2013 die Sch\u00e4tzungen schwanken zwischen 3 und 4 Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren. Sie kommen obendrauf auf einen Schuldenberg, der schon heute bei schwindelerregenden 36 Billionen Dollar liegt. Und das alles in einer Zeit, in der die US-Wirtschaft bis vor kurzem noch sehr robust wuchs und der Arbeitsmarkt ziemlich leergefegt ist.<\/p>\n<p> <img class=\"image list-element__image\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1744394186_635_bildschirmfoto-2025-01-15-um-09-26-44.png\" alt=\"\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p><strong>&gt;&gt; Die Woche \u2013 Newsletter <\/strong><\/p>\n<p>Das wichtigste Thema der Woche aus Wirtschaft, Finanzen und Politik \u2013 pointiert eingeordnet von Capital-Chefredakteur Timo Pache. Immer freitags, kostenlos und mit vielen Lese-Tipps zu den besten Capital-Geschichten der Woche.<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" class=\"link--external\" href=\"http:\/\/eepurl.com\/c9gb4L\" rel=\"nofollow noopener\">Hier k\u00f6nnen Sie den Newsletter abonnieren<\/a><\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Allerdings, was in Europa oft untergeht, <a data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/donald-trumps--big-beautfiful-bill---es-ist-nicht-alles-schlecht-35865972.html\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">ist die andere Seite von Trumps Politik<\/a> \u2013 und das sind jenseits gro\u00dfer Wachstumshoffnungen vor allem die zus\u00e4tzlichen Einnahmen f\u00fcr die Regierung durch die neuen Z\u00f6lle. In den ersten Monaten von Trumps neuer Amtszeit (und in der Zeit galten ja vor allem die reduzierten Importtarife) stiegen die t\u00e4glichen (!) Zolleinnahmen auf bis zu 600 Mio. Dollar. Das w\u00e4ren, wenn alles so bliebe, fast 200 Milliarden Dollar im Jahr. Sollten demn\u00e4chst doch wieder h\u00f6here Z\u00f6lle greifen \u2013 und genau danach sieht es ja im Moment f\u00fcr viele Staaten aus \u2013 <a class=\"link--external\" href=\"https:\/\/www.apolloacademy.com\/is-trump-a-genius\/?utm_medium=email&amp;utm_source=pardot&amp;utm_id=701Dp00000017sOIAQ&amp;utm_campaign=EXT_Daily+Spark\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">k\u00f6nnten die Mehreinnahmen noch h\u00f6her ausfallen<\/a>. Und das zus\u00e4tzliche Geld, das die Z\u00f6lle in Trumps Kasse sp\u00fclen, wird einen Gutteil der Kosten aus seinem \u201esch\u00f6nen gro\u00dfen Gesetz\u201c wieder ausgleichen.<\/p>\n<p class=\"text-element u-richtext u-typo u-typo--article-text article__text-element text-element--context-article\">\n<p> Z\u00f6lle rauf, Steuern runter \u2013 offiziell will er so Industriejobs ins Land zur\u00fcckholen. Dass ihm das gelingt, ist \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich. Stattdessen ist diese Politik eine massive Umverteilung von unten nach oben. Man kann diese Politik hochgradig ungerecht oder politisch geradezu tollk\u00fchn finden \u2013 aber sie ist ziemlich genau das, was Trump im Wahlkampf immer versprochen hat. Was wiederum daf\u00fcr spricht, nicht alles bei Trump f\u00fcr Chaos und Planlosigkeit zu halten.<\/p>\n<p> #Themen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Zoll- und W\u00e4hrungspolitik des amerikanischen Pr\u00e4sidenten scheinen chaotisch. 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