{"id":260676,"date":"2025-07-11T19:40:20","date_gmt":"2025-07-11T19:40:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/260676\/"},"modified":"2025-07-11T19:40:20","modified_gmt":"2025-07-11T19:40:20","slug":"was-bringt-der-franzoesisch-britische-migrationspakt-dw-11-07-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/260676\/","title":{"rendered":"Was bringt der franz\u00f6sisch-britische Migrationspakt? \u2013 DW \u2013 11.07.2025"},"content":{"rendered":"<p>Die Pressekonferenz zum Abschluss des franz\u00f6sischen Staatsbesuchs in Gro\u00dfbritannien zeigte, wie weit die Priorit\u00e4ten bei der bilateralen Zusammenarbeit auseinanderklaffen. &#8222;Illegale Einwanderung stellt eine weltweise Krise dar&#8220;, sagte Gro\u00dfbritanniens Premierminister <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/keir-starmer\/t-69583993\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Keir Starmer<\/a> zu Beginn seiner Ansprache auf dem Londoner Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt Northwood. Er k\u00fcndigte ein &#8222;bahnbrechendes R\u00fcckf\u00fchrungs-Pilotprogramm&#8220; an. Die Vereinbarung soll es den Briten erm\u00f6glichen, Migranten, die in kleinen Booten nach <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/gro\u00dfbritannien\/t-17786217\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gro\u00dfbritannien<\/a> kommen und kein Recht auf Asyl haben, nach <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/frankreich\/t-17518447\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a> zur\u00fcckzuschicken.\u00a0Im Gegenzug will Gro\u00dfbritannien genauso viele Migranten aus Frankreich aufnehmen, die bleiben d\u00fcrfen &#8211; wegen ihrer Staatsangeh\u00f6rigkeit oder weil sie Recht auf Familienzusammenf\u00fchrung haben.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/emmanuel-macron\/t-38664576\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Emmanuel Macron<\/a> jedoch sprach zun\u00e4chst \u00fcber alle anderen Themen des Treffens: nukleare Zusammenarbeit, Verteidigung, den Angriffskrieg in der Ukraine, den Mittleren Osten. Auch\u00a0die wirtschaftliche Kooperation sprach er an &#8211; neun Jahre, nachdem Gro\u00dfbritannien den Brexit beschloss und damit\u00a0entschied, die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europ\u00e4ische-union\/t-17281096\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ische Union<\/a>\u00a0(EU) zu verlassen.<\/p>\n<p>\u00dcberfahrt \u00fcber den \u00c4rmelkanal &#8211; so viele Migranten wie nie zuvor<\/p>\n<p>Erst dann erw\u00e4hnte Macron die neue Vereinbarung, die\u00a0nach juristischer Pr\u00fcfung\u00a0in den n\u00e4chsten Wochen in Kraft treten soll. Den <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/brexit\/t-19064907\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brexit<\/a> machte er dabei f\u00fcr den Anstieg der illegalen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/flucht-und-migration\/t-18092312\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Migration<\/a> \u00fcber den \u00c4rmelkanal mitverantwortlich: &#8222;Seitdem hat Gro\u00dfbritannien kein Migrationsabkommen mehr mit der EU &#8211; die aktuelle Situation erh\u00f6ht also den Reiz, den \u00c4rmelkanal zu \u00fcberqueren&#8220;, so Macron.<\/p>\n<p>Medien beziffern die R\u00fcckf\u00fchrungen auf 50 pro Woche, was die Regierungen nicht offiziell best\u00e4tigt haben. Seit Anfang dieses Jahres haben nach Angaben des britischen\u00a0Innenministeriums \u00fcber 20.000 Menschen den \u00c4rmelkanal in kleinen Booten \u00fcberquert &#8211; ein Rekordwert f\u00fcr die ersten sechs Monate eines Jahres. 2024 waren es insgesamt rund 15.000. F\u00fcr Pieyre-Alexandre Anglade, Parlamentarier von Frankreichs Regierungskoalition &#8222;Ensemble!&#8220;, ist die Vereinbarung f\u00fcr beide L\u00e4nder &#8222;ein gro\u00dfer Fortschritt&#8220;. &#8222;Das Thema Migration f\u00fchrt zu gro\u00dfen Spannungen zwischen unseren beiden L\u00e4ndern. Dieses Abkommen sollte Menschen davon abbringen, den \u00c4rmelkanal zu \u00fcberqueren&#8220;, schreibt er auf Anfrage von DW. Diese Ansicht wird von Experten jedoch bezweifelt.<\/p>\n<p>Labour unter Druck von rechts<\/p>\n<p>F\u00fcr die britische Mitte-Links-Labour-Regierung sind die Boote im \u00c4rmelkanal\u00a0eine ungleich wichtigere Frage. Die Rechtsau\u00dfenpartei Reform UK, zuvor Brexit Party genannt, liegt in den Umfragen vorne. Und laut einer landesweiten Befragung der Londoner Beratungsfirma Portland Communications w\u00fcrden 26 Prozent der W\u00e4hler, die nach den Parlamentswahlen 2024 zu Reform UK abgewandert sind, eher zu Labour zur\u00fcckkommen, wenn die Zahl der ankommenden Fl\u00fcchtlingsboote sinke.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73244518\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73244518_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Peter Walsh | Leitender Forscher an der Beobachtungsstelle f\u00fcr Migration der Universit\u00e4t Oxford\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Migration steht im Mittelpunkt der politischen Debatte in Gro\u00dfbritannien &#8211; meint Peter Walsh, leitender Forscher an der Beobachtungsstelle f\u00fcr Migration der Universit\u00e4t OxfordBild: privat<\/p>\n<p>Denn das Thema Migration st\u00fcnde seit \u00fcber zehn Jahren im Mittelpunkt der politischen Diskussion, so Peter Walsh, Leitender Forscher an der Beobachtungsstelle f\u00fcr Migration der Universit\u00e4t Oxford. &#8222;Die Kontrolle unserer Grenzen war der Hauptgrund f\u00fcr das Brexit-Votum. Die steigende Zahl kleiner Boote zeigt, dass wir diese Kontrolle verloren haben&#8220;, sagt er zu DW.<\/p>\n<p>Daran sei, tats\u00e4chlich, auch der Brexit Schuld: &#8222;Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Migranten noch eher herkommen, weil wir nicht mehr Teil des Dublin-Abkommens sind.&#8220; Laut diesem muss das\u00a0Land die Asylantr\u00e4ge bearbeiten, in dem ein Migrant als erstes ankommt. Bis vergangenes Jahr sei die Zahl der erfolgreichen Asylantr\u00e4ge so gestiegen und habe klar \u00fcber dem EU-Durchschnitt gelegen.<\/p>\n<p>Das neue Abkommen sei dabei vergleichbar mit dem <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/eu-t\u00fcrkei-abkommen-der-deal-zur-abschreckung\/a-56870596\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU-T\u00fcrkei-Deal<\/a> von 2016. Damals versprach man der T\u00fcrkei sechs Milliarden Euro, und 2023 kamen weitere drei Milliarden Euro hinzu, wenn das Land die Zahl der illegalen Einwanderer in die EU senke. &#8222;Die Anzahl der Menschen, die unerlaubt per Boot nach Griechenland kamen, sank zwischen 2015 und 2017 von 850.000 auf weniger als 30.000&#8220;, erkl\u00e4rt der Forscher. &#8222;Denn die T\u00fcrkei hielt die Boote physisch auf. Doch das ist laut EU-Recht nicht m\u00f6glich.&#8220; Zudem werde der neue Deal wohl kaum f\u00fcr Abschreckung sorgen. Es w\u00e4ren laut den kursierenden Zahlen nur etwa sechs Prozent der Migranten betroffen, die den \u00c4rmelkanal \u00fcberqueren.<\/p>\n<p>Migranten als Faustpfand?<\/p>\n<p>Das sieht auch Olivier Cahn so, Dozent f\u00fcr Privatrecht und Kriminalwissenschaften an der Universit\u00e4t Paris Nanterre und Autor einer Doktorarbeit \u00fcber die franz\u00f6sisch-britische polizeiliche Zusammenarbeit. &#8222;Seit den ersten bilateralen Abkommen in den 1990er Jahren haben Migranten sich immer an neue Begebenheiten angepasst &#8211; warum sollten sie das diesmal nicht tun?&#8220;, fragt er im DW-Interview. &#8222;Die j\u00fcngsten Ank\u00fcndigungen sind mal wieder nur f\u00fcr die \u00f6ffentliche Meinung bestimmt.&#8220; Die begrenzte Wirkung des Deals ist dabei f\u00fcr den Forscher ein Grund, warum die EU ihm wohl nicht entgegenstehen werde.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73244554\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73244554_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Frankreich | Olivier Cahn, Dozent f\u00fcr Privatrecht und Kriminalwissenschaften\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Der neue Deal werde Migranten kaum abschrecken &#8211; meint Olivier Cahn, Dozent f\u00fcr Privatrecht und KriminalwissenschaftenBild: privat<\/p>\n<p>Obwohl er, wie vergangene Abkommen, gegen die Regeln des Schengen-Abkommens von 1985 versto\u00dfe. Das habe Grenzkontrollen innerhalb des Schengenraums abgeschafft &#8211; zu dem Gro\u00dfbritannien nie geh\u00f6rte &#8211; und vorgeschrieben, illegale Migranten nicht davon abzuhalten, den Schengenraum zu verlassen. Frankreich und Gro\u00dfbritannien hatten unter anderem 2003 im sogenannten Touquet-Vertrag vereinbart, britische Grenzkontrollen auf franz\u00f6sischen Boden zu verlegen. &#8222;Die Franzosen haben dabei nun in dem einzigen Punkt nachgegeben, in dem sie den Briten bisher immer die Stirn gezeigt haben: der R\u00fcckf\u00fchrung von Migranten&#8220;, f\u00fcgt Cahn hinzu.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73244594\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73244594_${formatId}.jpeg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Frankreich Paris 2022 | Verantwortliche f\u00fcr Advocacy bei France Terre d'Asile\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Migranten werden als Faustpfand benutzt &#8211; so sieht es Maelle Lena, Verantwortliche f\u00fcr Advocacy bei France Terre d&#8217;AsileBild: Marguerite Bonnot<\/p>\n<p>Das schockiert Hilfsorganisationen besonders. &#8222;Es ist verst\u00f6rend, dass man Migranten als Faustpfand benutzt &#8211;\u00a0man entmenschlicht sie&#8220;, sagt Ma\u00eblle Lena, Verantwortliche f\u00fcr Advocacy, Internationales und Vereinsleben bei der Pariser Hilfsorganisation France Terre d&#8217;Asile, gegen\u00fcber DW. Zwischen 2018 und April 2025 sind laut der Oxforder Beobachtungsstelle f\u00fcr Migration 147 Menschen gestorben, w\u00e4hrend sie versuchten, den \u00c4rmelkanal zu \u00fcberqueren.<\/p>\n<p>Charlotte Kwantes, Sprecherin der Hilfsorganisation Utopia 56, pflichtet Lena bei. &#8222;Man wird immer brutaler gegen\u00fcber Menschen, deren letzte Hoffnung es ist, nach Gro\u00dfbritannien zu kommen&#8220;, meint sie gegen\u00fcber der DW. &#8222;Man einigt sich auf Migrationspakte im Gegenzug f\u00fcr Geld oder andere politische Abkommen.&#8220; Laut der Londoner House of Commons Library, einer Forschungsst\u00e4tte des britischen Parlaments, sollte Gro\u00dfbritannien zwischen 2014 und 2026 Frankreich knapp 900 Millionen Euro im Rahmen der bilateralen Migrationspakte zahlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Pressekonferenz zum Abschluss des franz\u00f6sischen Staatsbesuchs in Gro\u00dfbritannien zeigte, wie weit die Priorit\u00e4ten bei der bilateralen Zusammenarbeit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":260677,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,13,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-260676","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-uk","15":"tag-united-kingdom","16":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","17":"tag-vereinigtes-koenigreich","18":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","19":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114836302907639385","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/260676","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=260676"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/260676\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/260677"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=260676"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=260676"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=260676"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}