{"id":262276,"date":"2025-07-12T10:38:10","date_gmt":"2025-07-12T10:38:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/262276\/"},"modified":"2025-07-12T10:38:10","modified_gmt":"2025-07-12T10:38:10","slug":"tks-und-ig-metall-einigen-sich-auf-sanierungstarifvertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/262276\/","title":{"rendered":"TKS und IG Metall einigen sich auf Sanierungstarifvertrag"},"content":{"rendered":"<p>Nach drei z\u00e4hen Verhandlungstagen steht fest: Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Stahlhersteller wird radikal schrumpfen. Die Besch\u00e4ftigten m\u00fcssen deutliche Abstriche hinnehmen: Das Urlaubsgeld wird komplett gestrichen, das Weihnachtsgeld gek\u00fcrzt. Zus\u00e4tzlich reduziert sich die Wochenarbeitszeit von bisher bis zu 34 Stunden auf nur noch 32,5 Stunden. Unterm Strich bedeutet das f\u00fcr viele weniger Geld am Monatsende. Besonders bitter: Die Sonderzahlung zur Besch\u00e4ftigungssicherung und zus\u00e4tzliche tarifliche Verg\u00fctungen werden zwischen 2026 und 2029 komplett ausgesetzt. Auch die Jahressonderzahlung schrumpft 2025 von 110 auf 100 Prozent. Immerhin erhalten IG Metall-Mitglieder ab 2026 wieder die volle Jahressonderzahlung.<\/p>\n<p>Massiver Stellenabbau ohne K\u00fcndigungen<\/p>\n<p>Thyssen hatte Ende letzten Jahres angek\u00fcndigt, insgesamt 11.000 Stellen abbauen und das Werk in Eichen schlie\u00dfen zu wollen. Tats\u00e4chlich sollen von den derzeit 27.000 Arbeitspl\u00e4tzen bis zu 11.000 wegfallen. Das Unternehmen will auf nur noch 16.000 Stellen schrumpfen. Der Clou dabei: Es soll keine betriebsbedingten K\u00fcndigungen geben. Stattdessen erm\u00f6glicht eine &#8222;Altersbr\u00fccke&#8220; Besch\u00e4ftigten ab Jahrgang 1966 einen vorgezogenen, sozial abgefederten \u00dcbergang in den Ruhestand. Das Werk in Bochum wird definitiv geschlossen &#8211; allerdings erst 2028. Die urspr\u00fcnglich geplante Schlie\u00dfung des Standorts Kreuztal-Eichen ist dagegen vom Tisch. Hier soll eine Arbeitsgruppe mit IG Metall-Beteiligung ein tragf\u00e4higes Gesch\u00e4ftsmodell entwickeln.<\/p>\n<p>Warum Thyssenkrupp Steel in der Krise steckt<\/p>\n<p>Die Stahlsparte k\u00e4mpft mit einem perfekten Sturm aus Problemen: Die schw\u00e4chelnde Konjunktur dr\u00fcckt die Nachfrage, explodierende Energiepreise belasten die Produktion, und Billigimporte aus Asien setzen die Preise unter Druck. &#8222;Wir bauen \u00fcbersch\u00fcssige Kapazit\u00e4ten ab, verbessern die Effizienz und k\u00f6nnen so ein wettbewerbsf\u00e4higes Kostenniveau erzielen&#8220;, erkl\u00e4rt Firmenvorst\u00e4ndin Marie Jaroni.<\/p>\n<p>Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, spricht von einem &#8222;tragf\u00e4higen Kompromiss mit schmerzhaften Elementen f\u00fcr beide Seiten&#8220;. Die urspr\u00fcngliche &#8222;Giftliste&#8220; des Managements mit Einsparungen von 200 Millionen Euro j\u00e4hrlich konnte die Gewerkschaft immerhin nahezu halbieren.<\/p>\n<p>Die Entscheidungen zum Spartarifvertrag im \u00dcberblick <\/p>\n<p>Der finale Abschluss des Tarifvertrages steht unter zwei Vorbehalten:<\/p>\n<p>1. Die IG Metall Mitglieder bei ThyssenKrupp Steel m\u00fcssen dem zustimmen<\/p>\n<p>2. Die Finanzierung muss durch den Konzern sichergestellt werden<\/p>\n<ul>\n<li>Sozialvertr\u00e4glicher Stellenabbau statt K\u00fcndigungen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kern des Ergebnisses ist eine umfassende Altersbr\u00fccke, die Besch\u00e4ftigten ab Jahrgang 1966 einen vorgezogenen, sozial abgefederten \u00dcbergang in den Ruhestand erm\u00f6glicht. Damit wird der notwendige Personalabbau ohne betriebsbedingte K\u00fcndigungen umgesetzt. Die IG Metall konnte daf\u00fcr Ausgleichszahlungen durchsetzen.<\/p>\n<ul>\n<li>Mitbestimmung bei Effizienzma\u00dfnahmen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die geplanten Effizienzma\u00dfnahmen bei TKSE werden k\u00fcnftig unter Einbindung der Arbeitnehmervertretungen \u00fcberpr\u00fcft. Eine tarifliche Begleitkommission wird sicherstellen, dass Belastungen nicht einseitig zulasten der Besch\u00e4ftigten gehen. \u201eWir lassen das Unternehmen mit seinen Pl\u00e4nen nicht allein schalten und walten. Wir werden genau hinschauen, was geht und was nicht\u201c, so Giesler.<\/p>\n<ul>\n<li>Investitionen und Fl\u00fcssigphase gesichert<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr den Fortbestand zentraler Produktionsbereiche wie der Fl\u00fcssigphase gibt es verbindliche Zusagen. Auch der besonders gef\u00e4hrdete Standort Kreuztal-Eichen bleibt erhalten. Ein Moratorium sch\u00fctzt den Betrieb, w\u00e4hrend eine Arbeitsgruppe mit IG Metall-Beteiligung ein tragf\u00e4higes Gesch\u00e4ftsmodell entwickelt. Daran gekn\u00fcpft sind l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Investitionen in Millionenh\u00f6he. Die geplante Schlie\u00dfung des Bochumer Standorts BNO wurde auf den 30.09.2028 festgelegt; die Produktion wird dort stufenweise heruntergefahren.<\/p>\n<ul>\n<li>Arbeitnehmerbeitr\u00e4ge im \u00dcberblick<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Arbeitszeit wird kollektiv um 1,5 Std.\/Woche reduziert.<\/p>\n<p>Die Bez\u00fcge f\u00fcr Rufbereitschaft werden halbiert.<\/p>\n<p>Die Sonderzahlung zur Besch\u00e4ftigungssicherung und die zus\u00e4tzliche tarifliche Verg\u00fctung werden in den Jahren 2026 bis 2029 ausgesetzt.<\/p>\n<p>Die Jahressonderzahlung wird im Jahr 2025 von 110% auf 100% reduziert. Ab 2026 erhalten die Mitglieder der IG Metall wieder die volle Jahressonderzahlung.<\/p>\n<p>Anstelle einer einseitigen K\u00fcndigung der Betriebsvereinbarung durch den Arbeitgeber, konnte eine Neuregelung der Jubil\u00e4umszahlungen erreicht werden.<\/p>\n<p>25 Jahre Betriebszugeh\u00f6rigkeit: 1.000 EUR (vormals 1,0 <strong>Monats<\/strong>gehalt)<\/p>\n<p>35 Jahre Betriebszugeh\u00f6rigkeit: 2.000 EUR (vormals 1,5 <strong>Monats<\/strong>geh\u00e4lter)<\/p>\n<p>45 Jahre Betriebszugeh\u00f6rigkeit: 3.000 EUR (vormals 2,25 <strong>Monats<\/strong>geh\u00e4lter)<\/p>\n<p>Au\u00dfertarifliche und leitende Angestellte, sowie der Vorstand leisten einen gleichwertigen Beitrag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach drei z\u00e4hen Verhandlungstagen steht fest: Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Stahlhersteller wird radikal schrumpfen. 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