{"id":262302,"date":"2025-07-12T10:52:12","date_gmt":"2025-07-12T10:52:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/262302\/"},"modified":"2025-07-12T10:52:12","modified_gmt":"2025-07-12T10:52:12","slug":"nature-studie-belegt-verschmutzung-des-nordatlantiks-mit-nano-teilchen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/262302\/","title":{"rendered":"Nature-Studie belegt Verschmutzung des Nordatlantiks mit Nano-Teilchen \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Mittlerweile ist er fast \u00fcberall zu finden: der Plastik-Abrieb unserer geradezu nach Plastik aller Art s\u00fcchtigen Gesellschaft. Was so leicht aus Erd\u00f6lderivaten produziert werden kann, gef\u00e4hrdet l\u00e4ngst nicht nur die menschliche Gesundheit, sondern ganze Biosysteme. Ein Thema, mit dem sich Forscher des Leipziger Umweltforschungszentrums eingehend besch\u00e4ftigt haben. Daf\u00fcr sind sie mit Kollegen aus den Niederlanden extra auf den Nordatlantik hinausgefahren.<\/p>\n<p>Plastikteilchen mit einer Gr\u00f6\u00dfe von weniger als einem Mikrometer sind \u00fcberall auf der Welt verteilt \u2013 von den Gipfeln der Alpen bis in die Tiefen der Ozeane. Ein Forschungsteam des <a href=\"http:\/\/www.ufz.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Umweltforschung (UFZ)<\/a>, der Universit\u00e4t Utrecht und des niederl\u00e4ndischen Meeresforschungsinstituts NIOZ hat sich auf die Suche nach Nanoplastik im Nordatlantik gemacht. Die Ergebnisse zeigen, dass winzige Plastikpartikel in allen Tiefenzonen zwischen der gem\u00e4\u00dfigten und subtropischen Zone des Ozeans zu finden sind.<\/p>\n<p>Massenm\u00e4\u00dfig ist die Menge an Nanoplastik vergleichbar mit dem, was bisher an Mikroplastik gefunden wurde. Deshalb spielt Nanoplastik bei der Plastikverschmutzung der Meere eine viel wichtigere Rolle als bisher angenommen, schreiben die Forschenden in der Fachzeitschrift \u201eNature\u201c.<\/p>\n<p>Plastikm\u00fcll verschmutzt weltweit die Meere. Die Kunststoffe schaden Meerestieren, die sich in gr\u00f6\u00dferen Teilen wie Netzen und T\u00fcten verfangen oder kleinere Plastikteile mit Nahrung verwechseln, die dann den Magen-Darm-Trakt verstopfen oder verletzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der kleinsten Plastikteilchen im Mikro- und Nanobereich wird wieder ausgeschieden, aber ein kleinerer Teil kann durch die Darmwand in den K\u00f6rper aufgenommen werden und in den Blutkreislauf gelangen.<\/p>\n<p>Fokus auf den Mikro-Bereich<\/p>\n<p>Doch \u00fcber wie viel Nanoplastik in den Meeren sprechen wir eigentlich? Die gr\u00f6\u00dfte wissenschaftliche Aufmerksamkeit galt bisher Plastikteilchen im Makro- und Mikrobereich, da sie sich aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe leichter erforschen lassen. Quantitative Angaben zur Belastung der Ozeane durch Nanoplastikteilchen waren bisher rar, da die Plastikpartikel mit einer Gr\u00f6\u00dfe von weniger als einem Mikrometer sehr klein, zudem leicht ver\u00e4nderbar und methodisch oft nur schwer von anderen Umweltpartikeln zu unterscheiden sind.<\/p>\n<p>Auf einer Expedition der RV \u201ePelagia\u201c, das gr\u00f6\u00dfte seeg\u00e4ngige Forschungsschiff der Niederlande und Flaggschiff des Royal Netherlands Institute for Sea Research (NIOZ), haben UFZ-Forscher\/-innen in Kooperation mit der Universit\u00e4t Utrecht im Jahr 2020 entlang eines Transekts im Nordatlantik das Nanoplastikvorkommen erfasst \u2013 vom k\u00fcstennahen europ\u00e4ischen Festlandschelf \u00fcber den offenen Atlantik bis hin zum subtropischen Nordatlantikwirbel, einem Str\u00f6mungssystem des Nordatlantiks.<\/p>\n<p>An zw\u00f6lf Messstellen wurden Proben gezogen: in der obersten Wasserschicht in rund zehn Meter Tiefe, in der Zwischenschicht in rund 1.000 Meter Tiefe und dann 30 Meter \u00fcber dem Meeresboden.<\/p>\n<p>\u201eMit den Daten dieser Messstellen k\u00f6nnen wir Aussagen \u00fcber die vertikale und horizontale Verteilung von Nanoplastik im Nordatlantik treffen\u201c, sagt Dr. Du\u0161an Materi\u0107, Chemiker am UFZ und Erstautor der Studie.<\/p>\n<p>Bei der Analyse der Wasserproben setzten die Forscher\/-innen auf ein hochaufl\u00f6sendes Protonentransfer-Reaktions-Massenspektrometer (PTR-MS), das mit thermischer Desorption (TD) gekoppelt ist und so die Konzentrationen von organischen Spurengasen messen kann. Mit diesem TD-PTR-MS lassen sich die winzigen Plastikpartikel in den Proben verbrennen.<\/p>\n<p>Durch das Erhitzen werden Gase freigesetzt, die anschlie\u00dfend im Massenspektrometer quantifiziert werden k\u00f6nnen. \u201eDa jedes Polymer einen eigenen chemischen Fingerabdruck von Gasen erzeugt, lassen sich Identit\u00e4t und Konzentration sehr gut ermitteln\u201c, sagt Du\u0161an Materi\u0107, der die Methodik im Jahr 2020 an der Universit\u00e4t Utrecht entwickelt hatte.<\/p>\n<p>Nanoplastik \u00fcberall<\/p>\n<p>An allen zw\u00f6lf Messstandorten konnten die Forscher:innen Nanoplastikpartikel nachweisen.<br \/>\u201eSie sind \u00fcberall in so gro\u00dfen Mengen vertreten, dass wir sie \u00f6kologisch nicht mehr vernachl\u00e4ssigen k\u00f6nnen\u201c, bilanziert der UFZ-Chemiker.<\/p>\n<p>Am h\u00e4ufigsten fand das Forschungsteam Nanopartikel von Polyethylenterephthalat (PET), Polystyrol (PS) und Polyvinylchlorid (PVC) \u2013 allesamt h\u00e4ufige Kunststoffe, aus denen beispielsweise Ein- und Mehrwegplastikflaschen, Folien oder Einwegtrinkbecher und Einmalbesteck bestehen. In der obersten Meerwasserschicht wiesen die Forscher\/-innen die Kunststoffarten an fast allen Messpunkten nach.<\/p>\n<p>\u201eDies liegt daran, dass zum einen die Weiterverteilung aus der Atmosph\u00e4re \u00fcber die Meeresoberfl\u00e4che geschieht und zum anderen, dass viel Plastik \u00fcber die M\u00fcndungsbereiche von Fl\u00fcssen eingetragen wird\u201c, erkl\u00e4rt Du\u0161an Materi\u0107.<\/p>\n<p>In der Zwischenschicht, der Schicht zwischen dem sauerstoffhaltigen Oberfl\u00e4chenwasser und dem sauerstofffreien Tiefenwasser, dominieren PET-Nanopartikel.<\/p>\n<p>\u201eIm subtropischen Wirbel des Nordatlantiks haben wir eine h\u00f6here Belastung mit Nanoplastik festgestellt als au\u00dferhalb des Wirbels, der aufgrund der Meeresstr\u00f6mungen als Anreicherungszone f\u00fcr Mikroplastik an der Oberfl\u00e4che bekannt ist\u201c, sagt Materi\u0107.<\/p>\n<p>Selbst in 4.500 Meter Tiefe<\/p>\n<p>In der meeresbodennahen Schicht stellten die Forscher\/-innen die geringsten Konzentrationen von Nanoplastik fest. Aber auch dort registrierten sie an allen Messstellen PET-Nanoplastik. Selbst in mehr als 4.500 Metern Tiefe fanden sie PET-Nanokunststoffe, die h\u00f6chstwahrscheinlich aus fragmentierten synthetischen Kleidungsfasern stammen, eventuell aber auch durch bislang unbekannte dynamische Prozesse entstanden sind.<\/p>\n<p>\u201eNanokunststoffe und Nanopartikel sind so klein, dass die physikalischen Gesetze, die f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Teilchen gelten, oft nicht mehr greifen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend war f\u00fcr das Forschungsteam zudem, dass sie an keiner Messstelle Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) nachweisen konnten. PE und PP stecken beispielsweise in M\u00fclls\u00e4cken und Plastikt\u00fcten, die als Plastikm\u00fcll oft in den Meeren landen.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt sehr viel PE\/PP-Mikroplastik an der Meeresoberfl\u00e4che, aber wir fanden keine PE\/PP-Nanopartikel, die beispielsweise infolge von Sonneneinstrahlung oder Abrieb durch den Wellengang h\u00e4tten entstehen k\u00f6nnen\u201c, sagt Du\u0161an Materi\u0107.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise werde PE\/PP-Nanoplastik mineralisiert oder so stark molekular ver\u00e4ndert, dass es vom Protonentransfer-Reaktions-Massenspektrometer nicht mehr als Plastik erkannt werde oder es k\u00f6nnten andere dynamische Sedimentations- und Entfernungsprozesse ablaufen, die bislang noch nicht bekannt seien.<\/p>\n<p>Basierend auf den Konzentrationsmessungen konnten die Forschenden die Masse von Nanoplastik im Nordatlantik extrapolieren. Demnach lagern in der obersten, bis zu 200 Meter tiefen Wasserschicht des Nordatlantiks von der gem\u00e4\u00dfigten bis zur subtropischen Zone rund 27 Millionen Tonnen: 12,0 Millionen Tonnen Polyethylenterephthalat (PET), 6,5 Millionen Tonnen Polystyrol (PS) und 8,5 Millionen Tonnen Polyvinylchlorid (PVC).<\/p>\n<p>\u201eDas ist etwa die gleiche Gr\u00f6\u00dfenordnung wie die gesch\u00e4tzte Masse am Makro- und Mikrokunststoff f\u00fcr den gesamten Atlantik\u201c, sagt Du\u0161an Materi\u0107. Damit mache Nanoplastik einen gro\u00dfen Teil an der Plastikverschmutzung der Meere aus, was bislang bei der Bewertung des marinen Plastikhaushalts nicht ber\u00fccksichtigt wurde.<\/p>\n<p>\u201eNoch vor ein paar Jahren war umstritten, ob es \u00fcberhaupt Nanoplastik gibt. Unsere Ergebnisse zeigen nun, dass zumindest in diesem Ozeansystem die Masse von Nanoplastik mit derjenigen von Makro- und Mikroplastik vergleichbar ist\u201c, sagt er.<\/p>\n<p><strong>Publikation:<\/strong> Sophie ten Hietbrink, Du\u0161an Materi\u0107, Rupert Holzinger, Sjoerd Groeskamp, Helge Niemann: <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-025-09218-1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nanoplastic concentrations across the North Atlantic<\/a>, Nature<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mittlerweile ist er fast \u00fcberall zu finden: der Plastik-Abrieb unserer geradezu nach Plastik aller Art s\u00fcchtigen Gesellschaft. 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