{"id":262348,"date":"2025-07-12T11:17:12","date_gmt":"2025-07-12T11:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/262348\/"},"modified":"2025-07-12T11:17:12","modified_gmt":"2025-07-12T11:17:12","slug":"wie-drei-juden-james-bond-formten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/262348\/","title":{"rendered":"Wie drei Juden James Bond formten"},"content":{"rendered":"<p>In Hollywood wird seit drei Jahren dar\u00fcber diskutiert, ob der Darsteller Aaron Taylor-Johnson im \u00fcberf\u00e4lligen, n\u00e4chsten 007-Film James Bond verk\u00f6rpern wird oder nicht. Er w\u00e4re nicht der erste Jude, der zu der Filmserie beitr\u00e4gt. Bereits an den ersten drei Streifen waren zwei j\u00fcdische Macher beteiligt.<\/p>\n<p>Der Kanadier Harry Saltzman (1915 &#8211; 1994) war zusammen mit dem Italo-Amerikaner Albert R. Broccoli Teil eines Produzenten-Duos, das von 1962 bis 1974 f\u00fcr fast alle Filme verantwortlich war. Diese Kooperation begann mit dem ersten Bond-Thriller Dr. No (Deutscher Titel: James Bond jagt Dr. No) und endete mit dem neunten Film The Man with the Golden Gun (Der Mann mit dem Goldenen Colt).<\/p>\n<p>Letztere Produktion war der zweite 007-Kracher mit Roger Moore als Hauptdarsteller, der 1973 mit Live and Let Die (Leben und sterben lassen) Sean Connery (sechs regul\u00e4re Bond-Filme) und George Lazenby (ein Film)  beerbt hatte. In den fr\u00fchen Bond-Jahren wurde nur ein einziger Film nicht vom Saltzman-Broccoli-Gespann produziert, n\u00e4mlich Thunderball (Feuerball) von 1965.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/122830140erweitert-Kopie-1440x960-660x440-c-default.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"440\" loading=\"lazy\"\/>Richard Maibaum (1909 &#8211; 1991), Ende der 1970er JahreFoto: picture alliance \/ Sammlung Richter<\/p>\n<p>Broadway und Bond<\/p>\n<p>Harry Saltzman, dessen eigentlicher Vorname Herschel war, hatte einen kurzweiligen Werdegang. In Qu\u00e9bec wurde er geboren, zog dann aber mit seiner gro\u00dfen Familie in die USA. Mit 15 lief er von Zuhause weg, mit 17 trat er einem Zirkus bei. Sp\u00e4ter betrieb er Schaukelpferdmaschinen in Kaufh\u00e4usern, studierte Betriebswirtschaft in Paris und wurde Teil der U.S. Air Force.<\/p>\n<p>Seine Produzentenkarriere verlief alles andere als glatt. Finanzielle Probleme und Gerichtsverfahren waren eine Zeit lang an der Tagesordnung. Die Produktion der Bond-Filme funktionierte jedoch wie ge\u00f6lt. Saltzman zog zwischen den USA und England hin und her. Er war dreimal verheiratet und hatte vier Kinder. Im September 1994 starb er 78-j\u00e4hrig an einem Herzinfarkt, den er w\u00e4hrend eines Besuches in Paris erlitt.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Jude, ohne den die Bond-Film-Serie schwer vorstellbar ist, war der Drehbuchautor Richard Maibaum (1909 &#8211; 1991) aus New York. Schon als Student schrieb er Theaterst\u00fccke. Sein St\u00fcck mit dem Titel The Tree, in dem das Lynchen thematisierte wurde, landete auf einer Broadway-B\u00fchne, als er gerade einmal 22 Jahre alt war.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Antisemitische Verschw\u00f6rungsmythen<\/p>\n<p>Richard Maibaum schrieb die Drehb\u00fccher f\u00fcr immerhin 13 Bond-Streifen. Diese Aktivit\u00e4t begann mit Dr. No und endete 1989 mit License to Kill, als Timothy Dalton den Geheimagenten verk\u00f6rperte. Maibaum hatte daher mehr Einfluss auf die Bond-Serie, als alle anderen Drehbuchschreiber.<\/p>\n<p>Interessant ist die Tatsache, dass sowohl Saltzman als auch Maibaum den 007-Film Goldfinger machten. Dies ist der Fall, obwohl die Idee f\u00fcr diese Story Kritikern zufolge auf alten, antisemitischen Verschw\u00f6rungsmythen basiert: Ein Mann mit einem j\u00fcdisch klingenden Namen, n\u00e4mlich der von Gert Fr\u00f6be gespielte Auric Goldfinger, hat nur Gold im Kopf und geht sprichw\u00f6rtlich \u00fcber Leichen, um immer mehr davon anzuh\u00e4ufen.<\/p>\n<p>Lewis Gilbert (1920 &#8211; 2018) ist der dritte Jude, der Bond erheblich beeinflusste. Der Londoner f\u00fchrte erstmals 1967 Regie bei 007. You Only Live Twice (Man lebt nur zweimal) geht auf ihn zur\u00fcck. Dann setzte er erstmal zehn Jahre aus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/100207449-1440x960-660x440-c-default.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"440\" loading=\"lazy\"\/>Der Regisseur Lewis Gilbert (1920 &#8211; 2018) Foto: picture alliance \/ empics<\/p>\n<p>Alleiniger Produzent<\/p>\n<p>Im Jahr 1976 bekam Gilbert einen Anruf von Albert R. Broccoli, der mittlerweile nicht mehr mit Harry Saltzman kooperierte, sondern alleiniger Produzent war. Er bat ihn, zur\u00fcckzukommen. Das Ergebnis: Lewis Gilbert schuf die beiden besten James-Bond-Filme, die jemals gedreht wurden, n\u00e4mlich The Spy Who Loved Me (Der Spion, der mich liebte) von 1977 und Moonraker von 1979, beide mit Roger Moore. <\/p>\n<p>Wenn wir es genau nehmen, ist sogar ein vierter Jude ma\u00dfgeblich beteiligt, n\u00e4mlich Monty Norman (1928 &#8211; 2022). Der britische Musiker komponierte das \u00bbJames Bond Theme\u00ab, das in so gut wie jedem regul\u00e4ren Bond-Film ganz am Anfang ert\u00f6nt. Lediglich in Casino Royale von 2006 wurde die Melodie ans Ende verfrachtet.<\/p>\n<p>Sollte Aaron Taylor-Johnson der von Ian Fleming erfundene James Bond werden, so w\u00e4re er der vierte oder f\u00fcnfte Jude, der ma\u00dfgeblich zur Filmgeschichte des MI6-Agenten beitragen w\u00fcrde, je nachdem, wer mitgez\u00e4hlt wird. Vielleicht ist er auch der sechste.<\/p>\n<p>Denn der als Klaus Adam geborene Kenneth Adam (1921 &#8211; 2016), ein deutscher Jude, der als britischer Air Force-Pilot Eins\u00e4tze gegen die Nazis flog, baute Kulissen f\u00fcr zahlreiche Bond-Filmhits von Dr. No bis Moonraker. <\/p>\n<p>Was Taylor-Johnson auch macht: In Zukunft wird die James-Bond-Filmserie so oder so noch j\u00fcdischer sein als bisher. Denn der Brite David Heyman, dessen Vorfahren v\u00e4terlicherseits deutsche Juden waren, die vor Hitler flohen, und die amerikanische J\u00fcdin Amy Pascal wurden als Produzenten des geheimnisvollen, n\u00e4chsten Bond-Streifens genannt. Einen Anruf von Broccoli gibt es diesmal nicht, daf\u00fcr aber wahrscheinlich einen gesch\u00fcttelten Drink und den obligatorischen, spurtstarken Aston Martin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Hollywood wird seit drei Jahren dar\u00fcber diskutiert, ob der Darsteller Aaron Taylor-Johnson im \u00fcberf\u00e4lligen, n\u00e4chsten 007-Film James&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":262349,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[573,574,1778,29,214,30,411,570,576,95,572,80,1777,14,16,575,215,571],"class_list":{"0":"post-262348","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-berichte","9":"tag-blogs","10":"tag-cinema","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-israel","15":"tag-juedische-allgemeine","16":"tag-juedisches-leben","17":"tag-kino","18":"tag-kommentare","19":"tag-kultur","20":"tag-movie","21":"tag-nachrichten","22":"tag-politik","23":"tag-religion","24":"tag-unterhaltung","25":"tag-wochenzeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114839987552055512","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262348","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=262348"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262348\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/262349"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=262348"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=262348"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=262348"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}