{"id":263288,"date":"2025-07-12T19:55:09","date_gmt":"2025-07-12T19:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/263288\/"},"modified":"2025-07-12T19:55:09","modified_gmt":"2025-07-12T19:55:09","slug":"kehrtwende-in-lateinamerika-dw-12-07-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/263288\/","title":{"rendered":"Kehrtwende in Lateinamerika \u2013 DW \u2013 12.07.2025"},"content":{"rendered":"<p>Ein beispielloser Wandel zeichnet sich ab: Die Zahlen irregul\u00e4rer Grenz\u00fcbertritte zwischen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/mexiko\/t-17845648\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mexiko<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/vereinigte-staaten-von-amerika-usa\/t-17286012\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">den USA<\/a> sind im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 92 Prozent zur\u00fcckgegangen.\u00a0Nur 6070 Personen\u00a0wurden <a rel=\"noopener follow nofollow\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/articles\/2025\/07\/extraordinary-president-trump-drives-illegal-border-crossings-to-a-new-historic-low\/\" title=\"Externer Link \u2014 nach US-Angaben\">nach US-Angaben<\/a> an der S\u00fcdwestgrenze festgenommen &#8211;\u00a0der niedrigste Wert seit 25 Jahren.<\/p>\n<p>Im\u00a0Dari\u00e9n Gap, einem etwa 100 km breiten, gr\u00f6\u00dftenteils von Regenwald bedeckten\u00a0Landstreifen in der Grenzregion zwischen Panama und Kolumbien, wurden im April 99,7 Prozent weniger Grenz\u00fcbertritte im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnet, so Panamas Pr\u00e4sident Jos\u00e9 Ra\u00fal Mul. Der Dari\u00e9n Gap ist eigentlich eine wichtige &#8211;\u00a0und brandgef\u00e4hrliche &#8211; \u00a0Route <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/flucht-und-migration\/t-18092312\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">f\u00fcr Migranten<\/a> auf dem Weg nach Norden. Nun haben Panamas\u00a0Beh\u00f6rden dort\u00a0sogar das gr\u00f6\u00dfte Aufnahmezentrum f\u00fcr Migrantinnen und Migranten geschlossen.<\/p>\n<p>Auch <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/honduras\/t-18146065\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Honduras<\/a> erlebt einen drastischen R\u00fcckgang der Migrationsbewegungen nach Norden. Laut einem Bericht der Internationalen Organisation f\u00fcr Migration (IOM) machten sich zwischen Januar und M\u00e4rz 2025 nur 14.270 Menschen auf den Weg Richtung Norden, verglichen mit 133.518 im gleichen Zeitraum des Vorjahres.<\/p>\n<p>Abschottungspolitik der USA kehrt Migrationsstr\u00f6me um<\/p>\n<p>Dieser R\u00fcckgang markiert ein neues Kapitel in der Migrationsgeschichte der Region. Bedingt wird er\u00a0durch <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/abrego-garcia-nach-r\u00fcckkehr-in-die-usa-sofort-festgenommen\/a-72829569\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die restriktive<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/oberstes-gericht-der-usa-erlaubt-abschiebung-in-drittl\u00e4nder-donald-trump-afrika-migration-v2\/a-73018644\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">umstrittene Migrationspolitik<\/a> der USA unter Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/donald-trump\/t-18901598\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a>: Er setzt auf den Ausbau der Grenzmauer an der S\u00fcdgrenze zu Mexiko, rief den nationalen Notstand aus und schickte Truppen zur Grenzsicherung. Zudem versch\u00e4rfte er die Asylregeln und leitete <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/fake-ki-videos-zeigen-keine-festnahmen-von-migranten-fotos-aus-kontext-gerissen\/a-73225961\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Massenabschiebungen<\/a> ein, die teils sogar Personen mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/trump-will-auch-us-b\u00fcrger-nach-el-salvador-abschieben\/a-72247390\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">oder\u00a0US-Staatsb\u00fcrgerschaft<\/a> betreffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hunderte Festnahmen irregul\u00e4rer Einwanderer in den USA<video id=\"video-71455798\" controls=\"\" playsinline=\"\" preload=\"none\" poster=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAAAEAAAABCAQAAAC1HAwCAAAAC0lEQVR42mNkYAAAAAYAAjCB0C8AAAAASUVORK5CYII=\" data-id=\"71455798\" data-posterurl=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/71455296_605.webp\" data-duration=\"02:49\"><\/p>\n<p class=\"vjs-no-js\">To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that <a href=\"https:\/\/videojs.com\/html5-video-support\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">supports HTML5 video<\/a><\/p>\n<p><\/video><\/p>\n<p>Diejenigen etwa, die bereits in den USA leben und dort keine Aufenthaltsgenehmigung haben, werden von den USA im Rahmen sogenannter &#8222;Selbstabschiebungsprogramme&#8220; ermutigt, freiwillig in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcckzukehren. Melden sich die Migranten daf\u00fcr, so zahlen die USA ihnen 1000 Dollar\u00a0und \u00fcbernehmen die Reisekosten.<\/p>\n<p>&#8222;Viele sitzen fest&#8220;<\/p>\n<p>Maureen Meyer, Leiterin des Programms f\u00fcr Lateinamerikafragen bei der Menschenrechtsorganisation WOLA in Washington, beschreibt im DW-Interview die Stimmung unter Migrantinnen\u00a0und Migranten: &#8222;Es herrscht ein Klima der Angst.&#8220; Viele s\u00e4\u00dfen nun\u00a0in Mexiko fest, ohne Perspektive, ihre Reise fortzusetzen oder zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Denn oft haben diejenigen, die vor staatlicher Repression, Armut und Gewalt in ihren Heimatl\u00e4ndern geflohen sind, eine kr\u00e4ftezehrende und lebensgef\u00e4hrliche Reise hinter sich, die sie nicht erneut antreten wollen &#8211; und die finanziellen Ressourcen sind aufgebraucht. W\u00e4hrend ein Teil der Migranten also in Mexiko ausharrt, treten andere trotz aller Widrigkeiten den R\u00fcckweg an.<\/p>\n<p>Amy Pope, Direktorin der IOM,\u00a0warnt im Gespr\u00e4ch mit der DW vor den sozialen und wirtschaftlichen Folgen der &#8222;Offensive der USA gegen irregul\u00e4re Migration&#8220; in Lateinamerika.<\/p>\n<p>Erneut Menschenhandel und sexueller Gewalt ausgesetzt<\/p>\n<p>In <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kolumbien\/t-18502519\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kolumbien<\/a> beispielsweise ist das\u00a0 Anwachsen der umgekehrten \u00a0Migrationsbewegung\u00a0von Norden nach S\u00fcden bereits sp\u00fcrbar, nach offiziellen Angaben sind seit Jahresbeginn circa 9000 Migrantinnen und Migranten wieder zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p>Doch es dorthin zu schaffen, ist nicht einfach: Wie schon auf dem Hinweg stellt auch auf dem R\u00fcckweg der Dari\u00e9n Gap\u00a0ein schwer \u00fcberwindbares Hindernis dar. Die Alternative &#8211; mit einem Boot \u00fcber die Karibik weiterzureisen &#8211;\u00a0ist ebenfalls risikoreich und\u00a0mit hohen Kosten verbunden. Nachdem ihnen die Mittel ausgegangen sind, warten Dutzende Migranten\u00a0in Miramar, einem kleinen K\u00fcstendorf an der panamaischen Karibikk\u00fcste, darauf, nach Kolumbien \u00fcbersetzen zu k\u00f6nnen. Die meisten von ihnen sind Venezolaner.<\/p>\n<p>Nach Angaben der panamaischen Beh\u00f6rden sind seit November 2024 mehr als 12.700 Migranten &#8211;\u00a0davon 94 Prozent\u00a0Venezolaner &#8211;\u00a0von Norden nach S\u00fcden unterwegs. In <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/panama\/t-17612371\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Panama<\/a> berichten einige Migranten wie Jes\u00fas Alfredo Aristigueta, ein 32-j\u00e4hriger Venezolaner, von Entf\u00fchrungen in Mexiko und Erpressungen auf dem R\u00fcckweg. Sie beklagen, dass die Hilfe der venezolanischen Beh\u00f6rden, die fr\u00fcher die Passage nach Norden erleichterte, verschwunden sei.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73243040\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73243040_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Kolumbien | Migranten \u00fcberqueren den Acandi-Fluss auf ihrem Weg nach Norden in Acandi\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Der Dari\u00e9n Gap steckt voller T\u00fccken: Haitianische Migranten bei der \u00dcberquerung des Acandi-Flusses auf dem Weg nach Norden (2023)Bild: Ivan Valencia\/AP Photo\/picture alliance <\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehrenden sind auf ihrem Weg zur\u00fcck erneut Menschenhandel und sexueller Gewalt ausgesetzt &#8211; angesichts von weniger Beh\u00f6rdenpr\u00e4senz, der Schlie\u00dfung von Aufnahmezentren etc. auf dem R\u00fcckweg vielleicht sogar st\u00e4rker als zuvor. Und selbst wenn sie die R\u00fcckreise meistern,\u00a0warten in ihren Heimatl\u00e4ndern oft weitere Probleme.<\/p>\n<p>R\u00fcckkehrer brauchen Starthilfe<\/p>\n<p>Kolumbien, Panama, Honduras, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/venezuela\/t-17477267\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Venezuela<\/a> und die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/dominikanische-republik\/t-18506554\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dominikanische Republik<\/a> stehen im Zentrum dieser Krise. Meyer warnt: &#8222;Kein Land in der Region ist auf so viele R\u00fcckkehrende vorbereitet.&#8220; Mangelnde Ressourcen, Gewalt in den Herkunftsregionen und fehlende oder unzureichende Reintegrationprogramme erschwerten die Lage.<\/p>\n<p>Einige Regierungen, wie die venezolanische, haben jedoch \u00a0R\u00fcckkehrprogramme reaktiviert. Das dortige Programm &#8222;Gro\u00dfe Mission R\u00fcckkehr in die Heimat&#8220; hat zwischen Januar und Mai die R\u00fcckkehr von mehr als 5600 aus den USA abgeschobenen Venezolanern erleichtert. Es stellt vor Ort medizinische Versorgung bereit und unterst\u00fctzt die R\u00fcckkehrer bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.<\/p>\n<p>Insgesamt ist Meyer aber besorgt, dass in Lateinamerika &#8222;mit steigenden R\u00fcckkehrerzahlen auch Spannungen zunehmen und Gewalt gegen verletzliche Bev\u00f6lkerungsgruppen eskaliert&#8220;.<\/p>\n<p>Folgen auch f\u00fcr die USA<\/p>\n<p>Auch die US-Wirtschaft steht durch die Abschottungspolitik vor einem Dilemma: In wichtigen Sektoren wie Landwirtschaft und Bauwesen fehlen Arbeitskr\u00e4fte, die oft von Migranten ohne regul\u00e4ren Status gestellt werden. Selbst die, die noch da sind, meiden aus Angst vor Abschiebungen zum Teil ihre Arbeitspl\u00e4tze meiden.<\/p>\n<p>IOM-Direktorin Pope beklagt, dass es &#8222;keine ausreichenden legalen Wege f\u00fcr regul\u00e4re Migration&#8220; gibt. &#8222;Migration h\u00f6rt nie auf. Menschen werden sich immer bewegen.&#8220; Bleibt die Frage, wie weit die Trump-Regierung ihre\u00a0drastische Anti-Einwanderungspolitik noch treiben wird &#8211; mit Folgen\u00a0f\u00fcr den ganzen Kontinent.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein beispielloser Wandel zeichnet sich ab: Die Zahlen irregul\u00e4rer Grenz\u00fcbertritte zwischen Mexiko und den USA sind im Juni&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":263289,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-263288","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-united-states","15":"tag-united-states-of-america","16":"tag-us","17":"tag-usa","18":"tag-vereinigte-staaten","19":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114842024858769924","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/263288","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=263288"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/263288\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/263289"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=263288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=263288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=263288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}