{"id":264072,"date":"2025-07-13T03:35:29","date_gmt":"2025-07-13T03:35:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/264072\/"},"modified":"2025-07-13T03:35:29","modified_gmt":"2025-07-13T03:35:29","slug":"katharina-fegebank-neue-rolle-neue-toene-fuer-gruene-umweltpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/264072\/","title":{"rendered":"Katharina Fegebank: Neue Rolle, neue T\u00f6ne f\u00fcr gr\u00fcne Umweltpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Seit Mai ist Katharina Fegebank Hamburgs Umweltsenatorin. Sie setzt auf Pr\u00e4senz, technische L\u00f6sungen und ein positives Narrativ f\u00fcr Umweltpolitik. Doch ihr Stil st\u00f6\u00dft nicht \u00fcberall auf Zustimmung \u2013 und einige Altlasten warten noch auf Aufarbeitung.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Katharina Fegebank bringt zur Baustelle der Kl\u00e4rschlammverbrennungsanlage Vera 2 am K\u00f6hlbrandh\u00f6ft ihren Helm, Sicherheitsschuhe und Warnweste selbst mit. Das ist jetzt h\u00e4ufig ihr R\u00fcstzeug im neuen Job als Hamburgs Umweltsenatorin. Ausgestattet wurde sie damit bereits einige Tage vorher, als sich die 48-J\u00e4hrige nur wenige Hundert Meter entfernt ein weiteres Gro\u00dfprojekt angesehen hatte: die Abwasserw\u00e4rmepumpe auf der Dradenau, die k\u00fcnftig bis zu 39.000 Haushalte mit Fernw\u00e4rme versorgen soll.<\/p>\n<p>\u201eDer Helm passt perfekt zum heutigen Termin\u201c, scherzt eine Journalistin. Auf dem blauen Grund prangt das Logo von Hamburg Wasser. Fegebank lacht und antwortet: \u201eSie haben recht. Ich brauche eigentlich von jedem Unternehmen, f\u00fcr das ich jetzt zust\u00e4ndig bin, einen Helm mit Logo.\u201c Ein lockerer Moment, der bildhaft f\u00fcr eine Senatorin steht, die sich ihre neue Rolle Termin f\u00fcr Termin aneignet. <\/p>\n<p>Als Fegebank Anfang Mai 2025 das Amt der Umweltsenatorin \u00fcbernahm, war das mehr als ein Wechsel. Die Personalrochade, ausgel\u00f6st durch das gesundheitlich bedingte Ausscheiden ihres Vorg\u00e4ngers Jens Kerstan, sollte laut der Gr\u00fcnen ein politisches Signal mit Symbolkraft sein. Die Botschaft: Die Klima- und Umweltpolitik wird bei den Gr\u00fcnen Chefinnensache. Fegebank, die weiterhin Zweite B\u00fcrgermeisterin bleibt, gab ihre bisherige Zust\u00e4ndigkeit an die langj\u00e4hrige Gr\u00fcnen-Landeschefin Maryam Blumenthal ab \u2013 das einzige neue Gesicht im Senat. <\/p>\n<p>Der Wechsel sorgte f\u00fcr Irritationen. Fegebank war beliebt und erfolgreich als Wissenschaftssenatorin, wurde dreimal zur Wissenschaftsministerin des Jahres gew\u00e4hlt. Blumenthal, von Beruf Lehrerin, hingegen hatte bislang wenig Bezug zur Hochschulpolitik. Es wurde gemunkelt, das Gro\u00dfressort, zu dem neben Umwelt- und Klimaschutz auch Energie- und Agrarpolitik geh\u00f6ren, sei Blumenthal zu komplex. Fegebank selbst stellt es anders dar. Es sei wichtig, die Klimapolitik des Senats an h\u00f6chstm\u00f6glicher Stelle anzusiedeln. <\/p>\n<p>Seit mehr als zehn Jahren ist Fegebank Zweite B\u00fcrgermeisterin in Hamburg und damit die Gr\u00fcne mit dem h\u00f6chsten Regierungsamt. Diese Erfahrung und ihr Netzwerk kann sie in ein Ressort einbringen, das angesichts der Klimakrise mehr denn je im Fokus steht. \u201eIch will Hamburg zur Vorreiterin f\u00fcr urbane Klimapolitik machen\u201c, sagte sie bei ihrer Amtseinf\u00fchrung. <\/p>\n<p>Seht her, was m\u00f6glich ist<\/p>\n<p>Dabei verfolgt sie nach eigener Aussage ein neues Narrativ: Klimaschutz soll nicht l\u00e4nger \u00fcber Schreckensszenarien vermittelt werden, sondern \u00fcber Begeisterung f\u00fcr das, was entstehen kann. Statt \u00dcberschwemmungen, D\u00fcrre und Kipppunkte in den Vordergrund zu stellen, will Fegebank zeigen, wie innovative Technik, neue Allianzen und konkrete Projekte das Leben in der Stadt verbessern und die Stadt im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. \u201eSeht her, was m\u00f6glich ist, wenn wir Umweltschutz konsequent mitdenken\u201c, lautet ihre Botschaft.<\/p>\n<p>Ihre Besuche auf Baustellen, in technischen Anlagen und bei Unternehmen sind Teil dieser Erz\u00e4hlung. Sie sollen zeigen, wie Fortschritt sichtbar wird und wie greifbar Verbesserungen in der Umweltpolitik sind.<\/p>\n<p>Der Vor-Ort-Termin auf der Vera-2-Baustelle am K\u00f6hlbrandh\u00f6ft ist aber auch Ausdruck eines F\u00fchrungsstils, der auf Pr\u00e4senz und pers\u00f6nlicher Anschauung beruht. Fegebank will nicht nur informiert werden, sie will verstehen. Statt sich wie viele Politikerinnen nah bei anderen Funktionstr\u00e4gern aufzuhalten, setzt sich Fegebank bei ihrem Baustellenbesuch lieber in die Reihen der Journalisten. Vermutlich, weil sie von dort die Pr\u00e4sentation von Hamburg-Wasser-Interimsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Michael Beckereit zur Kl\u00e4rschlammverwertung am besten verfolgen kann. <\/p>\n<p>Dabei h\u00f6rt sie nicht nur zu, sondern fragt auch nach. Warum Kommunen erst ab einer Gr\u00f6\u00dfe von 100.000 Haushalten zur Kl\u00e4rschlammverbrennung verpflichtet seien, will sie wissen. Beckereit antwortet trocken: \u201eDas ist meines Wissens eine rein politische Entscheidung.\u201c Eine Antwort, die Fegebank wohl nicht zu gefallen scheint, weil sie keinen Fortschritt f\u00fcr den Naturschutz bedeutet. Aber ihr Nachfragen zeigt: Sie will den Dingen auf den Grund gehen \u2013 auch wenn das bedeutet, sich mit unbequemen Realit\u00e4ten auseinanderzusetzen.\u00a0<\/p>\n<p>Altlasten machen den Start komplizierter<\/p>\n<p>Denn das Gro\u00dfprojekt Vera 2 ist ein schwieriges Erbe, das sie von Vorg\u00e4nger Kerstan \u00fcbernommen hat. Die Kosten f\u00fcr die neue Kl\u00e4rschlammverbrennungsanlage stiegen von urspr\u00fcnglich 196 auf knapp 297 Millionen Euro. Kerstan erkl\u00e4rte, zu sp\u00e4t \u00fcber die Kostensteigerungen informiert worden zu sein. Es kam zu internen Querelen bei Hamburg Wasser, in deren Folge beide Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer das Unternehmen verlie\u00dfen. F\u00fcr ein st\u00e4dtisches Unternehmen war das ein veritabler Skandal, begleitet von \u00f6ffentlicher Kritik. \u00a0Fegebank selbst nannte die Situation r\u00fcckblickend \u201enicht nur bedauerlich, sondern auch wirklich \u00e4rgerlich\u201c.<\/p>\n<p>Dass sie heute genauer hinschaut, ist also nicht nur eine Frage des Stils, sondern auch eine Lehre aus der Vergangenheit. Von der neuen Umweltsenatorin wird nun erwartet, das Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen. Bislang bleibt jedoch offen, wie sie die Projektsteuerung konkret verbessern will. Auch eine \u00f6ffentliche Aufarbeitung der Fehler aus der Vergangenheit steht aus. Kritiker bem\u00e4ngeln, dass Fegebank zwar Pr\u00e4senz zeigt, aber noch keine strukturellen Konsequenzen gezogen hat.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck gibt es Projekte, die besser laufen. Bereits zwei Tage zuvor hatte die 48-J\u00e4hrige die Baustelle der gr\u00f6\u00dften Abwasserw\u00e4rmepumpe Deutschlands auf der Dradenau besucht. Zwischen Rohrleitungen und technischen Aggregaten lie\u00df sie sich den Baufortschritt zeigen. Fegebank sprach von einem \u201eMeilenstein f\u00fcr Hamburgs W\u00e4rmewende\u201c und betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit der st\u00e4dtischen Unternehmen sei, um die Klimaneutralit\u00e4t m\u00f6glichst noch vor dem gesetzlich festgelegten Jahr 2045 zu erreichen.<\/p>\n<p>Ihre Agenda ist ambitioniert. Fegebank m\u00f6chte Hamburgs \u00f6kologische Transformation vorantreiben. Dazu geh\u00f6rt der Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere durch Fernw\u00e4rme, Abwasserw\u00e4rme und Wasserstoff. Gleichzeitig setzt sie auf enge Kooperation mit der Industrie, sie will Partnerin im Wandel sein. Ihre Devise: Klimaschutz und wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit m\u00fcssen zusammen gedacht werden. Daf\u00fcr muss sie Vertrauen schaffen: bei B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern, bei den st\u00e4dtischen Unternehmen, in der Verwaltung. Auch dazu sollen die Besuche vor Ort dienen. Dass Medien dazu eingeladen sind, ist f\u00fcr Fegebank ein Vehikel, um Transparenz zu schaffen.<\/p>\n<p>In der Umweltbeh\u00f6rde wird das \u00f6ffentliche Auftreten der neuen Senatorin hingegen mit gemischten Gef\u00fchlen betrachtet. Dass die Umweltpolitik bei der Zweiten B\u00fcrgermeisterin angesiedelt ist, wird goutiert. Allerdings hei\u00dft es hinter vorgehaltener Hand, Fegebanks Fokus auf \u00f6ffentliche Auftritte sei \u00fcbertrieben. Und auch in der Stadt erntet Fegebank f\u00fcr ihren Angang an Umwelt- und Klimapolitik nicht nur Lob. In Teilen der Umweltbewegung etwa werden ihr Fokus auf Technik und der Versuch, die Wirtschaft eng einzubeziehen, skeptisch gesehen. Interne Kritiker mahnen, dass Fegebanks Politik zu wenig basisgr\u00fcne Elemente enthalte.<\/p>\n<p>Nach zehn Jahren in der ersten Reihe der Politik l\u00e4sst sich die Umweltsenatorin davon nicht beirren. Auf die Frage, ob sich ihre neue Rolle sehr von ihrer Zeit als Wissenschaftssenatorin unterscheide, antwortet sie ohne Z\u00f6gern: \u201eIch bin begeistert von dem, was Hamburg in Sachen Energiewende und Nachhaltigkeit auf die Beine stellt.\u201c Und sie sieht eine Verbindung zwischen ihren alten und neuen Aufgaben: \u201eMir war immer wichtig, m\u00f6glichst viele Menschen f\u00fcr Wissenschaftsthemen zu gewinnen. Das ist auch bei den neuen Themen in der Umweltbeh\u00f6rde so. Hamburg hat so viele herausragende Projekte. F\u00fcr die will ich begeistern.\u201c<\/p>\n<p><b>Redakteurin <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/julia-witte\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/julia-witte\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Julia Witte genannt Vedder<\/b><\/a><b> arbeitet in der <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Hamburg-Redaktion<\/b><\/a><b> von WELT und WELT AM SONNTAG. Seit 2011 berichtet sie \u00fcber <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/hamburg-politik\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/hamburg-politik\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Hamburger Politik<\/b><\/a><b>. <\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Mai ist Katharina Fegebank Hamburgs Umweltsenatorin. 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