{"id":264440,"date":"2025-07-13T07:18:11","date_gmt":"2025-07-13T07:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/264440\/"},"modified":"2025-07-13T07:18:11","modified_gmt":"2025-07-13T07:18:11","slug":"chaos-in-islamabad-jetzt-inhaftiert-die-pakistanische-polizei-die-afghanen-die-nach-deutschland-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/264440\/","title":{"rendered":"Chaos in Islamabad: Jetzt inhaftiert die pakistanische Polizei die Afghanen, die nach Deutschland sollten"},"content":{"rendered":"<p>Seit Monaten wird heftig um die Aufnahmen von afghanischen Staatsb\u00fcrgern durch die Bundesrepublik gestritten. Zuletzt hie\u00df es aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt, man wolle sich an gemachte Zusagen halten. Nun lief ein an Berlin gestelltes Ultimatum aus \u2013 und die pakistanischen Beh\u00f6rden machen Ernst.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Nach Ablauf eines Ultimatums zur Aufnahme von rund 2500 in Islamabad befindlichen Afghanen hat sich ein diplomatischer Konflikt zwischen der Bundesregierung und der pakistanischen Regierung weiter zugespitzt.<\/p>\n<p>Wie WELT AM SONNTAG aus Diplomatenkreisen erfuhr, forderte Islamabad Berlin bereits Ende 2024 auf, Probleme bei den verschiedenen Aufnahmeprogrammen f\u00fcr afghanische Staatsb\u00fcrger zu l\u00f6sen. Deutschland hatte seit der Macht\u00fcbernahme der Taliban im Sommer 2021 Zehntausenden Afghanen Aufnahmezusagen erteilt, sie aber nicht direkt eingeflogen. Stattdessen mussten sie zun\u00e4chst nach Pakistan ausreisen, wo Bundespolizei, Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BamF) und Verfassungsschutz abschlie\u00dfende Checks vornahmen.<\/p>\n<p>Weil der Prozess viel l\u00e4nger als geplant dauert \u2013 im Schnitt warten die Afghanen aktuell rund acht Monate auf ein endg\u00fcltiges \u201eGo\u201c \u2013 und die Visa f\u00fcr Pakistan nur drei Monate g\u00fcltig sind, befinden sich die Menschen illegal im Land \u2013 ein Zustand, den die Regierung in Islamabad nicht weiter akzeptieren will.<\/p>\n<p>Berlin sollte die von der GIZ angemieteten G\u00e4steh\u00e4user zun\u00e4chst bis zum 31. M\u00e4rz r\u00e4umen; auf deutsches Dr\u00e4ngen wurde die Frist auf den 30. Juni verl\u00e4ngert \u2013 doch wieder geschah nichts. Nach Informationen von WELT AM SONNTAG sind derzeit keine f\u00fcr die letzten Pr\u00fcfungen ben\u00f6tigten BamF-Mitarbeiter vor Ort, da sie wegen des indisch-pakistanischen Konflikts im Mai aus Sicherheitsgr\u00fcnden ausgeflogen wurden. <\/p>\n<p>Wenige Tage vor Ablauf der Frist begannen pakistanische Beh\u00f6rden mit Razzien in den G\u00e4steh\u00e4usern und brachten einzelne Afghanen mit abgelaufenem Visum ins Haji-Abschiebelager nahe Islamabad. Laut Informationen dieser Redaktion schlugen GIZ-Mitarbeiter Alarm und informierten die deutsche Botschaft. Deutsche Beamte bem\u00fchten sich, Abschiebungen in die Heimat zu verhindern \u2013 meist erfolgreich. Mehrfach wurden Betroffene in den vergangenen zwei Wochen zur\u00fcck in die G\u00e4steh\u00e4user gebracht.<\/p>\n<p>\u201eEs herrscht Chaos\u201c<\/p>\n<p>Nach Informationen von WELT AM SONNTAG hat die pakistanische Polizei ihre Eins\u00e4tze gegen das deutsche Aufnahmeprogramm aber zuletzt deutlich ausgeweitet. \u201eEs herrscht heilloses Chaos\u201c, sagte eine mit der Lage vertraute Person in Islamabad: \u201eUnabh\u00e4ngig davon, wie man zu den Aufnahmeprogrammen steht, ist es ein Wahnsinn, wie mit dem Schicksal von Menschen umgegangen wird.\u201c <\/p>\n<p>Das Ausw\u00e4rtige Amt (AA) erkl\u00e4rte vergangene Woche, die \u201eaufenthaltsrechtliche Situation\u201c afghanischer Staatsb\u00fcrger habe sich \u201eseit Herbst 2023 verschlechtert und seit Anfang April 2025 erneut versch\u00e4rft\u201c. Man stehe \u201ein engem und hochrangigem Kontakt mit der pakistanischen Regierung\u201c, um Abschiebungen von Afghanen mit g\u00fcltiger Aufnahmezusage zu verhindern, die sich zum Zwecke der Visumspr\u00fcfung in Islamabad aufhielten.<\/p>\n<p>Am 2. Juli teilte das Ausw\u00e4rtige Amt mit, ihm seien die Festnahmen zweier betroffener Familien bekannt. Aktuellere Zahlen nannte es diese Woche nicht. Nach Recherchen von WELT AM SONNTAG wurden seit Beginn der Eins\u00e4tze rund 150 Afghanen mit Aufnahmezusage in Lager gebracht; ihr Verbleib ist teils unklar. Bemerkenswert ist, wie Berlin in solchen F\u00e4llen reagiert: Weil Abgeschobene oft ihre P\u00e4sse zur\u00fccklassen m\u00fcssen, bem\u00fchen sich deutsche Stellen, die Dokumente per Kurier auf die afghanische Seite der Grenze zu bringen. Dort k\u00f6nnen sie die Betroffenen wieder in Empfang nehmen \u2013 f\u00fcr eine legale Wiedereinreise nach Pakistan.<\/p>\n<p>Die neue Bundesregierung will laufende Aufnahmeprogramme beenden und keine neuen starten. Au\u00dfenminister Johann Wadephul (CDU) k\u00fcndigte jedoch an, sich an bestehende Aufnahmezusagen f\u00fcr in Pakistan festsitzende Personen halten zu wollen \u2013 sofern diese rechtlich bindend sind. Dass dem so zu sein scheint, zeigt ein erstinstanzliches Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts von Dienstag: Die Bundesregierung muss einer afghanischen Familie mit Aufnahmezusage ein Visum f\u00fcr die Einreise nach Deutschland erteilen.<\/p>\n<p>Nachdem mehrere Personen Klage eingereicht hatten, argumentierte das AA in einer WELT AM SONNTAG vorliegenden Erwiderung am 26. Juni noch, Afghanen mit Aufnahmezusage verf\u00fcgten \u00fcber \u201eeinen Schutzbrief, den die Deutsche Botschaft ausgestellt hat\u201c. Au\u00dferdem st\u00fcnde man in st\u00e4ndigem Kontakt mit den pakistanischen Beh\u00f6rden, die ihr Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr erkennen lassen h\u00e4tten, \u201edass ein Abschluss der Ausreisen in den humanit\u00e4ren Aufnahmeprogrammen (&#8230;) nicht bis zum Monatsende m\u00f6glich sein wird\u201c. Das AA schrieb: \u201eEine konkrete Abschiebungsgefahr f\u00fcr die Antragsteller:innen ist (\u2026) nicht dargetan.\u201c<\/p>\n<p><b>Wir sind das Investigativteam: Sie haben Hinweise f\u00fcr uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich \u2013 per E-Mail oder \u00fcber den verschl\u00fcsselten Messenger Threema (X4YK57TU)<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Monaten wird heftig um die Aufnahmen von afghanischen Staatsb\u00fcrgern durch die Bundesrepublik gestritten. 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