{"id":265165,"date":"2025-07-13T14:08:19","date_gmt":"2025-07-13T14:08:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/265165\/"},"modified":"2025-07-13T14:08:19","modified_gmt":"2025-07-13T14:08:19","slug":"plaene-zum-wehrdienst-es-wird-mit-freiwilligkeit-nicht-funktionieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/265165\/","title":{"rendered":"Pl\u00e4ne zum Wehrdienst: &#8222;Es wird mit Freiwilligkeit nicht funktionieren&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>interview<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 13.07.2025 15:24 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die Pl\u00e4ne von Verteidigungsminister Pistorius f\u00fcr einen neuen Wehrdienst setzen vor allem auf Freiwilligkeit. Doch der Milit\u00e4rhistoriker S\u00f6nke Neitzel wirbt daf\u00fcr, die Wehrpflicht sofort wieder einzuf\u00fchren.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de:<\/strong> Eines der gr\u00f6\u00dften Probleme der Bundeswehr ist die Personallage. Verteidigungsminister Boris Pistorius sagt, man br\u00e4uchte, um die NATO-Vorgaben zu erf\u00fcllen, 260.000 Soldatinnen und Soldaten. Im Moment schafft es die Bundeswehr aber noch nicht einmal, die angestrebte Gr\u00f6\u00dfe von 200.000 zu erreichen. Wie sehen Sie diese ganze Debatte? Und br\u00e4uchte man nicht doch eine Wehrpflicht?\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>S\u00f6nke Neitzel: <\/strong>Die offizielle Linie des Ministers ist, dass er jetzt ein Gesetz einbringen wird, das auch den Pflichtanteil vorsieht. Das ist schon mal gut. Wunderbar sogar. Dass man den Pflichtteil einsetzen kann, wenn man feststellt: Man hat zu wenig Freiwillige. Das alles ist, glaube ich, ein Eingehen auf die SPD, die aus mir nicht erkennbaren Gr\u00fcnden gegen die Wehrpflicht ist. Obwohl sie damals 2011 gegen die Aussetzung der Wehrpflicht war.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/neitzel-102.jpg\" alt=\"S\u00f6nke Neitzel\" title=\"S\u00f6nke Neitzel | Kai Bublitz Fotoproduktion\"\/><\/p>\n<p>Zur Person<\/p>\n<p>            S\u00f6nke Neitzel ist ein deutscher Historiker. Er ist Lehrstuhl-Inhaber f\u00fcr Milit\u00e4rgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt an der Universit\u00e4t Potsdam. Zu seinen Forschungs- und Interessengebieten geh\u00f6ren unter anderem die Milit\u00e4r- und Gewaltgeschichte der Moderne sowie die Geschichte der Bundeswehr im internationalen Kontext.<\/p>\n<p>    &#8222;Wir verlieren Zeit&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de: <\/strong>Der letzte Parteitag der SPD hat sich grunds\u00e4tzlich gegen eine Wehrpflicht ausgesprochen. Erst wenn alle anderen M\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft sind, soll sie reaktiviert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Neitzel:<\/strong> Meines Erachtens unsinnigerweise, weil das ja keine Vollidioten bei der NATO sind, die diese &#8222;Force Models&#8220; erarbeiten. 260.000 sind jetzt im Vergleich zu deutschen Streitkr\u00e4ften, die wir im und nach dem Kalten Krieg hatten, auch nicht riesig. Wir hatten mal 370.000 nach der Wiedervereinigung. Also sind 260.000 f\u00fcr ein Land von 82 Millionen Einwohnern keine &#8222;Militarisierung&#8220;. Eigentlich ist klar: Wir brauchen die. Sowie 200.000 Reservisten. Und jedem ist klar: Es wird mit einer Freiwilligkeit nicht funktionieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nJetzt kann man das pr\u00fcfen. Dabei ist es v\u00f6llig klar und eindeutig, dass man diese Zahl von 80.000 zus\u00e4tzlichen Kr\u00e4ften nicht erreichen wird. Wir verlieren Zeit. Wir m\u00fcssen doch alles tun, um eine Konfrontation zu verhindern. Und dann m\u00fcssen wir doch auch klare Signale der Einigkeit und der Abschreckung senden.<\/p>\n<p>    &#8222;Die Bev\u00f6lkerung ist so weit&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de: <\/strong>Das hei\u00dft, Sie w\u00fcrden daf\u00fcr pl\u00e4dieren, jetzt klar zu sagen: Wir brauchen die Wehrpflicht sowieso fr\u00fcher oder sp\u00e4ter. Dann sollten wir sie lieber sofort einf\u00fchren?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Neitzel:<\/strong> Ja, das ist v\u00f6llig eindeutig. Beim Heer k\u00f6nnte man sofort heute 5.000 Wehrpflichtige aufnehmen, f\u00fcr die hat man ein Bett, einen Helm, ein Gewehr. Adenauer hat auch nicht mit 200.000 Wehrpflichtigen angefangen, in den 1950er-Jahren hatte man keine Kasernen und musste das eben auch aufbauen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMan kann jetzt anfangen und hat damit das politische Signal gesetzt: Ja, diese Republik ist bereit, sich anzupassen. Sie hat die Wehrpflicht ausgesetzt in einer bestimmten sicherheitspolitischen Lage. Und sie ist nat\u00fcrlich in der Lage, sie wieder einzusetzen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd die Bev\u00f6lkerung ist so weit. Wir sehen ja die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/deutschlandtrend\/deutschlandtrend-3482.html\" title=\"SPD f\u00e4llt im ARD-DeutschlandTrend auf 13 Prozent\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">neuesten Umfragen des ARD-DeutschlandTrends,<\/a> dass jetzt etwa 70+ Prozent f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Wehrpflicht sind und sogar bei den j\u00fcngeren Jahrg\u00e4ngen ist es eine knappe Mehrheit. Also: Auf was wartet Ihr?<\/p>\n<p>    &#8222;Diese Angst, Schritte zu gehen, schw\u00e4cht uns&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de: <\/strong>Nun argumentiert Verteidigungsminister Boris Pistorius aber: Wenn man die Wehrpflicht jetzt sofort einf\u00fchren w\u00fcrde, w\u00e4re die Truppe v\u00f6llig \u00fcberfordert. Man k\u00f6nnte gar nicht so viele aufnehmen, weil die Kasernen nicht da sind, die Strukturen, die Ausbildungsmittel. Macht es da nicht Sinn, es zun\u00e4chst mit Freiwilligkeit zu probieren statt mit Zwang?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Neitzel:<\/strong>\u00a0Es geht sowieso nicht um die allgemeine Wehrpflicht, wie wir sie im Kalten Krieg hatten mit mehr als 240.000 Wehrpflichtigen. Dar\u00fcber redet ja gar keiner. Es geht um eine Auswahl-Wehrpflicht. Klar w\u00e4re die Bundeswehr jetzt mit 40.000 oder so \u00fcberfordert. Aber die Zahlen, die ich vom Heer kenne, besagen: Morgen 5.000 Wehrpflichtige auf dem Hof &#8211; das w\u00fcrde gehen. Wir k\u00f6nnen ja klein anfangen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber wenn ein Krieg ausbr\u00e4che, dann m\u00fcssten wir auch schnell handeln. Dann k\u00f6nnen wir auch nicht erst einmal Arbeitskreise bilden. Ich glaube, innerhalb der Bundeswehr sind viele gute Leute &#8211; lasst die mal machen! Diese Angst, Schritte zu gehen, schw\u00e4cht uns. Es schw\u00e4cht auch die Demokratie, wenn die Leute den Glauben verlieren, dass wir uns wirklich reformieren k\u00f6nnen. Ich glaube, dass die Bundeswehr dazu in der Lage ist, wenn man sie machen l\u00e4sst. Und dass es letztlich eine politische Diskussion ist.\u00a0<\/p>\n<p>    &#8222;Jede Innovation wird tot-b\u00fcrokratisiert&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de:<\/strong> Damit sind wir beim Thema Bundeswehrreform und Struktur. Wenn ich Sie richtig verstehe, l\u00e4sst sich das auf die Formel bringen: Der Kopf ist einfach zu gewaltig und die Basis ist zu schw\u00e4chlich. Pistorius hat die Bundeswehrreform fast zur Chefsache gemacht, hat gesagt: In seinem Ministerium m\u00fcssen neue Strukturen eingezogen werden. Was l\u00e4uft da aus Ihrer Sicht noch schief?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Neitzel:<\/strong> Das hat ja alles nichts gebracht. Also im Ministerium gibt es 3.000 Stellen. Es ist das alte Problem, dass seit zehn Jahren die Zahl der Stellen in den Ministerien \u00fcberall &#8211; nicht nur im Verteidigungsministerium &#8211; massiv ansteigen. Und da muss man eben massiv runter. Bei der Bundeswehr sind \u00fcber 50 Prozent der Soldatinnen und Soldaten nicht im Kern der Auftragserf\u00fcllung, nicht in den Brigaden, Flottillen, Geschwadern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Israelis haben 25 Prozent in diesem sogenannten Overhead. Den braucht man, man braucht Verwaltung und St\u00e4be &#8211; aber eben nicht in dieser Menge. Und ich habe mal geschrieben, dass 30 Prozent so eine Kennzahl w\u00e4re, die f\u00fcr die Bundeswehr funktionieren w\u00fcrde. Aber das w\u00fcrde eben bedeuten, dass wir im Overhead mindestens 30.000 zu viel haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWir \u00fcberaltern auch. Da m\u00fcsste man meines Erachtens ran. Weil wir so viele \u00c4mter und St\u00e4be haben, wird jede Innovation tot-b\u00fcrokratisiert. Das w\u00e4re ein Kraftakt. Aber jeden Schritt, den wir jetzt nicht gehen, werden wir im Ernstfall mit dem Blut unserer Soldaten bezahlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dies ist eine gek\u00fcrzte Fassung des Interviews, das Kai K\u00fcstner f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.ardaudiothek.de\/episode\/urn:ard:episode:b5dc370203a256a6\/\" title=\"Link zum Podcast\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">NDR-Info-Podcast &#8222;Streitkr\u00e4fte und Strategien&#8220;<\/a> mit S\u00f6nke Neitzel f\u00fchrte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"interview Stand: 13.07.2025 15:24 Uhr Die Pl\u00e4ne von Verteidigungsminister Pistorius f\u00fcr einen neuen Wehrdienst setzen vor allem auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":265166,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,30,13,2134,14,15,12,9414,690],"class_list":{"0":"post-265165","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-headlines","14":"tag-interview","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-wehrdienst","19":"tag-wehrpflicht"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114846322216586732","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/265165","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=265165"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/265165\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/265166"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=265165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=265165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=265165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}