{"id":265263,"date":"2025-07-13T15:00:18","date_gmt":"2025-07-13T15:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/265263\/"},"modified":"2025-07-13T15:00:18","modified_gmt":"2025-07-13T15:00:18","slug":"wie-der-umgang-mit-gewalt-die-polizei-beschaeftigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/265263\/","title":{"rendered":"Wie der Umgang mit Gewalt die Polizei besch\u00e4ftigt"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 13.07.2025 15:27 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Gewalt gegen die Polizei war vor allem rund um Silvester ein Thema. Dabei gibt es regelm\u00e4\u00dfig \u00dcbergriffe gegen Einsatzkr\u00e4fte. Doch auch Polizisten m\u00fcssen sich Vorw\u00fcrfen stellen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/breinig-kerstin-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Kerstin Breinig\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/breinig-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/anke-hahn-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Anke Hahn (RBB)\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ankehahn-ts-104.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVor wenigen Wochen ver\u00f6ffentlichte ein Berliner Polizist einen eindringlichen Appell. &#8222;Wir brauchen Konsequenzen! Klare Urteile, schnellere Verfahren, sch\u00e4rfere Gesetze, mehr R\u00fcckhalt von Politik, von Justiz &#8211; und von der Gesellschaft, f\u00fcr die wir jeden Tag den Kopf hinhalten&#8220;, schrieb der anonyme Autor. Mit seinem offenen Brief wollte er auf Gewalt gegen sich und seine Kollegen aufmerksam machen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Polizisten k\u00f6nnen gewaltt\u00e4tige\u00a0\u00dcbergriffe langfristige Folgen haben, wie etwa in dem Fall einer jungen Beamtin, die in der Silvesternacht 2023 angegriffen wurde und bis heute darunter leidet. Ihren Job aufgeben will sie aber nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nErst vor wenigen Tagen erfolgte dazu das Urteil in Berlin: Zehn Monate Jugendhaft auf Bew\u00e4hrung, Freizeitarbeit und 4.000 Euro Schmerzensgeld soll ein junger Mann daf\u00fcr zahlen, dass er die Polizistin mit der Faust mehrfach ins Gesicht schlug. Immerhin sei der Fall \u00fcberhaupt vor Gericht gelandet, sagt Benjamin Jendro, der Berliner Sprecher der Gewerkschaft der Polizei. Oft passiere lange Zeit nichts, dann werde der Fall eingestellt. &#8222;Doch auch ein Urteil ist h\u00e4ufig noch ein Schlag ins Gesicht von Kollegen.&#8220;<\/p>\n<p>    Gewerkschafter beklagen Verrohung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMehr als 100.000 Polizisten wurden <a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/publikationen\/themen\/sicherheit\/BMI25028_pks-2024.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=8\" title=\"Link zur Kriminalstatistik 2024\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">laut Kriminalstatistik<\/a> bundesweit im vergangenen Jahr als Opfer von Angriffen registriert. So kommt es unter anderem zu \u00dcbergriffen auf Polizisten, die einen mutma\u00dflichen Straft\u00e4ter festnehmen wollen. Familienclans wollen die Verwandten befreien und sind erst durch ein massives Polizeiaufgebot zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Bei Demonstrationen werden Steine geworfen, Feuerwerksk\u00f6rper auf Polizisten abgefeuert und Schlaginstrumente eingesetzt. Anspucken, Beleidigungen und verbale Angriffe sind schon fast Alltag.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEs m\u00fcssen nicht unbedingt schwerste Verletzungen sein, doch es bleiben Spuren bei den Polizisten, die es als ihren Auftrag verstehen, die B\u00fcrger vor Kriminalit\u00e4t zu sch\u00fctzen. &#8222;Jeder Angriff gegen einen Polizisten ist ein Angriff gegen den Rechtsstaat&#8220;, steht in dem offenen Brief des Berliner Polizisten. Gewerkschafter beklagen seit Jahren eine zunehmende Verrohung, fehlenden Respekt und fehlenden R\u00fcckhalt f\u00fcr die Polizei in der Gesellschaft, auch von Politikern.<\/p>\n<p>    B\u00fcrgerbeschwerden \u00fcber die Polizei<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber es gibt auch Gewalt, die von Polizisten und anderen Einsatzkr\u00e4ften ausgeht. In Berlin k\u00f6nnen sich Betroffene, die keine Anzeige erstatten, an den unabh\u00e4ngigen Ombudsmann Alexander Oerke wenden. Er ist zust\u00e4ndig f\u00fcr B\u00fcrgerbeschwerden gegen die Polizei und interne Hinweise von Polizisten gegen Kollegen. Es geht um alles zwischen unh\u00f6flichem Verhalten bis zu m\u00f6glicherweise rechtswidriger Polizeigewalt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nOerke befasst sich dann mit den Vorw\u00fcrfen und ver\u00f6ffentlicht seine Bewertung in einem j\u00e4hrlichen T\u00e4tigkeitsbericht. Im vergangenen Jahr gab es demnach 190 Beschwerden. Es sind noch nicht alle endg\u00fcltig beschieden &#8211; klar ist nur: 56 Beschwerden waren sicher unbegr\u00fcndet, 14 begr\u00fcndet, in anderen F\u00e4llen wird weiter ermittelt oder es wurde durch Beratung und Schlichtung Abhilfe geschaffen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn sozialen Netzwerken finden sich Tausende von Videos, die ein hartes Vorgehen durch Beamte belegen sollen. Auch Oerke bekommt solche Videos zugeschickt. Oft zeigen die Aufnahmen laut <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/buerger-polizeibeauftragter\/aktuelles\/#headline_1_24\" title=\"Link zum Jahresbericht f\u00fcr Berlin\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">seinem Jahresbericht<\/a> allerdings nur verf\u00e4lschte, aus dem Kontext gerissene Ausschnitte und haben keine Aussagekraft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHinzu kommt, dass ein hartes Vorgehen der Polizei staatlich durchaus legitimiert ist. Der Einsatz von Zwangsmitteln, also von Pfefferspray, Festhalte- und Transportgriffen und auch der Schusswaffe ist grunds\u00e4tzlich zul\u00e4ssig, solange diese Mittel &#8222;verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig&#8220; sind. Diese Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit wird regelm\u00e4\u00dfig im Nachhinein von Gerichten und auch von der Polizei intern \u00fcberpr\u00fcft, wenn es Anlass dazu gibt oder gar eine Anzeige von Betroffenen vorliegt.<\/p>\n<p>    Wenn Polizisten vor Gericht stehen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd das hat im Zweifel auch Konsequenzen. Immer wieder werden Strafverfahren wegen K\u00f6rperverletzung im Amt eingeleitet. \u00dcber ihre genaue Anzahl gibt es allerdings keine belastbare Statistik. Auch zur Verurteilung von Polizisten kommt es h\u00f6chst selten, meist wegen Mangels an Beweisen oder weil der Nachweis, dass Gewaltanwendung nicht angemessen war, schwer zu f\u00fchren ist, wenn Aussage gegen Aussage steht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDenn Polizisten k\u00f6nnen sich in den meisten F\u00e4llen darauf verlassen, dass ihre Kollegen nicht gegen sie aussagen w\u00fcrden, sagt Lorenz Blumenthaler von der Amadeu-Antonio-Stiftung, die unter anderem Betroffene von Polizeigewalt unterst\u00fctzt. Es herrsche immer noch ein Korpsgeist in der Institution Polizei, den nur wenige brechen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUm ein solches Beispiel geht es in einem Prozess in Berlin. Seit Anfang Juli stehen vier Polizisten vor dem Landgericht. Einer von ihnen soll in der Berliner Alexanderplatz-Wache einen Mann mehrfach ins Gesicht geschlagen haben. Der Polizist verlie\u00df inzwischen die Beh\u00f6rde, bevor ein entsprechendes Verfahren eingeleitet werden konnte. Bei seinen Kollegen geht es auch darum, ob sie ihn gedeckt haben, beziehungsweise wer eine Anzeige gegen den mutma\u00dflichen Schl\u00e4ger verhindert hat. Das Opfer bekam eine Anzeige wegen Widerstandes.\u00a0In diesem Fall vergingen vier Jahre zwischen Tat und Prozess. Immerhin soll noch in diesem Monat ein Urteil fallen.<\/p>\n<p>    Stiftung geht von gro\u00dfem Dunkelfeld aus<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Blumenthaler ist solch ein Fall typisch. Betroffene von Polizeigewalt w\u00fcrden oft gar nicht gegen die T\u00e4ter vorgehen, weil sie nicht an einen Erfolg ihrer Anzeige glaubten. Immer wieder komme es vor, dass eine Anzeige gegen Polizisten sofort mit einer Gegenanzeige beantwortet wird, etwa wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte wie in Berlin. Zudem m\u00fcssten meist die eigenen Kollegen gegen den T\u00e4ter ermitteln.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin institutionelles Problem f\u00fcr Blumenthal, das ver\u00e4ndert werden muss. Eine unabh\u00e4ngige Instanz sei in solchen F\u00e4llen notwendig. Und letztlich: Wenn es\u00a0wirklich mal zum Prozess komme, dauere der sehr lang. Es gebe deshalb ein gro\u00dfes Dunkelfeld zum Thema Polizeigewalt. \u00d6ffentlich bekannt und statistisch relevant w\u00fcrden dann tats\u00e4chlich nur Einzelf\u00e4lle.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber gerade die Gewerkschaft der Polizei sieht einen Kulturwandel bei den Kolleginnen und Kollegen. Inzwischen gingen auch Anzeigen wegen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Polizeigewalt auf Kollegen des Gewaltt\u00e4ters in Uniform zur\u00fcck. &#8222;Ich glaube schon, dass gerade in den letzten Jahren auch die Berliner Polizei sehr deutlich gemacht hat, wenn ihre Kollegen Grenzen \u00fcbertreten&#8220;, sagt Gewerkschafter Benjamin Jendro. Nur, wenn Polizisten sich bedroht und pauschal als Gewaltt\u00e4ter vorverurteilt f\u00fchlten, sei die Stimmung daf\u00fcr schwierig.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBlumenthal dagegen fordert eine Null-Toleranz-Politik in der Polizei f\u00fcr Fehltritte der eigenen Kollegen. Schlie\u00dflich besitze die Polizei das Privileg auf Aus\u00fcbung von Gewalt von Staats wegen. Diese Verantwortung m\u00fcsse in jede Richtung und mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Transparenz wahrgenommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 13.07.2025 15:27 Uhr Gewalt gegen die Polizei war vor allem rund um Silvester ein Thema. 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