{"id":265804,"date":"2025-07-13T20:09:15","date_gmt":"2025-07-13T20:09:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/265804\/"},"modified":"2025-07-13T20:09:15","modified_gmt":"2025-07-13T20:09:15","slug":"berliner-senat-will-bei-den-unis-sparen-klagen-gegen-die-kettensaege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/265804\/","title":{"rendered":"Berliner Senat will bei den Unis sparen: Klagen gegen die Kettens\u00e4ge"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Berlin taz | Der Senat habe bei der Finanzierung der Hochschulen \u201eordentlich verkackt\u201c, sagt Gabriel Tiedje, Referent der Studierendenvertretung der TU-Berlin, in aller Deutlichkeit: 142 Millionen Euro weniger, 25.000 Studienpl\u00e4tze weg, unz\u00e4hlige Entlassungen, z\u00e4hlt er die Folgen der K\u00fcrzungen auf, die auf die Berliner Hochschulen zukommen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Am Montag wird sich voraussichtlich abzeichnen, ob Berlins Hochschulen gegen den Senat klagen. Laut BHT-Pr\u00e4sidentin Julia Neuhaus ist die Klageschrift unter Beteiligung aller Berliner Hochschulen in Vorbereitung. Die Chancen f\u00fcr eine erfolgreiche Klage st\u00fcnden gut, zumindest nach einem am Freitag bei einer Pressekonferenz im Abgeordnetenhaus vorgestellten rechtlichen Gutachten der Linken. Gekommen waren neben Studierendenvertreter auch Ge\u00adwerk\u00adschaf\u00adte\u00adr:in\u00adnen und die Hochschulpr\u00e4sident:innen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Laut Gutachten sei der Senat nicht befugt, die erst im Februar 2024 unterzeichneten Vertr\u00e4ge mit den Hochschulen einseitig aufzuk\u00fcndigen, um finanziell umzustrukturieren. Der Senat darf die Hochschulen zwar um Nachverhandlungen bitten \u2013 diese m\u00fcssen allerdings nicht zustimmen. Das sei nie geschehen, der Senat stelle die Hochschulen vor quasi vollendete Tatsachen, kritisiert TU-Pr\u00e4sidentin Geraldine Rauch auf der Pressekonferenz: \u201eDen Verhandlungen haben wir nicht zugestimmt.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Trotzdem setzen die Hochschulen die Gespr\u00e4che mit dem Senat am Montag fort, in der Hoffnung, auch ohne Klage eine Einigung zu erzielen. Ob geklagt wird, h\u00e4ngt also konkret davon ab, wie viel Geld die Hochschulen in der letzten Verhandlungsrunde bekommen.<\/p>\n<p>      Nicht auf Augenh\u00f6he beteiligt<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Kritisiert wird von den Uni\u00adver\u00adsi\u00adt\u00e4ts\u00adpr\u00e4\u00adsi\u00adden\u00adt:in\u00adnen nicht nur das knappe Geld, sondern auch, dass sie nicht transparent und auf Augenh\u00f6he beteiligt werden. \u201eEs muss ein gemeinschaftlicher Prozess sein, den die Hochschulen treiben m\u00fcssen und nicht nur, wo wir netterweise ein bisschen beteiligt werden\u201c, fordert Rauch.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Die TU-Pr\u00e4sidentin kritisiert, dass die K\u00fcrzungen in eine Zeit fallen, in der Wissenschaftssysteme weltweit unter Attacke st\u00fcnden, beispielsweise die drastischen K\u00fcrzungen von Stipendien- und Studienprogrammen in den USA. Auch hierzulande geraten Universit\u00e4ten von allen Seiten unter Druck.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Ein Beispiel sei hier das Papier f\u00fcr \u201eEntb\u00fcrokratisierung\u201c <a href=\"https:\/\/www.leopoldina.org\/leopoldina-home\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">der Leopoldina<\/a>, der Nationale Akademie der Wissenschaften in Halle (Saale), in dem Bereiche wie Gleichstellungsbeauftragte als b\u00fcrokratische Zusatzkosten markiert sind, die es zu streichen gelte. Laut Leopoldina seien Beauftragte f\u00fcr Gleichstellung und Arbeitssicherheit \u201eNebenzwecke\u201c, dessen Finanzierung in \u201eWissenschaftseinrichtungen vermieden und gegebenenfalls r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht\u201c werden sollte. Allgemein sei es nun hoff\u00e4higer zu behaupten, dass bestimmte Bereiche wie Gleichstellungsma\u00dfnahmen oder auch Geistes- und Sozialwissenschaften insgesamt \u00fcberfl\u00fcssig seien, kritisiert Rauch.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Erst k\u00fcrzlich stie\u00df Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) auf massive Kritik, als sie die komplette Streichung der Geisteswissenschaften an TU Berlin vorschlug. Dass technische Universit\u00e4ten Geisteswissenschaften anbieten, ist jedoch eine Lehre aus der NS-Zeit, um Naturwissenschaften nicht unreflektiert zu betreiben.<\/p>\n<p>      International renommiert<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">In der Praxis werden sich die K\u00fcrzungen also sehr unterschiedlich auswirken. So trifft es kritische Sozialwissenschaften h\u00e4ufig h\u00e4rter als naturwissenschaftliche Bereiche. Zum Beispiel droht die Sozial- und Kulturanthropologie an der Freien Universit\u00e4t komplett wegzubrechen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"12\">Dabei ist Berlin bekannt f\u00fcr internationalen Austausch und f\u00fcr Institute kritischer Sozial- und Geisteswissenschaften wie dem Centre for Social Critique oder dem Wissenschaftszentrum Berlin f\u00fcr Sozialforschung (WZB). International renommiert ist auch das f\u00fcr die 68er-Studierenden-Bewegung historisch bedeutsame Otto-Suhr-Institut f\u00fcr kritische Politikwissenschaft.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\">Verdi-Gewerkschaftssekret\u00e4rin Jana Seppelt betont, dass die Wissenschaft neben Kunst und Kultur eine der wichtigsten Einnahmequelle f\u00fcr das Land sind. Besonders \u00fcber Drittmittelakquise werden Millioneninvestitionen in die Stadt geholt. Dramatisch dabei sei, dass durch die K\u00fcrzungen zwei von f\u00fcnf Exzellenzcluster zu entfallen drohen. Die Forschungsverb\u00fcnde haben besonders viele Drittmittel angelockt.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Bei Schwarz-Rot hat die Wissenschaft keine Priorit\u00e4t<\/p>\n<p class=\"typo-fotocredit pt-xsmall\">\n            Tobias Schulze, Linke<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"14\">\u201eBei Schwarz-Rot hat die Wissenschaft keine Priorit\u00e4t\u201c, erg\u00e4nzt Wissenschaftspolitiker Tobias Schulze (Linke). Er spricht von einem \u201eanti-wissenschaftlichen Reflex\u201c, der von Berlin, \u00fcber den Bund, bis international den Wert der Wissenschaft f\u00fcr die Gesellschaft und Demokratie nicht mehr anerkennt.<\/p>\n<p>      Schlechte Arbeitsbedingungen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"16\">Gewerkschaftssekret\u00e4rin Seppelt bem\u00e4ngelt bei der Pressekonferenz, dass besonders die prek\u00e4r in Fristvertr\u00e4gen Besch\u00e4ftigten unter den K\u00fcrzungen leiden werden. F\u00fcr Verdi ist klar, dass sie keine K\u00fcndigung von Tarifvertr\u00e4gen zulassen: \u201eWer an die Tarifvertr\u00e4ge geht, wird mit unserer Gegenwehr rechnen m\u00fcssen\u201c, sagt Seppelt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"17\">Dabei komme man nicht gerade aus fetten Jahren f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten, erl\u00e4utert Seppelt. Gerade die Arbeitsbedingungen f\u00fcr Nach\u00adwuchs\u00adwis\u00adsen\u00adschaft\u00adle\u00adr:in\u00adnen sind schlecht. Laut aktuellem Hochschulreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds sind 82 Prozent der wissenschaftlichen Mit\u00adar\u00adbei\u00adte\u00adr:in\u00adnen befristet angestellt. Der vorherige rot-rot-gr\u00fcne Senat wollte mit einer Entfristungspflicht f\u00fcr Postdocs nachhelfen. Erst am vergangenen Donnerstag urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass dies die Kompetenzen des Landes Berlin \u00fcberschreite.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"18\">Ob Berlin auch in Zukunft als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts bestehen kann, wird sich diesen Montag zeigen. F\u00fcr TU-Pr\u00e4sidentin Rauch und ihre Kol\u00adle\u00adg:in\u00adnen ist klar, dass sie sich \u201ediesen Prozess auf keinen Fall aus der Hand nehmen lassen\u201c. Zu Montag wurde breit durch die Hochschulen auf eine Demonstration vor der Senatsverwaltung f\u00fcr Wissenschaft mobilisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin taz | Der Senat habe bei der Finanzierung der Hochschulen \u201eordentlich verkackt\u201c, sagt Gabriel Tiedje, Referent der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":265805,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,30,1940,1938],"class_list":{"0":"post-265804","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-nachrichten-aus-berlin","15":"tag-news-aus-berlin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114847741725958283","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/265804","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=265804"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/265804\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/265805"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=265804"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=265804"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=265804"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}