{"id":266346,"date":"2025-07-14T01:31:09","date_gmt":"2025-07-14T01:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/266346\/"},"modified":"2025-07-14T01:31:09","modified_gmt":"2025-07-14T01:31:09","slug":"literatur-professorin-ulrike-draesner-ueber-kuerzungen-beim-dll-und-den-blick-in-die-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/266346\/","title":{"rendered":"Literatur-Professorin Ulrike Draesner \u00fcber K\u00fcrzungen beim DLL und den Blick in die Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n<strong>\u00dcberall wird gek\u00fcrzt. Inwiefern ist auch das Deutsche Literaturinstitut Leipzig (DLL) davon betroffen? Und wie k\u00f6nnen Sie das erhalten, was das DLL in 30 Jahren aufbauen konnte?<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/thueringen\/mitte-thueringen\/weimar\/literatur-preis-adenauer-stiftung-ulrike-draesner-kultur-news-100.html\" title=\"Weimar: Ulrike Draesner mit Literaturpreis der Adenauer-Stiftung geehrt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Ulrike Draesner<\/strong><\/a><strong>: <\/strong>Diese Frage stellen wir uns auch dringend. Nat\u00fcrlich sind wir davon betroffen. Vollst\u00e4ndig, wie alle anderen Institutionen auch, stehen noch weitere K\u00fcrzungen im Raum.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWir haben darauf damit reagiert, dass wir jetzt einen F\u00f6rderverein gegr\u00fcndet haben, der hei\u00dft &#8222;Institutsgesellschaft&#8220;. Und er geht gerade online. Die Beitrittserkl\u00e4rungen sind jetzt auch juristisch fertig. Und ein gro\u00dfer Aufruf an alle, die sich f\u00fcr Literatur interessieren und das <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/literatur\/deutsches-literaturinstitut-leipzig-geschichte-100.html\" title=\"Das macht das Deutsche Literaturinstitut Leipzig so besonders\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DLL<\/a> und die Vermittlung an die junge Generation f\u00f6rdern wollen: Bitte treten Sie bei!\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>MDR KULTUR: Was ist der gr\u00f6\u00dfte Wandel, den das DLL in den letzten 30 Jahren durchgemacht hat?<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/literatur\/dll-deutsches-literaturinstitut-leipzig-studium-karriere-100.html\" title=\"Leipzig: Was Studierende des DLL mit ihrem Abschluss anfangen k\u00f6nnen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DLL<\/a> war ein, ich sage es jetzt mal ein bisschen flapsig, ein M\u00e4nnerbetrieb, als es gegr\u00fcndet wurde. Drei Professoren! Ich war dann die erste Frau 2018, die auf eine feste Stelle kam. Und dann kam Kerstin Preiwu\u00df 2021. Und damit ist auch eine andere Atmosph\u00e4re entstanden.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEs ist nat\u00fcrlich auch ein Generationenwechsel, der sich da vollzieht. Der Kanon dessen, was gelesen wird, hat sich zum Beispiel vollkommen ver\u00e4ndert. Und auch die Herangehensweise.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nKooperation spielt eine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr uns. Wir hatten letztes Jahr den gro\u00dfen Schreibkongress, das war auch auf Initiative von mir hin entstanden, eine Vernetzung mit den anderen Schreibschulen in Deutschland, \u00d6sterreich und Schweiz.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>Wenn man sich die Bewerbungen und die eingereichten Texte der letzten Jahre anschaut, w\u00fcrden Sie sagen, da gibt es Themen, die immer wieder kommen und die wie ein Seismograph sind in Bezug auf das, was die J\u00fcngeren heute umtreibt?<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas sind, glaube ich, zwei Paar Schuhe. Zum einen kommt immer wieder Coming of Age. Das liegt einfach daran, dass das die jungen Menschen, die sich bei uns bewerben, nat\u00fcrlich besch\u00e4ftigt. Das ist ihre Lebensexpertise, die sie da mitbringen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUnd dann gibt es noch das Seismografische. Das wechselt. Als ich anfing, erinnere ich mich, wurden sehr, sehr viele dystopische Texte geschrieben. Dann gab es eine Zeit lang, wo sehr viele Gender-, Sex-, Identity-Fragen aufkamen. In diesem Jahr ist mir gar kein besonderer Schwerpunkt aufgefallen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAlso, das wechselt. Es gibt ja Zeitgeist, es gibt Themen, die besonders hei\u00df diskutiert werden. Oft kommen die in der Literatur erst mit einer gewissen Verz\u00f6gerung an. Und das ist auch gut so! Und wir brauchen ja auch Zeit, um diese Sachen mental sozusagen zu verarbeiten. Und dann \u00fcberhaupt eine Sprache daf\u00fcr zu finden, wie man so etwas literarisch erz\u00e4hlen k\u00f6nnte.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>Das Literaturinstitut in Leipzig steht auf einem historischen Grund. 1955 wurde in der DDR schon das Institut f\u00fcr Literatur &#8222;Johannes R. Becher&#8220; gegr\u00fcndet. Daraus ist auf eine gewisse Art das DLL hervorgegangen. Andererseits war dessen Gr\u00fcndung 1995 auch ein Neuanfang. Wie verbunden ist das heutige DLL mit seiner DDR-Geschichte?<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDamit ist es sehr verbunden \u2013 und zwar eigentlich auf doppelte Weise. Wir haben ja zum einen diese institutionelle Tradition mit dem &#8222;Johannes R. Becher&#8220;-Institut. Und mein Vorg\u00e4nger, Ulrich Treichel, hat dazu ein gro\u00dfes Forschungsprojekt gemacht, wo dann Ver\u00f6ffentlichungen entstanden sind. Das Archiv haben wir \u00fcbernommen, mit der Diplomarbeit von Sarah Kirsch zum Beispiel. Das wurde alles ausgewertet, das ist alles zug\u00e4nglich. Und zum anderen haben wir ja auch eine \u00f6rtliche, lokale Geschichte.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWir sind umgezogen, das DLL ist nicht am selben Ort wie das &#8222;Johannes R. Becher&#8220;-Institut. Wir sitzen in der Villa Giesecke in der W\u00e4chterstra\u00dfe. Und das ist ein Leipziger Ort, der 1907 von einem Druckereibesitzer gebaut wurde und einer j\u00fcdischen Familie geh\u00f6rte \u2013 und zu DDR-Zeiten als Erholungsheim der Volkspolizei genutzt wurde. Und die Stasi sa\u00df im Keller und hat die Volkspolizei abgeh\u00f6rt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWir gehen sozusagen durch die gesamte deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts mit diesem Haus. Und haben seit einem Jahr auch eine Ausstellung dazu im Haus, die ich initiiert habe, weil ich finde, dass es eben wichtig ist, genau auch das aufzuzeigen: die Verbundenheit mit der Stadtgeschichte, mit der st\u00e4dtischen Gemeinschaft, mit Sachsen, mit diesem Umfeld, in dem ja so ein Institut \u00fcberhaupt nur florieren kann. Und nat\u00fcrlich auch mit der Literatur, die ja nicht in einem luftleeren Raum entsteht und vor allen Dingen auch nicht in ihn hineingeschrieben wird, sondern die adressiert ist, die Zeitgenossenschaft erprobt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nQuelle: MDR KULTUR (Ulrike Draesner im Gespr\u00e4ch mit Karoline Knappe), redaktionelle Bearbeitung: op<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00dcberall wird gek\u00fcrzt. Inwiefern ist auch das Deutsche Literaturinstitut Leipzig (DLL) davon betroffen? 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