{"id":266848,"date":"2025-07-14T06:33:11","date_gmt":"2025-07-14T06:33:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/266848\/"},"modified":"2025-07-14T06:33:11","modified_gmt":"2025-07-14T06:33:11","slug":"die-wachsende-stadt-soll-sich-an-vorhandene-stadtteile-anschmiegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/266848\/","title":{"rendered":"Die wachsende Stadt soll sich an vorhandene Stadtteile anschmiegen"},"content":{"rendered":"<p>Christopher Festersen im Gespr\u00e4ch mit anderen Fachleuten beim &#8222;Hafenratschlag&#8220; der Stadt M\u00fcnster. (Bild: Heiner Witte\/Stadt M\u00fcnster)<\/p>\n<p><strong>Klimareporter\u00b0: Herr Festersen, die Stadt M\u00fcnster beschloss 2023 einen &#8222;Leitfaden Klimagerechte Bauleitplanung&#8220;. Das sorgte zun\u00e4chst f\u00fcr eine Menge Aufregung. Einige Medien echauffierten sich \u00fcber ein angeblich beschlossenes <a href=\"https:\/\/www.marktundmittelstand.de\/technologie\/muenster-verbietet-einfamilienhaeuser\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Verbot<\/a> von Einfamilienh\u00e4usern. So eine Vorschrift stand sicher gar nicht zur Debatte?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christopher Festersen:<\/strong> Dass M\u00fcnster mit dem beschlossenen <a href=\"https:\/\/www.stadt-muenster.de\/fileadmin\/user_upload\/stadt-muenster\/61_stadtplanung\/pdf\/Bebauungsplan\/Klima-Leitfaden_1-0.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Leitfaden<\/a> Einfamilienh\u00e4user verbietet, war wirklich eine Legende. Dennoch hat das die Presse ziemlich lange besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Als Reaktion darauf stellten wir eine Liste mit Fragen und Antworten ins Netz, ein <a href=\"https:\/\/www.stadt-muenster.de\/stadtplanung\/bebauungsplanung\/faq-einfamilienhaeuser\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&#8222;FAQ Einfamilienh\u00e4user&#8220;<\/a>. Darin kl\u00e4rten wir als Planer auf, was wir unter einem Einfamilienhaus verstehen. Landl\u00e4ufig ist damit nur das frei stehende Eigenheim gemeint. Als St\u00e4dteplaner bef\u00fcrworten wir aber vor allem gereihte und verdichtete Bauweisen, die trotzdem \u00fcber einen individuellen Hauseingang je Wohnung verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich die Aufregung \u00fcber M\u00fcnster gelegt. Aufgrund der \u00e4lter werdenden Einwohnerschaft stehen in den n\u00e4chsten Jahren ohnehin viele frei stehende Einfamilienh\u00e4user zum Verkauf. Von einem Verbot, diese H\u00e4user weiterhin zu nutzen, kann auch hier keine Rede sein.<\/p>\n<p><strong>Das Eigenheim im Gr\u00fcnen gilt noch immer als das Traumziel vieler B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Wie kann die Stadtplanung darauf reagieren?<\/strong><\/p>\n<p>Genau dazu hat sich die Stadt M\u00fcnster den Leitfaden f\u00fcr eine klimagerechte Bauleitplanung gegeben. Er dient der Nachhaltigkeit, soll f\u00fcr einen schonenden Umgang mit dem wertvollen Boden sorgen sowie den Zw\u00e4ngen steigender Bodenpreise begegnen.<\/p>\n<p>Ziel der Bauleitplanung ist es unter anderem, mit den Ressourcen sparsam und verantwortungsvoll umzugehen. Zu ber\u00fccksichtigen ist dabei: M\u00fcnster w\u00e4chst von Jahr zu Jahr bei der Einwohnerzahl. 2024 haben wir erneut etwa 1.500 Einwohner und Einwohnerinnen dazugewonnen.<\/p>\n<p>Wir fragen uns deswegen: Muss die Stadt schnell weiterwachsen oder vielleicht nur moderat? L\u00f6sen wir mit der Stadtplanung m\u00f6glicherweise Prozesse aus, durch die Einwohner in die Nachbargemeinden abwandern, was dann Pkw-Pendelverkehr hervorruft? \u00dcber diese Fragen fand eine intensive fachliche Auseinandersetzung statt.<\/p>\n<p><strong>Wie kann man sich das konkret vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>2023 schrieb die zust\u00e4ndige Regionalplanungsbeh\u00f6rde Nordrhein-Westfalens den <a href=\"https:\/\/www.bezreg-muenster.de\/themen\/regionalplanung-und-regionalrat\/regionalplan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Regionalplan M\u00fcnsterland<\/a> fort. In ihrer Stellungnahme dazu b\u00fcndelte die Stadt M\u00fcnster Antworten auf entscheidende Zukunftsfragen: Wie viel Siedlungsraum m\u00fcssen wir vorhalten, damit wir als Stadt noch Spielr\u00e4ume haben, Vorsorge betreiben k\u00f6nnen und nicht von Fl\u00e4cheneigent\u00fcmern unter Druck gesetzt werden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Christopher Festersen<\/p>\n<p>leitet seit 2018 das Stadtplanungsamt in M\u00fcnster. Davor war er in Oldenburg stellvertretender Leiter des Planungsamtes und f\u00fcr den Fachdienst Stadtentwicklung und Bauleitplanung verantwortlich. Festersen engagiert sich auch im Verein <a href=\"https:\/\/muenster-modell.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">M\u00fcnster Modell<\/a>, einer Initiative von Stadt, Hochschulen, Architekturverb\u00e4nden, Unternehmen und Einzelpersonen zur F\u00f6rderung des baukulturellen Diskurses.<\/p>\n<p>Schon lange besch\u00e4ftigt sich M\u00fcnster mit den Problemen von Versiegelung und Siedlungsentwicklung. Da geht es nicht nur ums Wohnen, sondern eben auch um die Verf\u00fcgbarkeit von Siedlungs-Freifl\u00e4chen sowie den Fl\u00e4chenbedarf f\u00fcr erneuerbare Energien. Auf diese Weise wollen wir die steigende <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/tag\/flaechenverbrauch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Fl\u00e4chenkonkurrenz<\/a> in den Griff bekommen.<\/p>\n<p>All das m\u00fcndete im <a href=\"https:\/\/www.stadt-muenster.de\/stadtplanung\/planen\/integriertes-flaechenkonzept\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&#8222;Integrierten Fl\u00e4chenkonzept M\u00fcnster&#8220;<\/a>. Das wurde im September 2024 vom Stadtrat beschlossen, parallel mit der erw\u00e4hnten Stellungnahme zum Regionalplan.<\/p>\n<p><strong>Welchen Zweck verfolgt so ein Konzept?<\/strong><\/p>\n<p>Das integrierte Fl\u00e4chenkonzept ist, vereinfacht gesagt, ein &#8222;Fl\u00e4chennutzungsplan light&#8220;. Wir gehen f\u00fcr M\u00fcnster zwar weiter von einem Wachstumsszenario f\u00fcr die Stadt aus, lenken aber die Richtung, wo dieses Wachstum stattfinden soll.<\/p>\n<p>M\u00fcnster hat sich dabei gegen den Bau neuer Stadtteile entschieden, also gegen neue &#8222;Satelliten&#8220;-Siedlungen am Stadtrand. Unser Ziel ist vielmehr, dass sich die wachsende Stadt an vorhandene Stadtteile gewisserma\u00dfen &#8222;anschmiegt&#8220;.<\/p>\n<p>In M\u00fcnster soll zum Beispiel dort neu gebaut werden, wo der \u00f6ffentliche Nahverkehr schon Haltestellen hat oder diese nicht allzu weit von der Bebauung sind. Wir k\u00f6nnen es uns heute nicht mehr leisten, alles, was das moderne t\u00e4gliche Leben erfordert, st\u00e4dtebaulich g\u00e4nzlich neu zu schaffen.<\/p>\n<p><strong>Gibt es Erkenntnisse aus dieser Planung?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr M\u00fcnster haben wir keine pauschale Antwort. Die Stadt ist sowohl sehr urban als auch sehr l\u00e4ndlich. F\u00fcr uns gilt: Je zentraler ein neues Baugebiet liegt, desto dichter kann es bebaut werden. Unser Ziel bleibt immer, sparsam mit der Fl\u00e4che umzugehen.<\/p>\n<p>In diesem Sinne haben wir 2023 und 2024 insgesamt vier st\u00e4dtebauliche Wettbewerbe durchgef\u00fchrt. In den entsprechenden Ausschreibungen spiegelte sich der Geist der klimagerechten Bauleitplanung wider.<\/p>\n<p><strong>Steht also, statt &#8222;auf der gr\u00fcnen Wiese&#8220; neu zu bauen, die Idee im Vordergrund, eine vorhandene Infrastruktur f\u00fcr die Stadtentwicklung zu nutzen und den Stadtraum so in gewisser Weise effizient zu verdichten?<\/strong><\/p>\n<p>So l\u00e4sst sich das auf den Nenner bringen. Im Hintergrund spielt die Idee der <a href=\"https:\/\/die-stadtgestalter.de\/2021\/01\/10\/sollte-bochum-zur-15-minuten-stadt-werden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">15-Minuten-Stadt<\/a> mit, in der die Bed\u00fcrfnisse des t\u00e4glichen Lebens innerhalb eines Radius von 15 Minuten Wegstrecke zu erledigen sind. Nimmt man diese Idee ernst, muss man die st\u00e4dtebauliche Entwicklung darauf ausrichten.<\/p>\n<p>Bei der Vergabe von Bauland orientiert sich die Stadt seit 2014 an ihrem Baulandbeschluss zur sozial gerechten Bodennutzung M\u00fcnster, abgek\u00fcrzt <a href=\"https:\/\/www.stadt-muenster.de\/immobilien\/liegenschaften\/sozialgerechte-bodennutzung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&#8222;SoBoM\u00fc&#8220;<\/a>. Dieses Konzept wird seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert.<\/p>\n<p>Es schreibt bei der Vergabe von Bauland zum Beispiel einen Mindestanteil gef\u00f6rderter Wohnungen vor. Das kann ich als Modell weiterempfehlen. Im M\u00fcnster gilt auch die Beschlusslage, in st\u00e4dtebaulich bedeutsamen Lagen vorrangig, aber nicht ausschlie\u00dflich Grundst\u00fccke in <a href=\"https:\/\/www.sup-kiel.com\/erbbaurecht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Erbbaurecht<\/a> zu vergeben.<\/p>\n<p class=\"placeholder-article-bottom\">\u00a0<\/p>\n<p><strong>Weil Wohnen in St\u00e4dten oft teurer ist, ziehen Familien ins Umland. Das kann zu verst\u00e4rktem Bauen auf der gr\u00fcnen Wiese f\u00fchren. Was l\u00e4sst sich dagegen tun?<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem haben wir bei der Erstellung des integrierten Fl\u00e4chenkonzepts mitdiskutiert. Zum Gl\u00fcck ist M\u00fcnster Teil einer Stadtregion, in der die Stadt sowie die elf Umlandkommunen zusammen an diesem Thema arbeiten. Ziel ist, das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kirchturmpolitik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Kirchturmdenken<\/a> zu \u00fcberwinden. Diese Art freiwillige Zusammenarbeit ist bundesweit noch selten, funktioniert bei uns aber seit einigen Jahren.<\/p>\n<p>Von einer Kreislaufwirtschaft bei den Fl\u00e4chen sind wir aber noch ein gutes St\u00fcck entfernt. Zudem sind die M\u00f6glichkeiten der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konversion_(Stadtplanung)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Konversion<\/a> endlich, also der Nutzbarmachung &#8222;alter&#8220; Fl\u00e4chen. Solange viele gesellschaftliche Entwicklungen auf weiteres Wachstum <a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/landwirtschaft\/unterm-asphalt-kein-leben\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">hinwirken<\/a>, ist es enorm schwer, die Nullversiegelung zu erreichen. Allerdings gelingt es uns als Stadt, die Quote der Versiegelung zur\u00fcckzufahren.<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.klimareporter.de\/component\/banners\/click\/97\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" title=\"Rabe Ralf Umweltzeitung\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/300x250rr_25_5-14_1.jpg\" alt=\"Rabe Ralf. Nicht nur f\u00fcr Gro\u00dfstadtv\u00f6gel\" width=\"300\" height=\"250\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Christopher Festersen im Gespr\u00e4ch mit anderen Fachleuten beim &#8222;Hafenratschlag&#8220; der Stadt M\u00fcnster. 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