{"id":267372,"date":"2025-07-14T11:29:12","date_gmt":"2025-07-14T11:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/267372\/"},"modified":"2025-07-14T11:29:12","modified_gmt":"2025-07-14T11:29:12","slug":"ein-palliativarzt-steht-im-verdacht-in-berlin-patienten-getoetet-zu-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/267372\/","title":{"rendered":"Ein Palliativarzt steht im Verdacht, in Berlin Patienten get\u00f6tet zu haben."},"content":{"rendered":"<p>Er soll sich als Herr \u00fcber Leben und Tod geriert haben: Fast ein Jahr nach seiner Verhaftung steht der Palliativarzt in Berlin wegen 15-fachen Mordes vor Gericht. In schwarzem Sakko und wei\u00df-gemustertem Hemd sitzt er im Saal 700 hinter seinen drei Verteidigern. Aufmerksam, \u00e4u\u00dferlich regungslos verfolgt er, wie Staatsanwalt Philipp Meyh\u00f6fer die Anklage mit perfiden Details verliest, ab und an blickt er w\u00e4hrend der rund 20 Minuten auf. Zu den Vorw\u00fcrfen schweigt der 40-J\u00e4hrige mit den dunkelblonden, kurzen Locken.<\/p>\n<p>\u00abUnser Mandant wird zun\u00e4chst keine Erkl\u00e4rung abgeben\u00bb, sagte Verteidiger Christoph Stoll in dem voll besetzten Saal. Der Prozess vor dem Landgericht Berlin gegen den deutschen Arzt begann unter gro\u00dfem Medien- und Publikumsandrang.<\/p>\n<p>Tr\u00e4nen bei Mutter des j\u00fcngsten Opfers<\/p>\n<p>13 Angeh\u00f6rige von Gestorbenen sind nach Gerichtsangaben bislang als Nebenkl\u00e4ger vertreten. Drei von ihnen sind pers\u00f6nlich erschienen. Die Mutter des j\u00fcngsten Opfers aus Guinea verfolgte unter Tr\u00e4nen den Verfahrensauftakt.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abGeliebte Angeh\u00f6rige sind zu Tode gekommen. Das wollen sie hier verhandelt wissen\u00bb, sagte einer der Nebenkl\u00e4ger-Anw\u00e4lte. Die Angeh\u00f6rigen seien teils traumatisiert. Es bestehe gro\u00dfer Aufkl\u00e4rungsbedarf.<\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft Berlin wirft dem promovierten Mediziner Mord aus Heimt\u00fccke und sonstigen niedrigen Beweggr\u00fcnden vor. Sie hat zun\u00e4chst in 15 F\u00e4llen Anklage erhoben. Parallel laufen jedoch die Ermittlungen weiter. Aktuell gibt es noch 71 F\u00e4lle, in denen ein Anfangsverdacht besteht. Auch der Tod der krebskranken Schwiegermutter des Arztes geh\u00f6rt dazu, wie Sprecher Sebastian B\u00fcchner sagte.\u00a0<\/p>\n<p>Staatsanwaltschaft \u00fcberpr\u00fcft noch 71 F\u00e4lle\u00a0<\/p>\n<p>Insgesamt hat die f\u00fcr den Fall eingerichtete Ermittlungsgruppe Hunderte Unterlagen von Patienten des Mediziners ausgewertet. Bislang wurde in 15 F\u00e4llen veranlasst, dass Leichen ausgegraben und rechtsmedizinisch untersucht wurden. In einem Fall stehe solch eine Exhumierung noch aus, so B\u00fcchner.<\/p>\n<p>Vor Gericht geht es zun\u00e4chst um 15 Todesf\u00e4lle im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024. Als bislang erstes und j\u00fcngstes Opfer nennt die 255-seitige Anklage eine 25-J\u00e4hrige, als \u00e4ltestes eine 94 Jahre alte Frau.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abUnter Missachtung des Lebens- und Selbstbestimmungsrechtes\u00bb seiner Patientinnen und Patienten und um eigens\u00fcchtig seine \u00abeigenen Vorstellungen vom Sterben und Zeitpunkt des Lebensendes\u00bb dieser zu verwirklichen, soll der Palliativmediziner 12 Frauen und 3 M\u00e4nnern ohne \u00abmedizinische Indikation und ohne deren Wissen und Zustimmung\u00bb jeweils ein t\u00f6dliches Gemisch aus Narkoseeinleitungs- und Beruhigungsmittel verabreicht haben.<\/p>\n<p>Arzt soll seine Vertrauensstellung ausgenutzt haben<\/p>\n<p>Der Arzt soll die Taten im Rahmen seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr zwei Pflegedienste in Berlin begangen haben. Palliativ\u00e4rzte begleiten schwerstkranke Menschen, um deren Schmerzen zu lindern. Diese Vertrauensstellung soll der verheiratete Vater eines Kindes ausgenutzt haben. Teils unangek\u00fcndigt suchte er die Betroffenen auf, meist waren die Patienten allein, so die Staatsanwaltschaft.<\/p>\n<p>In einigen F\u00e4llen legte der Mediziner laut Ermittlungen Br\u00e4nde, um die Taten zu vertuschen. Die Polizei ermittelte in den F\u00e4llen zun\u00e4chst wegen Brandstiftung mit Todesfolge &#8211; dabei geriet der Arzt zunehmend in den Fokus. Dazu beigetragen haben laut Staatsanwaltschaft auch Hinweise der Pflegedienste, f\u00fcr den der Beschuldigte gearbeitet hatte.<\/p>\n<p>Die F\u00e4lle, bei denen Br\u00e4nde gelegt wurden, sollen laut der Vorsitzenden Richterin Sylvia Busch nun als Erstes im Prozess, der am 23. Juli fortgesetzt wird, beleuchtet werden. Bei der Obduktion der Leichen wurde Angaben zufolge festgestellt, dass die Toten nicht infolge des Brandes gestorben waren.\u00a0<\/p>\n<p>Durch Br\u00e4nde in den Fokus geraten<\/p>\n<p>Die Anklage nennt teils perfide Details zum Vorgehen des Arztes, der seit Anfang August 2024 in Haft sitzt: Am 5. September 2024 soll er einer k\u00f6rperlich geschw\u00e4chten 56-J\u00e4hrigen in ihrer Wohnung ohne medizinischen Anlass ein Narkosemittel und ein Muskelrelaxan verabreicht haben. Aus Sorge vor Entdeckung habe er dann aber einen Notruf abgesetzt und wahrheitswidrig angegeben, die Frau in einem \u00abreanimationspflichtigen Zustand\u00bb angetroffen zu haben, so die Anklage. Rettungskr\u00e4fte konnten die Frau reanimieren und brachten sie ins Krankenhaus.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abIn Fortf\u00fchrung seines Tatplans und im Wissen um die Patientenverf\u00fcgung der Gesch\u00e4digten\u00bb, wonach die Frau keine lebensverl\u00e4ngernden Ma\u00dfnahmen w\u00fcnscht, soll der Mediziner die Tochter der 56-J\u00e4hrigen angerufen und sich f\u00fcr den Versto\u00df gegen diese Verf\u00fcgung entschuldigt haben. Mit Zustimmung beider T\u00f6chter wurde schlie\u00dflich die k\u00fcnstliche Beatmung eingestellt &#8211; die Frau starb am 8. September 2024 im Krankenhaus in Neuk\u00f6lln.<\/p>\n<p>Das Gericht hat f\u00fcr den Prozess zun\u00e4chst 35 Verhandlungstermine bis zum 28. Januar 2026 geplant. Zu jedem Fall gibt es mehrere Zeugen, insgesamt k\u00f6nnten rund 150 Menschen vor Gericht geh\u00f6rt werden.<\/p>\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften F\u00e4lle bundesweit?<\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft strebt gegen den 40-J\u00e4hrigen neben einer Verurteilung die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und eine anschlie\u00dfende Sicherungsverwahrung an. Au\u00dferdem soll der Arzt ein lebenslanges Berufsverbot bekommen.<\/p>\n<p>Best\u00e4tigen sich die Vorw\u00fcrfe, k\u00f6nnte der Fall einer der gr\u00f6\u00dften bundesweit sein. Bislang gilt eine Mordserie in Niedersachsen als die wohl gr\u00f6\u00dfte der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ex-Pfleger Niels H\u00f6gel wurde 2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Motiv f\u00fcr die Taten blieb unklar. Es sei ihm um die \u00abGier nach Spannung\u00bb gegangen, so das Gericht damals. Zuvor war H\u00f6gel bereits wegen weiterer Morde verurteilt worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er soll sich als Herr \u00fcber Leben und Tod geriert haben: Fast ein Jahr nach seiner Verhaftung steht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":267373,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,4151,2690,30,19170,80500,2510,1269,13661],"class_list":{"0":"post-267372","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-faellen","11":"tag-gericht","12":"tag-germany","13":"tag-opfer","14":"tag-palliativarzt","15":"tag-patienten","16":"tag-prozess","17":"tag-verdacht"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114851359474614493","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267372","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=267372"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267372\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/267373"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=267372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=267372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=267372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}