{"id":26739,"date":"2025-04-12T19:31:21","date_gmt":"2025-04-12T19:31:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/26739\/"},"modified":"2025-04-12T19:31:21","modified_gmt":"2025-04-12T19:31:21","slug":"zollpolitik-sicher-ist-dass-die-menschen-weiter-konsumieren-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/26739\/","title":{"rendered":"Zollpolitik: &#8222;Sicher ist, dass die Menschen weiter konsumieren werden&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Die Hamburger Helm AG beliefert die globale Chemie-, Agrar- und Energiestoffindustrie, unter anderem mit D\u00fcngemitteln oder Stoffen f\u00fcr die PET-Produktion. Ein Viertel ihres Handels t\u00e4tigt sie in den USA. Axel\u00a0Viering ist Vorstand der Chemiesparte des Unternehmens.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\n<strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Herr Viering, wie ist die Stimmung bei Ihnen?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\n<strong>Viering<\/strong>: Die Stimmung ist grunds\u00e4tzlich gut. Das ist nicht die erste<br \/>\nSituation mit Unw\u00e4gbarkeiten. Krisen hat es auch in der Vergangenheit gegeben, den<br \/>\nUkrainekrieg, die Pandemie, den Arabischen Fr\u00fchling, die Finanzkrise oder<br \/>\ndie Asienkrise.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\n<strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Schon, aber Sie t\u00e4tigen immerhin ein Viertel Ihrer<br \/>\nVerk\u00e4ufe in den USA, unter anderem durch Export.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\n<strong>Viering<\/strong>: Das ist richtig. Aber noch ist nicht allzu viel geschehen. Die<br \/>\nUS-Regierung hat sich mit Z\u00f6llen positioniert. Jetzt warten wir, wie sich andere<br \/>\nL\u00e4nder positionieren, um das komplette Bild zu haben.\n<\/p>\n<p>                            Axel Viering, Vorstand der Chemiesparte der Helm AG                \u00a9\u00a0Helm AG \/\u200b Robin Schmiedebach<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>In <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/hamburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hamburg<\/a> f\u00e4hrt man mit der S-Bahn zwischen Bahnhof und<br \/>\nHammerbrook an ihrem Hauptsitz vorbei, das rot-wei\u00dfe Logo d\u00fcrften viele kennen.<br \/>\nK\u00f6nnen Sie einmal erkl\u00e4ren, was Sie machen?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: Wir sind ein Handelsunternehmen mit weltweit 2.000<br \/>\nMitarbeitern. Wir haben eigene Dependancen in allen Regionen der Welt, in denen<br \/>\nChemikalien, D\u00fcnge- und Pflanzenschutzmittel produziert und verbraucht werden. In<br \/>\ndie USA exportieren wir haupts\u00e4chlich D\u00fcnge- und Pflanzenschutzmittel, die wir<br \/>\nvorher aus vielen Teilen der Welt, unter anderem aus Asien, Afrika, dem Mittleren Osten<br \/>\nund Nordamerika, einkaufen. In den USA liegen entlang des<br \/>\nMississippi gro\u00dfe landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4chen.<br \/>\nDort, im Corn Belt, werden in den USA die meisten D\u00fcngemittel verbraucht. Die stickstoff-<br \/>\noder kaliumbasierten Mittel bringen wir in fester, fl\u00fcssiger oder gasf\u00f6rmiger<br \/>\nForm per Schiff ins Land. Wir schlagen sie in unseren eigenen Terminals um und bringen<br \/>\nsie dann mit dem Lkw oder mit Flussschiffen den Mississippi entlang zu den<br \/>\nKunden. Diese Produkte werden unter anderem f\u00fcr den Mais- und Weizenanbau verwendet.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0ZON<\/p>\n<p>\n                    Newsletter<\/p>\n<p>                    Elbvertiefung \u2013 Der t\u00e4gliche Newsletter f\u00fcr Hamburg<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Erfahren Sie aus der Redaktion der ZEIT, was in Hamburg wichtig ist \u2013 pr\u00e4gnant, pers\u00f6nlich und pointiert, jeden Werktag um 6 Uhr<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a><br \/>\n     zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Was hat sich seit der Wende in der US-Zollpolitik f\u00fcr Sie ver\u00e4ndert?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: Vergleichsweise wenig. Alle Marktteilnehmer, Lieferanten,<br \/>\nVerbraucher, Transportunternehmen und H\u00e4ndler, verschaffen sich gerade erst mal<br \/>\neinen \u00dcberblick. Die Produkte werden gebraucht, sie m\u00fcssen also weiterhin<br \/>\nimportiert werden.\u00a0 Perspektivisch kann<br \/>\nman davon ausgehen, dass wir Einfuhrz\u00f6lle, die \u00fcber das bisherige Niveau gehen,<br \/>\nan die Kunden weiterreichen m\u00fcssen. Dann wird sich zeigen, was passiert.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Womit rechnen Sie?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: Warenstr\u00f6me werden sich ver\u00e4ndern. Wenn die USA etwa weiterhin<br \/>\nkeine Z\u00f6lle auf russische D\u00fcngemittel erheben, kann es dazu f\u00fchren, dass die russischen<br \/>\nD\u00fcngemittel, die derzeit nach Europa geliefert und dort genutzt werden, in die<br \/>\nUSA gehen, weil das Preisniveau in den USA attraktiver wird. Was an Menge<br \/>\nin Europa fehlt, muss dann von anderen Unternehmen und aus anderen L\u00e4ndern<br \/>\ngeliefert werden. Insgesamt ergibt sich dadurch schon eine volatile Lage. Am<br \/>\nEnde werden wir als Verbraucher die h\u00f6heren Preise bezahlen m\u00fcssen.\n<\/p>\n<p>        &#8222;Da kommen wir ins Spiel&#8220;        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE:<\/strong> Und in dieser volatilen Lage sehen Sie Ihre Chance?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: Korrekt. Wenn sich Warenstr\u00f6me ver\u00e4ndern, ist das f\u00fcr uns<br \/>\neine Gelegenheit, neue Handelsbeziehungen zu kn\u00fcpfen.\u00a0 <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Wie l\u00e4uft es f\u00fcr Ihr Chemikaliengesch\u00e4ft?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: F\u00fcr uns sind die USA sowohl Absatzmarkt als auch Lieferant.<br \/>\nUnser US-Gesch\u00e4ft versorgen wir \u00fcberwiegend mit lokaler Ware. Aus den USA verbringen wir zum Beispiel das Produkt Monoethylenglycol,<br \/>\nein Faserrohstoff, der f\u00fcr Polyester oder PET-Flaschen genutzt wird. Hier ist<br \/>\nChina der weltgr\u00f6\u00dfte Verbraucher und importiert sehr viel. Zwischen den USA und<br \/>\nChina gab es schon in der Vergangenheit Handelskonflikte mit Strafz\u00f6llen, sodass<br \/>\nwir Produkte woanders abgesetzt haben, zum Beispiel in Korea. Wir sind das<br \/>\ngewohnt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Hat die Zolleskalation zwischen den USA und China denn<br \/>\njetzt schon Auswirkungen auf Ihr Gesch\u00e4ft?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: Aktuell nicht. Wenn der Zollstreit aber weiter eskaliert,<br \/>\nm\u00fcssen sich etwa Lieferanten neue M\u00e4rkte suchen, solche, wo sie mit weniger<br \/>\nHandelshemmnissen zu tun haben und konkurrenzf\u00e4hig sind. Da kommen wir und andere Handelsunternehmen ins Spiel. Mit Lieferketten-<br \/>\nund Logistikkompetenz, Infrastruktur wie Schiffen, L\u00f6schtanks und Lkws.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Klingt, als profitierten Sie sogar davon?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: Zumindest intensivieren sich in einer Zeit wie dieser die<br \/>\nHandelsbeziehungen mit unseren Partnern, wir sind t\u00e4glich im Austausch. In der<br \/>\naktuellen Situation kann aber niemand etwas Gutes sehen. Weil niemand Klarheit<br \/>\ndar\u00fcber hat, was die zuk\u00fcnftigen Rahmenbedingungen sind. Sicher ist aber, dass die Menschen weiter konsumieren<br \/>\nwerden, es wird weiter produziert und weiter verbraucht.\n<\/p>\n<p>                        &#8222;Das eine ist Politik, das andere ist Wirtschaft.&#8220;        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Was also hat sich durch die aktuelle Zoll-Politik der USA<br \/>\nf\u00fcr Sie ver\u00e4ndert?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: L\u00e4nder wie Indien und Brasilien sch\u00fctzen ihre heimische<br \/>\nWirtschaft seit Jahrzehnten mit hohen Einfuhrz\u00f6llen. Nur waren Z\u00f6lle in der<br \/>\nVergangenheit eher ein branchenspezifisches Thema \u2013 es ging um einzelne<br \/>\nProdukte. Jetzt ist es allumfassend. Was sich ver\u00e4ndert hat, sind das Ausma\u00df<br \/>\nund die Komplexit\u00e4t.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Hatten Sie Vorkehrungen getroffen f\u00fcr den Fall der Wiederwahl<br \/>\nvon Trump?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: Nein. Risikomanagement und ver\u00e4nderte Marktbedingungen sind unser<br \/>\nt\u00e4glich Brot, das \u00e4ndert sich nicht durch einen Regierungswechsel. Und es gibt<br \/>\nja keine konkreten Aussagen. Da die internationale Politik derzeit<br \/>\noffensichtlich nicht in der Lage ist, Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen<br \/>\nman planbar wirtschaften kann, ist es umso wichtiger, einen k\u00fchlen Kopf zu bewahren.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Die USA sind nicht nur der wichtigste Handelspartner f\u00fcr<br \/>\ndeutsche Unternehmen, es gibt auch eine Verbundenheit dar\u00fcber hinaus \u2013 sp\u00fcren<br \/>\nSie eine besondere Beziehung zu den USA, oder ist das Land f\u00fcr Sie eines wie<br \/>\njedes andere?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\"><strong>Viering<\/strong>: Das eine ist Politik, das andere ist Wirtschaft. Die USA<br \/>\nsind f\u00fcr uns ein wichtiger Absatzmarkt und auch Lieferland f\u00fcr Produkte, und das<br \/>\nwerden sie auch bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Hamburger Helm AG beliefert die globale Chemie-, Agrar- und Energiestoffindustrie, unter anderem mit D\u00fcngemitteln oder Stoffen f\u00fcr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26740,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[15444,15443,29,30,692,1492,15442,1060],"class_list":{"0":"post-26739","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-axel-viering","9":"tag-chemieindustrie","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-hamburg","13":"tag-us-zoelle","14":"tag-wirtschaftslage","15":"tag-zollpolitik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114326659773099830","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26739"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26739\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}