{"id":267736,"date":"2025-07-14T14:51:16","date_gmt":"2025-07-14T14:51:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/267736\/"},"modified":"2025-07-14T14:51:16","modified_gmt":"2025-07-14T14:51:16","slug":"frankreich-und-neukaledonien-das-ende-der-kolonialgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/267736\/","title":{"rendered":"Frankreich und Neukaledonien: Das Ende der Kolonialgeschichte?"},"content":{"rendered":"<p>Meinung<\/p>\n<p>Weltunikum im S\u00fcdpazifik \u2013 <\/p>\n<p>Paris l\u00e4sst Neukaledonien los \u2013 zumindest ein bisschen<\/p>\n<p class=\"ContentHead_lead____SsS link_regular__O0hk0 link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs\">Ein Staat im Staat \u2013 das hat es so noch nie gegeben: Das franz\u00f6sische \u00dcberseegebiet soll ein Labor werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/D72hieUaK12Alt1Mi9ltMu.jpg\"  width=\"100\" height=\"100\"  alt=\"Oliver Meiler\" class=\"AuthorImage_root__WCxj_ ContentMetaInfo_authorimage__Mp4LD AuthorImage_-content-head__3qDob\" style=\"background-color:#8B8B8B\"\/>Analyse von Publiziert heute um 16:24 Uhr<img decoding=\"async\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2zJ8FPY7KvL8cL5ntApSJ9.jpg\" alt=\"Strand von Noumea mit Spazierg\u00e4ngern, Palmen und Hochh\u00e4usern im Hintergrund, aufgenommen am 23. Juli 2023.\" title=\"Strand von Noumea mit Spazierg\u00e4ngern, Palmen und Hochh\u00e4usern im Hintergrund, aufgenommen am 23. Juli 2023.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#454A40\"\/><\/p>\n<p>Paradies weit weg: Noum\u00e9a, der Hauptort von Neukaledonien, liegt 17\u2019000 Kilometer entfernt von Paris.<\/p>\n<p>Foto: Ludovic Marin (AFP)<\/p>\n<p>Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.<a href=\"https:\/\/bottalk.io\/de\/\" class=\"BottalkPaywall_bottalklink__KDtuf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">BotTalk<\/a><\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Kolonien sind von gestern, selbst wenn sie eine neue institutionelle Form tragen. Frankreich besitzt noch immer eine Reihe von <a class=\"HtmlText_root__A1OSq\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/unruhen-in-neukaledonien-paris-traegt-eine-mitschuld-am-chaos-979211366508\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00dcberseegebieten<\/a>, die jeden Abend vor den Hauptnachrichten als kurze Nennungen in der Wetterprognose aufscheinen: als P\u00fcnktchen im Pazifik, im Atlantik, im Indischen Ozean. Meist ist es dort sonnig. Auf Neukaledonien zum Beispiel, eine Welt entfernt.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">\u00abLe Caillou\u00bb, das Steinchen, sagen die Franzosen aus der Metropole, wie es fr\u00fcher hiess, als die Franzosen noch richtige Kolonien besassen. Diese Bezeichnung ist ein Synonym f\u00fcr Neukaledonien, als w\u00e4re die Inselgruppe im Korallenmeer im s\u00fcdlichen Pazifik ein einziger kleiner Punkt auf der Weltkarte. Dabei sind es sieben.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Die weitaus gr\u00f6sste Insel heisst Grande Terre, auf ihr liegt der Hauptort Noum\u00e9a, ein Drittel der rund 300\u2019000 Bewohner lebt dort. \u00abCaillou\u00bb k\u00f6nnte sich aber auch auf das Nickel beziehen, das in reichlichen Mengen im neokaledonischen Boden steckt und den Appetit aller M\u00e4chte in der Region n\u00e4hrt. Ein Viertel des Weltvorkommens an Nickel kommt aus Neukaledonien. Man braucht es f\u00fcr die Herstellung von Batterien, Handys, Flachbildschirmen, das ist nicht unwesentlich in der heutigen Zeit.<\/p>\n<p>Emotionale Bindung? Nur bedingt<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Auf Neukaledonien leben Kanaken, wie die Ureinwohner auf den S\u00fcdseeinseln heissen, und Nichtkanaken, die \u00fcber die Jahrzehnte aus Kontinentalfrankreich \u00fcbergesiedelt sind, und <a class=\"HtmlText_root__A1OSq\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/neukaledonien-frankreich-bangt-um-kontrolle-auf-insel-617663763935\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sie leben oft im Konflikt miteinander<\/a>. Politisch militante Kanaken s\u00e4hen ihr kleines Inselreich, das sie \u00abKanaky\u00bb nennen, gerne total unabh\u00e4ngig. W\u00e4hrend die Nichtkanaken mehrheitlich Loyalisten sind und gern weiterhin sehr eng sein wollen mit Paris. Es liegt 17\u2019000 Kilometer von Noum\u00e9a entfernt.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Frankreich klammert sich also nicht nur aus emotionalen Gr\u00fcnden an seine \u00dcberseegebiete, sondern auch, weil sie geostrategisch gut liegen oder reiche Ressourcen in sich tragen. Umgekehrt gilt, dass die urans\u00e4ssigen Menschen in den \u00dcberseegebieten zumindest ein bisschen vom Wohlstand aus Europa profitieren. Emotional aber ist es schwierig.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/EiZQmn0GK8Z8v8zCnc_b2Y.jpg\" alt=\"Emmanuel Macron l\u00e4chelt neben Sonia Backes w\u00e4hrend eines Treffens zur Vereinbarung mit Neukaledonien im Elysee-Palast.\" title=\"Emmanuel Macron l\u00e4chelt neben Sonia Backes w\u00e4hrend eines Treffens zur Vereinbarung mit Neukaledonien im Elysee-Palast.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#9A6D77\"\/><\/p>\n<p>Die Erleichterung nach der Einigung: Frankreichs Staatspr\u00e4sident Emmanuel Macron und Staatssekret\u00e4rin Sonia Backes mit den Vertretern der beiden Lager im Hintergrund.<\/p>\n<p>Foto: Tom Nicholson (AFP)<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Nun soll Neukaledonien einen neuen Status bekommen, der so originell ist, dass es wohl auf der ganzen Welt nichts \u00c4hnliches gibt. Ein Unikum, eine juristische Trouvaille, auf die sich \u00abloyalistes\u00bb und \u00abind\u00e9pendantistes\u00bb in Paris am Wochenende geeinigt haben \u2013 nach komplizierten Gespr\u00e4chen, denen schwere Unruhen im letzten Jahr vorausgegangen waren.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Neukaledonien soll ein Staat in der Republik werden, mit fast allem drum und dran, Name, Fahne, Hymne, wenn die Inselbewohner das denn wollen. Sie w\u00e4ren dann Doppelb\u00fcrger: Neukaledonier und Franzosen, S\u00fcdpazifiker und Europ\u00e4er, alles zusammen. Neukaledonien k\u00f6nnte auch von anderen Staaten anerkannt werden und diplomatische Beziehungen mit ihnen unterhalten, etwa als Mitglied der Vereinten Nationen.<\/p>\n<p>Nun m\u00fcssen die Verhandler die Basis \u00fcberzeugen<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Aber, und jetzt kommts: Selbst in der neuen Form bliebe Neukaledonien Teil des nationalen Ganzen Frankreichs, es unterst\u00fcnde also auch in Zukunft der franz\u00f6sischen Verfassung. Wollte es weitere Kompetenzen des Zentralstaates \u00fcbernehmen, etwa die Verteidigung nach aussen, die innere Sicherheit, die Pr\u00e4gung einer eigenen W\u00e4hrung, dann m\u00fcssten drei F\u00fcnftel des neukaledonischen Kongresses daf\u00fcr stimmen. Es darf also gewissermassen unabh\u00e4ngig werden und dabei abh\u00e4ngig bleiben.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Mal sehen, ob der Deal auch bei der Basis beider Lager durchkommt, sicher ist das nicht. Den Loyalisten geht der erzielte Kompromiss eher zu weit, den K\u00e4mpfern f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit nicht weit genug. Doch vielleicht ist das der sanfte Beginn einer weiteren Dekolonisierungswelle.<\/p>\n<p class=\"DynamicTeaser_boxtitle__B6piN\">Mehr zu Frankreichs \u00dcberseegebieten<\/p>\n<p>Newsletter<\/p>\n<p>Der Sonntag<\/p>\n<p>Das Sonntags-Team liefert die besten Lesest\u00fccke der Woche und exklusive Blicke hinter die Kulissen.<\/p>\n<p><a class=\"NewsletterBox_more__FNemz link_underlinelink__K5Zr0\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/newsletter-uebersicht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weitere Newsletter<\/a><\/p>\n<p>Einloggen<\/p>\n<p class=\"Feedback_root__fr_Mi ArticleContainer_content-width__FRl7F\">Fehler gefunden?<a href=\"mailto:tagesleitung.korrektorat@tamedia.ch?subject=Hinweis%20auf%20Fehler%20%7C%20Oliver%20Meiler%20%7C%20Paris%20l%C3%A4sst%20Neukaledonien%20los%20%E2%80%93%20zumindest%20ein%20bisschen&amp;body=Ich%20habe%20in%20diesem%20Inhalt%20einen%20Fehler%20entdeckt%3A%20https%3A%2F%2Fwww.tagesanzeiger.ch%2Ffrankreich-und-neukaledonien-das-ende-der-kolonialgeschichte-487266430039\" class=\"Feedback_feedbacklink__VyDCi link_underlinelink__K5Zr0\">Jetzt melden.<\/a><\/p>\n<p>0 Kommentare<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Meinung Weltunikum im S\u00fcdpazifik \u2013 Paris l\u00e4sst Neukaledonien los \u2013 zumindest ein bisschen Ein Staat im Staat \u2013&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":267737,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-267736","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114852153728948905","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=267736"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267736\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/267737"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=267736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=267736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=267736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}