{"id":26775,"date":"2025-04-12T19:50:17","date_gmt":"2025-04-12T19:50:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/26775\/"},"modified":"2025-04-12T19:50:17","modified_gmt":"2025-04-12T19:50:17","slug":"freilassung-nach-eltern-mord-politik-wechsel-koennte-menendez-bruedern-zum-verhaengnis-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/26775\/","title":{"rendered":"Freilassung nach Eltern-Mord?: Politik-Wechsel k\u00f6nnte Menendez-Br\u00fcdern zum Verh\u00e4ngnis werden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach der Hinrichtung ihrer Eltern im Sommer 1989 erhalten Lyle und Erik Menendez eine lebenslange Haftstrafe ohne Aussicht auf Bew\u00e4hrung. Mit neuen Beweisen zur Motivlage wollen die Br\u00fcder nun eine Freilassung erreichen. Allerdings wird ihre Hoffnung nach der Wahl eines neuen Staatsanwalts ged\u00e4mpft.<\/strong><\/p>\n<p>Warum griffen Lyle und Erik Menendez im Sommer 1989 zur Schrotflinte und erschossen ihre Eltern auf brutalste Weise? Die Br\u00fcder wurden 1996 wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe ohne Aussicht auf Bew\u00e4hrung verurteilt. Zwar war sich die Jury damals einig, dass die damals 21- und 18-j\u00e4hrigen Geschwister ihre Eltern t\u00f6teten. Auch die Beschuldigten selbst stritten dies nie ab. Allerdings ist bis heute nicht zweifellos gekl\u00e4rt, warum die Menendez-Br\u00fcder zur Waffe griffen. Mehr als 30 Jahre nach der Verurteilung r\u00fcckt die Frage nach dem Motiv jedoch wieder in den Fokus des Gerichts. Denn neue Beweise k\u00f6nnten dazu f\u00fchren, dass die Verurteilten trotz lebenslanger Haftstrafe schon bald auf freien Fu\u00df kommen. <\/p>\n<p>Der Fall rund um die brutale T\u00f6tung von Jos\u00e9 und Kitty Menendez sorgte damals weltweit f\u00fcr Aufsehen. Mit zwei Schrotflinten bewaffnet, suchten Lyle und Erik im August 1989 die Villa ihrer Eltern in Beverly Hills auf. Sie erschossen ihren Vater Jos\u00e9, der noch vor dem Fernseher sa\u00df, aus n\u00e4chster N\u00e4he, wie Gerichtsmediziner sp\u00e4ter belegten. Dabei wurde Kitty Menendez ebenfalls getroffen. Schwer verletzt versuchte sie noch zu fliehen. Eine Chance hatte sie jedoch kaum &#8211; einer ihrer S\u00f6hne schoss noch zwei Mal auf seine am Boden kriechende Mutter, bis auch sie schlie\u00dflich starb.<\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft ging damals schnell davon aus, dass die Br\u00fcder ihre Eltern ermordeten, um an das millionenschwere Verm\u00f6gen zu kommen. Tats\u00e4chlich sprachen einige Indizien f\u00fcr dieses Motiv: Kurz nach dem Tod gaben Erik und Lyle etwa Hunderttausende Dollar aus der Erbschaft der Eltern f\u00fcr Autos, Armbanduhren und andere Luxusartikel aus. Die Ermittler werteten das verschwenderische Verhalten als Zeichen der Habgier &#8211; die Anklage lautete auf Mord. <\/p>\n<p>Missbrauch durch den Vater? <\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Br\u00fcder schnell einlenkten und die Tat gestanden, widersprachen sie dem geschilderten Motiv vehement. Es sei ihnen, darauf pochen sie bis heute, nicht um das Verm\u00f6gen ihrer Eltern gegangen, sondern um Selbstverteidigung. Erik und Lyle sagen, ihr Vater habe sie in ihrer Kind- und Teenager-Zeit jahrelang k\u00f6rperlich, emotional und sexuell missbraucht. Kurz vor der Tat habe er ihnen schlie\u00dflich mit dem Tod gedroht, sollten sie von den Misshandlungen berichten. <\/p>\n<p>Schon damals wurde auch diese Version von einigen Hinweisen untermauert: Zwei Verwandte gaben an, die Br\u00fcder h\u00e4tten sich ihnen anvertraut, den Missbrauch durch den Vater geschildert. Die Staatsanwaltschaft ging damals hingegen davon aus, dass die angeblichen Taten des Vaters erst im Zuge der Verteidigungsstrategie entstanden. Immerhin h\u00e4tten die Br\u00fcder sie nicht gegen\u00fcber einem Psychologen thematisiert.<\/p>\n<p>Die unklare Motivlage f\u00fchrte in einem ersten Strafprozess 1993 dazu, dass am Ende kein Urteil zustande kam. So ist ein Urteil nur einstimmig m\u00f6glich &#8211; die Jury konnte sich damals jedoch nicht darauf einigen, ob sie die Br\u00fcder wegen Mordes oder Totschlags verurteilen soll. In einem zweiten Prozess 1996 kam es schlie\u00dflich zur Entscheidung: Die Geschworenen pl\u00e4dierten einstimmig f\u00fcr Mord und eine lebenslange Freiheitsstrage ohne Aussicht auf Bew\u00e4hrung. Allerdings gab es einen wesentlichen Unterschied zum ersten Prozess. Der Richter hatte in diesem Fall Aussagen \u00fcber den mutma\u00dflichen Missbrauch durch den Vater untersagt, da dieser nicht bewiesen wurde. Ein m\u00f6glicherweise daraus resultierendes Motiv der Br\u00fcder stand der Jury also gar nicht erst zur Auswahl. <\/p>\n<p> Der Brief<\/p>\n<p>Genau das versuchen die Br\u00fcder und ihre Verteidiger nun zu \u00e4ndern &#8211; und damit eine Freilassung zu erreichen. So fordern sie bereits seit dem vergangenen Jahr eine Aufhebung des Schuldspruchs von 1996. \u00c4hnlich wie in Deutschland hat die Wiederaufnahme eines Verfahrens, gar die \u00c4nderung des Urteils, auch in den USA angesichts der enormen Bedeutung von Rechtssicherheit hohe H\u00fcrden. Notwendig ist nicht nur eine andere Bewertung bereits vorhandener Indizien, sondern auch neue handfeste Beweise. <\/p>\n<p>Und die wollen die Menendenz-Br\u00fcder unter anderem in einem Brief gefunden haben. Im vergangenen Jahr tauchte ein Brief auf, den Erik Menendez Monate vor der Tat an seinen Cousin schrieb und in dem er auf die Taten seines Vaters anspielte. &#8222;Ich habe versucht, Dad aus dem Weg zu gehen.&#8220; Und: &#8222;Jede Nacht bleibe ich wach und denke, dass er hereinkommen k\u00f6nnte.&#8220; Zudem habe er &#8222;Angst und m\u00fcsse &#8222;es aus meinem Kopf verbannen&#8220; und &#8222;aufh\u00f6ren, dar\u00fcber nachzudenken&#8220;. Der ehemalige Bezirksstaatsanwalt von Los Angeles, George Gascon, teilte den Brief auf Instagram, l\u00f6schte ihn sp\u00e4ter jedoch wieder.<\/p>\n<p>Die neuen Hinweise auf einen m\u00f6glichen Missbrauch durch den Vater werden von der Aussage des fr\u00fcheren Mitglieds der Boyband Menudo untermauert. In einer Dokumentation sprach er dar\u00fcber, dass er als Teenager von Jos\u00e9 Menendez sexuell missbraucht wurde. Die Band war zu jener Zeit bei einem Label unter Vertrag, bei dem Jos\u00e9 Menendez als Manager arbeitete. <\/p>\n<p>Ex-Staatsanwalt f\u00fcr Neubewertung<\/p>\n<p>Auf Grundlage dieser neuen Indizien auf einen m\u00f6glichen Missbrauch, der damals keinen Einfluss auf die Entscheidung der Jury hatte, stellten die Menendez-Br\u00fcder einen Antrag auf Haftaufhebung. Ihre Verteidiger argumentieren, dass vor allem der Brief erheblichen Einfluss auf den Tenor des Urteils gehabt h\u00e4tte, h\u00e4tte er der Jury damals vorgelegen. Genauer gesagt: Die Jury h\u00e4tte sich, so die Verteidiger, kaum f\u00fcr eine Verurteilung wegen Mordes ausgesprochen, h\u00e4tten sie die Hinweise auf die ver\u00e4nderte Motivlage gehabt. Auch Gascon sprach sich kurz vor Ende seiner Amtszeit als Bezirksstaatsanwalt von LA f\u00fcr eine Neubewertung des Falls aus. <\/p>\n<p>Wichtig ist: Selbst wenn der Fall um die Menendez-Br\u00fcder noch einmal neu aufgerollt wird, geht es weder Gascon noch den Verteidigern darum, einen Freispruch zu erreichen. So sprachen die Br\u00fcder zwar damals von Notwehr, als sie die Taten mit dem m\u00f6glichen Missbrauch durch ihren Vater rechtfertigen wollten. Allerdings setzt Notwehr sowohl im deutschen als auch im US-amerikanischen Recht einen gegenw\u00e4rtigen Angriff voraus. In diesem Fall soll Jos\u00e9 seinen S\u00f6hnen zwar gedroht haben, allerdings nicht unmittelbar und zum Zeitpunkt der Tat. Vielmehr hatten sie Zeit, sich Schrotflinten zu besorgen, bevor sie anschlie\u00dfend sogar selbst in die Villa der Eltern fuhren.<\/p>\n<p>Die Hinweise k\u00f6nnten jedoch das Z\u00fcnglein an der Waage sein, wenn es um zur Frage nach Mord oder Totschlag und damit auch die Strafzumessung kommt. Die Umst\u00e4nde &#8211; der m\u00f6gliche Missbrauch und die Drohungen des Vaters &#8211; m\u00fcssten in einer Neubewertung zumindest eine Rolle spielen, hei\u00dft es auf der Rechtsplattform &#8222;Legal Tribune Online&#8220;. Sollte das Gericht schlie\u00dflich zu der Entscheidung kommen, der Missbrauch habe stattgefunden, l\u00e4ge es nah, so der Bericht, dass dieser &#8222;bewusstseinsdominant&#8220; f\u00fcr die Tat war. <\/p>\n<p>&#8222;Vorsichtig hoffnungsvoll&#8220;<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund empfahl Gascon dem zust\u00e4ndigen Richter, den Ausschluss der Bew\u00e4hrung f\u00fcr die Br\u00fcder zu \u00fcberdenken. Er betonte dabei, dass sich das Verst\u00e4ndnis von sexuellem Missbrauch und dessen Folgen in der Gesellschaft seit 1996 stark ver\u00e4ndert habe. Sollte das Gericht tats\u00e4chlich Bew\u00e4hrung gew\u00e4hren, k\u00f6nnten Lyle und Erik Menendez sofort freikommen. Mit dem Engagement von Gascon stieg diese Chance enorm. Denn wenn Staatsanw\u00e4lte eine erneute Strafzumessung unterst\u00fctzen, besteht &#8222;eine gewisse Vermutung&#8220;, dass das Gericht dies auch tun wird, sagte Laurie Levenson, eine ehemalige Bundesstaatsanw\u00e4ltin und Professorin f\u00fcr Strafrecht an der Loyola Law School in Los Angeles zu &#8222;Sky News&#8220;. <\/p>\n<p>So lie\u00df sich Lyle Menendez k\u00fcrzlich zu seinem ersten Interview nach fast zehn Jahren hinrei\u00dfen. Zu TMZ sagte er, dass sowohl er als auch Erik &#8222;vorsichtig hoffnungsvoll&#8220; seien, bald freizukommen. &#8222;Hoffnung f\u00fcr die Zukunft ist wirklich etwas Neues f\u00fcr uns. Es ist nichts, mit dem wir viel Zeit verbracht haben.&#8220; <\/p>\n<p>Allerdings macht sich der Politik-Wechsel in den USA auch im Fall der Br\u00fcder bemerkbar: Kurz nachdem sich der von den Demokraten unterst\u00fctzte Gascon f\u00fcr eine Neubewertung einsetzte, wurde ein neuer Staatsanwalt f\u00fcr den Bezirk gew\u00e4hlt. Der von den Republikanern unterst\u00fctzte Nathan Hochman gewann die Wahl &#8211; und sprach sich j\u00fcngst gegen eine Neubewertung des Falls aus. Die Br\u00fcder h\u00e4tten &#8222;die volle Verantwortung f\u00fcr die Morde&#8220; zu \u00fcbernehmen. &#8222;Sie haben die letzten 30 Jahre lang jeden angelogen.&#8220; Deshalb spreche er sich dagegen aus, sie noch einmal zu verurteilen &#8211; mit einem geringeren Strafma\u00df.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr die Inhaftierten zum gro\u00dfen Hoffnungsd\u00e4mpfer wird, bedeutet f\u00fcr das Gericht in Los Angeles vor allem eine weitere wichtige Entscheidung. So sollte heute urspr\u00fcnglich bereits eine Anh\u00f6rung zu einer m\u00f6glichen neuen Strafzumessung f\u00fcr Lyle und Erik stattfinden. Stattdessen geht es nun zun\u00e4chst um die Frage, ob der Antrag auf eine Neubewertung \u00fcberhaupt aufrechterhalten wird. Der Richter m\u00fcsste sich in diesem Fall gegen die ausdr\u00fcckliche Aufforderung des neu gew\u00e4hlten Staatsanwalts Hochman richten. Dass sich das Gericht tats\u00e4chlich noch einmal mit dem Motiv der Br\u00fcder besch\u00e4ftigt, w\u00e4re dann unwahrscheinlich. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach der Hinrichtung ihrer Eltern im Sommer 1989 erhalten Lyle und Erik Menendez eine lebenslange Haftstrafe ohne Aussicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":26776,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[13,984,11752,14,15,505,12,5502,10,8,9,11,64,103,104],"class_list":{"0":"post-26775","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-headlines","9":"tag-international","10":"tag-mord-und-totschlag","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-prozesse","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-sexueller-missbrauch","16":"tag-top-news","17":"tag-top-meldungen","18":"tag-topmeldungen","19":"tag-topnews","20":"tag-usa","21":"tag-welt","22":"tag-world"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114326734341072861","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26775","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26775"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26775\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26776"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26775"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26775"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26775"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}