{"id":267837,"date":"2025-07-14T15:45:12","date_gmt":"2025-07-14T15:45:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/267837\/"},"modified":"2025-07-14T15:45:12","modified_gmt":"2025-07-14T15:45:12","slug":"kritik-an-gen-experimenten-peter-jackson-will-ausgestorbenen-moa-wiederbeleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/267837\/","title":{"rendered":"Kritik an Gen-Experimenten: Peter Jackson will ausgestorbenen Moa wiederbeleben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jurassic Park in echt? Davon tr\u00e4umt offenbar &#8222;Herr der Ringe&#8220;-Regisseur Peter Jackson und investiert Millionen in die Wiederbelebung eines ausgestorbenen Riesenvogels. Kritiker sprechen derweil von Designer-Tieren und warnen vor ethischen und \u00f6kologischen Problemen.<\/strong><\/p>\n<p>Mit seiner beeindruckenden Gr\u00f6\u00dfe von mehr als drei Metern<b> <\/b>ist der Moa der gr\u00f6\u00dfte Vogel, der jemals auf der Erde gelebt hat. Tausende Jahre durchstreifte der fl\u00fcgellose Pflanzenfresser Neuseeland und ern\u00e4hrte sich von B\u00e4umen und Str\u00e4uchern &#8211; bis die Menschen vor 600 Jahren auf die Insel kamen und ihn ausrotteten. Ein paar Knochen, mumifizierte Fleischreste und vereinzelte Federn sind alles, was von den riesigen Tieren heute noch \u00fcbrig ist. Das k\u00f6nnte sich aber bald \u00e4ndern &#8211; zumindest, wenn es nach Regisseur Peter Jackson geht. Zusammen mit dem US-Start-up Colossal Biosciences will er den Moa wiederbeleben.<\/p>\n<p>   <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/535225622.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Der Neuseel\u00e4nder Peter Jackson (l.) sammelt bereits seit Jahren Knochen der ausgestorbenen Riesenv\u00f6gel.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/535225622.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Der Neuseel\u00e4nder Peter Jackson (l.) sammelt bereits seit Jahren Knochen der ausgestorbenen Riesenv\u00f6gel.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: picture alliance \/ Cover Images)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/colossal.com\/moa\/\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">Das Unternehmen teilte vergangene Woche mit<\/a>, dass es in Zusammenarbeit mit dem Ng\u0101i Tahu Research Centre an der neuseel\u00e4ndischen University of Canterbury innerhalb von f\u00fcnf bis zehn Jahren die Wiederbelebung des ausgestorbenen Vogels anstrebt. Das Projekt ist ambitioniert &#8211; und teuer. Ganze 15 Millionen US-Dollar investierte Jackson Berichten zufolge in Colossal Biosciences. <\/p>\n<p>Der &#8222;Herr der Ringe&#8220;-Filmemacher tr\u00e4gt aber nicht nur Geld bei: Er ist ein begeisterter Moa-Knochensammler. Daraus wollen Forschende DNA extrahieren und diese dann mit Genen des n\u00e4chsten Verwandten der Moa, dem Emu, kombinieren. Schlie\u00dflich werden die mutierten Eier ausgebr\u00fctet und die Jungv\u00f6gel in geschlossenen &#8222;Rewilding-Gebieten&#8220; freigelassen. So zumindest der Plan. &#8222;Die Hoffnung, dass wir in ein paar Jahren wieder einen Moa sehen k\u00f6nnen, bereitet mir mehr Freude und Befriedigung als jeder Film&#8220;, sagte Jackson.<\/p>\n<p>Wolf, Elefant &#8211; und jetzt Vogel<\/p>\n<p>Der Riesenvogel ist dabei nicht das erste ausgestorbene Tier, das das Unternehmen wieder zum Leben erwecken will. Colossal verk\u00fcndete sogar bereits Erfolge. So behauptete das Start-up erst im April, es habe den Direwolf wieder zum Leben erweckt, ein nordamerikanisches Raubtier, das seit etwa 13.000 Jahren ausgestorben ist. Den Angaben zufolge wurden zwei W\u00f6lfe genetisch so ver\u00e4ndert, dass sie die Merkmale des Direwolfs aufwiesen. <\/p>\n<p>Wenige Wochen zuvor hatte das Unternehmen Fotos von M\u00e4usen ver\u00f6ffentlicht, die genetisch so ver\u00e4ndert worden waren, dass sie Merkmale von Wollmammuts<b> <\/b>aufwiesen &#8211; etwa sein Fell. Es war demnach der erste Schritt zur Wiederbelebung der flauschigen Dickh\u00e4uter, die Colossal durch die genetische Ver\u00e4nderung Asiatischer Elefanten erreichen will. Das Unternehmen will zudem den Dodo wiederbeleben, einen Vogel aus Mauritius, der im 17. Jahrhundert von Seeleuten bis zur Ausrottung gejagt wurde. Auf der Liste steht dar\u00fcber hinaus der einst in Australien lebende Beutelwolf &#8211; und dank Regisseur Jackson nun auch der Moa.<\/p>\n<p>Das neueste Projekt von Colossal sorgt weltweit f\u00fcr Aufsehen. Gleichzeitig \u00e4u\u00dfern sich immer mehr Experten skeptisch und besorgt. Ist es tats\u00e4chlich m\u00f6glich, den Moa und andere ausgestorbene Tierarten zur\u00fcck ins Leben zu holen? Und was h\u00e4tte das f\u00fcr Konsequenzen?<\/p>\n<p> Experimente statt echte Wiederbelebung<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob eine Wiederbelebung m\u00f6glich ist, hat Tori Herridge<b> <\/b>eine klare Antwort: &#8222;Nein, das ist nicht m\u00f6glich&#8220;, sagt die Evolutionsbiologin an der Universit\u00e4t Sheffield dem britischen &#8222;Guardian&#8220;. Herridge hatte ein Angebot, dem Beirat von Colossal Biosciences beizutreten, abgelehnt. Die Initiativen des Unternehmens seien eher als wissenschaftliche Experimente zu betrachten und nicht als echte Wiederbelebung ausgestorbener Arten aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten, sagt die Wissenschaftlerin.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/imago493945033.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Nach der Ankunft der Maori im 13. Jahrhundert wurden die Moas innerhalb k\u00fcrzester Zeit ausgerottet - haupts\u00e4chlich durch Jagd.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/imago493945033.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Nach der Ankunft der Maori im 13. Jahrhundert wurden die Moas innerhalb k\u00fcrzester Zeit ausgerottet &#8211; haupts\u00e4chlich durch Jagd.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: IMAGO\/Gemini Collection)<\/p>\n<p>&#8222;Man kann h\u00f6chstens einen genetisch ver\u00e4nderten Organismus erschaffen, der einige \u00e4u\u00dferliche Merkmale der ausgestorbenen Art aufweist&#8220;, sagt Herridge. Doch erst erlernte Verhaltensweisen machten eine wilde Spezies wirklich aus. Was die Evolutionsbiologin damit meint: Nur weil ein Tier \u00e4u\u00dferlich aussieht wie ein Wollmammut, ist es im Inneren noch lange kein Wollmammut.<\/p>\n<p>Diese deterministische Sichtweise der Genetik lehnt Herridge ab. &#8222;Ich glaube nicht, dass man allein auf der Grundlage seines Genoms etwas erschaffen kann, das sich wie ein Wollmammut verh\u00e4lt&#8220;, sagt sie der Zeitung. &#8222;Vieles im Verhalten von Elefanten ist erlernt.&#8220; Das in der Petrischale zu erschaffen, sei unm\u00f6glich. Das treffe auch auf Moas zu, sagt James Wood von der Adelaide University in Australien. &#8222;Sie m\u00f6gen oberfl\u00e4chlich betrachtet einige Merkmale der Moas aufweisen, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie sich wie Moas verhalten oder dieselben \u00f6kologischen Nischen besetzen k\u00f6nnen&#8220;, sagt er dem &#8222;New Scientist&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Es ist schwierig. Es ist komplex.&#8220;<\/p>\n<p>Die Behauptungen, dass eine Wiederbelebung ausgestorbener Arten nicht m\u00f6glich sei, lehnt man bei Colossal Biosciences entschieden ab. &#8222;Zu sagen, dass es nicht m\u00f6glich ist, ist einfach nicht wahr&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.unimelb.edu.au\/giving\/impact-of-giving\/impact-stories\/bringing-back-to-life-an-enigmatic-marsupial\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">sagt Andrew Pask<\/a>, der f\u00fcr Colossal am Moa-Projekt arbeitet. &#8222;Es ist schwierig. Es ist komplex. Aber wir haben alle Werkzeuge, um es zu tun. Wenn wir ein Genom rekonstruieren, das zu 99,9 Prozent mit dem eines Beutelwolfs, eines Moas oder eines Mammuts identisch ist, dann w\u00e4re dieses Tier einem Moa so \u00e4hnlich wie zwei beliebige Moas in dieser Population.&#8220;<\/p>\n<p>Das Start-up <a href=\"https:\/\/colossal.com\/\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">pocht zudem immer wieder auf seine selbst zugeschriebene Rolle als Artensch\u00fctzer<\/a>. Laut eigenen Angaben tr\u00e4gt die Arbeit von Colossal dazu bei, den grassierenden Verlust der Artenvielfalt zu verlangsamen. Die Errungenschaften k\u00f6nnten dazu beitragen, die genetische Vielfalt gef\u00e4hrdeter Wildtiere wiederherzustellen und Arten wie den amerikanischen Rotwolf vor dem Aussterben zu bewahren.<\/p>\n<p>Kritiker werden Colossal jedoch vor, mit seinen Millionen-Projekten von dem anhaltenden massiven Verlust der Artenvielfalt abzulenken. Zudem gibt es auch Bedenken, dass diese &#8222;wiederbelebten&#8220; Hybridarten f\u00fcr Lebensr\u00e4ume konzipiert sind, die m\u00f6glicherweise gar nicht mehr existieren. Eine in der Fachzeitschrift <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41559-016-0053.epdf?sharing_token=FXDMKFO334lcxtnvn5aNmtRgN0jAjWel9jnR3ZoTv0NQceKTU7onErUUFycx4my-3tWkXCfSrJJuqqYeJroeWxbbpvVZoJ-4cfgauZwNRMw3WFh4qIndVeu8cPr5W4lqxTWxD4Mw1tPX82BHhJNDRzOk9x1eLE5yrpIERDylCMrMbHilvBUXjyD_liPs4Mjt0D22JJ10ZESoHXJOgib70bukkXFCEEX6fPpChpDiC6l65AksxeC5Zx1Zpmxe3h2X73RCWJfb_8qD5u6LwN5ZmGKu0UPCvuh4EeR0HtVr5Q-y1TAVAs0KxHiYx6pbGdY2hjhrkrM2vAXlhL_YnxOXbg%3D%3D&amp;tracking_referrer=www.theguardian.com\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Nature Ecology and Evolution&#8220;<\/a> ver\u00f6ffentlichte Studie kam bereits vor einigen Jahren zu dem Schluss, dass solche sogenannten De-Extinction-Bem\u00fchungen dem Artenschutz sogar schaden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&#8222;Nur einen Designer-Wolf geschaffen&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;De-Extinction ist ein falsches Versprechen, das mehr in Egoismus als in echten Bem\u00fchungen um den Erhalt von Arten begr\u00fcndet ist&#8220;, sagt auch Aroha Te Pareake Mead gegen\u00fcber dem Science Media Center, Mitglied der Arbeitsgruppe f\u00fcr Politikentwicklung der International Union for Conservation of Nature. Beim Einsatz synthetischer Biologie im Naturschutz handle es sich um egoistische Vergn\u00fcgungs\u00fcbungen, bei denen es um die theatralische Inszenierung von &#8222;Entdeckungen&#8220; gehe, ohne R\u00fccksicht auf ethische, \u00f6kologische und kulturelle Aspekte, kritisiert sie. &#8222;Die Moas zur\u00fcckbringen? Wohin? Zu welcher Lebensqualit\u00e4t? Um frei herumzustreunen?&#8220;<\/p>\n<p>Der Moa-Experte Nic Rawlence von der University of Otago ist der \u00dcberzeugung, dass man sich mit diesen Fragen erst gar nicht wird besch\u00e4ftigen m\u00fcssen. Er h\u00e4lt es f\u00fcr unwahrscheinlich, dass die ausgestorbenen V\u00f6gel wieder zum Leben erweckt werden k\u00f6nnen. &#8222;Das ist Jurassic Park mit sehr geringen Erfolgsaussichten&#8220;, sagt Rawlence.<\/p>\n<p>Beim Direwolf, den das Unternehmen bereits erfolgreich wiederbelebt haben will, ist das Genom 2,5 Milliarden einzelne Buchstaben lang, erkl\u00e4rt Rawlence. Auch wenn der Direwolf genetisch zu 99 Prozent identisch mit dem heutigen Wolf ist, bleiben immer noch deutlich \u00fcber eine Million Unterschiede. Die Forschenden der Colossal Biosciences h\u00e4tten allerdings nur 20 \u00c4nderungen an 14 Genen vorgenommen, so der Experte. Zu sagen, sie h\u00e4tten einen Direwolf geschaffen, sei in seinen Augen l\u00e4cherlich. &#8222;Sie haben einen Designer-Wolf geschaffen. Und das wird auch bei den Moas so sein, egal was sie tun.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jurassic Park in echt? Davon tr\u00e4umt offenbar &#8222;Herr der Ringe&#8220;-Regisseur Peter Jackson und investiert Millionen in die Wiederbelebung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":267838,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[5252,752,13,14,57493,15,39236,12,10,8,9,11,103,104],"class_list":{"0":"post-267837","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-artenschutz","9":"tag-bildung","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-neuseeland","13":"tag-news","14":"tag-peter-jackson","15":"tag-schlagzeilen","16":"tag-top-news","17":"tag-top-meldungen","18":"tag-topmeldungen","19":"tag-topnews","20":"tag-welt","21":"tag-world"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114852365844232909","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267837","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=267837"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267837\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/267838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=267837"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=267837"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=267837"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}