{"id":268628,"date":"2025-07-14T23:11:13","date_gmt":"2025-07-14T23:11:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/268628\/"},"modified":"2025-07-14T23:11:13","modified_gmt":"2025-07-14T23:11:13","slug":"der-letzte-sommer-in-frieden-imperialistische-maechte-ruesten-fuer-den-globalen-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/268628\/","title":{"rendered":"Der \u201eletzte Sommer in Frieden\u201c: Imperialistische M\u00e4chte r\u00fcsten f\u00fcr den globalen Krieg"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/80e2daee-a181-406d-af27-712c2680a89b\" style=\"max-height:100%\"\/>Die USS Mount Whitney kreuzt in der Ostsee, Teil des Einsatzgebietes der 6. Flotte, um die Interessen der USA, ihrer Verb\u00fcndeten und Partner in der Region zu vertreten, 6. Juli 2025 [Photo: Navy Petty Officer 2nd Class Mario Coto]<\/p>\n<p>\u201eVielleicht ist dies der letzte Sommer in Frieden\u201c, sagte der reaktion\u00e4re deutsche Historiker S\u00f6nke Neitzel im M\u00e4rz im deutschen Fernsehn. Diese Aussage wird derzeit in den Medien wieder breit diskutiert.<\/p>\n<p>Neitzel \u00e4u\u00dferte sie nicht als Warnung vor einer Katastrophe, die es abzuwenden gilt, sondern als militaristisches Argument f\u00fcr eine Beschleunigung der deutschen Aufr\u00fcstung, insbesondere der Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland.<\/p>\n<p>Deutschland m\u00fcsse die Bedeutung von \u201eSoldatenkulturen\u201c wieder erkennen, <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/06\/05\/wehr-j05.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">forderte Neitzel<\/a> damals in einem Interview mit der taz. Als Beispiel daf\u00fcr f\u00fchrte er die Armee Adolf Hitlers an: Die Wehrmacht habe verstanden, wie wichtig \u201eSoldatenkulturen\u201c seien. Sie habe den Soldaten \u201eIdentit\u00e4t, Koh\u00e4sion und Motivation\u201c vermittelt, \u201emit Liedern, mit Uniformen, mit Auszeichnungen, mit Abzeichen (\u2026)\u201c.<\/p>\n<p>Achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert Neitzels Erkl\u00e4rung vom \u201eletzten Sommer in Frieden\u201c an den Ton der imperialistischen Agitation vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Der preu\u00dfische General Friedrich von Bernhardi argumentierte 1912 in seiner ber\u00fcchtigten Abhandlung \u201eDeutschland und der n\u00e4chste Krieg\u201c, dass Krieg \u201eeine biologische Notwendigkeit\u201c und der Motor des menschlichen Fortschritts sei. Bernhardi zufolge, war Krieg in Europa \u201eunvermeidlich\u201c.<\/p>\n<p>Bernhardi versuchte, die konkreten, r\u00e4uberischen Absichten des deutschen Imperialismus, der danach zweimal Europa zu erobern versuchte, mit Allgemeinpl\u00e4tzen \u00fcber den Krieg als Bedingung der Menschheit zu bem\u00e4nteln. Er gab damit einer Kriegsstimmung Ausdruck, die vor dem Ausbruch des Weltbrandes in den herrschenden Kreisen Europa vorherrschte. Der Erste Weltkrieg kostete dann 15 bis 24 Millionen Menschen das Leben.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Neitzel, dessen Rede vom \u201eletzten Friedenssommer\u201c die blutr\u00fcnstigen Pl\u00e4ne aller imperialistischen M\u00e4chte zum Ausdruck bringt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst muss gefragt werden: Wenn das heute \u201eFrieden\u201c ist, wie sieht dann der Krieg aus? Israel liquidiert gerade mit Unterst\u00fctzung der USA und der europ\u00e4ischen M\u00e4chte das pal\u00e4stinensische Volk; in Europa tobt der gr\u00f6\u00dfte Landkrieg seit dem Zweiten Weltkrieg; erst vor wenigen Tagen hat US-Pr\u00e4sident Donald Trump den Iran bombardiert.<\/p>\n<p>Aber das, was jetzt geplant wird, und wof\u00fcr die herrschenden Klassen bereits Waffen horten, ist etwas viel Gr\u00f6\u00dferes. Anfang dieses Jahres hat die deutsche Regierung angek\u00fcndigt, dass sie ihre Milit\u00e4rausgaben in den n\u00e4chsten zehn Jahren verdoppeln werde. Am Sonntag forderte Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier die Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht, und der deutsche Bundestag hat letzte Woche eine <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/07\/11\/merz-j11.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Haushaltsdebatte<\/a> gef\u00fchrt, in deren Verlauf Bundeskanzler Friedrich Merz erkl\u00e4rte, die \u201eMittel der Diplomatie\u201c gegen Russland seien \u201eausgesch\u00f6pft\u201c.<\/p>\n<p>Deutschland gibt das Tempo f\u00fcr die europ\u00e4ische Aufr\u00fcstung vor, und alle europ\u00e4ischen imperialistischen M\u00e4chte stocken ihre Milit\u00e4rausgaben massiv auf. Auf ihrem <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/06\/27\/2d40-j27.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gipfel in Den Haag<\/a> im Juni verpflichteten sich die Nato-Mitglieder, ihre Milit\u00e4rausgaben auf 5 Prozent ihres jeweiligen BIP zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite des Atlantiks, im Cockpit des imperialistischen Kriegsrats, schmiedet die Trump-Regierung immer konkretere Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Krieg im Pazifik gegen China, w\u00e4hrend sie gleichzeitig den Krieg im Nahen Osten eskaliert. Erst vor kurzem haben die USA neue Waffenlieferungen an die Ukraine angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Wie die Financial Times am Wochenende berichtete, hat das Pentagon Japan und Australien offiziell aufgefordert, sich ausdr\u00fccklich zu verpflichten, dass sie gemeinsam mit den USA gegen China um Taiwan in den Krieg ziehen. \u201eKonkrete operative Planungen und \u00dcbungen, die direkt auf einen Taiwan-Notfall anwendbar sind, werden mit Japan und Australien vorangetrieben\u201c, sagte ein Insider der Financial Times.<\/p>\n<p>All diese Fronten \u2013 in Europa, im Nahen Osten und im Pazifik \u2013 werden von Medien-Journalisten mehr und mehr als erste Gefechte in einem neuen Weltkrieg aufgefasst. In einem Artikel der New York Times warf Ross Douthat die Frage auf: \u201eWer wird den Weltkrieg gewinnen?\u201c Er kam zu dem Schluss: \u201eWenn die Vereinigten Staaten und China letztendlich in einen verheerenden Krieg hineingeraten sind, wird man die K\u00e4mpfe in der Ukraine und im Nahen Osten aus der R\u00fcckschau der Geschichte einem Dritten Weltkrieg zuordnen.\u201c<\/p>\n<p>Er f\u00fcgte hinzu: \u201eF\u00fcr die Amerikaner ist es sinnvoll, unsere Situation global zu betrachten, mit Russland, dem Iran und China als revisionistischer Allianz, die unsere imperiale Macht auf die Probe stellt.\u201c<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte Douthat fragen, warum in aller Welt die Amerikaner sich um das Schicksal \u201eunserer imperialen Macht\u201c Gedanken machen sollten. Welches Interesse haben \u201edie Amerikaner\u201c an der unangefochtenen Vorherrschaft der amerikanischen herrschenden Klasse in der ganzen Welt? Was haben sie von der Kontrolle \u00fcber nat\u00fcrliche Ressourcen, Technologien, Rohstoffe und M\u00e4rkte, kurz der Dominanz der USA nicht nur gegen\u00fcber der \u201erevisionistischen Allianz\u201c aus China und Russland, sondern auch gegen\u00fcber ihren ehemaligen Verb\u00fcndeten in Europa?<\/p>\n<p>Tatsache ist, dass dieselbe herrschende Klasse, die auf einen Weltkrieg dr\u00e4ngt, auch einen Krieg gegen die eigene Arbeiterklasse f\u00fchrt: Im Namen \u201eunserer imperialen Macht\u201c m\u00fcssen Sozialprogramme, L\u00f6hne und grundlegende demokratische Rechte geopfert werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-30-jahre-krieg\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/19b71883-5de1-401a-8f7f-7226c4b24a37\" style=\"max-height:100%\"\/><\/p>\n<p>David North<\/p>\n<p>30 Jahre Krieg: Amerikas Griff nach der Weltherrschaft 1990\u20132020<\/p>\n<p>Seit dem ersten Golfkrieg 1990\u20131991 f\u00fchren die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg.\u00a0Gest\u00fctzt auf ein marxistisches Verst\u00e4ndnis der Widerspr\u00fcche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Milit\u00e4rinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Douthats Kommentar weist auf die tiefer liegenden Kr\u00e4fte hin, die die Kriegspl\u00e4ne der Imperialisten antreiben. Zwar wird der Krieg der USA und der Nato gegen Russland als Verteidigung der Ukraine gegen die \u201erussische Aggression\u201c verkauft, und Israels V\u00f6lkermord in Gaza wird als \u201eSelbstverteidigung\u201c hingestellt. Aber die wahren Gr\u00fcnde f\u00fcr die globale Kriegstreiberei sind die Bem\u00fchungen jeder einzelnen imperialistischen Macht, die eigene globale Vorherrschaft zu sichern.<\/p>\n<p>Nach der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion begann der US-Imperialismus gemeinsam mit anderen imperialistischen M\u00e4chten, die Welt neu aufzuteilen. Die Folge waren jahrzehntelange Kriege und imperialistische Gewalt. Diese Konflikte m\u00fcnden nun in einen weltumspannenden gro\u00dfen Krieg, in dem die wichtigsten Gegner Russland, Iran und China hei\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Jahr 1938, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, schrieb Leo Trotzki in: \u201eDer Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der Vierten Internationale\u201c, dem Gr\u00fcndungsdokument der Vierten Internationale (\u201e\u00dcbergangsprogramm\u201c):<\/p>\n<blockquote>\n<p>Unter dem wachsenden Druck des kapitalistischen Niedergangs haben die imperialistischen Gegens\u00e4tze die Grenze erreicht, jenseits derer die einzelnen Zusammenst\u00f6\u00dfe und blutigen lokalen Unruhen (\u00c4thiopien, Spanien, Ferner Osten, Mitteleuropa) unausweichlich in einen Weltbrand umschlagen m\u00fcssen. Die Bourgeoisie ist sich selbstverst\u00e4ndlich der t\u00f6dlichen Gefahr bewusst, die ein neuer Krieg f\u00fcr ihre Herrschaft bedeutet. Aber diese Klasse ist heute noch unendlich weniger imstande, den Krieg abzuwenden, als am Vorabend von 1914.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Jedes imperialistische Land der Welt sieht sich mit dem wachsenden Widerstand der Bev\u00f6lkerung konfrontiert; zudem steht jedes Land vor einer Konstellation sozialer, wirtschaftlicher und politischer Krisen. Jede imperialistische Macht betrachtet Krieg und Diktatur als einzige L\u00f6sung aus dieser Situation. In den Vereinigten Staaten strebt die Trump-Regierung, die vor massiven Protesten steht, danach, eine Pr\u00e4sidialdiktatur zu errichten. Einen Krieg wird sie als Mittel zur Ausweitung der Pr\u00e4sidialherrschaft durch Dekrete begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Der gef\u00e4hrlichste Aspekt der aktuellen Situation ist das mangelnde Bewusstsein der Arbeiterklasse. Sie sieht noch nicht, in welchem Ausma\u00df die Imperialisten aufr\u00fcsten, und welche Auswirkungen ihre Kriegspl\u00e4ne haben. Zwar protestieren Millionen Menschen auch heute schon gegen den V\u00f6lkermord in Gaza und die diktatorischen Bestrebungen der Trump-Regierung, doch fehlt das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die umfassendere globale Kriegsdynamik und ihre zugrunde liegenden Ursachen.<\/p>\n<p>Die Sozialistischen Gleichheitsparteien k\u00e4mpfen f\u00fcr den Aufbau einer neuen internationalen Antikriegsbewegung der Arbeiterklasse, die auf einem sozialistischen Programm zur Abschaffung des Kapitalismus \u2013 der Quelle von Krieg, Ungleichheit und Diktatur \u2013 gr\u00fcndet. Das bedeutet, die Arbeiter \u00fcber alle nationalen Grenzen hinweg in einem bewussten politischen Kampf zu vereinen, um die imperialistische Kriegsmaschine zu zerschlagen, die Herrschaft der Finanzoligarchie zu st\u00fcrzen und die Macht der Arbeiter zu errichten. Auf diesen Voraussetzungen wird eine neue Gesellschaft entstehen, die auf Gleichheit, Frieden und demokratischer Kontrolle \u00fcber die Wirtschaft gr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Werde aktiver Unterst\u00fctzer der Sozialistischen Gleichheitspartei<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die USS Mount Whitney kreuzt in der Ostsee, Teil des Einsatzgebietes der 6. 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