{"id":270006,"date":"2025-07-16T14:55:42","date_gmt":"2025-07-16T14:55:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/270006\/"},"modified":"2025-07-16T14:55:42","modified_gmt":"2025-07-16T14:55:42","slug":"urbane-wohnquartiere-weg-von-den-eltern-irgendwohin-wo-wir-bleiben-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/270006\/","title":{"rendered":"Urbane Wohnquartiere: \u201eWeg von den Eltern, irgendwohin, wo wir bleiben k\u00f6nnen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Innenst\u00e4dte m\u00fcssen sich neu erfinden. In Hamburg soll das Herz der Stadt in Zukunft auch ein attraktives Wohngebiet sein. Aber wie kann das funktionieren? Durch den Bau von Wohnungen \u2013 vor allem aber durch Bewohner, die sich daran machen, Nachbarschaft zu leben. Doch dazu fehlt noch einiges.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">An einem Tag, an dem sich in der Reimerstwiete die Langeweile \u00fcber den Tag zieht wie ein altes Kaugummi, r\u00fcckt auf H\u00f6he der Hausnummer 2 ein Donnern n\u00e4her. Ein M\u00e4dchen rei\u00dft die Eingangst\u00fcr des Hochhauses auf, hinter ihr st\u00fcrzen drei weitere durch die T\u00fcr. Vier Gestalten in Leggings und Tops rennen \u00fcber den B\u00fcrgersteig. \u00dcber die Stra\u00dfe, die Stufen zum Katharinenfleet hinunter, die letzten Stufen nehmen sie im Sprung, bis sie in einem gro\u00dfen Raum mit Spiegelwand vor einer jungen Frau stehen bleiben. Nataly Schwenk stapelt im Laden 4 St\u00fchle ineinander. Zweimal pro Woche unterrichtet sie hier, in dem Stadtteiltreff auf Probe, Hip-Hop. Was es damit auf sich hat, dazu sp\u00e4ter mehr. Die M\u00e4dchen aus den Hochh\u00e4usern sind zu fr\u00fch, die Stunde beginnt erst in 15 Minuten. Aber wenn Nataly da ist, haben sie das Gef\u00fchl, etwas zu verpassen.<\/p>\n<p>Lange gab es so gut wie nichts, das man in der Reimerstwiete h\u00e4tte verpassen k\u00f6nnen. Seit November vergangenen Jahres brennt hier, im Erdgeschoss der Hausnummer 3, an sieben Tagen der Woche Licht. Der 90 Quadratmeter gro\u00dfe Raum ist ein Experiment. F\u00fcr die Wohnbl\u00f6cke ringsum, aber auch f\u00fcr die Stadt. Sie m\u00f6chte die Innenstadt schrittweise umbauen zu einem Wohnquartier. Und vielleicht wird in diesem Zug aus dem Laden 4 ein dauerhafter Stadtteiltreff. <\/p>\n<p>Das Herz der Stadt soll, so sieht es der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article256082028\/Hamburgs-neuer-Senat-im-Amt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article256082028\/Hamburgs-neuer-Senat-im-Amt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Senat<\/a> vor, nicht nur Flagship-Stores beheimaten, sondern auch eine Nachbarschaft. Der Stadtkern steckt in einem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article256332578\/Senat-stellt-Plan-fuer-die-Innenstadt-vor-Hamburger-Jugendliche-zieht-es-in-die-Innenstadt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article256332578\/Senat-stellt-Plan-fuer-die-Innenstadt-vor-Hamburger-Jugendliche-zieht-es-in-die-Innenstadt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Umbau<\/a>. Die Geb\u00e4ude gro\u00dfer Kaufh\u00e4user werden umgebaut, Ladenfl\u00e4chen stehen leer, es fehlt an Gr\u00fcn und an Spielpl\u00e4tzen, Kulturst\u00e4tten und Freir\u00e4umen. Qualit\u00e4ten, die \u00fcber die Zukunft des Stadtkerns entscheiden. Meist aber nur entstehen, wenn Menschen, die in der N\u00e4he wohnen, sie einfordern oder selbst ansto\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Wohnungen, die es braucht, um diesen Wandel einzul\u00e4uten, erk\u00e4mpft sich die Stadt in einem \u201eschwierigen und m\u00fchsamen Gesch\u00e4ft\u201c, gesteht die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article243700385\/Stadtentwicklung-Wir-muessen-mehr-aus-bestehendem-Wohnraum-rausholen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article243700385\/Stadtentwicklung-Wir-muessen-mehr-aus-bestehendem-Wohnraum-rausholen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Senatorin f\u00fcr Stadtentwicklung und Umwelt, Karen Pein (SPD)<\/a>. \u201eDoch jede Wohnung z\u00e4hlt. Den Anteil an Wohnraum im Stadtkern wollen wir k\u00fcnftig auch dadurch erh\u00f6hen, indem wir bei der Entwicklung von Bestandsbauten neben B\u00fcros- und Gewerbefl\u00e4chen idealerweise immer auch Wohnungen mitdenken\u201c, so Pein. Wie ernst es der Stadt damit ist, zeigen \u00c4nderungen in der Bauordnung, konkret Paragraf 48, Nummer 6, die im Januar in Kraft treten. Sie sehen unter anderem vor, dass bei der \u00c4nderung der Nutzung, anders als bisher, der Bestandsschutz erhalten bleibt. Somit wird die Umgestaltung dieser Bauten einfacher und damit wirtschaftlicher.<\/p>\n<p>Was Nachbarschaften sonst noch brauchen, testet die Stadt derzeit mit dem Programm \u201eVerborgene Potenziale Innenstadt\u201c. Etwa dort, wo schon gewohnt wird, in der bereits erw\u00e4hnten Reimerstwiete auf der Cremon-Insel in der Altstadt. 1500 Menschen wohnen hier, \u00fcberwiegend in Genossenschaftsbauten. Rund ein Drittel sind <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/mecklenburg-vorpommern\/article256312838\/Mieterbund-pocht-auf-Ausbau-von-Sozialwohnungen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/mecklenburg-vorpommern\/article256312838\/Mieterbund-pocht-auf-Ausbau-von-Sozialwohnungen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sozialwohnungen<\/a> f\u00fcr einkommensschw\u00e4chere Menschen. Andere Bewohner zahlen \u00e4hnlich hohe Mieten wie anderswo und m\u00fcssen in Kauf nehmen, dass ihre Nachbarschaft Austragungsort vieler Gro\u00dfveranstaltungen ist, es aber kaum Sportangebote, Freifl\u00e4chen und Spielpl\u00e4tze in der N\u00e4he gibt.<\/p>\n<p>Anwohner f\u00fchlen sich wie G\u00e4ste im eigenen Kiez<\/p>\n<p>Dem Nachwuchs bleibt da nur die unmittelbare Umgebung. \u201eUnd da gibt es nichts\u201c, sagt Nicol. Im Sommer wechselt die Zehnj\u00e4hrige auf das Gymnasium Klosterschule, wo sie mit der S-Bahn hinf\u00e4hrt. Vor gut neun Jahren zogen ihre Eltern mit ihr her. Die Familie lebt in der Katharinenstra\u00dfe, in einer Dreizimmerwohnung mit Balkon. Mutter Monika arbeitet in einer Kantine in der Hafencity, Vater Piotr als Hausmeister. Sie f\u00fchlen sich wohl hier, das schon, sagt Monika. <\/p>\n<p>W\u00fcrden sie wieder herziehen, wenn sie es noch einmal entscheiden k\u00f6nnten? Die 48-J\u00e4hrige wei\u00df es nicht. \u201eIch f\u00fchle mich hier oft, als gehe es gar nicht um uns, die hier wohnen. Als w\u00fcrde in der Stadt ein Film gedreht und wir m\u00fcssen hinter der Absperrung bleiben.\u201c Seit es den Laden 4 gibt, hat Monika Hoffnung. \u201eDass hier etwas los ist, f\u00fcr die Kinder vor allem, aber auch f\u00fcr uns. Und man nicht immer gleich Geld ausgeben muss.\u201c<\/p>\n<p>In diese Stimmungslage hinein er\u00f6ffnete der Laden 4 im November vergangenen Jahres. Eine Gewerbefl\u00e4che im Erdgeschoss eines Saga-Wohnkomplexes. \u201eEs ist schon bezeichnend, wie schnell die Menschen auf unser Angebot, Ideen zu entwickeln, angesprungen sind\u201c, erz\u00e4hlt Kristina Bacht, die den Architektursalon schr\u00e4g gegen\u00fcber leitet und mit dem Verein Altstadt f\u00fcr alle! e.V. bereits einige Aktionen auf der Cremon-Insel veranstaltete. Sie kennt die Ecke seit 16 Jahren. Mehrere Mieter hat sie kommen und gehen sehen. Nachdem der letzte auszog und die Fl\u00e4che lange leer stand, gab sie sich einen Ruck und schrieb viele Mails. Ihre Vision: Dort, wo lange nichts war, einen Nachbarschaftstreff etablieren. Im Dezember \u00f6ffnete dieser zum ersten Mal, es gab Punsch und Kekse. An einer Wand durften die Besucher hinkritzeln, wie es, da, wo sie wohnen, ist und was sie in dem extra Raum gerne tun w\u00fcrden. \u201eWir wollen raus aus unseren Zimmern\u201c, stand da. \u201eWeg von den Eltern, irgendwohin, wo wir bleiben k\u00f6nnen, auch wenn es dunkel ist.\u201c <\/p>\n<p>Es gebe viel, was die Nachbarschaft hier dringend brauche, sagt Bacht. \u201eDie Kinder ben\u00f6tigen Orte, wo sie sich aufhalten k\u00f6nnen.\u201c \u201eWelche Angebote diese Bed\u00fcrfnisse aufgreifen, das finden wir momentan heraus\u201c, f\u00fcgt Dominique Peck von \u201eprojektb\u00fcro\u201c an. Derweil soll sich die Nachbarschaft Gedanken machen, ob sie den Laden 4 eigenst\u00e4ndig weiterf\u00fchren will. \u201eWir sehen uns lediglich als Impulsgeber\u201c, so Bacht. \u201eDie Aufgabe ist es, die Bewohnenden aus der Nutzung in die Verantwortung zu bringen und einen Betrieb aufzubauen, der im Quartier funktioniert\u201c, f\u00fcgt Peck hinzu. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend rundherum die Quadratmeterpreise in gigantische H\u00f6hen klettern, setzt sich die Stadt daf\u00fcr ein, in der Nachbarschaft des Laden 4 die Bindungen f\u00fcr Sozial- sowie gef\u00f6rderte Wohnungen zu halten. Weil man wei\u00df, es braucht sie. Und es braucht sie an ebendieser Stelle der Stadt. Denn: <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/finanzen\/immobilien\/plus229345763\/Zeitalter-der-Wohntuerme-So-soll-die-Sozial-Utopie-Wirklichkeit-werden.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/finanzen\/immobilien\/plus229345763\/Zeitalter-der-Wohntuerme-So-soll-die-Sozial-Utopie-Wirklichkeit-werden.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Soziale Durchmischung <\/a>ist der N\u00e4hrboden beliebter Stadtteile, und die ist eng verbunden mit Austausch und Offenheit.<\/p>\n<p>Wer unweit der Cremon-Insel, wo astronomische Preise f\u00fcr Grund und Boden aufgerufen werden, bauen will, muss um die Ecke denken. Das zeigt der Gr\u00f6ninger Hof. So hei\u00dft eine Genossenschaft, die sich daran macht, in einem ehemaligen Parkhaus in der Gr\u00f6ninger Stra\u00dfe 12 nahe R\u00f6dingsmarkt Wohnungen sowie R\u00e4ume f\u00fcr kulturellen Austausch zu bauen. Die Stadt unterst\u00fctzt das Vorhaben, in dem sie der Genossenschaft das Objekt zur weiteren Entwicklung \u00fcberlie\u00df. 90 Wohneinheiten sollen hier entstehen. Das ist viel. Andernorts gestaltet sich der Wandel kleinteiliger. Eine \u00dcbersichtskarte der Beh\u00f6rde zeigt: Zwar werden in den n\u00e4chsten Jahren an knapp ein Dutzend Orten <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article255346734\/Hamburg-Das-ist-ein-echtes-Bekenntnis-zur-Hamburger-Innenstadt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article255346734\/Hamburg-Das-ist-ein-echtes-Bekenntnis-zur-Hamburger-Innenstadt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Zentrum neue Wohnungen entstehen<\/a>. Rot eingef\u00e4rbt sehen sie im Vergleich zu den wei\u00dfen Einzelhandelsfl\u00e4chen jedoch aus wie P\u00fcnktchen. Dabei w\u00e4chst die Bev\u00f6lkerungszahl in der Innenstadt seit 2009 stetig an. Eine Tendenz, die in erster Linie auf die Zuw\u00e4chse in der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article255863252\/Einkaufswelt-der-Superlative-Das-Westfield-Hamburg-Ueberseequartier-eroeffnet-in-der-Hafencity.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article255863252\/Einkaufswelt-der-Superlative-Das-Westfield-Hamburg-Ueberseequartier-eroeffnet-in-der-Hafencity.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hafencity <\/a>zur\u00fcckgeht. Sie bildet mit Neustadt und Altstadt das Zentrum von Hamburg. Im Jahr 2023 wurden hier \u00fcber 700 Wohneinheiten genehmigt und circa 1200 fertiggestellt. Insgesamt wird die Hafencity nach ihrer Fertigstellung auf mehr als 7000 Wohnungen kommen. Und damit \u00fcber \u00e4hnlich viele verf\u00fcgen wie die Neustadt mit circa 7650. Die Altstadt kommt aktuell auf circa 1400 Wohneinheiten. Sie verzeichnet lediglich marginale Zuw\u00e4chse.<\/p>\n<p>Familien ziehen weg, Singles her<\/p>\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung weiterer Zahlen zeigt sich jedoch, dass die Wohnqualit\u00e4t zu w\u00fcnschen \u00fcbrigl\u00e4sst. So zumindest sehen es Familien in der Neustadt. Sie ziehen weg, Singles her. Etwa weil sie f\u00fcr veraltete Wohnungen hohe Mieten zahlen, die noch dazu teurer werden, wie alles um sie herum. Und so schrumpft die Bev\u00f6lkerungszahl in der Neustadt, das belegen Zahlen von 2019 auf 2021.<\/p>\n<p>Wie sich das schnell \u00e4ndern lie\u00dfe, versuchen die Bewohner einer B\u00fcrofl\u00e4che am Alten Fischmarkt herauszufinden. Vor einem Fenster des mehrst\u00f6ckigen Geb\u00e4udes flattern Handt\u00fccher im Wind. Im zweiten Stock testen 16 Studierende der Hafencity Universit\u00e4t im Rahmen eines Master Entwurfskurses auf 150 Quadratmetern B\u00fcroraum, wie es ist, zu wohnen, wo andere einkaufen. An einem langen Tisch sitzen Juli Sottorf, 23, Leona Erdmann, 24, und Emma Stiehle, 25. Sie bilden das Architekturkollektiv \u201evonwegenleer\u201c. Ihre Bachelorarbeit schrieben sie \u00fcber Wohnzwischennutzung im <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus256343940\/Home-Office-Hohe-Mieten-hoher-Leerstand-so-spitzt-sich-der-Bueromarkt-weiter-zu.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus256343940\/Home-Office-Hohe-Mieten-hoher-Leerstand-so-spitzt-sich-der-Bueromarkt-weiter-zu.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00fcroleerstand<\/a>. Vergangenes Jahr war das. \u201eEin abstraktes Thema, das wir anschaulicher machen wollten\u201c, erz\u00e4hlt Sottorf. Im Gegensatz zu Wohnraum, der laut Wohnraumschutzgesetz nicht leer stehen darf, gibt es im Fall von B\u00fcrofl\u00e4chen keine Reglementierung.<\/p>\n<p>Das Kollektiv bewarb sich bei \u201eVerborgene Potenziale Innenstadt\u201c mit der Idee, einen Monat im B\u00fcro zu wohnen. Durch die F\u00f6rderung der Stadt konnten die Kosten zur Umnutzung gedeckt werden. Der Eigent\u00fcmer kooperierte, zu verlieren hatte er wenig. Die R\u00e4ume stehen ohnehin leer und die Nebenkosten, rund 500 Euro monatlich, werden \u00fcber die F\u00f6rderung bezahlt. \u201eSchnell war uns klar: Wir m\u00fcssen das B\u00fcro umcodieren, um uns hier wohlzuf\u00fchlen\u201c, erz\u00e4hlt Stiehle. <\/p>\n<p>Die grellen Deckenleuchten wurden durch Blenden gedimmt, Zwischenw\u00e4nde versetzt. So entstand eine gro\u00dfe Gemeinschaftsk\u00fcche mit f\u00fcnf Zimmern plus Duschbad. Die meisten Umbauten h\u00e4tten die Studierenden selbst durchgef\u00fchrt, hier und dort mit Unterst\u00fctzung von Facharbeitern. Dem Kollektiv geht es dabei um mehr als die Belebung der Innenstadt. \u201eWir wollen zeigen, dass Zwischennutzung funktioniert, und zwar mit \u00fcberschaubarem Aufwand und geringen Kosten\u201c, so Sottorf. \u201eUnd dass sie daher ein Ansatz sein kann, um gegen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus256238778\/Wohnungsnot-Jeder-kann-sich-fragen-Wie-kann-ich-Wohnraum-teilen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus256238778\/Wohnungsnot-Jeder-kann-sich-fragen-Wie-kann-ich-Wohnraum-teilen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wohnraummangel<\/a> vorzugehen\u201c, so Erdmann. Zwar stehen in der Innenstadt vergleichsweise wenige B\u00fcros leer. Doch in anderen Teilen der Stadt macht er sich bemerkbar. Im ersten Halbjahr 2023 lag die Quote f\u00fcr ganz Hamburg laut zwei leicht unterschiedlichen Maklerstudien zwischen 2,7 und 4 Prozent.<\/p>\n<p>Die ersten Erfahrungen der drei lauten: Der n\u00e4chste Supermarkt ist der Rewe in der Europa Passage. Und: Wer morgens um halb acht im Bademantel das Blumenbeet vor dem Eingang w\u00e4ssert, muss damit rechnen, von Touristen fotografiert zu werden. Was fehlt der Innenstadt ihrer Meinung nach? \u201eMehr Ecken, die der Nachbarschaft \u00fcberlassen werden. Wo nichts Fertiges hingesetzt wird, sondern etwas wachsen kann\u201c, sagt Juli Sottorf.<\/p>\n<p>Wenn sich die City nach Jazz anh\u00f6rt<\/p>\n<p>Ein Donnerstag im Juni gegen 17 Uhr. Beim britischen Herrenausstatter Ladage &amp; Oelke am Alten Wall werden die Auslagen zurechtger\u00fcckt. Nebenan, im Caf\u00e9 Cotidiano, st\u00f6\u00dft manch einer schon auf das Wochenende an. Im Hintergrund tr\u00e4gt eine laue Brise ein Saxofon-Solo her\u00fcber. Luftlinie kaum mehr als 50 Meter von dort, l\u00e4sst Fee Schlennstedt, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article254551094\/Konzert-Hamburg-Debuet-im-Jazzclub-Nica.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article254551094\/Konzert-Hamburg-Debuet-im-Jazzclub-Nica.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nica Jazz Clubs<\/a>, den Blick \u00fcber die B\u00fchne wandern. Die Band des Abends setzt zum Soundcheck an. \u201eEs geh\u00f6rt zur Philosophie des Hauses, die T\u00fcr zum Club offen stehenzulassen. Unsere beste Visitenkarte ist die Musik, die hier gemacht wird\u201c, sagt Schlennstedt. Bevor sie mit dem Club in der denkmalgesch\u00fctzten, von Artinvest aufwendig sanierten Fl\u00e4che mit Blick auf das Fleet festmachte, sammelte sie reichlich Erfahrung in den wichtigsten Jazz Clubs des Landes. Wie der Zufall es wollte, traf sie, die immer schon ihren eigenen Jazzclub er\u00f6ffnen wollte, auf einen \u201esolventen Verr\u00fcckten\u201c, dessen gr\u00f6\u00dfter Wunsch es ebenfalls war, einen eigenen Jazz Club zu besitzen: Robert von Bennigsen.<\/p>\n<p>Beide lieben Jazz und beide sind davon \u00fcberzeugt, dass es L\u00e4den wie das Nica braucht, damit sich die Hamburger Innenstadt weiterentwickelt. \u201eUnsere Zahlen zeigen, dass unser Konzept funktioniert. Unser Wunsch, vor allem Laufkundschaft f\u00fcr unsere Konzerte zu gewinnen, geht allerdings noch nicht auf. Die meisten Besucher kommen unseretwegen her und nicht, weil sie ohnehin in der Innenstadt sind.\u201c<\/p>\n<p>An die Zukunft von Hamburgs Innenstadt als beliebtes Ausgehviertel glaubt Fee Schlennstedt dennoch. \u201eWir sind \u00fcberzeugt, dass wir hier richtig sind. Jetzt m\u00fcssen wir nur einen langen Atem haben und Geduld.\u201c 300 Sitzpl\u00e4tze bietet der Club, der an mindestens f\u00fcnf Tagen der Woche ge\u00f6ffnet ist. Auch deshalb hat Schlennstedt ein breites Publikum im Visier. \u201eDer Club soll ein Ort f\u00fcr alle sein. Mir ist sehr wichtig, dass auch junge Leute kommen und nicht nur das etablierte Jazz-Publikum.\u201c Es sei wichtig, sich auszuprobieren. Eine Herangehensweise, die sie auch der Stadt r\u00e4t. Einerseits wolle sie Ver\u00e4nderungen, andererseits sei der \u00f6ffentliche Raum v\u00f6llig \u00fcberreguliert. \u201eDas passt nicht zusammen.\u201c Was w\u00fcnscht sie sich f\u00fcr die Innenstadt? \u201eDass mehr gewagt, mehr ausprobiert wird.\u201c Schlie\u00dflich entst\u00fcnden die besten Sachen oft, und da schlie\u00dfe sich der Kreis zur Musik, aus dem Mut zur Improvisation.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/eva-eusterhus\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/eva-eusterhus\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Eva Eusterhus<\/b><\/a><b> berichtet seit 2005 f\u00fcr WELT und WELT AM SONNTAG aus <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Hamburg<\/b><\/a><b>.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Innenst\u00e4dte m\u00fcssen sich neu erfinden. In Hamburg soll das Herz der Stadt in Zukunft auch ein attraktives&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":263926,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[64119,29,79771,79768,30,8924,8922,692,79770,65183,79769,1466,50918],"class_list":{"0":"post-270006","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-autofreie-stadt-ks","9":"tag-deutschland","10":"tag-einzelhandel-ks","11":"tag-gentrifizierung-ks","12":"tag-germany","13":"tag-hafen-city","14":"tag-hafencity-hamburg","15":"tag-hamburg","16":"tag-hamburg-mitte","17":"tag-immobilienwirtschaft","18":"tag-innenstaedte-ks","19":"tag-mobilitaet","20":"tag-stadtentwicklung-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114863493795424455","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/270006","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=270006"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/270006\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/263926"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=270006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=270006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=270006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}