{"id":270016,"date":"2025-07-16T15:02:12","date_gmt":"2025-07-16T15:02:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/270016\/"},"modified":"2025-07-16T15:02:12","modified_gmt":"2025-07-16T15:02:12","slug":"arbeitspolitik-ausbildung-in-berlin-zankapfel-umlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/270016\/","title":{"rendered":"Arbeitspolitik \u2013 Ausbildung in Berlin: Zankapfel Umlage"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img308751\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/308751.jpeg\" alt=\"Dieser Azubi k\u00f6nnte bald Gold wert sein: F\u00fcr jeden Auszubildenden sollen Unternehmen k\u00fcnftig eine Pauschale erhalten.\"\/><\/p>\n<p>Dieser Azubi k\u00f6nnte bald Gold wert sein: F\u00fcr jeden Auszubildenden sollen Unternehmen k\u00fcnftig eine Pauschale erhalten.<\/p>\n<p>Foto: IMAGO\/Jens Schicke<\/p>\n<p>Man sieht sich immer zweimal im Leben: Vor zehn Jahren sind sich Cansel Kiziltepe und Sebastian Stietzel schon einmal begegnet. \u00bbWir standen im Stau und sie ist mir hinten aufgefahren\u00ab, erz\u00e4hlt der heutige Pr\u00e4sident der Industrie- und Handelskammer von dem kuriosen Vorfall. Ein klassischer Auffahrunfall also.<\/p>\n<p>Unfallfrei konnte die heutige Arbeitssenatorin Kiziltepe (SPD) auch ihren Auftritt beim wirtschaftspolitischen Fr\u00fchst\u00fcck der IHK am Mittwoch nicht beenden. Die Senatorin wirkte \u00fcber weite Teile der Veranstaltung fahrig und defensiv. Zugegeben: Dass der Termin nicht einfach werden w\u00fcrde, stand schon vor Beginn fest. Denn die Berliner Wirtschaft l\u00e4uft seit Wochen gegen eines von Kiziltepes zentralen Amtsvorhaben Sturm: die Ausbildungsplatzumlage.<\/p>\n<p>\u00bbWillkommen in der H\u00f6hle der L\u00f6wen\u00ab, hie\u00df es dann auch treffend in einem Einspieler, der zu Beginn der illustren Runde Berliner Unternehmer gezeigt wurde. \u00bbIst das Ziel ein Zwang zur Ausbildung?\u00ab, fragte IHK-Pr\u00e4sident Stietzel im Anschluss. Die Umlage schaffe nur B\u00fcrokratie und keine zus\u00e4tzlichen Ausbildungspl\u00e4tze. \u00bbWir waren froh, dass die L\u00f6sung in einem B\u00fcndnis entstehen sollte\u00ab, sagte Stietzel in Anspielung auf das Berliner Ausbildungsb\u00fcndnis, in dem Unternehmer, Verwaltung und Gewerkschaften zusammenarbeiten sollen, um 2000 zus\u00e4tzliche Ausbildungsvertr\u00e4ge bis zum Ende des Jahres zu schaffen.<\/p>\n<p>Dass unter der \u00c4gide des Ausbildungsb\u00fcndnisses die Zahl der Ausbildungsvertr\u00e4ge <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1191538.ausbildungsplatzumlage-berlin-ausbildungsbuendnis-vor-gesellenpruefung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">weiter stagniert<\/a>, lie\u00df Stietzel lieber unerw\u00e4hnt. Aber auch Kiziltepe lie\u00df den Ball vor dem leeren Tor liegen. \u00bbAlle sind bem\u00fcht\u00ab, lobte sie stattdessen die weitgehend fruchtlosen Bem\u00fchungen der Unternehmen. Erst auf Nachfrage begann Kiziltepe, das Vorhaben zu verteidigen. \u00bbBerlin schafft es als einziges Bundesland nicht, gen\u00fcgend Menschen in Ausbildung zu bringen\u00ab, sagte sie. Die Ausbildungsquote in Berlin entspreche gerade mal der H\u00e4lfte des Bundesschnitts. Daher wolle man mit der Ausbildung diejenigen Betriebe st\u00e4rken, die ausbilden.<\/p>\n<p>Die angestrebte Umlage sieht vor, dass an ausbildende Unternehmen eine Pauschale pro Azubi gezahlt werden soll. Diese soll sich an der durchschnittlichen Ausbildungsverg\u00fctung orientieren. Finanziert werden soll das aus einem Fonds, in den alle Unternehmen einzahlen. Die H\u00f6he der Abgabe wird auf Grundlage der im Fonds ben\u00f6tigten Gesamtsumme berechnet, damit alle Betriebe, die ausbilden, die Pauschalen erhalten k\u00f6nnen. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die H\u00f6he der zu zahlenden Abgabe f\u00fcr das jeweilige Unternehmen soll dabei die an seine Besch\u00e4ftigten gezahlte Bruttolohnsumme sein. Das Gesetz sieht eine Obergrenze von 0,5 Prozent der Bruttolohnsumme vor, zudem sollen Kleinstbetriebe von der Abgabe ausgenommen werden. Das geht aus dem Gesetzentwurf vor, den \u00bbnd\u00ab <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192516.arbeit-in-berlin-ausbildungsplatzumlage-das-steht-im-schwarz-roten-gesetzentwurf.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in der vergangenen Woche ver\u00f6ffentlichte<\/a>.<\/p>\n<p>\u00bbIch will keinen Cent von der Abgabe behalten\u00ab, versicherte Kiziltepe. \u00bbDie Einnahmen werden komplett an die Unternehmen zur\u00fcckgegeben.\u00ab Nicht mal die Verwaltungskosten sollen demnach aus den Ertr\u00e4gen der Umlage getragen werden, sondern aus dem Landeshaushalt. Die Umlage, so Kiziltepe, solle belohnen, nicht bestrafen.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbBerlin schafft es als einziges Bundesland nicht, gen\u00fcgend Menschen in Ausbildung zu bringen.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nCansel Kiziltepe (SPD)\u2003Arbeitssenatorin<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei den anwesenden Unternehmern \u00fcberzeugte das wenig. \u00bbB\u00fcrokratiemonster\u00ab und \u00bbStrafabgabe\u00ab waren noch die freundlichsten Umschreibungen f\u00fcr die geplante Umlage. Die Schulabg\u00e4nger in Berlin seien nicht ausbildungsf\u00e4hig, die Vermittlung durch die Arbeitsagentur zu schlecht, beschwerten sich die Firmeninhaber. Eine Ausbildungsumlage k\u00f6nne falsche Anreize setzen, warnte die nach einer Plagiatsaff\u00e4re gest\u00fcrzte Ex-Senatorin und heutige IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Manja Schreiner. In manchen Branchen k\u00f6nnte k\u00fcnftig \u00fcber den Bedarf ausgebildet werden, die fertig ausgebildeten Azubis dann keine Anschlussbesch\u00e4ftigung finden.<\/p>\n<p>\u00bbWenn die Umlage kommt, werde ich daf\u00fcr sorgen, dass die Lohnbruttosumme sinkt, bis ich keine Abgabe mehr zahlen muss\u00ab, ereiferte sich ein Mikroelektronikunternehmer mit hochrotem Kopf. Das bedeute, dass er Arbeitspl\u00e4tze in andere Bundesl\u00e4nder verschieben werde, drohte er an. Bei den anwesenden Mitgliedern der IHK, die sich auf ihrer Webseite selbst als \u00bbMotor der Stadt\u00ab bezeichnet, sorgte das f\u00fcr tobenden Applaus.<\/p>\n<p>Statt zur Gegenattacke anzusetzen, wich Kiziltepe der harschen Kritik weitgehend aus. \u00bbWir werden Ihre Hinweise ber\u00fccksichtigen\u00ab, versuchte sie zu beschwichtigen und \u00fcbte sich in Phraseologie: \u00bbKein Gesetz verl\u00e4sst das Parlament so, wie es reingekommen ist.\u00ab Einer inhaltlichen Diskussion verweigerte sie sich weitgehend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dieser Azubi k\u00f6nnte bald Gold wert sein: F\u00fcr jeden Auszubildenden sollen Unternehmen k\u00fcnftig eine Pauschale erhalten. 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