{"id":270327,"date":"2025-07-16T18:04:10","date_gmt":"2025-07-16T18:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/270327\/"},"modified":"2025-07-16T18:04:10","modified_gmt":"2025-07-16T18:04:10","slug":"kunst-italien-hat-jetzt-den-niedrigsten-steuersatz-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/270327\/","title":{"rendered":"Kunst: Italien hat jetzt den niedrigsten Steuersatz in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem Frankreich und Deutschland die Mehrwertsteuer auf Kunst reduziert haben, hat die italienische Regierung die Nachbarn noch \u00fcbertrumpft. Dem Kunsthandel verleiht die erhebliche Steuersenkung Aufwind \u2013 und er wird internationaler.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Nach Jahren des Wartens haben die italienischen Galeristen endlich bekommen, was sie von der Politik forderten \u2013 eine Steuersenkung. Am 1. Juli konnten sie jubeln: Die Mehrwertsteuer auf Kunst in Italien wurde auf f\u00fcnf Prozent reduziert. Es ist der niedrigste Wert in Europa, noch unter Frankreich mit 5,5 Prozent und Deutschland, wo ein Steuersatz von sieben Prozent gilt.<\/p>\n<p>Die Gelegenheit f\u00fcr diese Reform ergab sich, nachdem die Europ\u00e4ische Union mit der Richtlinie 2022\/542 die M\u00f6glichkeit geschaffen hatte, den Steuersatz f\u00fcr Kunst zu senken. Die Richtlinie wurde im April 2022 von den Mitgliedstaaten gebilligt und sollte bis zum 1. Januar 2025 in nationales Recht umgesetzt werden. Frankreich nutzte die Chance sofort und nahm die \u00c4nderung in den Finanzhaushalt 2024 auf. <\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Kunsthandel war n\u00e4mlich in Fahrt gekommen, nachdem der britische Markt und London durch den Brexit geschw\u00e4cht worden war: Paris entwickelt sich wieder zur Hauptstadt der zeitgen\u00f6ssischen Kunst in Europa. Dutzende internationale Galerien haben sich locken lassen, in der franz\u00f6sischen Metropole Niederlassungen zu er\u00f6ffnen; die Art Basel betreibt eine Messe im Grand Palais. Deutschland folgte dem franz\u00f6sischen Beispiel und senkte zu Beginn dieses Jahres die Mehrwertsteuer f\u00fcr Kunstwerke. Die deutschen Galeristenverb\u00e4nde feierten den Erfolg nach Jahren politischer Lobbyarbeit.<\/p>\n<p>Gesch\u00e4tztes Umsatzplus von 1,5 Milliarden Euro<\/p>\n<p>Italien hingegen setzte die Richtlinie zun\u00e4chst nicht um. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article255389026\/Kunst-Italienische-Haendler-denken-schon-darueber-nach-ihr-Land-zu-verlassen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article255389026\/Kunst-Italienische-Haendler-denken-schon-darueber-nach-ihr-Land-zu-verlassen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur gro\u00dfen Entt\u00e4uschung der Galeristen<\/a>, die auf der Kunstmesse Arte Fiera in Bologna im Februar 2025 protestierten. Der Nachteil f\u00fcr die H\u00e4ndler und ihre Kunden war offensichtlich: Warum sollte ein Sammler ein Werk auf dem italienischen Kunstmarkt mit 22 Prozent Mehrwertsteuer kaufen, wenn er es in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zu einem Viertel dieses Satzes erwerben konnte? <\/p>\n<p>Der erm\u00e4\u00dfigte Steuersatz von zehn Prozent galt bisher nur in Sonderf\u00e4llen, etwa wenn die Verk\u00e4ufe direkt durch die K\u00fcnstler oder deren Erben erfolgten. Doch nun hat sich die Lage ge\u00e4ndert. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf f\u00fcnf Prozent k\u00f6nnte in drei Jahren zu einem gesch\u00e4tzten Umsatzplus von 1,5 Milliarden Euro f\u00fchren, sch\u00e4tzen Marktbeobachter. Profitieren werden davon auch die italienischen Kunstmessen, neben der Arte Fiera etwa die Artissima in Turin und die Miart in Mailand.<\/p>\n<p>Damit kann Italien wieder mit Nachbarl\u00e4ndern wie Frankreich, Deutschland und der Schweiz (8,5 Prozent) konkurrieren. Ohne diese Reform h\u00e4tte ein Umsatzr\u00fcckgang von 28 bis 50 Prozent gedroht, so legte es Sirio Ortolani, Vizepr\u00e4sident der Associazione Gruppo Apollo (einer Interessenvertretung f\u00fchrender Auktionsh\u00e4user, Kunsth\u00e4ndler, Sammler und Logistikunternehmen) in einem Artikel der Wirtschaftszeitung \u201eIl Sole 24 Ore\u201c dar.<\/p>\n<p>F\u00fcr den fiskalischen Schritt gab es freilich auch Kritik, denn die Mehrwertsteuer auf Kunst liegt jetzt unter der f\u00fcr Hygieneartikel wie Windeln, Binden und Tampons. Die wurde n\u00e4mlich unter der Regierung von Mario Monti auf zehn Prozent gesenkt, von der aktuellen Regierung Giorgia Melonis jedoch wieder auf die Regelbesteuerung von 22 Prozent angehoben. Man sollte Wirtschaftsg\u00fcter nicht gegeneinander ausspielen. Aber klar ist: Kunst stellt f\u00fcr Italien eine wertvolle Ressource dar.<\/p>\n<p>Die Hoffnung: Italien k\u00f6nnte zum Eingangstor f\u00fcr den europ\u00e4ischen Kunstimport aus Drittl\u00e4ndern werden und ausl\u00e4ndische Investitionen anziehen. Bereits in j\u00fcngster Zeit haben internationale Galerien wie Gregor Staiger (Z\u00fcrich), Ciaccia Levi (Paris), Thomas Dane (London), <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.galeriecapitain.de\/exhibitions\/zweigstelle-capitain-iii-napoli\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.galeriecapitain.de\/exhibitions\/zweigstelle-capitain-iii-napoli\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Gisela Capitain<\/a> (K\u00f6ln), <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/wentrupgallery.com\/venezia\/\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/wentrupgallery.com\/venezia\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Wentrup<\/a> (Berlin), Tim Van Laere (Antwerpen) und M+B (Los Angeles) neue Standorte in Mailand, Venedig, Rom oder Neapel er\u00f6ffnet, angezogen vom reichen k\u00fcnstlerischen Erbe und der lebendigen privaten Sammlerkultur. <\/p>\n<p>Nun kommt auch der Galerist Thaddaeus Ropac aus Salzburg. Im September er\u00f6ffnet er seine Dependance in Mailand mit einer Ausstellung von Georg Baselitz und Lucio Fontana. Dass seine Entscheidung auf die Mehrwertsteuersenkung zur\u00fcckgeht, ist allerdings unwahrscheinlich \u2013 Ropac betreibt bereits zwei Galerien unter 5,5-Prozent-Bedingungen in Paris. (In einigen F\u00e4llen d\u00fcrfte Kunstsammler auch die \u201eFlat Tax\u201c gereizt haben, die neu nach Italien gezogenen Million\u00e4ren einen Pauschalsteuersatz von 200.000 Euro bietet.)<\/p>\n<p>Was \u00e4ndert sich konkret? Die gesenkte italienische Mehrwertsteuer gilt f\u00fcr alle Verk\u00e4ufe und Importe von Kunstwerken. Wer den erm\u00e4\u00dfigten Satz nutzt, verzichtet jedoch auf die M\u00f6glichkeit, bei einem Weiterverkauf die Margenbesteuerung (22 Prozent) anzuwenden. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis gering ist, etwa bei Werken aufstrebender K\u00fcnstler. Auktionsh\u00e4user profitieren nicht direkt von der Reform, da sie Provisionen auf Vermittlungsgesch\u00e4fte erheben und nicht als K\u00e4ufer oder Verk\u00e4ufer auftreten.<\/p>\n<p>\u201eInsgesamt erwarten wir sinkende Endpreise, besonders bei Kunstwerken mittlerer und hoher Wertstufen\u201c, sagt Franco Broccardi von der Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft Studio Lombard DCA. \u201eDie Steuersenkung erm\u00f6glicht es den Akteuren, angefangen bei den K\u00fcnstlern selbst, auf Augenh\u00f6he zu agieren. Wir sind jetzt wettbewerbsf\u00e4higer, auch wenn die Reform sp\u00e4t kommt.\u201c <\/p>\n<p>Frankreich habe die Chancen der unsicheren Situation in Gro\u00dfbritannien genutzt, w\u00e4hrend Italien gez\u00f6gert habe. Allerdings reiche die Steuerminderung allein nicht aus: \u201eDer italienische Kunstmarkt muss nun an Transparenz und Reife gewinnen, etwa durch die Bek\u00e4mpfung des Schwarzmarkts.\u201c Auch die Finanzbranche k\u00f6nnte von der niedrigeren Steuer profitieren, so Broccardi, wie etwa das in Italien noch kaum verbreitete \u201eArt Lending\u201c (eine Art von Kreditfinanzierung, bei der Kunstwerke als Sicherheit hinterlegt werden).<\/p>\n<p>Die Politik bereitet derweil schon die n\u00e4chsten Schritte vor: Federico Mollicone, Melonis Parteifreund von den \u201eFratelli d\u2019Italia\u201c und Vorsitzender des Kulturausschusses der Abgeordnetenkammer in Rom, k\u00fcndigte f\u00fcr diesen Monat den Gesetzentwurf \u201eItalia in scena\u201c an. Er soll digitale Innovationen, die Aufwertung des Kulturerbes und vereinfachte Verfahren f\u00fcr Exporte und \u201eNotifizierungen\u201c f\u00f6rdern. <\/p>\n<p>Derzeit behindern strenge Vorschriften, lange Wartezeiten und weitere b\u00fcrokratische H\u00fcrden den internationalen Kunsthandel in Italien \u2013 besonders bei Werken, die vor \u00fcber 70 Jahren von heute verstorbenen K\u00fcnstlern geschaffen wurden und einen Wert von mehr als 13.500 Euro haben. Die Gefahr einer \u201eNotifica\u201c (Einstufung als nationales Kulturgut, was den Export blockiert und den Wert mindert) lastet auf Sammlungen und f\u00f6rdert den Schwarzhandel. Nun hofft die Branche auf den n\u00e4chsten Kurswechsel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nachdem Frankreich und Deutschland die Mehrwertsteuer auf Kunst reduziert haben, hat die italienische Regierung die Nachbarn noch \u00fcbertrumpft.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":267741,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,355,80540,1794,2148,22513,215],"class_list":{"0":"post-270327","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-italien","13":"tag-italien-wirtschaft","14":"tag-kunst-und-design","15":"tag-kunsthandel","16":"tag-mehrwertsteuer","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114864237026090666","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/270327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=270327"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/270327\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/267741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=270327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=270327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=270327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}