{"id":27052,"date":"2025-04-12T22:19:23","date_gmt":"2025-04-12T22:19:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/27052\/"},"modified":"2025-04-12T22:19:23","modified_gmt":"2025-04-12T22:19:23","slug":"rote-karte-herr-minister-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/27052\/","title":{"rendered":"Rote Karte, Herr Minister \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Rote Trillerpfeife im Mund, rote Karte in der Hand: Rund 1500 Menschen demonstrierten am Dienstagnachmittag vor dem Landesschulamt in der Nonnenstra\u00dfe in Leipzig. Zur Demonstration rief die Gewerkschaft f\u00fcr Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf. Grund daf\u00fcr sind 21 Ma\u00dfnahmen, mit denen das s\u00e4chsische Kultusministerium plant, den hohen Unterrichtsausfall an Sachsens Schulen auszugleichen. Im ersten Schulhalbjahr 2024\/25 konnten die Lehrkr\u00e4fte laut Kultusministerium 9,4 Prozent der geplanten Unterrichtsstunden nicht halten. Entweder aufgrund von Lehrkr\u00e4ftemangel oder aber wegen Krankheit, Streik oder Fortbildungen. Betroffen sind vor allem Ober- und F\u00f6rderschulen. Das Problem: Sachsen fehlen 1.400 Lehrerinnen und Lehrer. Ab n\u00e4chstem Schuljahr sollen die 21 Ma\u00dfnahmen beitragen, dieses Loch zu stopfen. Die Ma\u00dfnahmen will das Ministerium Ende Mai beschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Anfang M\u00e4rz hatte Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) die Punkte in Dresden vorgestellt. Darunter sp\u00e4tere Alterserm\u00e4\u00dfigung, Versetzung von Gymnasiallehrkr\u00e4ften zwischen Schularten und digitaler Unterricht f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Die GEW h\u00e4lt die Ma\u00dfnahmen f\u00fcr wenig sinnvoll, sie w\u00fcrden die Lehrkr\u00e4fte nur zus\u00e4tzlich belasten und die Bildungsqualit\u00e4t w\u00fcrde weiter leiden. Die Gewerkschaft fordert deswegen, die Ma\u00dfnahmen zur\u00fcckzunehmen.<\/p>\n<p>\u00bbLehrkr\u00e4fte werden ausgequetscht\u00ab<\/p>\n<p>Besonders viel Kritik erntet die geplante \u00c4nderung der Alterserm\u00e4\u00dfigung: Bisher konnten Lehrkr\u00e4fte ab 58 eine Unterrichtsstunde pro Woche reduzieren, mit 60 dann zwei und mit 63 schon vier Unterrichtsstunden. Diese Staffelung will das Ministerium um f\u00fcnf Jahre verschieben. Das treffe laut GEW die Lehrkr\u00e4fte, die in den neunziger Jahren gezwungen war, in Teilzeit zu arbeiten, weil die Sch\u00fclerzahlen eingebrochen waren. Das bedeutete Einbu\u00dfen bei Gehalt und Rente. Dieselbe Generation konnte zudem nicht von der 2019 eingef\u00fchrten Verbeamtung profitieren, weil der Landtag die Altersgrenze in Sachsen auf 42 festlegte.<\/p>\n<p>\u00bbIch h\u00e4tte diesen August die Alterserm\u00e4\u00dfigung genutzt. Mir macht das gro\u00dfe Sorge, sollte das nicht gehen, weil ich merke, dass meine Kraft begrenzt ist. Das war etwas, worauf ich gehofft habe\u00ab, erz\u00e4hlt Birgit S\u00e4hnisch, Lehrerin an einer F\u00f6rderschule in Grimma, dem kreuzer auf der Demonstration am Dienstag. S\u00e4hnisch ist mit ihrer Kollegin zur Demonstration gekommen. Beide Lehrerinnen zeigen sich ver\u00e4rgert \u00fcber die Ma\u00dfnahmen. \u00bbDer Job ist an sich schon sehr stressig, oft kann man ihn schon nicht so gut machen, wie man ihn gerne machen w\u00fcrde: mit Elternabend und Einzelf\u00f6rderung der Kinder\u00ab, sagt Annika Stappenbeck, die seit neun Jahren an der F\u00f6rderschule unterrichtet. Die beiden w\u00fcrden beobachten, wie Kolleginnen und Kollegen an der Schule oft nicht auf ihre Arbeitszeiten achten, um den Kindern eine bestm\u00f6gliche F\u00f6rderung zu bieten. \u00bbWir engagieren uns viel und wollen es gut machen. Ich habe aber den Eindruck, dass bei Vorgesetzten und in der Politik nichts davon ankommt, was Lehrer alles leisten, sondern eigentlich nur gedacht wird: Wo k\u00f6nnen wir noch sparen? Wo kann man noch k\u00fcrzen? Und das macht uns sauer und gibt uns das Gef\u00fchl, dass man allein dasteht und k\u00e4mpft\u00ab, sagt S\u00e4hnisch.<\/p>\n<p>Am Mittwoch erreicht der kreuzer den GEW-Landesvorsitzenden Burkhard Naumann am Telefon. \u00bbDie vorhandenen Lehrkr\u00e4fte, die ohnehin schon \u00fcberlastet sind, werden weiterhin ausgequetscht\u00ab, sagt Naumann. Sorge bereiten der Gewerkschaft unter anderem die \u00c4nderungen in der Lehrerausbildung: Die meisten Fachkr\u00e4fte, die Referendare ausbilden, sind Lehrkr\u00e4fte, die auch an Schulen unterrichten. Laut Ma\u00dfnahmenplan sollen sie wieder mehr unterrichten. Das f\u00fchre laut Naumann zu einer schlechten Ausbildungsqualit\u00e4t und belaste die Lehrkr\u00e4fte zus\u00e4tzlich, denn das bedeute: weniger Zeit f\u00fcr Referendare, weniger Hospitationsbesuche und gr\u00f6\u00dfere Gruppen. \u00bbManche Referendare brauchen mehr Betreuung. Wenn Fachkr\u00e4fte nicht mehr auf einzelne Referendare eingehen k\u00f6nnen, weil die Gruppen zu gro\u00df sind, wird das zu mehr Abbr\u00fcchen f\u00fchren\u00ab, sagt Naumann.<\/p>\n<p>Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Fachberatung. Diese f\u00fchren Lehrkr\u00e4fte durch, die daf\u00fcr vom Unterricht freigestellt werden, um Kollegen an verschiedenen Schulen zu ihrem Unterricht zu beraten: \u00bbEs ist ein Qualit\u00e4tsmerkmal, dass wir so eine Fachberatung haben. Die Unterrichtsversorgung muss zwar verbessert werden, darunter darf aber nicht die Bildungsqualit\u00e4t leiden\u00ab, sagt Naumann. Laut Ma\u00dfnahmenplan sollen die Lehrkr\u00e4fte weniger beraten, damit sie mehr unterrichten. Die Beratung m\u00fcsse aber weiterhin vorbereitet und geplant werden, daf\u00fcr h\u00e4tten die Lehrkr\u00e4fte dann weniger Zeit.<\/p>\n<p>GEW sieht Entlastung in Gefahr<\/p>\n<p>Die GEW hat alternativ zum Plan des Ministeriums eigene Ma\u00dfnahmen entwickelt. Um Lehrkr\u00e4fte zu entlasten, schl\u00e4gt die Bildungsgewerkschaft vor, Profilunterricht zu k\u00fcrzen oder die Stundentafel zu entschlacken: Kontrollierter Unterrichtsausfall sei die bessere L\u00f6sung. \u00bbWenn wir uns auf die entscheidenden Inhalte konzentrieren, dann senken wir die Quantit\u00e4t ab, aber investieren in die Bildungsqualit\u00e4t\u00ab, sagt Naumann. Der Lehrkr\u00e4ftemangel ist da, man m\u00fcsse sich darauf fokussieren, die bestm\u00f6gliche Bildung anzubieten. Sinnvoll w\u00e4re laut GEW-Vorsitzendem Naumann auch, Mehrarbeit besser zu verg\u00fcten: \u00bbDie Belastung ist bei den Lehrkr\u00e4ften oft unterschiedlich verteilt. F\u00fcr manche ist es m\u00f6glich mehr zu arbeiten \u2013 gerade wenn sie mehr Erfahrung haben und mal eine Klasse nicht so intensiv vorbereiten m\u00fcssen. Aber Mehrarbeit wird deutlich geringer verg\u00fctet als eine normale Unterrichtsstunde.\u00ab<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliches Entlastungspotenzial sieht die GEW bei den sogenannten unterrichtsnahen T\u00e4tigkeiten: Lehrkr\u00e4fte m\u00fcssen ihren Unterricht vor- und nachbereiten, Konferenzen besuchen, Elternabende oder Schulausfl\u00fcge organisieren und durchf\u00fchren. \u00bbEs wird immer versprochen, dass dort durch Schulassistenten entlastet wird\u00ab, sagt Naumann. \u00bbDer Ausbau multiprofessioneller Teams steht im Ma\u00dfnahmenplan, das ist gut, aber ist durch den Haushalt noch nicht untersetzt, da dieser noch nicht beschlossen ist.\u00ab Bisher sind Lehrkr\u00e4fte oft allein verantwortlich f\u00fcr den Unterricht oder die Betreuung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Mithilfe von multiprofessionellen Teams k\u00f6nnen Lehrkr\u00e4fte durch Schulsozialarbeiterinnen oder Schulassistenten in bestimmten Fachbereichen entlastet werden.<\/p>\n<p>Tilo Schumann, Pressesprecher des s\u00e4chsischen Kultusministeriums, sagt dem kreuzer auf Anfrage, dass das Ministerium weiter an diesem Ziel festhalte: \u00bbDer Doppelhaushalt ist nur eine M\u00f6glichkeit, multiprofessionelle Teams auszubauen. Die andere ist das Startchancen-Programm des Bundes. Wir werden alles nutzen, was m\u00f6glich ist.\u00ab<\/p>\n<p>Am 28. April treffen sich Vertreterinnen und Vertreter der GEW und CDU-Kultusminister Conrad Clemens, um \u00fcber die Ma\u00dfnahmen zu sprechen. \u00bbIch hoffe das hilft und die Ma\u00dfnahmen werden nochmal \u00fcberarbeitet\u00ab, sagt Naumann. Einen ersten Erfolg haben die Protestierenden jetzt schon zu verzeichnen: Die laute Kritik an der Alterserm\u00e4\u00dfigung sei auch ins Ministerium vorgedrungen, sagt Schumann: \u00bbDer Minister hat schon angek\u00fcndigt, dass die vorgeschlagene \u00c4nderung noch angepasst werden kann.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rote Trillerpfeife im Mund, rote Karte in der Hand: Rund 1500 Menschen demonstrierten am Dienstagnachmittag vor dem Landesschulamt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":27053,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[752,15559,8634,1567,3364,15560,29,30,4850,71,859],"class_list":{"0":"post-27052","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-bildung","9":"tag-bildungsarbeit","10":"tag-bildungsministerium","11":"tag-bildungspolitik","12":"tag-de","13":"tag-demokratiebildung","14":"tag-deutschland","15":"tag-germany","16":"tag-lehrer","17":"tag-leipzig","18":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114327320220521548","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27052","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27052"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27052\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27053"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27052"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27052"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27052"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}