{"id":271052,"date":"2025-07-17T00:31:10","date_gmt":"2025-07-17T00:31:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/271052\/"},"modified":"2025-07-17T00:31:10","modified_gmt":"2025-07-17T00:31:10","slug":"gruppentherapie-ein-spiegel-des-echten-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/271052\/","title":{"rendered":"Gruppentherapie \u2013 ein Spiegel des echten Lebens"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie kamen Sie zur Gruppentherapie?<\/strong><br \/>Stefan Hofele: Im Grunde von Beginn an: W\u00e4hrend meiner Zeit in der Klinik geh\u00f6rten Gruppensitzungen zum Tagesgesch\u00e4ft. Ich pers\u00f6nlich hatte sehr gro\u00dfes Gl\u00fcck bei meiner Supervision und wurde behutsam ans Thema herangef\u00fchrt. So konnte ich fr\u00fchzeitig eine Verbindung aufbauen und f\u00fchlte mich von Anfang an in Gruppen sehr wohl. Dem ist nicht immer so: Viele werden ins kalte Wasser gesto\u00dfen und sind mit der Situation \u00fcberfordert. Das mag auch ein Grund sein, weshalb manche Kolleginnen und Kollegen eher mit gemischten Gef\u00fchlen auf ihre Zeit in Gruppen zur\u00fcckblicken.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Was macht die Gruppen- im Vergleich zur Einzeltherapie aus?<\/strong><br \/>Stefan Hofele: Im Gegensatz zur klassischen Einzeltherapie spiegelt die Arbeit in der Gruppe sehr viel mehr das echte Leben wider: Hier begegnen sich unterschiedliche Charaktere mit sehr unterschiedlichen Biografien \u2013 ein Abbild der Gesellschaft, wenn man so will. Das hat viele Vorteile und macht die Situation weniger k\u00fcnstlich als in der Sitzung zu zweit, wo es mehr auf Einsch\u00e4tzung und R\u00fcckmeldung des Therapeuten ankommt. Demgegen\u00fcber bietet die Zusammenarbeit mit mehreren Raum f\u00fcr verschiedene Stimmen und Perspektiven, die \u00fcber die reine Expertenmeinung hinausgehen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Gruppe ist wie ein Mikrokosmos: Menschen erz\u00e4hlen von sich und ihren Problemen, h\u00f6ren einander zu und erkennen sich in den Geschichten des anderen wieder. Denn so sehr sich die Teilnehmer individuell auch unterscheiden, in ihren Grundkonflikten kommen sie wieder zusammen \u2013 egal, ob es um Ausgrenzung, Alleinsein oder mangelnde Wertsch\u00e4tzung geht. \u00dcber diese Verbindung finden die Patientinnen und Patienten zu sich selbst zur\u00fcck.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielt die Gruppe im Heilungsprozess?<\/strong><br \/>Stefan Hofele: Eine sehr gro\u00dfe \u2013 besonders in geschlossenen Gruppen, mit denen ich arbeite. Ma\u00dfgeblich ist die Gruppendynamik, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleich mehrere Rollen einnehmen: Mal sind sie Zuh\u00f6rer, mal Ratgeber und Vorbild, mal konfrontieren sie einander. All das tr\u00e4gt dazu bei, sich selbst zu hinterfragen und so den eigenen Mustern auf die Spur zu kommen. Bestandteil eines eingespielten Teams zu sein, schafft zudem soziale Verbindlichkeit und kann motivieren, weiter am Ball zu bleiben. Je enger eine Gruppe zusammenw\u00e4chst, desto besser. Das Zusammenspiel gibt dann ein unverstelltes Bild dar\u00fcber, welche Probleme wir in den Blick nehmen m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Wie sehen Sie Ihre Rolle als Therapeut im Gruppensetting?<\/strong><br \/>Stefan Hofele: Das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich stark von der Gruppe selbst und dem Stadium der Therapie ab. Anfangs sind die Patientinnen und Patienten meist noch sehr zur\u00fcckhaltend und bringen sich eher selten ein. In dieser Phase ist der Therapeut gefordert und muss die Themen gezielt anmoderieren. Mit fortschreitender Zeit \u00e4ndert sich das: Je besser sich eine Gruppe gegenseitig kennt und aufeinander eingespielt ist, desto gr\u00f6\u00dfer werden Austausch und Feedback untereinander. Es entsteht ein kotherapeutisches System: Die Gruppenteilnehmer gehen direkt aufeinander zu, geben sich Tipps und berichten von eigenen Erfahrungen und L\u00f6sungsstrategien. Ab dann nimmt sich der Therapeut mehr und mehr zur\u00fcck und wechselt in die Metaperspektive.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Welche Themen eignen sich f\u00fcr die Arbeit in der Gruppe?<\/strong><br \/>Stefan Hofele: Im Grunde kann jedes Thema in der Gruppe behandelt werden. Einzige Ausnahme w\u00e4ren Traumapatienten, bei denen andere Herangehensweisen erforderlich sind. Wichtig ist, dass die Gruppe nicht zu gro\u00df ist: Nach meiner Erfahrung sind sechs bis sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer ideal \u2013 gro\u00df genug, um die gew\u00fcnschte Dynamik zu erzielen, und gleichzeitig klein genug, um Raum f\u00fcr ausreichend Intimit\u00e4t zu geben.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Welches Feedback erhalten Sie?<\/strong><br \/>Stefan Hofele: Ich bekomme sehr viele positive R\u00fcckmeldungen. Am sch\u00f6nsten ist es f\u00fcr mich, wenn jemand wieder mit sich selbst in Kontakt kommt. Das sind immer ganz besondere Momente \u2013 f\u00fcr die Gruppe, die daraus neue St\u00e4rke bezieht. Aber auch f\u00fcr mich als Therapeut.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Warum gibt es Vorbehalte?<\/strong><br \/>Stefan Hofele: Viele sehen die Gruppentherapie als Massenabfertigung und bef\u00fcrchten, mit ihren eigenen Problemen zu kurz zu kommen. Dass die Arbeit im Gruppensetting viele Vorteile hat, wird dabei \u00fcbersehen. Hier m\u00fcssen wir ansetzen und breiter aufkl\u00e4ren, um mit diesen Vorbehalten aufzur\u00e4umen. Denn mit der gruppentherapeutischen Grundversorgung haben wir ein effektives und sehr niedrigschwelliges Angebot, das vielen Menschen helfen kann: In bis zu vier Sitzungen bieten wir erste Orientierung in der Not und kl\u00e4ren \u00fcber weitere Therapieoptionen auf \u2013 und das ohne spezielle Genehmigung oder Bindung ans Richtlinienverfahren. Manchmal geht die Grundversorgung nahtlos in Regelsitzungen \u00fcber. Wie bei der Gruppentherapie allgemein ist das Angebot hier aber noch sp\u00e4rlich. Das m\u00fcssen wir \u00e4ndern, denn fest steht auch: Der Bedarf in der Bev\u00f6lkerung wird nicht weniger werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kvno.de\/praxis\/abrechnung-honorar\/gruppenpsychotherapie\" class=\"link link--internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">kvno.de\/gruppenpsychotherapie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie kamen Sie zur Gruppentherapie?Stefan Hofele: Im Grunde von Beginn an: W\u00e4hrend meiner Zeit in der Klinik geh\u00f6rten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":271053,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[1349,29,30,1420,2059,15,1209],"class_list":{"0":"post-271052","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-aktuelles","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-koeln","12":"tag-neues","13":"tag-news","14":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114865758664674480","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/271052","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=271052"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/271052\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/271053"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=271052"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=271052"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=271052"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}