{"id":271799,"date":"2025-07-17T07:26:12","date_gmt":"2025-07-17T07:26:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/271799\/"},"modified":"2025-07-17T07:26:12","modified_gmt":"2025-07-17T07:26:12","slug":"berlin-biennale-der-erstickungstod-der-aesthetik-durch-die-moral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/271799\/","title":{"rendered":"Berlin Biennale: Der Erstickungstod der \u00c4sthetik durch die Moral"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">An einem sehr hei\u00dfen Dienstag Anfang Juli hatte ich die dumme Idee, die 13. <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.berlinbiennale.de\/de\/news\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.berlinbiennale.de\/de\/news&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Berlin Biennale<\/a> zu besuchen. Dumm auch deshalb, weil das KW Institute for Contemporary Art in der Auguststra\u00dfe \u2013 seit nunmehr 28 Jahren Hauptort der Biennale \u2013 wahrscheinlich ebenso lange immer dienstags geschlossen war und, wie ich nun feststellte, auch w\u00e4hrend der Biennale dienstags geschlossen bleibt. Gl\u00fccklicherweise war das B\u00fcro besetzt, und nachdem meine Begleiterin und ich uns vorgestellt hatten, wurde die Ausstellung tats\u00e4chlich nur f\u00fcr uns ge\u00f6ffnet. <\/p>\n<p>Zwei junge Mitarbeiterinnen aus der Kommunikations- und Vermittlungsabteilung begleiteten uns, um auf ihre pers\u00f6nlichen Lieblingsarbeiten hinzuweisen, und auch, wie eine der beiden scherzhaft sagte, \u201edamit ihr nichts klaut\u201c \u2013 was insofern wirklich lustig war, als dass ich in den gro\u00dfen und kleinen Gem\u00e4ldesammlungen dieser Welt oft \u00fcber Diebstahl nachdenke, auf politischen Biennalen hingegen nie.<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn, wir hatten noch nicht das Remake eines \u00fcberdimensionierten BHs des argentinischen Feministinnen-Kollektivs Las Chicas del Chancho y el Corpi\u00f1o gesehen, mit dessen Original, wie der Wandtext uns erkl\u00e4rte, 1995 gegen einen \u201emaskulinistischen Provinzgouverneur\u201c demonstriert worden war, wir hatten noch kaum etwas \u00fcber die vielf\u00e4ltigen Protestformen gegen die Diktatur in Myanmar gelernt und ahnten noch nicht, dass wir sp\u00e4ter selbst demonstrieren w\u00fcrden, in einer interaktiven Videoinstallation und ausgerechnet gegen Elon Musks Pl\u00e4ne zur Mars-Besiedlung \u2013 gleich zu Beginn also legte man uns nahe, unbedingt in den Garten hinter dem Hauptausstellungsraum zu gehen, um die dortige Installation der burmesischen K\u00fcnstlerin Nge Nom nicht zu verpassen. <\/p>\n<p>Berlin Biennale: \u201eSie knien in einem Kunstwerk!\u201c<\/p>\n<p>Drau\u00dfen sahen wir einen Mann, der in einem Graben kniete und auf einen Steinblock einh\u00e4mmerte. So beeindruckt wie ratlos standen wir in der sengenden Hitze \u2013 beeindruckt, dass man in so kurzer Zeit nicht nur die Video- und Sound-Arbeiten f\u00fcr uns \u201ehochgefahren\u201c, sondern auch einen Performer in den Graben beordert hatte; ratlos, weil wir den am Garteneingang h\u00e4ngenden Erkl\u00e4rungstext \u00fcbersehen und unsere Vermittlerinnen diese ihre Lieblingsarbeit vielleicht schon zu oft gesehen hatten, um uns auch hier, bei 35 Grad, noch erkl\u00e4rend zur Seite zu stehen. <\/p>\n<p>Gerade als wir wieder hineingehen wollten, schauten sie durch die T\u00fcr, sahen den Mann und steuerten zu unserer \u00dcberraschung direkt auf ihn zu. \u201eEntschuldigen Sie\u201c, sagte die eine, \u201eaber Sie knien in einem Kunstwerk.\u201c Der Mann lie\u00df den Hammer sinken und schaute sich um. \u201eHaben sie denn das Schild nicht gelesen? Da steht doch: Achtung Graben, bitte nicht betreten.\u201c  <\/p>\n<p>Der Mann erwiderte, er habe das Schild nicht genau gelesen und gedacht, es w\u00fcrde einen nur warnen, nicht in den Graben zu fallen. \u201eDas auch\u201c, sagte die Frau. Der Mann, der sich nun als Handwerker entpuppte, der im Innenraum eine Steintreppe reparierte und dabei keinen Dreck machen wollte, entschuldigte sich und kletterte aus dem Kunstwerk, welches, wie wir nun erfuhren, an die Flucht der K\u00fcnstlerin vor der burmesischen Milit\u00e4rpolizei erinnerte.  <\/p>\n<p>Nach einer Demonstration im Jahre 2021 waren sie und ihre Freunde durch die Stra\u00dfen von Rangun gejagt worden und hatten sich \u00fcber den Zaun in den Garten eines \u00e4lteren Paares gerettet. Dieses Paar habe ihnen einen Graben am anderen Ende ihres Grundst\u00fcckes gezeigt, durch den sie \u2013 dann endg\u00fcltig \u2013 vor der Polizei in eine andere Gasse fliehen konnten.   <\/p>\n<p>Besagter Graben war jetzt wieder leer und die Vermittlerinnen nickten betroffen ob ihrer eigenen Vermittlung. Vielleicht war es die Sonne, vielleicht eine einsetzende Dehydrierung, vielleicht nur der ungl\u00e4ubige Blick des Handwerkers, der sich den Staub abklopfte, bevor er wieder in der Ausstellungshalle verschwand \u2013 pl\u00f6tzlich erschien mir der Graben nicht mehr als Platzhalter eines fernen Aufstandes oder als Aufh\u00e4nger generischer Betroffenheitstexte, sondern als Symbol f\u00fcr die Kunstwelt an sich. <\/p>\n<p>Wann genau hatte das Gutgemeinte das Gute ersetzt? Wer hatte den Graben gegraben, in den K\u00fcnstler, Kritiker, Kuratoren, Kulturpolitiker, Professoren und ihre Sch\u00fcler, in den wir letztlich alle reingestiegen, reingefallen, reingestr\u00f6mt waren? Wann und warum wurden \u201epolitische\u201c Kunstvermeidungs-Ausstellungen wie die 13. Berlin Biennale mit Steuermillionen subventionierte Norm? Eine Norm, gegen die es doch eigentlich, sosehr die Sonne auch brennen mochte, entschieden zu protestieren galt, nicht 1995 in Argentinien, nicht 2021 in Myanmar \u2013 sondern 2025 in Deutschland.  <\/p>\n<p>Um zu verstehen, wie der deutsche Kunstbetrieb im Graben gelandet ist, muss man kurz zur\u00fcck auf Los \u2013 an denselben Ort an dem ich an besagtem hei\u00dfen Juli-Dienstag stand, und der Mitte der 1990er-Jahre noch Kunst-Werke hei\u00dft. Man muss zur\u00fcck zu <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus240896411\/Klaus-Biesenbach-Der-Chef-der-Neuen-Nationalgalerie-im-Portraet.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus240896411\/Klaus-Biesenbach-Der-Chef-der-Neuen-Nationalgalerie-im-Portraet.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klaus Biesenbach<\/a>, einem charismatischen Medizinstudenten, der in diesem besetzen Haus in Berlin-Mitte Ausstellungen, Ateliers und Clubn\u00e4chte zu organisieren beginnt und so einen Anlaufpunkt f\u00fcr alle nach Berlin ziehenden K\u00fcnstler schafft, der \u00e4hnlich wichtig f\u00fcr den Arm-aber-Sexy-Mythos der Stadt werden soll, wie die Love-Parade und sp\u00e4ter das Berghain. <\/p>\n<p>Man kann Klaus Biesenbach daf\u00fcr kritisieren, was er seit 2022 aus der Neuen Nationalgalerie macht \u2013 damals, 25 Jahre zuvor, hat er eine Vision, die klarer nicht sein k\u00f6nnte: Eine Biennale muss her. Sie soll zum internationalen Schaufenster des Berliner Booms werden, soll den Gospel der neuen K\u00fcnstler-Hauptstadt so lautstark verk\u00fcnden, dass es auch in den letzten Winkeln der damals noch nicht ganz so globalisierten Kunstwelt vernommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der Plan geht auf: Die erste Berlin Biennale findet 1998 statt, und ihre K\u00fcnstlerliste liest sich noch heute flie\u00dfend. \u00d3lafur El\u00edasson, Douglas Gordon, John Bock, Monica Bonvicini, Carsten H\u00f6ller, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254451088\/Portraetfotografin-Vor-der-Kamera-entwickeln-ihre-Modelle-echte-Identitaet.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254451088\/Portraetfotografin-Vor-der-Kamera-entwickeln-ihre-Modelle-echte-Identitaet.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rineke Dijksta<\/a>, Thomas Demand, Dominique Gonzalez-Foerster, Jonathan Meese, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus256275072\/spektakulaere-ausstellung-wie-starfotograf-wolfgang-tillmans-nach-remscheid-zurueckkehrte.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus256275072\/spektakulaere-ausstellung-wie-starfotograf-wolfgang-tillmans-nach-remscheid-zurueckkehrte.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolfgang Tillmans<\/a> und Felix Gonzalez-Torres \u2013 es sind Namen, die die 2000er-Jahre definieren werden. Und auch Biesenbach selbst und seine Co-Kuratoren Hans-Ulrich Obrist und Nancy Spector werden zu Stars.<\/p>\n<p>So gro\u00df ist die Aufbruchsstimmung, dass sie noch ein Jahrzehnt lang anhalten wird. Mit Massimiliano Gioni, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus254637834\/Bananen-Kleber-Maurizio-Cattelan-Es-ist-ein-lautes-Lachen-ueber-ein-muedes-System.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus254637834\/Bananen-Kleber-Maurizio-Cattelan-Es-ist-ein-lautes-Lachen-ueber-ein-muedes-System.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Maurizio Cattelan<\/a>, Elena Filipovic und <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/medien\/plus168585834\/Documenta-hat-Finanzprobleme-Die-Lehren-aus-dem-Desaster.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/medien\/plus168585834\/Documenta-hat-Finanzprobleme-Die-Lehren-aus-dem-Desaster.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adam Szymczyk<\/a> findet die Berlin Biennale weiter prominente Kuratoren, die sich an Biesenbachs fr\u00fchem Credo orientieren, die internationale Berliner Szene genauso im Blick behalten zu wollen wie globale Trends. Kai Althoff, Pawe\u0142 Althamer, Berlinde De Bruyckere, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article255958854\/Bildhauer-Thomas-Schuette-Harte-Arbeit-am-Menschenbild.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article255958854\/Bildhauer-Thomas-Schuette-Harte-Arbeit-am-Menschenbild.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thomas Sch\u00fctte<\/a>, Nairy Baghramian \u2013 die Liste der wichtigen K\u00fcnstler, die hier auf Einladung seiner Nachfolger hin entscheidende Auftritte hatten, sie w\u00fcrde den Rahmen dieses Textes sprengen.<\/p>\n<p>Was aber erz\u00e4hlt uns die 13. Berlin Biennale?<\/p>\n<p>W\u00fcrde man Biesenbachs Anspruch der Anfangstage auf die von der Inderin Zasha Colah und ihrer argentinischen Kollegin Valentina Viviani kuratierten und \u201edas fl\u00fcchtige weitergeben\u201c betitelte Ausstellung anwenden, so w\u00e4re die gerade aufregendste in Berlin entstehende Kunst wahrscheinlich eine H\u00f6rspieldokumentation von Merle Kr\u00f6ger, die den Suizid eines von Abschiebung bedrohten kurdischen Studenten rekonstruiert.<\/p>\n<p>Globale Trends lie\u00dfen sich dann zwei ableiten. Grob gesagt besch\u00e4ftigt sich die eine H\u00e4lfte der mehrheitlich aus dem \u201eGlobalen S\u00fcden\u201c stammenden internationalen K\u00fcnstler damit, Artefakte und Erinnerungen ihrer vergangenen Proteste gegen diverse Unrechtssysteme zu sammeln und auszustellen, w\u00e4hrend die andere H\u00e4lfte in Koch-Tutorials, auf bestickten K\u00fcchenhandt\u00fcchern oder gleich in trockenen Archiv-Installationen die traumatischen Kolonialgeschichten ihrer Herkunftsl\u00e4nder aufarbeiten.<\/p>\n<p>Alle diese Geschichten sind es wert, erz\u00e4hlt und geh\u00f6rt zu werden, nur ist eine Kunstausstellung das denkbar undankbare Medium daf\u00fcr. Das H\u00f6rspiel \u00fcber den Suizid des kurdischen Studenten h\u00e4tte man gern um Mitternacht im Deutschlandfunk geh\u00f6rt, von Anfang an am besten und nicht als Schleife auf T\u00fcrkisch, weil der eine Kopfh\u00f6rer mit der deutschen Version gerade besetzt ist. Der Video-Essay des kasachischen Kunst- und Forschungskollektivs Artcom Platform \u00fcber den schleichenden Tod des Balchaschsees \u2013 pr\u00e4sentiert in einer \u201eStruktur aus Steppenschilf\u201c \u2013 h\u00e4tte die Grundlage f\u00fcr eine Arte-Dokumentation liefern k\u00f6nnen, w\u00e4re er nicht mit der Stimme des Sees erz\u00e4hlt. <\/p>\n<p>Und auch die Recherchen von <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/plus227529223\/Fall-Emilia-von-Senger-Deutsche-sind-Menschen-mit-Nazihintergrund.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/plus227529223\/Fall-Emilia-von-Senger-Deutsche-sind-Menschen-mit-Nazihintergrund.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sinthujan Varatharajah und Moshtari Hilal<\/a> zu den Nachwirkungen englischer Kolonialgesetzgebung in Kenia, Sri Lanka und Malawi \u2013 symbolisiert durch das fortgesetzte Tragen wei\u00dfer Per\u00fccken der dortigen Richter \u2013 w\u00e4re als gut edierte Reportage in \u201eLe Monde diplomatique\u201c sicherlich effektvoller gewesen. Hier, im zweiten gro\u00dfen Spielort der Berlin Biennale, einem ehemaligen Gerichtsgeb\u00e4ude in der Lehrter Stra\u00dfe, sind sie in einer Reihe von Aktenordnern abgelegt, neben der \u2013 Sie ahnen es vielleicht \u2013 eine wei\u00dfe Richter-Per\u00fccke h\u00e4ngt.    <\/p>\n<p>So mag die 13. Ausgabe der Berlin Biennale wie angek\u00fcndigt von \u201eWiderstand, Justizwillk\u00fcr und \u00d6kozid berichten\u201c, ihre Meta-Erz\u00e4hlung ist die ihres eigenen Niedergangs, eines angek\u00fcndigten und trotzdem qualvoll anzusehenden Erstickungstodes der \u00c4sthetik zu H\u00e4nden der Moral. Aus einem Schaufenster f\u00fcr die Kunstszene in Deutschland ist ein Schaufenster f\u00fcr politische und gesellschaftliche Krisen im Ausland geworden. <\/p>\n<p>Die Mentalit\u00e4t des Sekund\u00e4ren<\/p>\n<p>Der Literaturwissenschaftler <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/article205597083\/George-Steiner-Nachruf-auf-den-Dichter-unseres-Denkens.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/article205597083\/George-Steiner-Nachruf-auf-den-Dichter-unseres-Denkens.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">George Steiner<\/a> war es, der in seinem Buch \u201eVon realer Gegenwart\u201c die zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts als kritisch-soziales Zeitalter beschrieb, welches auf ein sch\u00f6pferisches zur\u00fcckblicke. F\u00fcr Steiner war der Genius der Nachkriegszeit der Journalismus, nicht mehr als Quelle der Information, sondern wie <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/plus254600254\/Botho-Strauss-Ein-Leben-zwischen-Literatur-Theater-und-Provokation.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/plus254600254\/Botho-Strauss-Ein-Leben-zwischen-Literatur-Theater-und-Provokation.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Botho Strau\u00df<\/a> es in seinem Nachwort zusammenfasste: \u201evielmehr als eine umfassende Mentalit\u00e4t des Sekund\u00e4ren, die tief eingedrungen ist in die Literatur, in die Gelehrsamkeit, die Philosophie und nicht zuletzt in den Glauben und seine \u00c4mter.\u201c Die Kunst der Biennale wird durch die Mentalit\u00e4t des Sekund\u00e4ren nicht nur durchdrungen, sie wird durch sie ersetzt. Der Bericht \u00fcber die Ungerechtigkeit, die den K\u00fcnstler inspiriert, ist an die Stelle des durch die Ungerechtigkeit inspirierten Werkes getreten.   <\/p>\n<p>Visuell weniger eindr\u00fccklich als der Jahresbericht einer mittel-relevanten NGO, muss die 13. Berlin Biennale deshalb \u2013 je nach Sichtweise \u2013 als Bankrotterkl\u00e4rung eines inzwischen in weiten Teilen kunstfeindlichen Kunstbetriebs gelesen werden oder als arrogante Machtdemonstration desselben. Gerade weil diese Ausstellung kein Einzelfall ist, sondern die Akzeleration eines nach den letzten Documentas und nun bereits vier <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article177311616\/Berlin-Biennale-Dekolonisiert-euch-doch-selber.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article177311616\/Berlin-Biennale-Dekolonisiert-euch-doch-selber.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">stramm postkolonialen<\/a> Berlin Biennalen in Folge klar ablesbaren Trends, lohnt es sich zu fragen, wer hier Macht und wer blo\u00df Ohnmacht demonstriert.<\/p>\n<p>Macht demonstriert vor allem die Politik In Gestalt der Bundeskulturstiftung, die der Berlin Biennale alle zwei Jahre drei Millionen Euro zur Verf\u00fcgung stellt. Bei der letzen Documenta waren es 3,5 Millionen &#8211; dort allerdings noch deutlich getoppt von der Stadt Kassel und dem Land Hessen, die je 10,75 Millionen zugeschossen haben. Somit sind Gro\u00df-Ausstellungen wie \u201edas fl\u00fcchtige weitergeben\u201c ebenso politisch gewollt wie eine vergleichbare, immer weiter um sich greifende Programmatik in den Museen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch hier die f\u00fcr jede Sonderausstellung dringend ben\u00f6tigten Zusatzgelder vor allem dann flie\u00dfen, wenn in F\u00f6rderantr\u00e4gen Buzzwords wie Inklusion, Barrierefreiheit, Partizipation und Nachhaltigkeit vorkommen sowie im Idealfall versprochen wird, auch queerfeministische und postkoloniale Perspektiven zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Eine neue Generation von Kuratoren, die in den vergangenen Jahren \u00fcberall Schl\u00fcsselstellen besetzt haben \u2013 von den f\u00fchrenden H\u00e4usern bis in die kleinsten Kunstvereine \u2013 muss hier nicht gro\u00df erzogen werden. Die meisten von ihnen k\u00f6nnen sich an Zeiten, in denen Ausstellungen eher \u00e4sthetisch als gesellschaftspolitisch begr\u00fcndet wurden, kaum noch erinnern. Und sie haben im Zweifelsfall nicht mehr Kunstgeschichte, sondern Curatorial Studies studiert, wo man derzeit vor allem damit besch\u00e4ftigt ist, eben jene \u2013 nat\u00fcrlich westlich patriarchal denominierte \u2013 Kunstgeschichte zu \u201eunlearnen\u201c, wie es in der zunehmend esoterisch werdenden Kuratorensprache hei\u00dft. <\/p>\n<p>Die passende Kunst f\u00fcr ihre folgerichtig in \u201eSafe Spaces\u201c f\u00fcr \u201ekollektives Heilen\u201c umgewandelten Ausstellungsr\u00e4ume liefern dann junge K\u00fcnstler, die an der Kunsthochschule Berlin-Wei\u00dfensee Seminare wie \u201eMore than a trigger warning: an introduction to inclusive Art Mediation\u201c und \u201eQueer Utoping\u201c belegen, oder an der Berliner Universit\u00e4t der K\u00fcnste \u201ePostcolonial Identity in Contemporary Art\u201c studieren und \u201eUnlearning University\u201c-Symposien besuchen.  <\/p>\n<p>Das Problem der Findungskommissionen<\/p>\n<p>So ist die 13. Berlin Biennale, ist die Tatsache, dass sie in dieser Form \u00fcberhaupt stattfinden kann, auch eine Machtdemonstration des akademischen Milieus, welches ihr den intellektuellen \u00dcberbau liefert. Derart erfolgreich hat eben jenes Milieu in den vergangenen Jahren Exempel statuiert, Sprechverbote verh\u00e4ngt und Karrieren gecancelt, dass die so entstandene Angst diejenigen zu l\u00e4hmen scheint, auf deren Einspruch man dringend angewiesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Da sind <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/plus239586095\/Documenta-und-Antisemitismus-Wie-sich-in-Kassel-die-Kuratoren-Elite-blamiert.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/plus239586095\/Documenta-und-Antisemitismus-Wie-sich-in-Kassel-die-Kuratoren-Elite-blamiert.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">immer wieder die Findungskommissionen<\/a>, die wie im Falle dieser Berlin Biennale aus etablierten Museumsleitern wie Elena Filipovic und Krist Gruijthuijsen oder K\u00fcnstlern wie Olaf Nicolai bestehen. Man m\u00f6chte wirklich nicht Zeuge ihrer bestimmt qu\u00e4lenden Jurysitzungen sein, die immer wieder unter dem Motto \u201eWie k\u00f6nnen wir die n\u00e4chste Gro\u00dfausstellung noch kunstfeindlicher gestalten?\u201c zu stehen scheinen. Es bleibt unerkl\u00e4rlich, weshalb beispielsweise Filipovic (die in dem von ihr geleiteten Kunstmuseum Basel gerade eine epochale, hinrei\u00dfende, tats\u00e4chlich Augen \u00f6ffnende Medardo-Rosso-Ausstellung pr\u00e4sentiert) bei einer sich anbahnenden Auswahl der jetzigen Biennale-Kuratorinnen und ihres Konzeptes nicht auf die Barrikaden geht.  <\/p>\n<p>Da sind die Journalisten, die wie in der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kunst-und-architektur\/ausstellung\/die-sehenswerte-berlin-biennale-feiert-den-widerstand-110534463.html\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kunst-und-architektur\/ausstellung\/die-sehenswerte-berlin-biennale-feiert-den-widerstand-110534463.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">\u201eFrankfurter Allgemeinen Zeitung\u201c<\/a>, der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/berlin-biennale-kunst-widerstand-humor-li.3265595?reduced=true\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/berlin-biennale-kunst-widerstand-humor-li.3265595?reduced=true&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">\u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c<\/a> und der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/26\/berlin-biennale-gegenwartskunst-postkolonialismus\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.zeit.de\/2025\/26\/berlin-biennale-gegenwartskunst-postkolonialismus&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">\u201eZEIT\u201c<\/a> nachzulesen, die 13. Berlin Biennale als \u201esehenswert\u201c, \u201ehorizonterweiternd\u201c und \u201efacettenreich\u201c loben. Dass jedoch auf so uninspiriert pflichtschuldige Weise, dass man sicher sein kann: Keiner der Kritiker w\u00fcrde einem nach Berlin reisenden Freund ernsthaft den Besuch der Ausstellung nahelegen. Eher sprechen ihre Lippenbekenntnisse von der Angst durch junge Online-Redakteurinnen, auf deren Wohlwollen man angewiesen ist sowie von den Kunstakademien, an denen man seine Lehrauftr\u00e4ge behalten will, nicht als hoffnungslose white old men abgestempelt zu werden.   <\/p>\n<p>Und schlussendlich ist da der offensichtlich masochistisch veranlagte Hauptsponsor der Biennale: eigentlich ein klassischer Vertreter des am \u00d6kozid mitschuldigen Petrol-Patriarchats (wie man das in der neuen Kuratorensprache wahrscheinlich formulieren w\u00fcrde) finanziert ausgerechnet Volkswagen die Vermittlungsarbeit und den internationalen Kuratoren-Workshop der Biennale. Als Strafe f\u00fcr derart verzweifeltes virtue signaling muss jetzt die Leiterin des Volkswagen-Kulturengagements in einer Jury 15 \u201einternational early career-curators, educators and other practitioners\u201c ausw\u00e4hlen, die auf Kosten von Volkswagen nach Berlin reisen und dort gemeinsam mit den Biennale-Kuratorinnen dar\u00fcber nachdenken d\u00fcrfen, \u201ewie kuratorisches Handeln politisch mit der Struktur Ausstellung umgehen kann.\u201c <\/p>\n<p>Die M\u00e4chtigen und Ohnm\u00e4chtigen, die Ideologen und Durchwinker, die Treiber und Mitl\u00e4ufer, letztlich haben sie gemeinsam das Bullshit-Bingo zu verantworten, das aus dem einst vision\u00e4r gedachten Biennale-Gedanken geworden ist. Statt weiter zu \u201eunlearnen\u201c und identit\u00e4tspolitische Reader zu studieren, sollten sie sich in aller Demut daran erinnern, wonach Kunst einmal gestrebt hat \u2013 und hoffentlich noch immer strebt.<\/p>\n<p>\u201eEs ist \u00fcberhaupt keine Frage\u201c, schrieb Botho Strau\u00df schon im Jahr 1993, \u201edass man gl\u00fccklich und verzweifelt, ergriffen und erhellt leben kann wie eh und je, freilich nur au\u00dferhalb des herrschenden Kulturbegriffs. Was sich st\u00e4rken muss, ist das Gesonderte. Das Allgemeine ist m\u00e4chtig und schw\u00e4chlich zugleich. Der Widerstand ist heute schwerer zu haben, der Konformismus ist intelligent, facettenreich, heimt\u00fcckischer und gefr\u00e4\u00dfiger als vordem, das Gutgemeinte gemeiner als der offene Bl\u00f6dsinn, gegen den man fr\u00fcher Opposition oder Abkehr zeigte.\u201c <\/p>\n<p>Ob der herrschende Kulturbegriff sich \u00e4ndern wird, bleibt abzuwarten. Zu tief haben sich die Spuren des Zeitgeists in den Institutionen eingeschrieben, zu radikal haben Sie die Sprechakte geformt, als dass ein Backlash hier zum Befreiungsschlag werden k\u00f6nnte. Simone de Beauvoir wusste, dass Kunst nie blo\u00df moralisches Werkzeug sein, dass sie die Welt ersch\u00fcttern, nicht best\u00e4tigen darf. Wenn wir das Recht auf Unmoral in der Kunst verteidigen und die \u00c4sthetik wieder als \u201eultima ratio\u201c setzen, wenn wir das Individuum, das Gesonderte feiern und wieder dem nachsp\u00fcren, was Immanuel Kant den \u201emetaphysischen Rest\u201c nannte, dann w\u00e4re schon viel gewonnen. Und der Graben im Garten des KW? \u00dcber ihn ist schon jetzt Gras gewachsen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An einem sehr hei\u00dfen Dienstag Anfang Juli hatte ich die dumme Idee, die 13. 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