{"id":271805,"date":"2025-07-17T07:29:10","date_gmt":"2025-07-17T07:29:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/271805\/"},"modified":"2025-07-17T07:29:10","modified_gmt":"2025-07-17T07:29:10","slug":"fotoausstellung-in-berlin-vom-zusammenflicken-einer-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/271805\/","title":{"rendered":"Fotoausstellung in Berlin: Vom Zusammenflicken einer Stadt"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Wenn es ruhig war in der Stadt, die Stra\u00dfen leer am Sonntagmorgen, kaum Autos, keine Fu\u00dfg\u00e4nger, dann war f\u00fcr die Fotografen Andr\u00e9 Kirchner und Peter Thieme die Zeit gekommen, unterwegs zu sein. Mit ihren Gro\u00dfformatkameras zogen sie los in den 1990er Jahren, angezogen vom Umbau der Stadt, von Brachen und Brandmauern, von der feinen Gliederung alter Fassaden und der Anonymit\u00e4t in den Fensterrastern neu hochschie\u00dfender Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Die Fotografin Nelly Rau-H\u00e4ring, die aus der Schweiz nach Berlin gekommen war und hier vier Jahrzehnte lang fotografierte, liebte den Trubel. Wo Leute zusammenkamen, auf Demos, Paraden, Volksfesten fand sie viele ihrer Motive.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Alle drei haben die Ver\u00e4nderungen der Stadt lange begleitet. Ihre gemeinsame Ausstellung im Berliner Haus am Kleistpark konzentriert sich jetzt auf die Neunzigerjahre, die Flickstellen zwischen Ost und West, auf die Versprechen von neuen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten und die Hartn\u00e4ckigkeit des Alten. Der Mief der Nachkriegszeit und der raue Charme der Selbstbehauptung auf beiden Seiten der Mauer, er war ja immer pr\u00e4sent.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Wer damals schon in Berlin lebte, f\u00fcr den ist die Ausstellung auch ein Fest des Wiedererkennens und Erinnerns. Wer erst sp\u00e4ter kam, kann vielleicht staunen, wie oft es den Fotografen gelang, im Grauen und Monotonen, an Orten, die nichts Einladendes hatten, um zu verweilen, die ohne Identit\u00e4t und Seele schienen, doch etwas zu entdecken, was die Orte zum Sprechen bringt in ihrer Schwarz-Wei\u00df-Fotografie.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7817457\/1200\/38785636-2.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/38785636-2.jpeg\" alt=\"Schwarz-wei\u00df-Foto einer Frau und eines Kinds vor einer Wand mit Plakaten\" title=\"Schwarz-wei\u00df-Foto einer Frau und eines Kinds vor einer Wand mit Plakaten\" height=\"468\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Plakate f\u00fcr erste freie Wahlen der DDR (1990)<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nNelly Rau-H\u00e4ring<\/p>\n<p>      Ecken der Stadt \u00fcber die Jahre<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/Der-Stadtraum-als-Collage\/!618380&amp;s=Ronald%2BBerg%2BAndr%C3%A9%2BKirchner&amp;SuchRahmen=Print\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andr\u00e9 Kirchner arbeitet in Serien,<\/a> nicht selten hat er Stra\u00dfen und Stra\u00dfenecken \u00fcber viele Jahrzehnte verfolgt. In der Serie \u201eOffener Himmel\u201c liegt der Blickpunkt oft tief, gleitet \u00fcber Pflaster und betonierte Fl\u00e4chen, bis er auf Gewerbebauten oder Siedlungen trifft, die klein unter dem konturlosen hellen Himmel wirken.<\/p>\n<p>Die Ausstellung<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\"><strong>\u201eBerlin Eins \u2013 die Neunziger\u201c,<\/strong> Haus am Kleistpark, Di. \u2013 So., 11\u201318 Uhr, bis 28. September<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"7\">Was Stadt ist, driftet weg vom Betrachter, wird zur Randerscheinung, ist nicht mehr das Ma\u00df aller Dinge. In einer anderen, hochformatigen Bilderreihe ist der Abstand zu den Fassaden gering, sie verstellen den Blick, erzeugen Enge. Man prallt zur\u00fcck, bis man in den Details zu lesen beginnt, dem abgestellten Wohnwagen in der Baul\u00fccke, den feinen Musterungen in der Backsteinarchitektur historischer Industriebauten, oder den Beschriftungen, die unter br\u00f6selnden Fassaden von besseren Zeiten erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"8\">Die Mauer war weg, aber jede Menge Bauzaun macht Berlin zu einem unwirtlichen Ort in den Aufnahmen von Peter Thieme. Der Blick geht oft in die Tiefe durch die Stra\u00dfenschluchten, aber man wird schon beim Hinsehen m\u00fcde bei der Vorstellung, jetzt an all diesen Ost-Neubauten, Modell historisierende Platte, durch die Friedrichstra\u00dfe zu laufen. Er zeigt Berlins Mitte wie erstarrt, eine Stadt in Schockstarre.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"9\">Dieser st\u00e4dtebaulichen Tristesse gegen\u00fcber hat die <a href=\"https:\/\/taz.de\/!s=Nelly+Rau-H%25C3%25A4ring&amp;Autor=Katrin+Bettina+M%25C3%25BCller&amp;ExportStatus=Intern&amp;SuchRahmen=Alle\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fotografin Nelly Rau-H\u00e4ring<\/a> leichtes Spiel, mit ihrem den Menschen zugewandten Blick die Sympathien zu gewinnen. Ganz nebenbei sieht man den von Christo und Jeanne-Claude verh\u00fcllten Reichstag im Hintergrund, aber eigentlich flirtet man mit einem kleinen Jungen, den sein Vater auf dem Arm h\u00e4lt.<\/p>\n<p>      Was passiert, ist b\u00fchnenreif<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"11\">\u00dcber einen H\u00fcgel aus Erde, Aushub aus einer Grube wom\u00f6glich, balancieren drei Silhouetten, w\u00e4hrend hinter ihnen die ersten Hochh\u00e4user des Potsdamer Platzes aufragen. In der Volksb\u00fchne am Rosa Luxemburg Platz wird die B\u00fchne gefegt. Am Funkturm treffen sich die Fans amerikanischer Schlitten. Es sind einerseits ikonische Orte, touristische Highlights, Kapital des Stadtmarketings, die Rau-H\u00e4ring mit ihrer Kleinbildkamera aufsuchte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"12\">Aber sie verlieren jeglichen werbenden und auftrumpfenden Gestus in den Szenen, die sie beobachtet, auf die sie gewartet hat. Was passiert, ist oft b\u00fchnenreif, aber nicht von ihr, sondern von den Protagonisten inszeniert, manchmal etwas schrullig, oft tapfer den Verh\u00e4ltnissen trotzend. Wie der Verk\u00e4ufer von Regenschirmen, der seinen Handel aus einem kleinen Koffer vor dem Bauzaun betreibt, hinter sich ein Plakat \u201eTanz in die D:Mark\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">Ein wenig komisch ist es schon, dass die drei K\u00fcnst\u00adle\u00adr:in\u00adnen einer klassischen Rollenaufteilung folgen: Die M\u00e4nner sind f\u00fcr die Hardware der Stadt, Stein und Beton, das Monumentale und Gro\u00dfe zust\u00e4ndig und die Frau f\u00fcr das Leben, das Kleinteilige und Wuselige. Aber was sie eint, ist eine Haltung, die nichts verurteilt und nichts verkaufen will, die gen\u00fcgsam mit dem umgeht, was Berlin ausmacht. Und nichts, aber auch gar nichts besch\u00f6nigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn es ruhig war in der Stadt, die Stra\u00dfen leer am Sonntagmorgen, kaum Autos, keine Fu\u00dfg\u00e4nger, dann war&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":271806,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-271805","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114867402452078576","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/271805","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=271805"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/271805\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/271806"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=271805"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=271805"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=271805"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}