{"id":272009,"date":"2025-07-17T09:22:11","date_gmt":"2025-07-17T09:22:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/272009\/"},"modified":"2025-07-17T09:22:11","modified_gmt":"2025-07-17T09:22:11","slug":"feindbild-deutschland-ist-ausdruck-von-kriegsmuedigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/272009\/","title":{"rendered":"Feindbild Deutschland ist Ausdruck von Kriegsm\u00fcdigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">J\u00fcngste Umfragen zeigten erstaunliche Resultate: Die Russen halten Deutschland f\u00fcr besonders feindselig, w\u00e4hrend die USA pl\u00f6tzlich viel positiver gesehen werden. Der Soziologe Lew Gudkow relativiert das. Er sieht darin vor allem einen Ausdruck der Kriegsm\u00fcdigkeit.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Ein Paar spaziert auf einer mit Blumen geschm\u00fcckten Br\u00fccke beim Kreml im Moskau. Der \u00fcppige Blumenschmuck ist Teil des Programms \u00abSommer in Moskau\u00bb zur Versch\u00f6nerung des st\u00e4dtischen Raums.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5000\" height=\"3237\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/671abf48-5878-418a-98ba-f2ef293e9353.jpeg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Ein Paar spaziert auf einer mit Blumen geschm\u00fcckten Br\u00fccke beim Kreml im Moskau. Der \u00fcppige Blumenschmuck ist Teil des Programms \u00abSommer in Moskau\u00bb zur Versch\u00f6nerung des st\u00e4dtischen Raums. <\/p>\n<p>Yuri Kochetkov \/ EPA<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1iu3vjk451\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Moskau quillt von Blumen \u00fcber. Sie h\u00e4ngen in Blumenk\u00e4sten an Br\u00fcckengel\u00e4ndern, sie wachsen aus T\u00f6pfen am Strassenrand und ranken sich in den Fussg\u00e4ngerzonen an Pergolen aus Metall empor. \u00abSommer in Moskau\u00bb heisst das Programm, mit dem die Stadtregierung die Bev\u00f6lkerung und die G\u00e4ste erfreuen will. In Gassen, auf Pl\u00e4tzen und in vielen P\u00e4rken wurden B\u00fchnen aufgebaut, f\u00fcr sportliche und kulturelle Veranstaltungen. Nur mit dem Sommer war es bis anhin so eine Sache: Bis Anfang Juli wollte er einfach nicht kommen. Es regnete und war grau und kalt.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Das Brot und die Spiele des Moskauer B\u00fcrgermeisters Sergei Sobjanin scheinen zu wirken.<\/p>\n<p>Die Deutschen als Hauptfeinde?<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivi5l8sj0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Nach mehr als drei Jahren Krieg ist die russische Gesellschaft erm\u00fcdet. Lew Gudkow, Forschungsdirektor des <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.levada.ru\" rel=\"nofollow noopener\">Lewada-Zentrums<\/a> und der Doyen unter Russlands Soziologen, spricht gar von Ausweglosigkeit, die die Menschen erfasst habe. Das Institut, das er einst zusammen mit seinem Lehrer und Mentor Juri Lewada begr\u00fcndete, h\u00e4lt trotz Schikanen an der unabh\u00e4ngigen soziologischen Forschung fest. Das Etikett \u00abausl\u00e4ndischer Agent\u00bb klebt l\u00e4stig an ihm und schreckt potenzielle Auftraggeber ab.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivl6289v0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Vor kurzem sorgte <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.levada.ru\/2025\/06\/05\/predstavleniya-o-druzhestvennyh-i-nedruzhestvennyh-stranah-vzaimootnosheniyah-s-zapadom-otnoshenie-k-nekotorym-stranam-i-napravleniya-zagranichnyh-poezdok\/\" rel=\"nofollow noopener\">eine der Umfragen,<\/a> die das Lewada-Zentrum in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden durchf\u00fchrt, f\u00fcr Aufsehen. Es hatte nach \u00abfreundlichen\u00bb und \u00abunfreundlichen\u00bb Staaten und dem Verh\u00e4ltnis zum Westen gefragt. Diese Kategorien hatte der russische Staat zu Beginn des Ukraine-Krieges eingef\u00fchrt, um L\u00e4nder, die Russlands Krieg unterst\u00fctzt oder zumindest keine Strafmassnahmen verh\u00e4ngt hatten, von denjenigen zu unterscheiden, die Sanktionen erlassen und den politischen Austausch auf ein Minimum beschr\u00e4nkt hatten.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivlan7fq1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Unter den \u00abunfreundlichen\u00bb Staaten schwang in der neuen Umfrage pl\u00f6tzlich Deutschland obenaus, danach folgten Grossbritannien und die Ukraine.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivso4opk1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die USA, jahrelang zum B\u00f6sewicht schlechthin stilisiert und der traditionelle milit\u00e4rische Gegner der Sowjetunion und Russlands, rutschten von Platz eins auf Platz vier ab. Nur noch 40 Prozent der Befragten sahen in ihnen eine feindselig eingestellte Macht, im Unterschied zu 55 Prozent bei Deutschland. Sind die Deutschen zu den Hauptfeinden der Russen geworden?<\/p>\n<p>Grosse Erwartungen an Trump<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivl6np4m0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In seinem B\u00fcro mitten in Moskau, wenige hundert Meter vom Roten Platz entfernt, w\u00e4gt Gudkow sorgf\u00e4ltig ab. \u00abDas positivere Amerika-Bild und die negativere Einsch\u00e4tzung Deutschlands hingen mit einer Person zusammen: Donald Trump\u00bb, sagt Gudkow. Schon dessen Wahlkampagne habe in Russland hohe Erwartungen geweckt. Die Russen, meint er, wollten den Krieg hinter sich lassen. Weil Wladimir Putin nicht dazu bereit gewesen sei, ihn zu beenden, sei Trump zum Hoffnungstr\u00e4ger geworden. 51 Prozent finden ihn sympathisch, ein Wert, auf den jeder russische Minister nur mit Neid blicken kann.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivl9ucfa1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In dieser Erwartungshaltung steckt auch Verzweiflung: In ihrer Ausweglosigkeit setzen die Russen auf die Tatkraft eines Mannes, dem sie Macht zubilligen, den Krieg so zu beenden, dass Putin zustimmen kann. Deutschland, Grossbritannien und Polen dagegen r\u00fccken bei den \u00abunfreundlichen\u00bb Staaten in den Vordergrund, weil sie die bisherige Politik gegen\u00fcber der Ukraine und Russland fortsetzten, im Unterschied zu den USA. \u00abDeshalb entsteht der Anschein, als w\u00e4ren sie die Hauptfeinde\u00bb, sagt Gudkow. Die Auftritte europ\u00e4ischer Politiker, besonders des deutschen Kanzlers Friedrich Merz, tr\u00fcgen zu dem Eindruck bei.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivnbhb3s1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">F\u00fcr den 76-j\u00e4hrigen Soziologen ist aber ebenso klar: \u00abDas bedeutet nicht, dass Deutschland tats\u00e4chlich als gr\u00f6sster Feind angesehen wird.\u00bb Es gebe eine grosse Sehnsucht nach der R\u00fcckkehr zu fr\u00fcheren Beziehungen zum Westen. Darunter verst\u00fcnden die Leute Verh\u00e4ltnisse wie zu Zeiten des letzten sowjetischen Pr\u00e4sidenten Michail Gorbatschow oder der fr\u00fchen neunziger Jahre. 80 Prozent w\u00fcnschten sich das f\u00fcr Deutschland. Die H\u00e4lfte halte das unter den gegebenen Umst\u00e4nden f\u00fcr unm\u00f6glich; die andere H\u00e4lfte glaube daran, dass es m\u00f6glich w\u00e4re, wieder aufeinander zuzugehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Lew Gudkow, Soziologe am Moskauer Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"392\" height=\"530\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Lew Gudkow, Soziologe am Moskauer Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum <\/p>\n<p>Imago<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivnbkorr1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abDie Russen sehen in Deutschland keine starke milit\u00e4rische Macht\u00bb, sagt er. \u00abUnd von der Nato haben sie eine sehr ungenaue Vorstellung.\u00bb Gudkow erkl\u00e4rt sich die Feindseligkeit deshalb mit der Tr\u00e4gheit fr\u00fcherer Einstellungen. Es gehe weniger darum, dass die Leute glaubten, vom Westen gehe eine reale Bedrohung aus. Vielmehr spiegele sich darin der Eindruck, der Westen habe etwas gegen Russland und verachte es. Diese Ressentiments w\u00fcrden von der Propaganda gef\u00fcttert. Gudkow spricht von \u00abideologischem M\u00fcll\u00bb. Er erwartet, dass auch die Vereinigten Staaten wieder negativer gesehen w\u00fcrden, sobald die Euphorie um Trump verflogen sei.<\/p>\n<p>Putin profitiert von antiwestlichen Aufwallungen<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivl9sk660\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die antiwestlichen Gef\u00fchle haben eine Vorgeschichte, ohne die die heutigen Verh\u00e4ltnisse nicht zu verstehen sind. \u00abFeinde sind unabdingbar f\u00fcr das Putin-Regime\u00bb, sagt Lew Gudkow und blendet zwanzig Jahre zur\u00fcck. In den vom Westen begr\u00fcssten Regierungswechseln in Georgien und in der Ukraine 2003\/04 und im Streben dieser Staaten in die Europ\u00e4ische Union und die Nato sieht er den Anfang der B\u00f6swilligkeit gegen\u00fcber dem Westen. Die M\u00fcnchner Rede Putins von 2007 machte das offensichtlich. Mit dem Georgien-Krieg 2008 sei es zur antiwestlichen Aufwallung gekommen und zu einer ersten Konsolidierung rund um Putin seit 2000.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivnepo6r1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die eigentliche Konsolidierung der Gesellschaft geschah 2014 im Jubel \u00fcber die Einverleibung der Halbinsel Krim. Dem war der Winter 2011\/12 vorausgegangen, als der Unmut \u00fcber Putins R\u00fcckkehr in den Kreml und Unregelm\u00e4ssigkeiten bei der Dumawahl zu grossen Protesten gef\u00fchrt hatte. Ende 2013 war die Zustimmung zu Putin so tief wie nie \u2013 47 Prozent wollten ihn nicht mehr. 75 Prozent waren gleichzeitig der Meinung, Russland solle sich nicht in der Ukraine einmischen, wo auf dem Kiewer Maidan der Protest gegen die Regierung immer markanter wurde. Dann habe eine geradezu \u00abphantastisch anmutende Kampagne\u00bb aus den Ukrainern Faschisten und Neonazis gemacht. Seither seien die politischen Proteste kontinuierlich zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivneq4ru1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die Gesetzgebung ist viel repressiver geworden. Die Rhetorik gegen\u00fcber dem Westen wurde immer aggressiver, und die Propaganda suggerierte, eine milit\u00e4rische Konfrontation mit dem Westen werde unausweichlich. F\u00fcr Gudkow war der Weg zum umfassenden Krieg gegen die Ukraine deshalb vorgezeichnet. Dieser trieb die Zustimmungsraten f\u00fcr Putin in neue H\u00f6hen \u2013 auch vor dem Hintergrund der westlichen Sanktionen und der Verurteilungen durch die Vereinten Nationen, die die Propaganda als Zeichen von \u00abRussophobie\u00bb darstellte.<\/p>\n<p>Der Westen bleibt Orientierungspunkt<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivndhr600\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abDie antiwestlichen Gef\u00fchle sind daher nicht spontan entstanden, sondern sind ein Resultat der steten Propaganda und der Verdr\u00e4ngung regimekritischer Medien\u00bb, sagt Gudkow. Die Leute seien nicht in der Lage, das zu hinterfragen. \u00abDass die Preise steigen, sehen sie selbst, aber was wissen sie \u00fcber Merz?\u00bb So n\u00e4hmen sie das hin, was ihnen erz\u00e4hlt werde. Trotzdem bleibt der Westen Orientierungspunkt f\u00fcr die Entwicklung und die Kultur.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivnggchf1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Unter den L\u00e4ndern, die als besonders \u00abfreundlich\u00bb bezeichnet w\u00fcrden, k\u00f6nnten sich die wenigsten etwas vorstellen, meint der Soziologe und macht eine wichtige Differenzierung: Wenn die Sympathien f\u00fcr Nordkorea seit 2022 zugenommen h\u00e4tten, habe das nichts mit Anziehungskraft zu tun, sondern mit der Bedeutung, die die Propaganda dem Land durch dessen Hilfe im Ukraine-Krieg zumesse. Das Konsumverhalten sei wichtiger als ideologische Stereotype. Vieles ist tats\u00e4chlich dem Opportunismus geschuldet: Chinesische Autos, die seit 2022 den russischen Markt \u00fcberschwemmen, werden vor allem deshalb gekauft, weil es kaum noch Alternativen zu ihnen gibt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivnggk7o1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Gudkow h\u00e4lt die Propagandaerfolge f\u00fcr nicht sehr nachhaltig. \u00abInsgesamt glaube ich, dass die Erz\u00e4hlung vom Niedergang Europas nicht so richtig funktioniert.\u00bb Bei Kindern, die nun mit dem neuen Schwall an \u00abpatriotischer\u00bb Erziehung und antiwestlichen Losungen aufwachsen, sieht er durchaus eine Wirkung. Aber er h\u00e4lt sie f\u00fcr eher kurzfristig. Je \u00e4lter diese Jugendlichen w\u00fcrden, desto attraktiver werde die westliche Massenkultur.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivske4h90\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Er glaubt nicht, dass eine aggressiv gestimmte neue Generation heranwachse. Unter jungen Russen sei politische Apathie am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt. \u00abEs handelt sich nicht um die iranische oder die nordkoreanische Gesellschaft. Widerstand gegen das Regime geht von ihr nicht aus, aber auch keine fanatische \u00dcberzeugung\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Wunsch nach Frieden<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivnggsi40\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das pr\u00e4gt auch das Verh\u00e4ltnis zum Krieg gegen die Ukraine. Mittlerweile wollen gem\u00e4ss Lewada-Umfragen 64 Prozent Friedensverhandlungen, nur 28 Prozent sind daf\u00fcr, den Krieg fortzusetzen. Aber das dr\u00fccke mehr eine Stimmung aus. Kan\u00e4le, um dieser Haltung Ausdruck zu verleihen, fehlten, erl\u00e4utert Gudkow. Die Frage ist auch, was sich die Befragten unter \u00abFriedensverhandlungen\u00bb vorstellen. \u00abDie Leute erwarten die Kapitulation der Ukraine und wiederholen Putins Forderungen von der Ausmerzung der urspr\u00fcnglichen Gr\u00fcnde des Konflikts\u00bb, sagt der Soziologe. Aber je erm\u00fcdeter sie vom Krieg seien, desto offener f\u00fcr L\u00f6sungen seien sie \u2013 solange es keine eindeutige Niederlage bedeute.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivnhuq4m0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Gudkow beschreibt die russische Gesellschaft im vierten Kriegsjahr als Gesellschaft der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Die Leute distanzierten sich vom Geschehen, indem sie sagten, sie h\u00e4tten ohnehin keinen Einfluss darauf und die Politiker machten sowieso, was sie wollten. Die soziale Anpassung f\u00fchre zu \u00abDoppeldenk\u00bb und sei eine \u00dcberlebensstrategie. Das produziert viele Widerspr\u00fcchlichkeiten \u2013 je nach Frage sind zwei Drittel f\u00fcr den Krieg und treten gleich viele f\u00fcr dessen Ende ein.<\/p>\n<p>Wenig Aussichten auf Wandel<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivnk8gtd1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Soziologische Untersuchungen des <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.chronicles.report\/chapter14\" rel=\"nofollow noopener\">Projekts \u00abChroniki\u00bb,<\/a> das der Moskauer Oppositionspolitiker Alexei Miniailo mit Gleichgesinnten kurz nach Kriegsbeginn ins Leben rief, zeigten im Winter: Eine Mehrheit der Russen klagt mittlerweile \u00fcber Beeintr\u00e4chtigungen des Lebens, die auf den Krieg zur\u00fcckgehen. Aber auch dessen Ende wird grosse Ersch\u00fctterungen bringen. \u00abDie Demobilisierung wird eine Krise ausl\u00f6sen\u00bb, sagt Lew Gudkow.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1ivnk9ade1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Prognosen will er keine wagen. Sollte Russland eine Niederlage erleiden, sei die Entwicklung erst recht unvorhersehbar. \u00abF\u00fcr das Regime geht niemand auf die Strasse, das hat die Prigoschin-Rebellion gezeigt\u00bb, meint er. Aber die Sehnsucht nach einem Wandel, <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/russland-proteste-und-ruf-nach-veraenderungen-ld.1525553\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wie sie eine Studie 2019 noch in der russischen Gesellschaft<\/a> ausgemacht hat, sieht er auch nicht. In ihrer Ohnmacht und Erm\u00fcdung lassen sich die Menschen von Brot und Spielen einlullen und konzentrieren sich auf das engste Umfeld.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"J\u00fcngste Umfragen zeigten erstaunliche Resultate: Die Russen halten Deutschland f\u00fcr besonders feindselig, w\u00e4hrend die USA pl\u00f6tzlich viel positiver&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":272010,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,13,14,15,4043,4044,850,307,12],"class_list":{"0":"post-272009","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-russia","14":"tag-russian-federation","15":"tag-russische-foederation","16":"tag-russland","17":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114867847025328031","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/272009","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=272009"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/272009\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/272010"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=272009"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=272009"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=272009"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}