{"id":272097,"date":"2025-07-17T10:10:11","date_gmt":"2025-07-17T10:10:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/272097\/"},"modified":"2025-07-17T10:10:11","modified_gmt":"2025-07-17T10:10:11","slug":"warum-bei-amazon-kaufen-wenn-es-anderswo-schoenere-buecher-gibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/272097\/","title":{"rendered":"Warum bei Amazon kaufen, wenn es anderswo sch\u00f6nere B\u00fccher gibt?"},"content":{"rendered":"<p>Bibliophile Werke aus der Buchhandlungskooperative \u201e5plus\u201c und der \u201eCorvinus Presse\u201c bieten nicht nur herausragende Literatur, sondern auch ein haptisches Erlebnis. Au\u00dferdem erinnern sie an Zeiten, in denen Literatur und Rebellion zusammengeh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Texte k\u00f6nnen f\u00fcr autorit\u00e4re Systeme gef\u00e4hrlich sein. Das wissen Diktatoren und repressive Regime seit Erfindung des Buchdrucks. Also werden Zensoren besch\u00e4ftigt, um die Ver\u00f6ffentlichung und Vervielf\u00e4ltigung rebellischer oder gar revolution\u00e4rer Gedanken zu verhindern. <\/p>\n<p>In L\u00e4ndern des ehemaligen Ostblocks wurden systemkritische Druckerzeugnisse bzw. Literatur, die nicht den \u00e4sthetischen Doktrin entsprach, daher \u00fcber nichtoffizielle Kan\u00e4le vertrieben. <\/p>\n<p>Dieser graue Buchmarkt wurde Samisdat genannt, ein russischer Begriff, der w\u00f6rtlich mit Selbstverlag zu \u00fcbersetzt ist. Dabei wurden die verfemten Texte oft mit \u00e4u\u00dferst einfachen Mitteln reproduziert, zum Beispiel durch Hektographie. Die handschriftlich oder mit Schreibmaschine verfassten Skripte, die oft auch graphische Elemente enthielten, entfalteten ihre Wirkung, indem sie auf ausgekl\u00fcgelten Wegen weitergegeben wurden. <\/p>\n<p>Im Regal wurden diese Werke jedenfalls nicht aufbewahrt. Nach dem Ende der Sowjetunion erhielten die oft fl\u00fcchtigen Publikationen einen gewissen Kultstatus und wurden zum Gegenstand literaturwissenschaftlicher Analyse. <\/p>\n<p class=\"block-link block-link-linkbox\">\n<a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swrkultur\/literatur\/die-repression-ist-schlimmer-als-vorher-100.html\" title=\"Einblick in die aktuelle Situation im Iran | Gespr\u00e4ch - \u201eDie Repression ist schlimmer als vorher\u201c: Maryam Aras \u00fcber die Lage iranischer Autorinnen und Autoren\" class=\"link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n\u201eDie Repression ist schlimmer als vorher\u201c: Maryam Aras \u00fcber die Lage iranischer Autorinnen und Autoren<br \/>\n<\/a>\n<\/p>\n<p>Die \u201eLeipziger Streiflichter\u201c oder \u201etelegraph\u201c in der DDR<\/p>\n<p>In der DDR wurde Samisdat-Texte oft im kirchlichen Kontext ver\u00f6ffentlicht, der sich staatlicher Kontrolle zu entziehen versuchte. Periodika wie die \u201eLeipziger Streiflichter\u201c oder \u201etelegraph\u201c boten nicht nur Kritik am SED-Regime, sondern informierten auch \u00fcber Themen wie Umweltschutz und alternative Lebensentw\u00fcrfe. <\/p>\n<p>Immer wieder schaffte es die Staatssicherheit allerdings, Informanten in die subversiven Verlagskreise zu schleusen. Heute ist bekannt, dass manche Samisdat-Ver\u00f6ffentlichungen lanciert wurden, um das Publikum auf indirekte Weise zu manipulieren.\u00a0\u00a0 <\/p>\n<p><strong>Paradoxe Entwicklungen auf dem freien Buchmarkt <\/strong><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1752740487057,esra-100~_v-16x9@2dS_-6be50a9c75559ca1aaf1d0b25bae287afdcd877a.jpg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: IMAGO, IMAGO \/ teutopress\" alt=\"Maxim Billers Roman &quot;Esra&quot;\" title=\"Maxim Billers Roman &quot;Esra&quot; (Foto: IMAGO, IMAGO \/ teutopress)\" width=\"320\" height=\"180\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Maxim Billers Roman \u201eEsra\u201c erschien 2003 bei Kiepenheuer und Witsch. Nach einer erfolgreichen Unterlassungsklage wurde das Erscheinen des Romans verboten. Eine Schauspielerin erkannte sich in der Hauptfigur Esra wieder und klagte wegen der Verletzung ihrer Pers\u00f6nlichkeitsrechte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.imago-images.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener noreferrer external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nIMAGO<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nIMAGO \/ teutopress<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Auch in demokratischen Marktwirtschaften gab und gibt es Grenzen der publizistischen Freiheit. Verfassungsfeindliche Titel und Schriften, die Pers\u00f6nlichkeitsrechte verletzen, wurden in der Bundesrepublik zwar selten, aber immer mal wieder verboten. <\/p>\n<p>Da bundesdeutsche Gerichte der Meinungs- und Kunstfreiheit \u2013 insbesondere nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus \u2013 einen hohen Stellenwert beimessen, handelt es sich aber um Ausnahmef\u00e4lle. <\/p>\n<p>Die begleitenden Debatten in den Medien f\u00fchrten ironischerweise zu einer enormen Wertsteigerung der B\u00fccher auf dem antiquarischen Markt. Wer die Erstauflage des 2003 verbotenen Romans \u201eEsra\u201c von <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swrkultur\/literatur\/maxim-biller-der-falsche-gruss-100.html\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Buchkritik - Maxim Biller \u2013 Der falsche Gru\u00df\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Maxim Biller<\/a> kaufen m\u00f6chte, muss beispielsweise mehr als 300 Euro hinlegen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich zielt der freie Buchmarkt auf maximale Verkaufszahlen. Produktion und Vertrieb sind darauf angelegt, dass Kunden m\u00f6glichst unkompliziert Neuerscheinungen oder auch Titel der Backlist erwerben k\u00f6nnen, sei es \u00fcber den klassischen Buchhandel oder einen Versandh\u00e4ndler im Internet. <\/p>\n<p>Das Gesch\u00e4ft insbesondere mit digitalen Texten wird dabei zunehmend von Monopolisten kontrolliert, die wiederum gro\u00dfen Einfluss nehmen auf das Sortiment. <\/p>\n<p>Das Angebot kleinerer Verlage und damit die Auswahl nicht unbedingt massentauglicher Literatur wird damit in der deregulierten Buchwirtschaft zunehmend eingegrenzt. Eine seltsam paradoxe Tendenz innerhalb eines Marktes, dessen Werbestrategen st\u00e4ndig eine gro\u00dfe Vielfalt versprechen. <\/p>\n<p><strong>Die Edition der Buchhandlungskooperative \u201e5Plus\u201c<\/strong><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1752740488749,buecher-130~_v-16x9@2dS_-6be50a9c75559ca1aaf1d0b25bae287afdcd877a.jpg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: SWR\" alt=\"Ein B\u00fccherstapel\" title=\"Ein B\u00fccherstapel (Foto: SWR)\" width=\"320\" height=\"180\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Auch besondere B\u00fccher lassen sich stapeln.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\" rel=\"external nofollow noopener\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\" target=\"_blank\"><br \/>\nSWR<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Dennoch bietet der Buchmarkt, so r\u00fcckl\u00e4ufig einige Verkaufssegmente sein m\u00f6gen, weiterhin erstaunliche Nischenprodukte, die sich den \u00f6konomischen und kulturellen Ma\u00dfgaben gleicherma\u00dfen entziehen. Es gibt n\u00e4mlich B\u00fccher, die weder vom bekannten Online-H\u00e4ndler noch in den gro\u00dfen Filialketten angeboten werden, sondern nur in ausgew\u00e4hlten, inhabergef\u00fchrten Buchhandlungen. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swrkultur\/literatur\/maxim-biller-der-unsterbliche-weil-100.html\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Vom Sch\u00f6nen erz\u00e4hlen, obwohl alles schrecklich ist - \u201eDer unsterbliche Weil\u201c: Eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Novelle von Maxim Biller \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Um Billers neue Novelle \u201eDer unsterbliche Weil\u201c<\/a> in Berlin zu erwerben, muss man zu \u201eSchleichers\u201c nach Dahlem fahren, denn der Band ist in der Edition der Buchhandlungskooperative \u201e5Plus\u201c erschienen, zu der Buchhandlungen geh\u00f6ren \u201eLehmkuhl\u201c in M\u00fcnchen, \u201eFelix Jud\u201c in Hamburg, \u201eHaymon\u201c in Innsbruck und \u201eLibrum\u201c im Schweizerischen Baden. <\/p>\n<p>Im SWR-Sendegebiet geh\u00f6ren die \u201eAegis\u201c-Buchhandlungen in Ulm zu \u201e5Plus\u201c. Die Anreise zu einer der genannten L\u00e4den lohnt sich tats\u00e4chlich, weil <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swrkultur\/literatur\/maxim-biller-der-unsterbliche-weil-100.html\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Vom Sch\u00f6nen erz\u00e4hlen, obwohl alles schrecklich ist - \u201eDer unsterbliche Weil\u201c: Eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Novelle von Maxim Biller \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Billers Buch<\/a> nicht nur literarisch \u00fcberzeugt, sondern ein gestalterisches Schmuckst\u00fcck ist. Vielleicht ist diese k\u00fcnstliche Verknappung der Ware inzwischen eine M\u00f6glichkeit, zumindest partiell kulturelles Kapital zu gewinnen. <\/p>\n<p><strong>\u201eSchr\u00f6der erz\u00e4hlt\u201c und der Geist der 68er<\/strong><\/p>\n<p>Reich geworden sind aber noch die wenigsten Buchidealisten. Manche Selbstverleger waren immerhin so clever, dass sie einen exklusiven Vertriebsweg mit dem Nimbus der Avantgarde verbunden haben und davon jahrelang gut leben konnten. <\/p>\n<p>Ein Beispiel ist J\u00f6rg Schr\u00f6der, sagenumwobener Erfinder des M\u00c4RZ-Verlags, der Ende der 1960er Jahre die amerikanische Beat-Literatur nach Deutschland brachte und seine knallgelben B\u00fccher zeitweilig mit Pornografie finanzierte. Nach dem vorl\u00e4ufigen Ende des Verlags setzte Schr\u00f6der, der sich auch als Autor (\u201eSiegfried\u201c, \u201eCosmic\u201c) begriff, auf ein exklusives Abo-Modell. <\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1752740486525,barbara-kalender-100~_v-16x9@2dS_-6be50a9c75559ca1aaf1d0b25bae287afdcd877a.jpg\"   class=\"\" data-copyright=\"Foto: IMAGO, IMAGO \/ Matthias Reichelt\" alt=\"Barbara Kalender ist Verlegerin des M\u00c4RZ Verlags.\" title=\"Barbara Kalender ist Verlegerin des M\u00c4RZ Verlags. (Foto: IMAGO, IMAGO \/ Matthias Reichelt)\" width=\"320\" height=\"180\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Barbara Kalender ist Verlegerin des M\u00c4RZ Verlags.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.imago-images.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener noreferrer external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nIMAGO<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nIMAGO \/ Matthias Reichelt<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>\u201eSchr\u00f6der erz\u00e4hlt\u201c hie\u00df die Reihe, die er von Mai 1990 bis Juni 2018 zusammen mit seiner Frau Barbara Kalender herausgab. Die in gewisser Regelm\u00e4\u00dfigkeit publizierten B\u00e4nde wurden von dem umtriebigen Verlegerpaar auf dem Werkdruckpapier \u201ePoet\u201c gesetzt, eigenh\u00e4ndig im edlen Chromolux-Karton gebunden, nummeriert, signiert und verschickt. Insgesamt kamen in diesem Verfahren insgesamt 3760 Druckseiten zusammen. <\/p>\n<p>J\u00f6rg Schr\u00f6der erz\u00e4hlt darin von seinem turbulenten Verlegerleben und den Abgr\u00fcnden im Buchgesch\u00e4ft der alten Bundesrepublik. Die Abonnenten-Kartei enthielt vermutlich das Who is Who des westdeutschen Literaturbetriebs. <\/p>\n<p>\u201eSchr\u00f6der erz\u00e4hlt\u201c ist unterhaltsame Szene-Aufkl\u00e4rung, die aus dem Geist der 68er-Revolte entstand. Bis heute hat es ein \u00e4hnliches Projekt im deutschsprachigen Raum nicht gegeben. Vielleicht weil der literaturbetriebliche Gossip in den (a)sozialen Medien kostenfrei zu haben ist.<\/p>\n<p><strong>B\u00fccher als Wunderkammer<\/strong><\/p>\n<p>Zum M\u00c4RZ-Kosmos geh\u00f6rten eine Zeitlang die <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swrkultur\/literatur\/rolf-dieter-brinkmann-ralf-rainer-rygulla-frank-xerox-wuester-traum-100.html\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Gespr\u00e4ch | Zum 50. Todestag Rolf Dieter Brinkmanns - \u201eEr war ein Berserker der Wahrnehmung\u201c\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schriftsteller Ralf-Rainer Rygulla und Rolf Dieter Brinkmann<\/a>, die gemeinsam die legend\u00e4re \u201eAcid\u201c-Anthologie ver\u00f6ffentlichten. Dieses Konglomerat aus Lyrik, Prosa, Essayistik, Interviews, Textmontagen, Comic-Strips und Fotos war eine literarische Dokumentation amerikanischer Subkultur und machte den M\u00c4RZ-Verlag 1969 auf einen Schlag bekannt.<\/p>\n<p>Wie radikal Rygulla und Brinkmann arbeiteten, zeigt ein aktueller Reprint aus dem Frankfurter Dielmann-Verlag. \u201eFrank Xerox\u00b4 w\u00fcster Traum und andere Kollaborationen\u201c ist ein wilder Mix im Stile von \u201eAcid\u201c, nur dass dieser rauschhafte Band aus Cut-up-Prosa, Gedichtfragmenten, Sex-Bildchen und popliterarischen Reflexionen (etwa \u00fcber Joseph Beuys) nach Fertigstellung 1970 keinen Verlag fand und erst ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlicht worden ist. \u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Frank Xerox&#8216; w\u00fcster Traum<br \/>\nund andere Kollaborationen<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1751976329659,2025-07-13-brinkmann-rygulla-frank-xerox-wuester-traum-100~_v-icon_-7bcdf069542bbe2d1d.jpeg\"  class=\"\" data-copyright=\"Foto: Pressestelle, Axel Dielmann Verlag\" alt=\"Rolf Dieter Brinkmann, Ralf-Rainer Rygulla - Frank Xerox w\u00fcster Traum und andere Kollaborationen\" title=\"Rolf Dieter Brinkmann, Ralf-Rainer Rygulla - Frank Xerox w\u00fcster Traum und andere Kollaborationen (Foto: Pressestelle, Axel Dielmann Verlag)\" width=\"320\" height=\"453\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Rolf Dieter Brinkmann, Ralf-Rainer Rygulla &#8211; Frank Xerox w\u00fcster Traum und andere Kollaborationen<\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nPressestelle<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><a rel=\"external nofollow\" class=\"link\" tabindex=\"-1\" itemprop=\"url\"><br \/>\nAxel Dielmann Verlag<br \/>\n<\/a><\/p>\n<dl class=\"review-metadaten\">\n<dt class=\"review-publisher\">Verlag<\/dt>\n<dd class=\"review-publisher\">Axel Dielmann Verlag (112 Seiten, 26 Euro)<\/dd>\n<dt class=\"review-date-published\">Erscheinungsdatum<\/dt>\n<dd class=\"review-date-published\">31. M\u00e4rz 2025<\/dd>\n<dt class=\"review-isbn\">ISBN<\/dt>\n<dd class=\"review-isbn\">978-3-86638-469-9<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Die Berliner Corvinus Presse<\/p>\n<p>Einen ebenfalls radikalen, aber dem Publikum zugewandten Weg geht die Berliner Corvinus Presse. Der Berliner Kleinstverlag, der in der Tradition der 1926 gegr\u00fcndeten Rabenpresse steht, wird seit Wendezeiten von Hendrick Liersch betrieben. <\/p>\n<p>Die B\u00fccher sind bibliophile Wunderkammern, in denen abseitige Literatur mit Grafiken, Zeichnungen, Linolschnitten und Radierungen kombiniert werden. Jedes Werk aus der Corvinus-Presse \u2013 in der Regel im traditionellen Handsatz und mit Japanbindung hergestellt \u2013 ist ein haptisches Erlebnis. <\/p>\n<p>Wegen der speziellen Machart hat sich der Verleger auf Lyrik, Aphorismen und Kurzprosa spezialisiert. Es finden sich mit Hans Neuenfels, Guntram Vesper und Otto J\u00e4gersberg durchaus bekannte Namen in der Publikationsliste, doch der Verlag konzentriert sich auf Ver\u00f6ffentlichungen noch nicht arrivierter Autorinnen und Autoren. <\/p>\n<p><strong>Expressive Lyrik mit krassen Grafiken <\/strong><\/p>\n<p>Ein wahrlich eigensinniges Buch aus der Corvinus Presse ist Ulrike Schrimpfs aktueller Gedichtband \u201eMein anf\u00e4llig gewordenes Herz\u201c. Das vornehmlich \u00fcber den Verlag zu beziehende Werk enth\u00e4lt nicht nur expressive Lyrik der in Augsburg lebenden Schriftstellerin, sondern auch krasse und \u00e4u\u00dferst passende Grafiken von Axel Holst, der eher als Schauspieler und Regisseur bekannt ist. <\/p>\n<p>J\u00f6rg Schr\u00f6der w\u00fcrde das vorbildlich editierte Buch garantiert m\u00f6gen, Brinkmann und Rygulla h\u00e4tten an der sprachlichen und bildlichen Direktheit ihre helle Freude. In despotischen Verh\u00e4ltnissen g\u00e4be es Schrimpfs Lyrik vermutlich nur als Samisdat unter dem Ladentisch: <\/p>\n<blockquote class=\"quote-blockquote\">\n<p>\u201eWenn du nackt bist, sieh <br \/>einmal genau hin, trau dich <br \/>ruhig, fest, genau und ohne <br \/>Ersch\u00fctterung, sieh dich <br \/>an, was du in Wahrheit noch <br \/>nie getan hast in deinem <br \/>ganzen Leben.\u201c <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nicht nur f\u00fcr Buchrebellen<\/p>\n<p>Buchrebellen und Literaturavantgardisten scheinen \u00fcber die Jahrzehnte hinweg durch ihre Texte miteinander zu kommunizieren. Man muss sich nur auf die literarischen Referenzsysteme einlassen und in die kulturellen Echor\u00e4ume hineinh\u00f6ren. <\/p>\n<p>So konform die Literatur im durchkalkulierten Buchbetrieb auch manchmal erscheinen mag, es gibt sie noch, die literarischen \u00dcberraschungen in Verlagen, die andere Vertriebswege beschreiten. Warum bei Amazon kaufen, wenn es anderswo noch viel sch\u00f6nere B\u00fccher gibt? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bibliophile Werke aus der Buchhandlungskooperative \u201e5plus\u201c und der \u201eCorvinus Presse\u201c bieten nicht nur herausragende Literatur, sondern auch ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":272098,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-272097","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114868035801010320","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/272097","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=272097"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/272097\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/272098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=272097"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=272097"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=272097"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}