{"id":272359,"date":"2025-07-17T12:35:14","date_gmt":"2025-07-17T12:35:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/272359\/"},"modified":"2025-07-17T12:35:14","modified_gmt":"2025-07-17T12:35:14","slug":"stuttgart-album-zur-csd-historie-als-der-regenbogen-politisch-wurde-stuttgarts-langer-weg-zur-sichtbarkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/272359\/","title":{"rendered":"Stuttgart-Album zur CSD-Historie: Als der Regenbogen politisch wurde: Stuttgarts langer Weg zur Sichtbarkeit"},"content":{"rendered":"<p>Die W\u00fcrde queerer Menschen blieb sehr lange antastbar. Seit 1979 wird in Stuttgart f\u00fcr gleiche Rechte demonstriert. Unser Stuttgart-Album erinnert an die Anf\u00e4nge des CSD.<\/p>\n<p>Dass sich eines Tages ein Bundespr\u00e4sident \u00f6ffentlich f\u00fcr das Unrecht entschuldigen w\u00fcrde, das der Staat Schwulen und Lesben auch nach Ende der NS-Zeit angetan hat, h\u00e4tte sich am 30. Juni 1979 wohl keiner der etwa 400 Demonstranten vorstellen k\u00f6nnen. Dieses Datum markiert in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> den Beginn der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/CSD\" title=\"CSD\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CSD<\/a>-Geschichte. Auf dem Schlossplatz trug eine zierliche Dame mit wei\u00dfen Haaren ein Schild, auf dem stand: \u201eMein Sohn ist schwul! Na und!\u201c<\/p>\n<p>Eine Mutter mit Transparent: \u201eMein Sohn ist schwul! Na und!\u201c <\/p>\n<p>Zehn Jahre nach dem Aufstand der Schwulen gegen Polizeiwillk\u00fcr auf der Christopher Street in New York sind 1979 die ersten Stuttgarterinnen und Stuttgarter f\u00fcr \u201eHomobefreiung\u201c auf die Stra\u00dfe gegangen. Sie forderten die Abschaffung des Paragrafen 175, der aus dem Kaiserreich stammt und 1973 reformiert, aber nicht gestrichen wurde. Sexuelle Handlungen mit m\u00e4nnlichen Jugendlichen unter 18 Jahren waren nach der Reform weiterhin strafbar, wogegen das Schutzalter bei lesbischen und heterosexuellen Handlungen bei 14 Jahren lag. Erst nach der Wiedervereinigung ist der Paragraf 175 aufgehoben worden.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/media.media.54e53d82-d4a7-4c96-b0c9-54c56513d090.original1024.media.jpeg\"\/>     Bei der Demo 1979 war auch eine Mutter dabei.    Foto: Kraufmann    <\/p>\n<p>Weitere Demos folgten in den Jahren 1985, 1994, also unregelm\u00e4\u00dfig, ehe im Millennium-Jahr der Ansturm in Stuttgart so gro\u00df war, dass der CSD von da an j\u00e4hrlich samt Parade, wie man damals sagte, gefeiert wurde. Den Veranstaltern heute gef\u00e4llt das Wort Parade nicht, sie sagen Demonstration. Es gehe nicht um Party, betonen sie immer wieder, sondern um politische Forderungen. <\/p>\n<p>Als Nonnen verkleidete Demonstranten warfen Kondome  <\/p>\n<p>1994 hatte es OB Manfred Rommel abgelehnt, Schirmherr des CSD zu werden. \u201eDie Frage der Zuneigung\u201c sei \u201eeine Privatsache\u201c, erkl\u00e4rte er damals. In den Stuttgarter Nachrichten stand \u00fcber den Protest der Schwulen und Lesben: \u201eAn der Kronprinzstra\u00dfe versammelte sich ein buntes V\u00f6lkchen. Einige hatten sich als Nonnen verkleidet, die Kondome warfen. Wilde T\u00e4nze zur Musik von Boy George. Mit Sicherheitsabstand verfolgten neugierige Passanten das Schauspiel.\u201c<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/media.media.13cf8423-b9ea-461f-a52b-6d00a7d9172a.original1024.media.jpeg\"\/>     Demonstranten beim CSD im Jahr 2004.    Foto: Kraufmann    <\/p>\n<p>Mit dabei war die Aids-Hilfe, die 1985 in Stuttgart gegr\u00fcndet wurde, also vor genau 40 Jahren. Der 5. Juni 1981 gilt als der Tag, an dem Aids bekannt wurde. An diesem Tag berichteten Wissenschaftler im Report der US-Gesundheitsbeh\u00f6rde von f\u00fcnf jungen homosexuellen M\u00e4nnern, die an einer extrem seltenen Art der Lungenentz\u00fcndung litten. Im April 1983 erschien ein Faltblatt der Szene-Zeitung \u201eSchwulst\u201c in Stuttgart, das sich mit der mysteri\u00f6sen Krankheit besch\u00e4ftigte. Darin hie\u00df es: \u201eAuf Grund der Art des Auftretens der Krankheit schlie\u00dft man einen virus\u00e4hnlichen Erreger nicht aus. Haupts\u00e4chlich sind homosexuelle M\u00e4nner betroffen, die viele Partner hatten.\u201c <\/p>\n<p>Die Angst vor Aids war allgegenw\u00e4rtig <\/p>\n<p>Auf Einladung von Buchh\u00e4ndler Thomas Ott trafen sich im Oktober 1984 etwa 25 Personen im Liberalen Zentrum. \u201eDamals war das Ausma\u00df der Aids-Krise nicht klar\u201c, schrieb Ott sp\u00e4ter im \u201eRainbow\u201c, dem Magazin der Aids-Hilfe, \u201ewir konnten aber sp\u00fcren, wie Boulevard-Bl\u00e4tter Aids als Aufh\u00e4nger nutzten, um schwules Leben zu diffamieren.\u201c <\/p>\n<p>Bei dem Treffen beschloss man, ein Beratungstelefon einzurichten. Die Angst war allgegenw\u00e4rtig. Etliche Anrufer hatten Symptome wie geschwollene Lymphknoten bei sich festgestellt und glaubten, an Aids erkrankt zu sein. Es herrschten bizarre Ansichten \u00fcber die Ansteckungsgefahren.<\/p>\n<p>Bis der Paragraf 175 abgeschafft wurde, die Ehe f\u00fcr alle kam und Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier Homosexuelle \u00f6ffentlich um Vergebung bat, mussten viele Menschen auf die Stra\u00dfe gehen. In Stuttgart wurden es von Jahr zu Jahr immer mehr.<\/p>\n<p> Stuttgarts erster OB bei einer CSD-Demo war Fritz Kuhn  <\/p>\n<p>Lange dauerte es, bis ein Oberb\u00fcrgermeister von Stuttgart beim Demozug des CSD mitfuhr: Es war Fritz Kuhn (Gr\u00fcne), den man 2015 auf dem Wagen seiner Partei sah. Sein Nachfolger Frank Nopper (CDU) lehnte die Teilnahme zuerst ab, war aber im vergangenen Jahr erstmals auf dem Truck des VfB dabei. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/media.media.411083a0-32b5-402a-a3d0-3f4a77c874de.original1024.media.jpeg\"\/>     Fritz Kuhn (Gr\u00fcne) war 2015 der erste Stuttgarter OB, der an einer CSD-Demo teilnahm.    Foto: Archiv    <\/p>\n<p>Von CSD zu CSD ist die Zahl der Formationen immer weiter angestiegen. Im vergangenen Jahr waren es 150. Diesmal haben sich 160 Gruppen zu Fu\u00df oder auf Trucks angemeldet \u2013 so viele wie noch nie zuvor. Die Veranstalter bef\u00fcrchten, dass sich die Gesellschaft \u201ezur\u00fcckbewegt\u201c, weil sich die F\u00e4lle von Hasskriminalit\u00e4t gegen queere Menschen h\u00e4uften. Deshalb sei es wichtig, die Rechte der LGBTIQ-Gemeinschaft zu st\u00e4rken und gemeinsam mit Heterosexuellen f\u00fcr das Pride-Motto zu werben: \u201e\u201eNie wieder still! Laut f\u00fcr Freiheit, stark f\u00fcr Vielfalt\u201c <\/p>\n<p> Die<a href=\"https:\/\/www.stuttgart-pride.de\/alle-infos-zur-demo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Politdemo startet <\/a>an diesem Samstag gegen 13.30 Uhr beim Feuersee und zieht \u00fcber den Roteb\u00fchlplatz, am Tagblattturm vorbei, \u00fcber den Marktplatz bis zur Planie, wo die Abschlusskundgebung gegen 17 Uhr stattfindet. Am Samstag und Sonntag findet die Hocketse auf dem Marktplatz und Schillerplatz statt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die W\u00fcrde queerer Menschen blieb sehr lange antastbar. Seit 1979 wird in Stuttgart f\u00fcr gleiche Rechte demonstriert. Unser&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":272360,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[30546,1634,3364,29,30,1441,8078,8077],"class_list":{"0":"post-272359","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-csd","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-stuttgart","14":"tag-stuttgart-frueher","15":"tag-stuttgart-album"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114868605827697586","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/272359","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=272359"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/272359\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/272360"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=272359"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=272359"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=272359"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}