{"id":272905,"date":"2025-07-17T17:26:10","date_gmt":"2025-07-17T17:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/272905\/"},"modified":"2025-07-17T17:26:10","modified_gmt":"2025-07-17T17:26:10","slug":"schreie-aus-dem-innern-zustaende-in-us-abschiebelager-sind-kaum-auszuhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/272905\/","title":{"rendered":"Schreie aus dem Innern &#8211; Zust\u00e4nde in US-Abschiebelager sind &#8222;kaum auszuhalten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>3000 Migranten ohne Papiere soll die Einwanderungsbeh\u00f6rde ICE in den USA jeden Tag festnehmen. Das Vorgehen der Beamten ist aggressiv, der Zustand in den Abschiebeunterk\u00fcnften verheerend. Vor dem Metropolitan Detention Center in Los Angeles erz\u00e4hlen Betroffene von ihrem Leid.<\/strong><\/p>\n<p>Jade ist fr\u00fch dran. Um Punkt 9 Uhr l\u00e4uft sie die Ausfahrt des Metropolitan Detention Center hinunter, zu ihrer Linken dreht sich Maschendraht \u00fcber hohe Mauern, davor patrouilliert ein Sicherheitsbeamter. Neben dem Rolltor klafft eine L\u00fccke in der Wand: B &#8211; 18, der Eingang zum Abschiebelager. Die Besuchszeit f\u00fcr Angeh\u00f6rige beginnt um 13 Uhr. Stundenlang wird Jade hier mit anderen warten. Sehen wird sie ihren Mann nur f\u00fcnf Minuten.<\/p>\n<p>Es ist Dienstag, Anfang Juli. Das Metropolitan Detention Center liegt in Downtown Los Angeles, gef\u00fchrt wird die Haftanstalt vom US-Justizministerium. Menschen ohne offizielle Aufenthaltsgenehmigung werden hier bis zu ihrer Abschiebung untergebracht. Solange Zweifel an Identit\u00e4t oder Status bestehen, h\u00e4lt man sie in den Untersuchungsr\u00e4umen fest. B &#8211; 18 f\u00fchrt zu so einem Raum. Tage, manchmal Wochen warten Menschen aus Mexiko, Guatemala, China und anderen L\u00e4ndern hier. Worauf, ist oft unklar. Seit US-Pr\u00e4sident Donald Trump die Abschiebepolitik im Land versch\u00e4rft hat, verschwinden Inhaftierte ohne rechtlichen Beistand in weit entfernten Haftanstalten, werden in andere Bundesstaaten verlegt oder auf Verdacht des Landes verwiesen.<\/p>\n<p>Mehr als 100.000 Einwanderer hat die Grenzschutzbeh\u00f6rde ICE in den ersten f\u00fcnf Monaten nach Trumps Amtsantritt in Gewahrsam genommen. Die Zahl ist um 120 Prozent h\u00f6her als im Vorjahr, gemessen an den etwa zw\u00f6lf Millionen US-Einwohnern, die weder Staatsb\u00fcrgerschaft noch Visa oder Greencard besitzen, dennoch vergleichsweise gering. Auf Truth Social hielt Trump ICE an, &#8222;alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die gr\u00f6\u00dfte Massenabschiebung der Geschichte zu erm\u00f6glichen&#8220;. <\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Massenabschiebung der Geschichte, das war eines der zentralen Wahlversprechen des US-Pr\u00e4sidenten. Um der Masse an Menschen nun Herr zu werden, hat die Regierung ihre Vertr\u00e4ge mit Gef\u00e4ngnisbetreibern ausgeweitet. Wegen Trumps gro\u00dfem Gesetztespaket, das die Republikaner &#8222;The big beautiful bill&#8220; nennen und der Kongress Anfang Juli verabschiedete, sind rund 33 Milliarden Dollar zus\u00e4tzlich f\u00fcr Festnahmen und Abschiebungen vorgesehen, sowie 45 Milliarden Dollar f\u00fcr neue Haftanstalten &#8211; mehr als zehnmal so viel wie im vorherigen Haushalt.<\/p>\n<p>Unsicherheit und Chaos<\/p>\n<p>In Los Angeles hatte ICE im Juni bei einer ersten Razzia 40 Personen festgenommen. Der Vorwurf: illegale Einwanderung. Seither ziehen vermummte Bundesbeamte mit Gewehren umher, zerren Menschen ohne Haftbefehl oder richterliche Anordnung von Stra\u00dfen und Feldern, aus Superm\u00e4rkten und Waschanlagen. Der Druck auf die Beh\u00f6rden ist hoch: Ende Mai hatte Stephen Miller, Trumps stellvertretender Stabschef im Wei\u00dfen Haus, die Zahl der erforderlichen Festnahmen pro Tag auf 3000 verzehnfacht. Mittlerweile warten die Grenzsch\u00fctzer vor Gerichtss\u00e4len, oft in Zivil, um all jene abzufangen, die zu Asyl- und anderen Einwanderungsterminen erscheinen.<\/p>\n<p>Trump rechtfertigt das martialische Vorgehen der ICE-Agenten mit der Bedrohung durch illegale Einwanderung. Wiederholt sprach der US-Pr\u00e4sident von einer &#8222;Invasion&#8220; der USA durch &#8222;Kriminelle aus dem Ausland&#8220;. Das Department of Homeland Security hob hervor, dass unter den Festgenommenen etliche Gangmitglieder seien. Von Vergewaltigern, M\u00f6rdern und Drogenh\u00e4ndlern ist die Rede. US-Medien zufolge hat jedoch weniger als ein Drittel der seit M\u00e4rz Inhaftierten eine kriminelle Vergangenheit. Trumps Grenzbeauftragter Tom Homan erkl\u00e4rte zuletzt, dass jeder Immigrant, der illegal in den USA sei, als kriminell gelte. Der Grenz\u00fcbertritt, egal wie lange her, ist demnach genug.<\/p>\n<p> Festnahme nach Routinetermin<\/p>\n<p>14 Uhr. Aus dem Innern des Metropolitan Detention Center sind Schreie zu h\u00f6ren. Dann ert\u00f6nt in der Ausfahrt ein leises Klingeln. Hinter dem Rolltor schieben sich vier Gefangene mit gesenkten K\u00f6pfen in einen wei\u00dfen Lieferwagen, die F\u00fc\u00dfe in Ketten. Kurz darauf f\u00e4hrt das Gitter nach oben. Ein Mann in schwarzer Sturmmaske und Baseballkappe steuert den Wagen nach drau\u00dfen, bevor er nach rechts auf die Alameda Street biegt. <\/p>\n<p>Eine halbe Stunde sp\u00e4ter steigt auch Jade die Auffahrt wieder hinauf. Das Treffen mit ihrem Mann war kurz, sagt Jade, durch eine Glasscheibe durfte sie mit ihm sprechen. &#8222;Ich habe versucht, stark zu sein&#8220;. Mit beiden H\u00e4nden wischt sich die junge Frau die Tr\u00e4nen aus dem Gesicht. <\/p>\n<p>Jades Mann kommt aus Guatemala und lebt seit acht Jahren in den USA. Er sei hier zur Schule gegangen, erz\u00e4hlt sie, habe eine Arbeitserlaubnis. Bei einem Routinetermin am Vortag wurde er festgenommen. Hinter Jade stehen noch immer Angeh\u00f6rige in der Schlange. Sie haben T\u00fcten dabei, mit warmer Kleidung, Medikamenten und Wasserflaschen.<\/p>\n<p>Keine Betten, keine Medikamente<\/p>\n<p>&#8222;Die Festnahmen verfolgen ein einziges Ziel&#8220;, meint Matteo Sarel: &#8222;Qual.&#8220; Der Anwalt f\u00fcr Einwanderungsrecht hat den Vormittag ebenfalls im Metropolitan Detention Center verbracht, seit vier Tagen wird sein Mandant hier festgehalten. Sarel m\u00f6chte unerkannt bleiben, er f\u00fcrchtet Repressalien, weshalb sein Name f\u00fcr diesen Text ge\u00e4ndert wurde. Dennoch solle die \u00d6ffentlichkeit von den Zust\u00e4nden in den Abschiebelagern erfahren, sagt er: Sie seien kaum auszuhalten.<\/p>\n<p>Sein Mandant habe sie ihm beschrieben, erz\u00e4hlt Sarel: Etwa 50 Menschen sitzen zusammengepfercht in einem Raum, es ist kalt, das Licht grell. Die Insassen schlafen auf dem nackten Betonboden, Kopf an Fu\u00df unter Aluminiumdecken. Wer sein Gesch\u00e4ft verrichten will, muss es vor den anderen tun, auf der einzigen Toilette, die mitten im Raum steht. Sein Mandant habe seit Tagen nicht geduscht, sagt Sarel. Au\u00dferdem fehle es an Medikamenten. Mahlzeiten w\u00fcrden zu willk\u00fcrlichen Zeiten verteilt, manchmal um 3 Uhr morgens, dann gebe es Kekse und Chips. Auch Wasser sei streng rationiert. US-Medien berichten von Insassen, die in ihrer Not aus der Toilette trinken.<\/p>\n<p>Die Schreie, die aus dem Innern des Abschiebelagers zu h\u00f6ren waren, stammten von Familien, die auseinandergerissen w\u00fcrden, sagt Sarel. &#8222;Es ist grausam&#8220;. Hinzu komme gro\u00dfe Unsicherheit: &#8222;Die Inhaftierten wissen nicht, wie lange sie festgehalten, wann oder ob sie verlegt werden, und wenn ja, wohin&#8220;, sagt Sarel. Willk\u00fcr und Ungewissheit machten m\u00fcrbe und die Botschaft an die Inhaftierten sei eindeutig: Gebt auf. An der Decke h\u00e4nge ein Schild mit dem Hinweis: Sie k\u00f6nnen sich jederzeit selbst abschieben, darunter eine Telefonnummer. <\/p>\n<p>&#8222;Das ist reines racial profiling&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Heimatschutzministerium, zu dem ICE geh\u00f6rt, die Vorw\u00fcrfe zu den Zust\u00e4nden in den Haftanlagen zur\u00fcckweist und betont, die Gesetze konsequent zu befolgen, formieren sich in Los Angeles immer wieder Proteste gegen Trumps Abschiebepolitik. Nachdem der US-Pr\u00e4sident im Juni die kalifornische Nationalgarde und die Marine-Infanterie in die Stadt geschickt hatte, weiteten sich die Proteste auf unter anderem San Francisco, New York und Dallas aus. <\/p>\n<p>&#8222;Es geht der Regierung nicht um die Sicherheit dieses Landes oder ein geordnetes Einwanderungssystem&#8220;, meint Sarel. Was auf den Stra\u00dfen geschehe, sei reines racial profiling gepaart mit Inkompetenz, w\u00e4hrend Recht und Gesetz mit F\u00fc\u00dfen getreten w\u00fcrden. Dem Anwalt kommen die Tr\u00e4nen. &#8222;Sie vergehen sich an unserer Verfassung&#8220;, sagt er. &#8222;Und wir k\u00f6nnen nichts anderes tun, als zuzusehen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"3000 Migranten ohne Papiere soll die Einwanderungsbeh\u00f6rde ICE in den USA jeden Tag festnehmen. 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