{"id":27326,"date":"2025-04-13T00:45:26","date_gmt":"2025-04-13T00:45:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/27326\/"},"modified":"2025-04-13T00:45:26","modified_gmt":"2025-04-13T00:45:26","slug":"impfung-gegen-guertelrose-koennte-das-risiko-an-demenz-zu-erkranken-senken-vor-allem-bei-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/27326\/","title":{"rendered":"Impfung gegen G\u00fcrtelrose k\u00f6nnte das Risiko, an Demenz zu erkranken senken \u2013 vor allem bei Frauen!"},"content":{"rendered":"<p>G\u00fcrtelrose tritt meist erst in h\u00f6herem Lebensalter auf und wird durch dasselbe Virus verursacht wie die Windpocken: Varizella-Zoster. Nach der Ansteckung mit Windpocken, meist in der Kindheit, versteckt sich das Virus lebenslang in den Nervenzellen. Bei Menschen, die \u00e4lter sind oder ein geschw\u00e4chtes Immunsystem haben, kann das ruhende Virus wieder aktiv werden und eine schmerzhafte G\u00fcrtelrose ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Von Demenz sind weltweit mehr als 55 Millionen Menschen betroffen, jedes Jahr treten sch\u00e4tzungsweise 10 Millionen neue F\u00e4lle auf. Die Demenzforschung hat sich insbesondere auf Eiwei\u00dfablagerungen im Gehirn von Menschen mit Alzheimer, der h\u00e4ufigsten Form der Demenz, konzentriert. Einige Forscher suchen nach anderen Ursachen &#8211; einschlie\u00dflich der Rolle bestimmter Virusinfektionen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Zuf\u00e4lliger oder urs\u00e4chlicher Zusammenhang?<\/p>\n<p>Seit etwa 20 Jahren existiert eine Impfung gegen die G\u00fcrtelrose, die Menschen \u00fcber 60 Jahren empfohlen wird. Schon in fr\u00fcheren Studien fiel auf, dass gegen G\u00fcrtelrose geimpfte Personen seltener an Demenz erkrankten. Allerdings konnten diese Studien nicht sicher ausschlie\u00dfen, dass die niedrigere Rate m\u00f6glicherweise darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren war, dass sich Menschen, die sich impfen lie\u00dfen, auch ansonsten gesundheitsbewusster verhielten. Denn zum Beispiel beeinflussen die Ern\u00e4hrung oder Bewegung die Demenzrate, sie werden jedoch in Studien normalerweise nicht abgefragt. Es war daher nicht klar, ob die geringere Demenzrate bei gegen G\u00fcrtelrose Geimpften eine zuf\u00e4llige Korrelation oder ein tats\u00e4chlicher urs\u00e4chlicher Zusammenhang war.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Impfprogramm in Wales als nat\u00fcrliches Experiment<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren entdeckte Dr. Min Xie, Wissenschaftler am Heidelberg Institute of Global Health (HIGH) ein \u201enat\u00fcrliches Experiment\u201c in Wales. \u201eIn Wales begann am 1. September 2013 ein Impfprogramm, bei dem jeder, der zu diesem Zeitpunkt 79 Jahre alt war, ein Jahr lang Anspruch auf den Impfstoff gegen G\u00fcrtelrose hatte. Personen, die 78 Jahre alt waren, hatten im n\u00e4chsten Jahr ein Jahr lang Anspruch darauf usw. Menschen, die am 1. September 2013 80 Jahre oder \u00e4lter waren, hatten Pech &#8211; sie hatten keinen Anspruch auf den Impfstoff.\u201c<\/p>\n<p>Diese Regel hatte vor allem das Ziel, den begrenzten Vorrat an Impfstoff zu rationieren. Gleichzeitig erm\u00f6glichte sie, die Wirkung des Impfstoffs isoliert zu betrachten. Denn von den 79-j\u00e4hrigen Walisern, die ihren 80. Geburtstag lediglich eine Woche nach dem Startdatum des Impfprogramms hatten, lie\u00dfen sich fast 50% gegen G\u00fcrtelrose impfen, von den 80-j\u00e4hrigen, die ihren 80. Geburtstag eine Woche vor dem Startdatum hatten, fast niemand.<\/p>\n<p>Dabei unterschieden sich die beiden Kohorten lediglich um eine Woche im Alter und sind daher in allen Gesundheits- und Verhaltenscharakteristiken vergleichbar. \u201eWir erkannten, dass wir dadurch die M\u00f6glichkeit haben, eine kausale Beziehung zwischen dem Impfstoff und Demenz zu identifizieren\u201c, sagt Dr. Markus Eyting, Wissenschaftler an der JGU Mainz und dem SAFE Leibniz Institut in Frankfurt und ebenfalls Erstautor der Studie. \u201eDiese Umst\u00e4nde kamen einer randomisierten kontrollierten Studie so nahe wie m\u00f6glich, ohne dass wir eine solche durchf\u00fchren mussten\u201c, sagt Professor Pascal Geldsetzer, der Letztautor und Studienleiter, der seine Doktorarbeit und eine Postdoc-Phase bei dem heutigen Direktor des HIGH in Heidelberg absolvierte, bevor er nach Stanford an der Westk\u00fcste der USA wechselte, wo er derzeit eine Assistenzprofessur f\u00fcr Medizin innehat.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Weniger Demenzf\u00e4lle bei Geimpften<\/p>\n<p>Die beiden Erstautoren dieser Studie, Min Xie und Markus Eyting, untersuchten zusammen mit Simon He\u00df von der Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien daraufhin die Gesundheitsdaten von mehr als 280.000 \u00e4lteren Erwachsenen aus Wales, die zu Beginn des Impfprogramms zwischen 71 und 88 Jahre alt waren und nicht an Demenz litten. Sie konzentrierten sich bei ihrer Analyse auf Personen, die kurz vor und kurz nach der Anspruchsgrenze geboren wurden.<\/p>\n<p>\u201eIn den Wirtschaftswissenschaften ist diese Methode, das so genannte Regressions-Diskontinuit\u00e4ts-Design, als kausales Studiendesign gut etabliert und weit verbreitet, so dass wir eine M\u00f6glichkeit sahen, sie auf unseren umfangreichen Datensatz anzuwenden\u201c, erkl\u00e4rt der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Min Xie.<\/p>\n<p>Min Xie und Markus Eyting analysierten, dass der Impfstoff das Auftreten der G\u00fcrtelrose bei den Geimpften \u00fcber einen Zeitraum von sieben Jahren um etwa 37 % senken k\u00f6nnte. \u201eIn dem siebenj\u00e4hrigen Nachbeobachtungszeitraum wurde bei mehr als einem von sechs \u00e4lteren Erwachsenen, die nicht geimpft wurden, eine Demenz diagnostiziert. Im Gegensatz dazu entwickelte nur etwa einer von acht \u00e4lteren Erwachsenen, die aufgrund ihrer Berechtigung die G\u00fcrtelroseimpfung erhielten, die Krankheit.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>In allen anderen Gesundheitsmerkmalen gleich<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler pr\u00fcften die Gesundheitsdaten auf m\u00f6gliche Faktoren, die ihre Analyse verf\u00e4lschen k\u00f6nnten. Doch wie erwartet waren die Personen, die kurz vor dem Start des Programms ihren 80. Geburtstag feierten, in allen Merkmalen mit denen vergleichbar, die kurz danach 80 Jahre alt wurden. So gab es beispielsweise weder einen Unterschied im Bildungsniveau, bei der Inanspruchnahme von Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen oder in der H\u00e4ufigkeit von anderen Volkskrankheiten wie Diabetes, Herzkrankheiten oder Krebs.<\/p>\n<p>\u201eDer einzige Unterschied zwischen den beiden Gruppen bestand im R\u00fcckgang der Demenzdiagnosen\u201c, sagt Min Xie. \u201eAufgrund der besonderen Art und Weise, in der der Impfstoff eingef\u00fchrt wurde, ist eine Verzerrung der Analyse sehr viel unwahrscheinlicher, als dies normalerweise der Fall w\u00e4re\u201c, so Geldsetzer.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Schutz vor allem bei Frauen beobachtet<\/p>\n<p>Ein wichtiges Ergebnis der Studie war, dass der Schutz vor Demenz durch die Impfung bei Frauen viel st\u00e4rker zu seinen scheint als bei M\u00e4nnern. \u201eDieser R\u00fcckgang k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Immunantwort zur\u00fcckzuf\u00fchren sein oder in der Art und Weise, wie sich Demenz entwickelt, so Geldsetzer. \u201eFrauen haben im Durchschnitt eine st\u00e4rkere Antik\u00f6rperreaktion auf eine Impfung. Und wir wissen auch, dass sowohl G\u00fcrtelrose als auch Demenz bei Frauen h\u00e4ufiger vorkommt als bei M\u00e4nnern.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Noch kein Wirkmechanismus bekannt<\/p>\n<p>\u201eWir wissen im Moment noch nicht, wie der Impfstoff vor Demenz sch\u00fctzt\u201c, sagt Geldsetzer. \u201eEs k\u00f6nnte sein, dass er das Immunsystem insgesamt ankurbelt, dass er speziell verhindert, dass das schlummernde Varizella Zoster Virus reaktiviert wird, oder \u00fcber einen ganz anderen Mechanismus funktioniert.\u201c Unbekannt ist auch, ob eine neuere Version des Impfstoffs, die nur bestimmte Proteine des Virus enth\u00e4lt und wirksamer vor G\u00fcrtelrose sch\u00fctzt, einen \u00e4hnlichen oder m\u00f6glicherweise sogar gr\u00f6\u00dferen Schutz vor Demenz bietet. \u201eDas m\u00f6chten wir nun gern erforschen.\u201c<\/p>\n<p>In den vergangenen zwei Jahren hat das Team die Ergebnisse von Wales mit den Gesundheitsdaten anderer L\u00e4nder, darunter England, Australien, Neuseeland und Kanada, die den Impfstoff in \u00e4hnlicher Weise eingef\u00fchrt haben, wiederholt. \u201eWir sehen immer wieder dieses starke Schutzsignal f\u00fcr Demenz\u201c, sagt Geldsetzer. \u201eDas ist wirklich aufregend.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Gro\u00dfe, randomisierte Studie k\u00f6nnte Licht ins Dunkel bringen<\/p>\n<p>Den endg\u00fcltigen Beweis liefern k\u00f6nnte eine gro\u00dfe randomisierte, kontrollierte Studie. Dabei w\u00fcrden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip entweder den Impfstoff gegen G\u00fcrtelrose oder ein Placebo erhalten. Und es w\u00fcrde vermutlich nicht lange dauern, bis eine solche Studie Ergebnisse vorweisen k\u00f6nnte. Bei den Daten aus Wales zeigten sich die Unterschiede in den Demenzraten der Teilnehmenden bereits nach etwa eineinhalb Jahren. Geldsetzer versucht momentan eine Finanzierung f\u00fcr solch\u2018 eine randomisierte Studie zu erhalten. Das Team m\u00f6chte den Impfstoff, der in Wales verabreicht wurde, f\u00fcr diese Studie nutzen und nun nicht mehr in den USA und Europa produziert wird.<\/p>\n<p>\u201eDer Einsatz der quasi-experimentellenMethoden der Wirtschaftswissenschaften hat in unserem Bereich der globalen Gesundheit gro\u00dfe Bedeutung \u2013 und f\u00fchrt zu wichtigen Ergebnissen, wie man im vorliegenden Fall der G\u00fcrtelroseimpfung deutlich sieht\u201c, sagt Professor Till B\u00e4rnighausen, der Direktor des Heidelberger Institute of Global Health (HIGH). \u201eIch bin sehr gespannt auf weitere Studien aus diesem Bereich.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>                    &#8218;;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"G\u00fcrtelrose tritt meist erst in h\u00f6herem Lebensalter auf und wird durch dasselbe Virus verursacht wie die Windpocken: Varizella-Zoster.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":27327,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[29,597,30,141,232,15679,15676,15678,179,15677],"class_list":{"0":"post-27326","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-deutschland","9":"tag-forschung","10":"tag-germany","11":"tag-gesundheit","12":"tag-health","13":"tag-heidelberg-university","14":"tag-hpstart","15":"tag-neurowissenschaften","16":"tag-pressemitteilung","17":"tag-ukhd-pm"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114327894302409525","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27326","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27326"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27326\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27327"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27326"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27326"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}