{"id":274587,"date":"2025-07-18T08:58:21","date_gmt":"2025-07-18T08:58:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/274587\/"},"modified":"2025-07-18T08:58:21","modified_gmt":"2025-07-18T08:58:21","slug":"lesen-die-leute-mehr-buecher-wenn-die-stadtbibliothek-kostenlos-ist-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/274587\/","title":{"rendered":"Lesen die Leute mehr B\u00fccher, wenn die Stadtbibliothek kostenlos ist? \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Die Dauerausstellungen der Leipziger Museen sind inzwischen kostenlos beim Eintritt. Das lockt viele Leipziger in die H\u00e4user, die sonst z\u00f6gern w\u00fcrden. Aber wie ist das mit den St\u00e4dtischen Bibliotheken? Da m\u00fcsste es doch den gleichen Effekt haben. Sogar eine doppelten, weil die Leute dann mehr B\u00fccher lesen w\u00fcrden, fand die Fraktion von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen im Leipziger Stadtrat und fragte nach. Aber ganz so simpel ist es nicht, antwortete nun die Stadtbibliothek.<\/p>\n<p>\u201eBibliotheken sind zentrale Bildungs- und Kultureinrichtungen, die allen B\u00fcrger\/-innen unabh\u00e4ngig von ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation Zugang zu Wissen, Information und kultureller Teilhabe erm\u00f6glichen sollten. Geb\u00fchren stellen jedoch f\u00fcr viele Menschen eine Zugangsh\u00fcrde dar. Aus diesem Grund verzichten einige deutsche St\u00e4dte schon jetzt auf eine Anmeldegeb\u00fchr. In Leipzig k\u00f6nnen Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 19. Lebensjahr die Bibliotheken kostenfrei nutzen\u201c, formulierten die Gr\u00fcnen den Grund ihrer Anfrage.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/54432f697ee24dc69dcd48de501054f1.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/07\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>\u201eDie Einf\u00fchrung eines f\u00fcr alle kostenfreien Zugangs zu den St\u00e4dtischen Bibliotheken Leipzigs w\u00fcrde die Bildungsgerechtigkeit f\u00f6rdern, soziale Teilhabe st\u00e4rken und die Attraktivit\u00e4t der Bibliotheken als \u00f6ffentliche Orte des Lernens und der Begegnung erh\u00f6hen. Durch eine langfristige Planung mit Umsetzung ab 2027 kann die Stadt Leipzig die notwendigen Haushaltsmittel einplanen und ein nachhaltiges Konzept entwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Schon da wird es schwierig. Denn schon jetzt ist absehbar, dass auch der Doppelhaushalt der Jahre 2027\/2028 ein Haushalt mit H\u00e4ngen und W\u00fcrgen sein wird. Die Stadt wird es gegen\u00fcber der Landesdirektion nicht begr\u00fcnden k\u00f6nnen, dass sie in einem eh schon \u00fcberreizten Haushalt weitere Gelder loseist.<\/p>\n<p>Um wie viel Geld geht es?<\/p>\n<p>Es geht nicht um wenig Geld, <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2025962&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie die Stadtbibliothek vorrechnet:<\/a> \u201eIm Doppelhaushalt 2025\/26 sind als Einnahmen f\u00fcr die Nutzung der Bibliotheken insgesamt \u20ac 784.500 (100 %) pro Jahr geplant. Auf die Jahresnutzungsgeb\u00fchren entfallen davon \u20ac 440.000 (56 %), auf die Mahngeb\u00fchren \u20ac 266.000 (34 %) und auf sonstige Geb\u00fchren \u20ac 78.500 (10 %). In den vergangenen Jahren wurden 60 T\u20ac (2023) bzw. 100 T\u20ac (2024) mehr eingenommen als im Budget geplant. Diese Mehreinnahmen standen dem Budget der LSB aber nur teilweise zur Verf\u00fcgung. Durch eine stetig zunehmende Bibliotheksnutzung sind die Mehreinnahmen aus den Jahresnutzungsgeb\u00fchren von Jahr zu Jahr um ca. 3 % gestiegen.<\/p>\n<p>Durch die Beitragsfreiheit von Personen bis zum Alter von 19 Jahren k\u00f6nnen derzeit 46 % aller Nutzenden B\u00fccher und andere Medien geb\u00fchrenfrei in den Leipziger St\u00e4dtischen Bibliotheken ausleihen. Der Zugang zu den Bibliotheken, die Nutzung von Medien und Informationsdiensten und Veranstaltungen in den Bibliotheken vor Ort ist sogar f\u00fcr Personen aller Altersgruppen kostenfrei. Geb\u00fchren fallen nur f\u00fcr die Entleihung von Medien nach Hause oder die Nutzung von Online-Diensten an.\u201c<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich m\u00fcssten Leipzigs Bibliotheken ihre Geb\u00fchren sogar erh\u00f6hen, wenn sie ihren Leistungsumfang beibehalten wollen.<\/p>\n<p>\u201eIn den vergangenen Haushaltsrunden konnten die Bibliotheken bei stetig steigenden faktischen Kosten keine Planerh\u00f6hungen f\u00fcr bibliotheksspezifische Kosten (Medien, dezentrale IT, etc.) anmelden. Angepasst wurden die Mittel jedoch f\u00fcr die Unterhaltsreinigung und Bewachung. Einsparvorgaben im Rahmen der Haushaltskonsolidierung sind derzeit nur \u00fcber Geb\u00fchrenerh\u00f6hungen zu kompensieren, um Leistungseinschr\u00e4nkungen zu vermeiden\u201c, geht die Stadtbibliothek auf die finanzielle Zwickm\u00fchle ein.<\/p>\n<p>\u201eEine hochqualitative und fl\u00e4chendeckende Bibliotheksarbeit kann in Zeiten sinkender Zusch\u00fcsse nur erhalten werden, wenn diese \u00fcber steigende Einnahmen ausgeglichen werden k\u00f6nnen. K\u00f6nnen Geb\u00fchren nicht mehr der allgemeinen Preissteigerung angepasst werden, f\u00fchrt das von Jahr zu Jahr zu effektiv sinkenden verf\u00fcgbaren Mitteln f\u00fcr die Bibliotheksarbeit. Die LSB planen im zweiten Halbjahr, eine ge\u00e4nderte Geb\u00fchrensatzung mit erh\u00f6hten Geb\u00fchren vorzulegen.\u201c<\/p>\n<p>Keine Spielr\u00e4ume im st\u00e4dtischen Haushalt<\/p>\n<p>Sollte die Stadtbibliothek ganz auf Geb\u00fchren verzichten, w\u00fcrde das heftige L\u00f6cher rei\u00dfen, die aus dem st\u00e4dtischen Etat beglichen werden m\u00fcssten. Wozu aber die Stadt in den n\u00e4chsten Jahren kaum in der Lage sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>\u201eMit Wegfall der Jahresnutzungsgeb\u00fchren w\u00fcrden im Budget der LSB ab 2027 j\u00e4hrlich \u20ac 440.000 zzgl. 3 % Dynamisierung p. a. fehlen (2027: \u20ac 453.000; 2028: \u20ac 466.500). Der st\u00e4dtische Zuschussbedarf w\u00fcrde um diesen Betrag steigen. Entfielen dar\u00fcber hinaus alle Geb\u00fchren, also auch z.B. die Mahngeb\u00fchren, erh\u00f6hte sich der j\u00e4hrliche Fehlbetrag auf \u20ac 784.500 zzgl. 3 % Dynamisierung p. a. (2027: \u20ac 808.035; 2028: \u20ac 832.267).\u201c<\/p>\n<p>Aber so ein wenig hatten die Gr\u00fcnen diese Finanzklemme auch im Hinterkopf und fragten auch nach m\u00f6glichen Kompensationen f\u00fcr den doch betr\u00e4chtlichen Einnahmeausfall.<\/p>\n<p>Aber die St\u00e4dtischen Bibliotheken haben keinen Spielraum: \u201eInnerhalb des Budgets der LSB ist keine Kompensation der entfallenden Einnahmen denkbar, die den bisher bekannten Bibliotheksbetrieb auch nur ann\u00e4hernd aufrechterhalten k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>Nutzerzahlen w\u00fcrden nicht wirklich steigen<\/p>\n<p>Und auch die sch\u00f6ne Hoffnung, durch Wegfall der Geb\u00fchren w\u00fcrden die Nutzerzahlen dauerhaft steigen, hat wohl wenig mit der Realit\u00e4t zu tun.<\/p>\n<p>\u201eEs ist zu erwarten, dass mit dem Wegfall der Jahresnutzungsgeb\u00fchren und dem damit verbundenen Neuigkeitseffekt die Zahl der angemeldeten Nutzenden kurzfristig um ca. 10\u201315 % ansteigt. Diese Sch\u00e4tzung beruht auf den Erfahrungen der Stadtbibliotheken Wiesbaden, die 2022 die Geb\u00fchren abgeschafft haben\u201c, erkl\u00e4rt die Stadtbibliothek in ihrer Antwort.<\/p>\n<p>Doch dann kommt das gro\u00dfe Aber: \u201eDie Entleihungszahlen hingegen sind dort nicht dauerhaft signifikant gestiegen. Das legt den Schluss nah, dass eine hohe Nutzung der Bibliothek weniger durch Kostenfreiheit als durch ein qualitativ hochwertiges Angebot verursacht wird, das sowohl die Versorgung mit aktuellen Medien als auch die Instandhaltung und Erneuerung von Ausstattung und Technik umfasst.<\/p>\n<p>Die Stadtbibliothek N\u00fcrnberg hatte 2013 ihre Geb\u00fchren abgeschafft und musste sie aus Haushaltsgr\u00fcnden 2017 wieder einf\u00fchren. Die Wiedereinf\u00fchrung war mit erheblichen organisatorischen Mehrbelastungen verbunden, und der Bev\u00f6lkerung nur schwer zu vermitteln. Nur ein nachhaltiger und auf Dauer vollst\u00e4ndig kompensierter Wegfall der Geb\u00fchren w\u00e4re f\u00fcr die Arbeit der Bibliotheken zu verkraften.\u201c<\/p>\n<p>Doch genau hier sieht auch die Stadt eine un\u00fcberwindbare H\u00fcrde durch die mehr als nur angespannte Haushaltssituation der Kommune: \u201eEin nachhaltiger und auf Dauer vollst\u00e4ndig kompensierter Wegfall kann aufgrund der aktuellen Haushaltslage i.V.m. mit den Leitlinien des Haushaltsstrukturkonzeptes nicht angestrebt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt steht die Genehmigung des Doppelhaushaltes 2025\/2026 durch die Landesdirektion noch aus, m\u00f6gliche Auflagen k\u00f6nnen ebenfalls noch nicht in G\u00e4nze abgesch\u00e4tzt werden. Die finanzielle Lage der Stadt Leipzig lie\u00dfe eine Umsetzung dessen auf absehbare Zeit somit nicht zu.\u201c<\/p>\n<p>Es w\u00e4re ein nur zu berechtigter Wunsch, wenn mehr Leipzigerinnen und Leipziger gute B\u00fccher lesen w\u00fcrden. Aber mit einer Aufhebung der Geb\u00fchren w\u00fcrde man das wohl nicht erreichen, wie die Erfahrungen aus Wiesbaden zeigen. Und Spielr\u00e4ume im Haushalt hat Leipzig derzeit \u00fcberhaupt keine. Im Gegenteil: Jeder Euro, der eingespart werden kann, wird zusammengekratzt, w\u00e4hrend die Stadt unter ihren vom Bund zugewiesenen Pflichtaufgaben \u00e4chzt, ohne dass sich eine Entspannung abzeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Dauerausstellungen der Leipziger Museen sind inzwischen kostenlos beim Eintritt. 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