{"id":27780,"date":"2025-04-13T04:58:27","date_gmt":"2025-04-13T04:58:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/27780\/"},"modified":"2025-04-13T04:58:27","modified_gmt":"2025-04-13T04:58:27","slug":"europa-brexit-mehrheit-will-wieder-beitreten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/27780\/","title":{"rendered":"Europa: Brexit: Mehrheit will wieder beitreten"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt auch noch gute Nachrichten: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Potential_re-accession_of_the_United_Kingdom_to_the_European_Union#:~:text=The%20trend%20of%20the%20poll,joining%20the%20European%20single%20market\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Seit zwei Jahren zeigt jede einzelne Umfrage im Vereinigten K\u00f6nigreich<\/a>, dass die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in die EU zur\u00fcckkehren m\u00f6chte. Das ist auch verst\u00e4ndlich, da verl\u00e4ssliche Quellen den anhaltenden Schaden aufzeigen, den der Brexit in fast allen Bereichen angerichtet hat. Weit und breit keine Spur von den versprochenen \u201eBrexit-Vorteilen\u201c. Und was die wiedergewonnene Souver\u00e4nit\u00e4t betrifft? Man kann sie weder sehen noch anfassen noch essen, aber der Verlust an Einfluss sowohl auf der anderen Seite des \u00c4rmelkanals als auch auf der anderen Seite des Atlantiks ist selbst f\u00fcr Brexit-Bef\u00fcrworter schwer zu ignorieren. Die Einwanderung, der eigentliche Grund f\u00fcr die damalige Abstimmung, hat zugenommen, wobei Europ\u00e4er das Land verlassen, aber die Zahl der Migranten aus fernen L\u00e4ndern steigt. War das die Idee?<\/p>\n<p>Trotz der vehement pro-Brexit eingestellten britischen Medien k\u00f6nnen nur wenige W\u00e4hler die wahren Auswirkungen dessen, wof\u00fcr sie gestimmt haben, ignorieren: 27 Milliarden Pfund sind in den ersten zwei Jahren im EU-Handel verloren gegangen. Die britischen Warenexporte sind j\u00e4hrlich um 6,4 Prozent zur\u00fcckgegangen, und 40 000 Finanzjobs in der City sind in die EU abgewandert. Die britischen Lebensmittelexporte in die EU sind laut dem Centre for Inclusive Trade Policy\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/business\/2024\/dec\/03\/british-food-exports-to-eu-brexit-citp-trade\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">um drei Milliarden Pfund<\/a> pro Jahr zur\u00fcckgegangen. Der Brexit kostet das Vereinigte K\u00f6nigreich <a href=\"https:\/\/www.cityam.com\/eu-membership-vs-lost-exports-and-trade-forget-extra-nhs-cash-brexit-costs-britain-173m-per-week\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">eine Million Pfund pro Stunde<\/a>, so das Office for National Statistics. Das Office of Budget Responsibility sagt, dass das BIP f\u00fcnf Prozent h\u00f6her w\u00e4re, wenn Gro\u00dfbritannien in der EU geblieben w\u00e4re. Diejenigen, die keine Wirtschaftsnachrichten lesen, haben vielleicht bemerkt, dass die Handelsbarrieren des Brexit jeden Haushalt <a href=\"https:\/\/www.lse.ac.uk\/News\/Latest-news-from-LSE\/2022\/l-December-22\/By-the-end-of-2021-Brexit-had-already-cost-UK-households-a-total-of-5.8-billion-in-higher-food-bills-%E2%80%93-new-LSE-research\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">210 Pfund zus\u00e4tzlich f\u00fcr Lebensmittel<\/a> kosten. An der EU-Au\u00dfengrenze stehen die Briten h\u00e4ufig in langen Schlangen, w\u00e4hrend die\u00a0EU-B\u00fcrger\u00a0durchgewunken werden \u2013 ein Privileg, das die Briten selbst vor dem Brexit noch genossen haben.<\/p>\n<p>Wir haben nun eine Regierung und ein Unterhaus, die \u00fcberwiegend aus EU-Bef\u00fcrwortern bestehen. W\u00e4re es da nicht an der Zeit, wieder in Richtung Calais zu steuern? Umso erstaunlicher wirkt es, dass der Premierminister, ein \u00fcberzeugter EU-Bef\u00fcrworter, jegliche Diskussion \u00fcber einen Wiedereintritt kategorisch ablehnt \u2013 sei es in die EU, die Zollunion, den Binnenmarkt oder sogar die Europ\u00e4ische Freihandelsassoziation. Warum dieser Widerstand?<\/p>\n<p>Britische Politiker haben aus der Vergangenheit gelernt und scheuen sich, unseren unbest\u00e4ndigen und wankelm\u00fctigen W\u00e4hlern erneut zu vertrauen. Diese Vorsicht ist das Ergebnis bitterer Erfahrungen und einer eindr\u00fccklichen Lektion. Der Optimismus, der Pro-Europ\u00e4er dazu verleitet, sich \u00fcber jede hoffnungsvolle Meinungsumfrage zu freuen, hat sich bereits als tr\u00fcgerisch erwiesen. Genau dieser Optimismus veranlasste David Cameron, das verh\u00e4ngnisvolle Brexit-Referendum auszurufen \u2013 im Glauben, er k\u00f6nne Remain problemlos gegen Leave durchsetzen. Dabei untersch\u00e4tzte er die Gegenseite, die er abf\u00e4llig als \u201eSpinner, Verr\u00fcckte und verkappte Rassisten\u201c abtat.<\/p>\n<p>Wenn es zu einem weiteren Referendum k\u00e4me, um das letzte r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, w\u00fcrden dieselben rechten Medienmogule wie Rupert Murdoch, dessen Medienimperium 40 Prozent der britischen Presseleserschaft erreicht, ihre Propagandamaschinen erneut anwerfen. Doch die Ausgangslage w\u00e4re dieses Mal noch schwieriger: Gro\u00dfbritannien hat seinen lukrativen EU-Rabatt und andere ausgehandelte Sonderregelungen l\u00e4ngst verloren. Ein erneuter Beitritt w\u00fcrde wahrscheinlich bedeuten, das Pfund aufzugeben und dem Euro beizutreten \u2013 zusammen mit weiteren Bedingungen, die von Brexit-Bef\u00fcrwortern als Unterwerfung unter ein vermeintliches Br\u00fcsseler Diktat inszeniert w\u00fcrden. Angesichts solcher Umst\u00e4nde w\u00e4re es riskant, darauf zu vertrauen, dass die \u00f6ffentliche Meinung stabil bleibt. Referenden f\u00f6rdern die niedrigsten politischen Instinkte und spalten die Gesellschaft, anstatt L\u00f6sungen herbeizuf\u00fchren. Diese Form der Entscheidungsfindung hat sich als destruktiv erwiesen \u2013 und sollte nie wieder zum Einsatz kommen.<\/p>\n<p>Statt einen radikalen Kurswechsel zu riskieren, tastet sich die britische Regierung vorsichtig und schrittweise an einen \u201eNeustart\u201c mit der EU heran \u2013 still und leise, da jeder Fortschritt von den Tory-nahen Medien reflexartig als \u201eBrexit-Verrat\u201c gebrandmarkt wird. Rachel Reeves, Schatzkanzlerin und die erste Ministerin seit dem Brexit, die an einem Treffen der EU-Finanzminister teilnahm, stellte dort klar: \u201eSpaltung und Chaos pr\u00e4gten den Umgang der letzten Regierung mit Europa. Das wird unsere nicht bestimmen. Wir streben eine Beziehung an, die auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Pragmatismus beruht \u2013 eine reife, gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfige Partnerschaft\u00a0\u2026\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Bef\u00fcrworter eines Verbleibs in der EU haben erneut gro\u00dfe Hoffnungen gesch\u00fcrt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Hinter den Kulissen sprechen Abgesandte \u00fcber das Wesentliche: So stattete der Stabschef von Keir Starmer Br\u00fcssel vor Weihnachten einen diskreten Besuch ab, um zentrale Themen zu sondieren. Starmer selbst hat sich in seiner Amtszeit bereits sieben Mal mit Pr\u00e4sident Macron getroffen \u2013 zuletzt bei einem Abendessen in Chequers, dem offiziellen Landsitz des Premierministers. Dort sprachen sie \u00fcber die Ukraine, Wirtschaftswachstum, Verteidigung, Energie und nat\u00fcrlich \u00fcber die Zukunft der britisch-europ\u00e4ischen Beziehungen. Die Zeichen deuten auf einen behutsamen, aber strategischen Neustart zwischen Gro\u00dfbritannien und der EU hin.<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter eines Verbleibs in der EU haben erneut gro\u00dfe Hoffnungen gesch\u00fcrt \u2013 gepr\u00e4gt von einer optimistischen Voreingenommenheit. Doch der angestrebte Neustart k\u00f6nnte entt\u00e4uschen, wenn Keir Starmer nicht bereit ist, seine strikten roten Linien zu \u00fcberdenken. Br\u00fcssel hat zu Recht deutlich gemacht, dass es keine Rosinenpickerei im Binnenmarkt geben kann, solange Gro\u00dfbritannien sich weigert, ihm wieder beizutreten.<\/p>\n<p>Das Vereinigte K\u00f6nigreich fordert den Abbau von Handelsbarrieren, eine Erleichterung des Handels \u2013 insbesondere im Lebensmittelsektor \u2013, die gegenseitige Anerkennung beruflicher Qualifikationen und die M\u00f6glichkeit f\u00fcr Musiker, frei in der EU aufzutreten. Doch die Antworten aus Br\u00fcssel sind bislang wenig ermutigend: Ein klares \u201eNein\u201c, solange Gro\u00dfbritannien nicht bereit ist, auch Forderungen der EU zu erf\u00fcllen. Dazu geh\u00f6ren unter anderem gleiche Studiengeb\u00fchren f\u00fcr EU-Studenten an britischen Universit\u00e4ten, wie sie f\u00fcr britische Studierende gelten, sowie ein Jugendmobilit\u00e4tsprogramm, das jungen Menschen unter 30 Jahren freies Reisen und Arbeiten erm\u00f6glicht. Auf der anderen Seite kommt auch aus London auf diese Vorschl\u00e4ge bislang ein ebenso klares \u201eNein\u201c. Die Frage bleibt: Warum?<\/p>\n<p>Eventuell ist Starmer zu sehr darauf bedacht, Anschuldigungen des \u201eBrexit-Verrats\u201c zu vermeiden. Doch solche Vorw\u00fcrfe sollten ihn nicht von pragmatischen Entscheidungen abhalten, zumal das vorgeschlagene Jugendmobilit\u00e4tsprogramm in Umfragen breite Unterst\u00fctzung bei der britischen Bev\u00f6lkerung findet. Weitere Hindernisse sind die anstehenden Verhandlungen \u00fcber Fischereirechte. Obwohl diese wirtschaftlich f\u00fcr beide Seiten kaum bedeutend sind, l\u00f6sen sie auf beiden Seiten des \u00c4rmelkanals starke politische Emotionen aus. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Streitigkeiten in der Landwirtschaft, die ebenfalls \u00fcberproportional hohe Aufmerksamkeit erhalten.<\/p>\n<p>Aber lassen Sie uns innehalten. Diese scheinbar trivialen Probleme verblassen angesichts des gef\u00e4hrlichen Zustands der Welt, der sich vor unseren Augen entfaltet. Donald Trump droht mit d\u00fcsteren Szenarien, auch wenn niemand genau wei\u00df, was er genau umsetzen wird. Die Wirtschaft der Eurozone schwankt, ebenso wie die Gro\u00dfbritanniens. Elon Musks gigantisches Verm\u00f6gen stellt eine Bedrohung f\u00fcr europ\u00e4ische Demokratien dar und st\u00e4rkt die aufziehenden Sturmwolken der extremen Rechten. Sollte Putin in der Ukraine auch nur ansatzweise einen Sieg erringen, geriete Europa in ernste Gefahr \u2013 und die Zukunft der NATO w\u00e4re ungewiss. Gleichzeitig befinden sich Deutschland und Frankreich in politischem Aufruhr. Hinzu kommt die Klimakrise: Der Planet hat vergangene Woche die gef\u00e4hrliche 1,5-Grad-Marke erreicht \u2013 die Erw\u00e4rmung in diesem Ausma\u00df zu verhindern, hatten wir uns einst verpflichtet.<\/p>\n<p>Dies ist keine Zeit f\u00fcr Zwist oder Z\u00f6gern \u2013 es ist die Stunde der Einigkeit unter den Europ\u00e4ern, die um die Demokratie bangen und verstehen, dass sie nur gemeinsam den Bedrohungen der Trump-\u00c4ra entgegentreten k\u00f6nnen. Die Sozialdemokraten haben sich bisher oft zur\u00fcckgehalten, doch damit muss jetzt Schluss sein.<\/p>\n<p>Dieser Artikel ist eine gemeinsame Publikation von Social Europe und dem IPG-Journal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es gibt auch noch gute Nachrichten: Seit zwei Jahren zeigt jede einzelne Umfrage im Vereinigten K\u00f6nigreich, dass die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":27781,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[12408,331,332,15832,13935,146,548,551,13,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-27780","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-abstimmung","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-beitritt","12":"tag-brexit","13":"tag-demokratie","14":"tag-eu","15":"tag-grossbritannien","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-uk","21":"tag-united-kingdom","22":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","23":"tag-vereinigtes-koenigreich","24":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","25":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114328889380406758","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27780","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27780"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27780\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}