{"id":278160,"date":"2025-07-19T17:48:29","date_gmt":"2025-07-19T17:48:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278160\/"},"modified":"2025-07-19T17:48:29","modified_gmt":"2025-07-19T17:48:29","slug":"spionagetechnik-fuer-russland-geheimprojekt-harmonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278160\/","title":{"rendered":"Spionagetechnik f\u00fcr Russland &#8211; Geheimprojekt &#8222;Harmonie&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 18.07.2025 13:09 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Ein Gesch\u00e4ftsmann muss sich seit dieser Woche vor dem Landgericht Frankfurt am Main verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nach Informationen von NDR, WDR und SZ vor, jahrelang Ger\u00e4te zur Unterwasserspionage an Russland verkauft zu haben.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Marie Bl\u00f6cher, Antonius Kempmann, Benedikt Strunz, NDR , und Petra Blum, Florian Flade, WDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas russische Wort &#8222;Garmonija&#8220; bedeutet auf Deutsch &#8222;Harmonie&#8220; oder &#8222;Einklang&#8220;. So lautet der unverf\u00e4nglich klingende Name eines geheimen russischen Unterwasser-Spionageprogramms. Es ist ein Netzwerk aus Unterwassermikrofonen, Sonaren und anderer Technik, die in den Weltmeeren ausgebracht werden, um gegnerische Schiffe, insbesondere U-Boote, aufzusp\u00fcren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Programm ist kein Relikt des Kalten Krieges, es wurde erst vor wenigen Jahren unter strengster Geheimhaltung umgesetzt. Wie Recherchen von NDR, WDR und S\u00fcddeutscher Zeitung (SZ) jetzt zeigen, hatte Moskau dabei offenbar auch Hilfe aus Deutschland.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit dieser Woche muss sich vor dem Landgericht Frankfurt am Main der 55-j\u00e4hrige Gesch\u00e4ftsmann Alexander S. aus N\u00fcrnberg wegen mutma\u00dflicher Verst\u00f6\u00dfe gegen das Au\u00dfenwirtschaftsgesetz verantworten. Die Firmen des Mannes, der die russische und die kirgisische Staatsangeh\u00f6rigkeit besitzt, sollen Teil eines Geflechts gewesen sein. Dar\u00fcber soll Russland wohl jahrelang hochmoderne Technologie aus Europa beschafft haben f\u00fcr seine Spionage in den Weltmeeren.<\/p>\n<p>    M\u00f6gliche Verbindung zum russischen Geheimdienst<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZu den Gesch\u00e4ftspartnern und Kontakten von Alexander S. geh\u00f6rten nach Erkenntnissen der deutschen Ermittler vor allem ein zypriotisches Unternehmen sowie mehrere Firmen in Moskau. Die Ermittler des Zollfahndungsamtes Essen gehen davon aus, dass zumindest die Moskauer Firmen dem russischen Nachrichtendienst FSB nahestehen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Verfahren kam offenbar durch eine \u00dcberwachungsma\u00dfnahme des Verfassungsschutzes ins Laufen, bei der Telefonate und die E-Mail-Kommunikation von Alexander S. \u00fcberwacht wurden. Anschlie\u00dfend begannen Zollfahnder damit, das gesamte Handelsnetzwerk um Alexander S. zu durchleuchten.<\/p>\n<p>    Handelsnetzwerk f\u00fcr das russische Milit\u00e4r<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLaut Anklage soll Alexander S. als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zweier in Deutschland ans\u00e4ssiger Handelsfirmen in ein Netzwerk aus Unternehmen und Akteuren eingebunden gewesen sein. Dessen Zweck soll darin bestanden haben, maritime und milit\u00e4risch nutzbare G\u00fcter in Europa zu beschaffen und nach Russland zu liefern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer eigentliche Endabnehmer, das russische Milit\u00e4r, soll jeweils verschleiert worden sein. Die Lieferwege f\u00fchrten oftmals wohl \u00fcber die T\u00fcrkei. Insgesamt neun strafbare Handlungen wirft die Frankfurter Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor. Eine kurzfristige Anfrage lie\u00df der Angeklagte unbeantwortet. In Vernehmungen hatte er bislang immer wieder beteuert, nicht gewusst zu haben, dass die Exporte f\u00fcr Russland bestimmt waren.<\/p>\n<p>    Dual-Use-G\u00fcter beschafft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBei den Lieferungen geht es um sogenannte Dual-Use-G\u00fcter, also Technologie, die sowohl zivil als auch milit\u00e4risch genutzt werden kann und daher besonderen Handelsbeschr\u00e4nkungen und Ausfuhrkontrollen unterliegt. So soll das Netzwerk um Alexander S. unter anderem ein akustisches Positionierungssystem und mehrere dazugeh\u00f6rige Transponder &#8211; &#8222;Mini Beacons&#8220; &#8211; in Norwegen beschafft haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMit solchen Systemen k\u00f6nnen beispielsweise Unterwasserdrohnen in einer Tiefseeumgebung hochpr\u00e4zise man\u00f6vriert werden. Auch ein spezieller Bohrkopf aus Italien wurde gekauft, ebenso f\u00fcr fast 800.000 Euro Satellitenantennen eines schwedischen Herstellers, die als besonders robust gelten und auch unter Wasser eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNicht in allen angeklagten F\u00e4llen kam es tats\u00e4chlich zu einer Auslieferung. In einem Fall etwa soll f\u00fcr mehr als 43.000 Euro der Kauf eines Mehrstrahlsonars bei einem britischen Unternehmen vertraglich vereinbart worden sein. Offenbar kam es aber nicht zu einer Lieferung.\u00a0 Mit einem solchen Sonar k\u00f6nnen in bis zu 4.000 Metern Tiefe hochpr\u00e4zise Bilder erstellt und Objekte, wie etwa Unterseekabel oder Elektronik, aufgesp\u00fcrt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBeschafft werden sollte das spezielle Sonar wohl f\u00fcr eine russische Firma, die wiederum nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbeh\u00f6rden im Jahr 2014 von einem russischen R\u00fcstungskonzern beauftragt worden war, an der Umsetzung des geheimen Unterwasserspionageprojekts &#8222;Garmonija&#8220; mitzuwirken.<\/p>\n<p>    Netzwerk seit Jahren aktiv<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Ermittler gehen davon aus, dass das russische Beschaffungsnetzwerk bereits seit rund zehn Jahren aktiv ist. Die vor allem im Westen bestellte Technik soll dabei auch in Einzelf\u00e4llen f\u00fcr den Einsatz auf russischen Forschungsschiffen bestimmt gewesen sein. NDR, WDR und SZ hatten im Rahmen der internationalen Recherche Russian-Spy-Ships-Project offengelegt, wie Russland mithilfe seiner Forschungsschiff-Flotte systematisch kritische Infrastruktur in Nord- und Ostsee ausspioniert.<\/p>\n<p>    Erfolg f\u00fcr Ermittler<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSollten sich die Vorw\u00fcrfe gegen Alexander S. und das mutma\u00dfliche Netzwerk bewahrheiten, w\u00e4re deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden ein Coup gelungen. Denn Russland hat die F\u00e4higkeit zur Unterwasserkriegsf\u00fchrung zu einer milit\u00e4rischen Priorit\u00e4t erhoben. Das entsprechende technische Knowhow ist nur schwer zu beschaffen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFrank Buckenhofer von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) h\u00e4lt das aktuelle Verfahren f\u00fcr einen Ermittlungserfolg. Gleichzeitig warnt er vor der derzeit geplanten Reform des Zolls. Diese k\u00f6nnte aus seiner Sicht Zollfahndungen und das Zollkriminalamt massiv schw\u00e4chen. Das Zollkriminalamt und seine Fahndungen sind f\u00fcr Strukturermittlungen und f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung grenz\u00fcberschreitender Kriminalit\u00e4t zust\u00e4ndig. Beide Beh\u00f6rden sollen nach jetziger Planung aufgel\u00f6st und in eine neue Organisationsstruktur eingebunden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 18.07.2025 13:09 Uhr Ein Gesch\u00e4ftsmann muss sich seit dieser Woche vor dem Landgericht Frankfurt am Main&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":278161,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,13,14,15,4043,4044,850,307,12,3555],"class_list":{"0":"post-278160","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-russia","14":"tag-russian-federation","15":"tag-russische-foederation","16":"tag-russland","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-spionage"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114881161384409037","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/278160","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=278160"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/278160\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/278161"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=278160"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=278160"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=278160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}