{"id":278209,"date":"2025-07-19T18:15:24","date_gmt":"2025-07-19T18:15:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278209\/"},"modified":"2025-07-19T18:15:24","modified_gmt":"2025-07-19T18:15:24","slug":"alle-unter-einem-dach-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278209\/","title":{"rendered":"Alle unter einem Dach \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Carrin Bierbaum lebt mit ihrer 34-j\u00e4hrigen Tochter Liesa in Connewitz. Heute gibt es Pizza zum Abendbrot. Am Esstisch sitzen sie zu viert. Zu Besuch sind Christina Straub und ihre Pflegetochter, die von Straub liebevoll \u00bbdas M\u00e4uschen\u00ab genannt wird und in diesem Text anonym bleiben soll. Straubs Pflegetochter ist 18 Jahre alt, geistig behindert und auf die Pflege und Betreuung von Christina Straub angewiesen. Liesa Bierbaum ist mehrfach schwerbehindert und sitzt im Rollstuhl. Die beiden M\u00fctter kennen sich aus einer Gruppe, die daf\u00fcr da ist, eine barrierefreie Wohngemeinschaft in Leipzig zu finden. Was sie verbindet, ist die gemeinsame Sorge um die Zukunft ihrer Kinder.<\/p>\n<p>\u00bbMan muss jetzt schon mal in die Zukunft gucken, weil man immer \u00e4lter wird und nicht wei\u00df, was kommt\u00ab, sagt Carrin Bierbaum. Bisher habe sie das Thema verdr\u00e4ngt und noch nicht dar\u00fcber nachgedacht. Bei einem Arztbesuch mit ihrer Tochter habe Bierbaum eine Mutter kennengelernt, die von der WG-Idee erz\u00e4hlte. Daraufhin besuchte Bierbaum ein Netzwerktreffen. Das Projekt ins Leben gerufen hat das Innovative Netzwerk Wohnen mit Behinderung (INWoB). Das Netzwerk wurde 2020 gegr\u00fcndet, aus der Beobachtung heraus, dass es \u00bbviel zu wenig bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum in Leipzig f\u00fcr Menschen mit Behinderung gab\u00ab, sagt Eva Klotz dem kreuzer am Telefon. Klotz ist Sozialarbeiterin und Netzwerkkoordinatorin des INWoB. Das Netzwerk vereint verschiedene Akteurinnen und Akteure: Menschen mit Behinderung und ihre Angeh\u00f6rigen, soziale Tr\u00e4ger, die Stadt Leipzig, Architektinnen und Architekten \u2013 mit dem Ziel, mehr barrierefreien Wohnraum entstehen zu lassen. Die Idee: ein Neubau, der von Anfang an gemeinsam gedacht wird \u2013 und zwar inklusiv. Geplant sind in dem Haus zwei Wohngemeinschaften f\u00fcr je vier Menschen mit Unterst\u00fctzungsbedarf, Wohnungen f\u00fcr Menschen \u00fcber 50 und Wohngemeinschaften f\u00fcr junge Auszubildende. Teil des Projekts ist ein Architekten-Team, das den Wohnraum nach Vorstellung und Bed\u00fcrfnissen der Wohngemeinde vorausplant. \u00bbGr\u00f6\u00dfe der Schlafzimmer, Fahrradkeller, Gemeinschaftsgarten, das kann alles darauf angepasst werden, wie die Gemeinschaft zusammenleben will\u00ab, berichtet Bierbaum. Dar\u00fcber gesprochen und entschieden wird in Gruppentreffen. Das Grundst\u00fcck f\u00fcr den Neubau finanziert der Tr\u00e4ger Denkmalsozial gGmbH. Die Finanzierung des Baus ist bisher unklar. <\/p>\n<p>\u00bbIch bin froh, dass ich das Projekt gefunden habe\u00ab, sagt Christina Straub. F\u00fcr sie ist es eine Alternative zum Behindertenwohnheim, wo es in Straubs Augen oftmals nur zur \u00bbAufbewahrung\u00ab der Menschen kommt. \u00bbIch w\u00fcnsche mir, dass unsere Kinder eine Art Ersatzfamilie finden, eine Gemeinschaft, in der sie genauso aufgehoben sind und sich wohlf\u00fchlen wie bei ihrer Familie\u00ab, sagt Straub. Vor f\u00fcnf Jahren habe sie nach Alternativen gesucht und Aktion Mensch nach Hilfe gefragt. Die Organisation hat Straub auf eine WG in Connewitz aufmerksam gemacht. Dort gr\u00fcndete sich bereits 2015 eine B\u00fcrgerinitiative von Angeh\u00f6rigen und entstand 2018 das inklusive Wohnprojekt f\u00fcr acht Menschen mit Assistenz- und Pflegebedarf sowie sechs Menschen ohne Behinderung, die auf dem Gel\u00e4nde leben. \u00bbUnd das funktioniert\u00ab, berichten die beiden M\u00fctter, die mit den Bewohnerinnen und Bewohnern dort in Kontakt sind. <\/p>\n<p>Neben der Finanzierung sei eine weitere H\u00fcrde die Frage nach der Betreuung und Pflege. Die meisten zuk\u00fcnftigen Bewohnerinnen und Bewohner w\u00fcrden 24-Stunden-Betreuung ben\u00f6tigen, sagt Straub. Carrin Bierbaum zum Beispiel m\u00f6chte mit ins Haus ziehen, in eine \u00dc50-Wohnung. Damit sie weiterhin in der N\u00e4he sein kann. \u00bbIch spreche als Mutter immer f\u00fcr meine Tochter. Man kann nicht in den Kopf reingucken und es wissen, aber vielleicht ist es ja befruchtend, in so einer WG zu wohnen\u00ab, sagt Bierbaum. \u00bbLiesa hat eine rege Mimik und Gestik, entscheidet sich f\u00fcr oder gegen Dinge, kommuniziert mit den Augen. Ich hoffe, dass mir ihre K\u00f6rpersprache zeigt, wie es ihr gef\u00e4llt, und sich genug Menschen finden, die unsere Kinder annehmen und best\u00e4ndig sind \u2013 und so f\u00fcrsorglich sind wie wir.\u00ab<\/p>\n<p>Sozialarbeiterin Eva Klotz ist der Meinung, dass es in Leipzig zu wenige barrierefreie H\u00e4user gibt \u2013 auch wegen des gro\u00dfen Altbaubestands. Es gebe aber auch viel zu wenig Wohnpl\u00e4tze in Wohnheimen, sagt Klotz. Teilweise wollen Angeh\u00f6rige also, dass ihre Kinder eine m\u00f6glichst selbstbestimmte Wohnform bekommen, aber andererseits geschehe das auch aus einem Mangel heraus. Straub und ihre Familie zum Beispiel wohnen in einer sehr l\u00e4ndlichen Gegend in der N\u00e4he von Grimma, aber nur in Leipzig gebe es die Spezialtherapie, die ihre Pflegetochter ben\u00f6tige. Momentan bezieht Straub daf\u00fcr eine Zweitwohnung in der Stadt. \u00bbWir wohnen so l\u00e4ndlich, da kommt kein Pflegedienst hin, selbst Grimma ist zu weit \u2013 und wenn, dann kostet es uns 90 Euro die Stunde.\u00ab Au\u00dferdem sei eine Teilhabe am Leben unm\u00f6glich: \u00bbEs gibt nicht mal eine Behindertenwerkstatt in der N\u00e4he\u00ab, so Straub. <\/p>\n<p>Bisher haben sich sechs Personen f\u00fcr die inklusive Wohngemeinschaft gefunden. Im n\u00e4chsten Schritt werden noch Menschen gesucht, die sich vorstellen k\u00f6nnen, in so einem Haus zu wohnen und Teil der Gemeinschaft zu werden. Inzwischen fanden auch Vernetzungstreffen zur Finanzierung statt. Und 2029 k\u00f6nnten Carrin Bierbaum und Christina Straub mit ihren T\u00f6chtern in dem Haus Pizza essen.<\/p>\n<p>&gt; Mehr Infos unter <a href=\"http:\/\/www.inwob.net\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">www.inwob.net<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.denkmalsozial.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">www.denkmalsozial.de<\/a>\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Carrin Bierbaum lebt mit ihrer 34-j\u00e4hrigen Tochter Liesa in Connewitz. Heute gibt es Pizza zum Abendbrot. 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