{"id":278249,"date":"2025-07-19T18:38:10","date_gmt":"2025-07-19T18:38:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278249\/"},"modified":"2025-07-19T18:38:10","modified_gmt":"2025-07-19T18:38:10","slug":"roman-im-leben-nebenan-alltag-und-verzweiflung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278249\/","title":{"rendered":"Roman \u201eIm Leben nebenan\u201c: Alltag und Verzweiflung"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">\u201eWas w\u00e4re gewesen, wenn?\u201c Eine Frage, die zu melancholischen Tagtr\u00e4umen verleiten kann und die gedankliche T\u00fcr \u00f6ffnen zu zahllosen Parallelleben. F\u00fcr die Protagonistin in Anne Sauers Deb\u00fctroman wird aus dieser Frage mehr als nur ein Gedankenspiel: Sie findet sich eines Tages in einer anderen Version ihres Lebens wieder. In einem Leben nebenan.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">\u201eB\u00fccher sind f\u00fcr mich ein Raum\u00f6ffner\u201c, antwortet die Hamburgerin auf die Frage, was Literatur ihr bedeute. Zum einen \u00f6ffneten sie einen Raum nach au\u00dfen, f\u00fcr Austausch; zum anderen einen nach innen: wenn es im Kopf zu viel und zu laut werde.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Sauer, geboren 1989, ist studierte Buchwissenschaftlerin, ausgebildete Texterin und war einige Jahre in einer Kreativagentur t\u00e4tig. Heute w\u00fcrden die Bezeichnungen \u201eLiteraturvermittlerin und Autorin\u201c am besten passen, um ihre T\u00e4tigkeiten zu beschreiben, sagt sie der taz. Neben dem \u00adSchreiben empfiehlt und bespricht Sauer tats\u00e4chlich seit Jahren bereits B\u00fccher \u00fcber verschiedene Kan\u00e4le: zum einen gemeinsam mit Tina Luz in dem <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/monatslese.podcast\/?hl=de\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Podcast \u201eMonatslese\u201c<\/a> oder ihren eigenen <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/fuxbooks\/?hl=de\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Instagram-Account \u201efuxbooks\u201c.<\/a> Zum anderen auch pers\u00f6nlich: im Laden. So war Sauer lange im Team der Buchhandlung L\u00fcders in Hamburg-Eimsb\u00fcttel.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">In ihrem Roman \u201eIm Leben nebenan\u201c geht es um Toni. Die 34-J\u00e4hrige lebt mit ihrem Freund in der Gro\u00dfstadt, arbeitet im Marketing und versucht gerade schwanger zu werden. Doch dann erwacht Toni im K\u00f6rper und Leben von Antonia, einer Version ihrer selbst: Mit einem Neugeborenen und liiert mit der fr\u00fcheren Jugendliebe lebt sie immer noch in ihrem Heimatdorf. W\u00e4hrend Antonia fortan in diesem Leben feststeckt, bleibt auch Tonis eigentlicher Alltag erz\u00e4hlerisch pr\u00e4sent; parallel entfaltet der Roman die Geschichte zweier Lebensentw\u00fcrfe.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7818820\/1200\/N4-unten-60mm-2.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/N4-unten-60mm-2.jpeg\" alt=\"Die Autorin Anne Sauer\" title=\"Die Autorin Anne Sauer\" height=\"532\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>\u201eIm Kern geht es f\u00fcr mich um Selbstbestimmung\u201c: Die Autorin Anne Sauer<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nTara Wolff<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"5\">Beim Schreiben h\u00f6rt Anne Sauer gerne Musik, \u201eum herauszufinden, wohin mein Emotionspendel ausschl\u00e4gt\u201c. Auch <a href=\"https:\/\/taz.de\/!vn6061748\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Taylor Swifts<\/a> Album \u201eThe Tortured Poets Department\u201c lief passenderweise w\u00e4hrend des Entstehungsprozesses. Das verriet Sauer schon 2024 in ihrem <a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/anne-sauer\/look-what-she-made-us-do.html\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Essayband \u201eLook What She Made Us Do\u201c<\/a>. Darin setzte sich die bekennende Swiftie mit Taylor Swifts Erfolg, dem misogynen Umgang damit und ihrem eigenen Fan-Sein auseinander. Sie zieht dabei auch autobiografische Parallelen: etwa in der Erfahrung, als weiblich gelesene Person nicht ernst genommen zu werden in einer von M\u00e4nnern dominierten Branche.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Ausgangspunkt f\u00fcr den Roman war ein Satz, der es bis in die finale Fassung des Textes schaffte: \u201eDieses Baby geh\u00f6rt mir nicht.\u201c Die Vorstellung, pl\u00f6tzlich mit einem Kind auf der Brust aufzuwachen, setzte bei Sauer den Schreib- und Gedankenprozess in Gang. Themen, die sie schon lange in sich trug, wurden greifbarer.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"7\">\u201eIm Kern geht es f\u00fcr mich um Selbstbestimmung\u201c, sagt sie, \u201ek\u00f6rperliche Zumutbarkeit und die Frage, was es heute bedeutet, eine Frau zu sein\u201c. Nicht Mutterschaft stehe im Zentrum, sondern die Entscheidungen, die damit verbunden seien, sowie der Blick auf K\u00f6rper, auf M\u00fctter, auf kinderlose Frauen. Auch Beziehungen spielten eine wichtige Rolle. \u201eKonkret die Frage: Wie ver\u00e4ndert sich Liebe, wenn sich die eigene Lebensrichtung verschiebt?\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Antonias Verzweiflung \u00fcber die pl\u00f6tzliche Mutterschaft wird besonders eindr\u00fccklich in Alltagsszenen der \u00dcberforderung beschrieben, etwa wenn es hei\u00dft, das Baby habe man ihr \u201eeinfach wieder angelegt\u201c. Kaiserschnittnarbe und schmerzende Brustwarzen stellt Sauer genauso authentisch dar wie Gedanken, die nicht passen wollen zum gesellschaftlich konstruierten Mythos eines vermeintlich nat\u00fcrlichen Mutterinstinkts, die brechen mit einer unrealistischen Vorstellung von Mutterschaft \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Das Buch und die Lesungen<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\">Anne Sauer: \u201eIm Leben nebenan\u201c. Deutscher Taschenbuch-Verlag, M\u00fcnchen 2025, 272 S., 23 Euro; E-Book 16,99 Euro<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\">Lesungen: Do, 17.\u20057., 19 Uhr, Hamburg, <a href=\"https:\/\/buchhandlunglueders.buchhandlung.de\/shop\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Buchhandlung L\u00fcders<\/a> (evtl. Restkarten); So, 14.\u20059., 16.30 Uhr, Hohwacht, <a href=\"https:\/\/www.genueser-schiff.de\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Genueser Schiff<\/a>; Do, 11.\u200512., 19 Uhr, Hannover, <a href=\"https:\/\/pavillon-hannover.de\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Kulturzentrum Pavillon<\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"9\">Gleichzeitig zeigt Sauer die Zumutungen und die Ersch\u00f6pfung einer Frau ohne Kind: Die muss sich st\u00e4ndig rechtfertigen, ist mit den betr\u00e4chtlichen k\u00f6rperlichen und finanziellen Kosten der Reproduktionsmedizin konfrontiert \u2013 und hinterfragt dabei, ob der Kinderwunsch, den sie \u201eso bedingungslos zu erf\u00fcllen versucht\u201c, wirklich ihr eigener ist.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"10\">Die \u201eWas w\u00e4re, wenn?\u201c-Frage bildet nur den Ausgangspunkt, \u00f6ffnet den Raum f\u00fcr eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der Frage: \u201eWas will ich wirklich?\u201c<\/p>\n<p>      Ungesehene Arbeit<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"12\">Die dargestellten Lebensentw\u00fcrfe werden im Roman nicht bewertet oder gegeneinander ausgespielt, sie stehen nebeneinander. Beide Frauen sind gleicherma\u00dfen mit gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert, w\u00e4hrend Entscheidungen nicht selten \u00fcber ihre K\u00f6pfe hinweg getroffen werden. Beider emotionale und k\u00f6rperliche Arbeit bleibt immer wieder ungesehen, auch seitens ihrer Partner. Sauer erz\u00e4hlt von diesen und vielen weiteren Facetten des Frauseins \u2013 so sp\u00fcrbar, dass die Leserin stellenweise am liebsten selbst lachen oder schreien w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">\u201eIm Leben nebenan\u201c l\u00e4sst sich an einem Tag lesen und l\u00e4sst eine dennoch tagelang nicht los. Anne Sauer selbst sieht den Roman auch als Einladung zu mehr Verst\u00e4ndnis und Empathie: \u201eIch habe das Gef\u00fchl, da ist eine unsichtbare Wand zwischen Eltern und Kinderlosen, zwischen Frauen und ihren Partnern. Diese Wand m\u00f6chte ich transparenter machen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"14\">Eine Anschluss-Leseempfehlung hat die professionelle Literaturvermittlerin auch: <a href=\"https:\/\/taz.de\/Im-Rezitiergefaengnis\/!5657801\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eDie Wand\u201c von Marlen Hofhauser<\/a>; eines ihrer Lieblingsb\u00fccher, von dem sich manche Referenz in ihrem eigenen Buch finde.<\/p>\n<p><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eWas w\u00e4re gewesen, wenn?\u201c Eine Frage, die zu melancholischen Tagtr\u00e4umen verleiten kann und die gedankliche T\u00fcr \u00f6ffnen zu&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":278250,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-278249","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114881357935759222","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/278249","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=278249"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/278249\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/278250"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=278249"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=278249"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=278249"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}