{"id":278596,"date":"2025-07-19T21:57:11","date_gmt":"2025-07-19T21:57:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278596\/"},"modified":"2025-07-19T21:57:11","modified_gmt":"2025-07-19T21:57:11","slug":"usa-neues-gesetz-in-ohio-nimmt-einfluss-auf-die-lehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278596\/","title":{"rendered":"USA: Neues Gesetz in Ohio nimmt Einfluss auf die Lehre"},"content":{"rendered":"<p><strong>Donald Trump will sein konservatives Weltbild in den USA weiter etablieren. Bei seiner Stammw\u00e4hlerschaft rennt er offene T\u00fcren ein, doch an den Toren der Universit\u00e4ten scheiterte er bislang. Ein neues Gesetz in Ohio nimmt jetzt doch massiv Einfluss auf das Leben am Campus \u2013 durch die Hintert\u00fcr.<\/strong><\/p>\n<p>Gouverneur Mike DeWine unterzeichnet an einem Freitag Ende M\u00e4rz 2025 das umstrittene Gesetz SB1, das das Campus-Leben an den Universit\u00e4ten des US-Bundesstaates Ohio stark ver\u00e4ndern wird. Konkret sollen alle Programme und Clubs geschlossen werden, die sich um Vielfalt, Gerechtigkeit, Inklusion \u2013 Diversity, Equity, Inclusion, kurz DEI \u2013 drehen. Zudem werde die &#8222;intellektuelle Vielfalt&#8220; im Unterricht stark eingeschr\u00e4nkt, hei\u00dft es im Gesetz. 90 Tage haben die gro\u00dfen Colleges Zeit, die Anforderungen anzupassen, sonst werden staatliche Finanzierungen drastisch gek\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Studierenden sind betroffen, auch an den Fakult\u00e4ten werden die Z\u00fcgel angezogen. &#8222;Wenn die Fakult\u00e4t eine Gewerkschaft hat, wird festgelegt, dass sie nicht f\u00fcr ihre Rechte streiken darf&#8220;, erkl\u00e4rt der amerikanische Investigativjournalist Theo Peck-Suzuki im Gespr\u00e4ch mit ntv.de. &#8222;Das widerspricht eigentlich dem ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung.&#8220; Geregelt ist hier die Freiheit der Rede und der Presse. <\/p>\n<p>Diskriminierung neu gedacht<\/p>\n<p>Auch wenn man das neu erlassene SB1-Gesetz der republikanischen Trump-Regierung zuschreiben kann, liegt der Grundstein im Streit um die DEI-Programme schon Jahre zur\u00fcck. &#8222;In Trumps erster Amtszeit 2016 stand er als Pr\u00e4sident auch dem Bildungsministerium mit dem &#8222;Office of Civil Rights&#8220; vor&#8220;, erkl\u00e4rt Peck-Suzuki. Der &#8222;Civil Rights Act&#8220; von 1964 ist ein bedeutendes US-amerikanisches Gesetz, das Diskriminierung aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht und Religion verbietet. Feste Quoten gibt es nicht, doch viele Universit\u00e4ten haben Programme, um die Chancengleichheit zu f\u00f6rdern. <\/p>\n<p>&#8222;Wer sich von einer Universit\u00e4t diskriminiert f\u00fchlt, kann im &#8222;Office of Civil Rights&#8220; eine Beschwerde einreichen&#8220;, sagt der Journalist. Diese Beschwerde werde dann gepr\u00fcft und die Universit\u00e4t im Zweifel abgemahnt. Durch die erste Trump-Regierung fand ein Umdenken der Diskriminierung statt. &#8222;Einfach erkl\u00e4rt, hat Trump dem &#8222;Office of Civil Rights&#8220; gesagt: Wenn sich ein wei\u00dfer Mann beschwert, dass er durch eines der DEI-Programme einen Nachteil erfahren hat, muss die Universit\u00e4t dieses Programm ab\u00e4ndern&#8220;, bricht es Peck-Suzuki runter. <\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich haben die DEI-Programme nicht mehr f\u00fcr marginalisierte Gruppen gek\u00e4mpft, sondern standen unter Beschuss aus der breiten Masse. Die Universit\u00e4ten haben dann in Folge einer Abmahnung schnell nachgegeben, aus Angst vor finanziellen Sanktionen durch den Staat. SB1 geht noch einen Schritt weiter.<\/p>\n<p>Auswirkungen auf den Campus<\/p>\n<p>An der Ohio University in der liberalen Kleinstadt Athens im S\u00fcdosten Ohios, das f\u00fcr seine LGBTQ-Offenheit bekannt ist, waren die Auswirkungen des neuen Gesetzes sofort zu sp\u00fcren. Die DEI-Programme, wie das Pride-Center und das Women&#8217;s Center, wurden geschlossen und auch Veranstaltungen wurden gestrichen. &#8222;Das &#8222;Black Alumni Weekend&#8220; wurde abgesagt. Das konnten sehr viele Leute vor Ort nicht nachvollziehen&#8220;, sagt Peck-Suzuki. Die Veranstaltung dient als Netzwerktreffen f\u00fcr schwarze, ehemalige Studierende und wird normalerweise j\u00e4hrlich feierlich von der Universit\u00e4t ausgerichtet. In diesem Jahr musste sie als Folge von SB1 privat organisiert werden.<\/p>\n<p>Seit das neue Gesetz zu Beginn des Jahres angek\u00fcndigt wurde, hat es viel Protest gegeben. &#8222;Ich bin mit vielen anderen Studierenden, Mitgliedern des Lehrk\u00f6rpers und der Gemeinde zum Ohio Statehouse gefahren, um zu protestieren&#8220;, erz\u00e4hlt Audrey Ansel im Gespr\u00e4ch mit ntv.de. Sie ist Aktivistin und Studentin an der Ohio University und hat bei \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rungen vor dem Obersten Gerichtshof gesprochen. <\/p>\n<p>&#8222;An nur einem Tag haben 200 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger vor Ort protestiert und weitere 800 haben schriftlichen Protest eingereicht&#8220;, erinnert sie sich. &#8222;Kein anderes Gesetz hat so viel Gegenwind bekommen. Es ist unglaublich unbeliebt unter Studierenden, Professoren, Gewerkschaftsmitgliedern und B\u00fcrgern und B\u00fcrgerinnen&#8220;, sagt Ansel. Genutzt hat es am Ende nichts. Laut Peck-Suzuki leider wenig \u00fcberraschend: &#8222;Meiner Meinung nach war es vorhersehbar, dass die DEI-Programme keine Chance hatten, trotz der vielen Aktivisten und Proteste. Die Universit\u00e4ten hatten kein wirkliches Interesse, dagegen zu k\u00e4mpfen, aus Angst vor monet\u00e4ren Konsequenzen.&#8220;<\/p>\n<p>Integration ersticken<\/p>\n<p>Der Staat greift durch dieses Gesetz aktiv in den Universit\u00e4tsbetrieb ein und setzt die konservative Linie von Trumps &#8222;Project 2025&#8220; unter Androhung von Sanktionen genau da um, wo Integration und queeres Leben bislang unter der jungen, akademischen Elite des Landes aufgebl\u00fcht sind. Eine W\u00e4hlerschaft, bei der Trump bislang wenig Zulauf hat und die seiner Vorstellung eines konservativ-traditionellen Amerikas kritisch gegen\u00fcbersteht, sind Studierende und Fakult\u00e4tsmitarbeiter. Das macht sie zu einem Ziel der Trump-Regierung.<\/p>\n<p>Erst im Mai hatte Trump der Elite-Universit\u00e4t Harvard vorschreiben wollen, keine ausl\u00e4ndischen Studierenden mehr anzunehmen. Sollte die Universit\u00e4t dem nicht Folge leisten, wollte er die staatliche Finanzierung einstellen. Eine Richterin hat Trumps Forderung vorerst gestoppt. Der n\u00e4chste Kampf um die Hoheit in den H\u00f6rs\u00e4len wird aber vermutlich kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Donald Trump will sein konservatives Weltbild in den USA weiter etablieren. 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