{"id":278880,"date":"2025-07-20T00:43:13","date_gmt":"2025-07-20T00:43:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278880\/"},"modified":"2025-07-20T00:43:13","modified_gmt":"2025-07-20T00:43:13","slug":"labour-regierung-in-grossbritannien-die-schatzkanzlerin-hat-kaum-spielraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278880\/","title":{"rendered":"Labour-Regierung in Gro\u00dfbritannien: Die Schatzkanzlerin hat kaum Spielraum"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2025-07\/labour-regierung-grossbritannien-keir-starmer-wirtschaftswachstum-unzufriedenheit\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<ol class=\"article-toc__list\">\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2025-07\/labour-regierung-grossbritannien-keir-starmer-wirtschaftswachstum-unzufriedenheit\" data-ct-label=\"1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 1Wachstum, verzweifelt gesucht<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\">\n<p>Seite 2Die Schatzkanzlerin hat kaum Spielraum<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"paragraph article__item\">Aber die Regierung, so scheint es, steht sich aus Angst vor Farage teils selbst im Weg. <a href=\"https:\/\/commonslibrary.parliament.uk\/research-briefings\/cbp-10207\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beim Post-Brexit-Handel mit der EU<\/a> hat sie sich rote Linien auferlegt: kein Binnenmarkt, keine Zollunion, keine Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit \u2013 und damit potenzielle Wachstumsquellen ausgeschlossen. Gleichzeitig versprach Schatzkanzlerin Rachel Reeves, die Einkommenssteuer nicht zu erh\u00f6hen. &#8222;Ihr bleiben aber auch kaum M\u00f6glichkeiten, den Rotstift anzusetzen&#8220;, sagt Lee.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Keir Starmer hatte bereits unpopul\u00e4re K\u00fcrzungen bei Sozialleistungen beschlie\u00dfen wollen \u2013 und war Ende Juni daran gescheitert, dass Scharen seiner eigenen Abgeordneten rebellierten, w\u00e4hrend er selbst\u00a0<a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/news\/uk\/politics\/keir-starmer-was-distracted-by-middle-east-and-nato-during-welfare-rebellion-b2778927.html\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mit Au\u00dfenpolitik abgelenkt war<\/a>. Die Kehrtwende verunsicherte prompt internationale Anleger. Das Gleiche passierte, als Rachel Reeves Anfang Juli im Unterhaus weinen musste \u2013 offiziell aus privaten Gr\u00fcnden: Die Rendite britischer Staatsanleihen stieg, das Pfund verlor gegen\u00fcber dem Euro und dem US-Dollar.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Weil irgendwoher Einnahmen kommen m\u00fcssen, gehen die meisten davon aus, dass Reeves im Herbst doch Steuern erh\u00f6hen muss, etwa jene f\u00fcr Unternehmen. Das tr\u00fcbt deren Stimmung weiter: Der Gesch\u00e4ftsklima-Index sank im zweiten Quartal dieses Jahres <a href=\"https:\/\/www.icaew.com\/technical\/economy\/business-confidence-monitor\/business-confidence-monitor-national\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zum vierten Mal in Folge<\/a>. Dabei w\u00e4re dringend Optimismus n\u00f6tig, um Investitionen zu f\u00f6rdern \u2013 denn die verschleppten Staat und Wirtschaft sp\u00e4testens seit der Eurokrise. &#8222;Die Regierung h\u00e4tte in den 2010er-Jahren praktisch zu Nullzinsen Geld leihen und in die Infrastruktur investieren k\u00f6nnen&#8220;, sagt Jonathan Portes. &#8222;Jetzt ist es zu sp\u00e4t.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Gro\u00dfbritannien <a href=\"https:\/\/www.economicsobservatory.com\/boosting-productivity-why-doesnt-the-uk-invest-enough\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hat seitdem j\u00e4hrlich<\/a> zwischen 15 und 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts investiert, Deutschland zwischen 20 und 22 Prozent. Der Investitionsstau auf der Insel zeigt sich etwa beim Verkehr: verstopfte Autobahnen mit Schlagl\u00f6chern, \u00fcberalterte und unzuverl\u00e4ssige Z\u00fcge. Der \u00d6konom Andrew Lee kommt aus einer Industriestadt in der N\u00e4he von Manchester: &#8222;Da ist die Verkehrsinfrastruktur unglaublich schlecht&#8220;, sagt er. &#8222;Im Vergleich dazu l\u00e4uft es in Deutschland deutlich besser.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Probleme zeigen sich sogar an leeren Planschbecken in Yorkshire. Dort ist es gerade verboten,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.yorkshirewater.com\/your-water\/is-there-a-hosepipe-ban\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gartenschl\u00e4uche zu benutzen<\/a>. Politik und Wasserversorger haben zu wenig in Reservoire und Leitungen investiert. Mehr als ein F\u00fcnftel des Wassers in Yorkshire\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cqx2y21p1xjo\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">versickert durch Lecks<\/a>. Ein neues Reservoir w\u00e4re ebenso vor l\u00e4ngerer Zeit n\u00f6tig gewesen wie mehr Geld <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/63304224\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">f\u00fcrs Justizwesen, f\u00fcr den Wohnungsbau, f\u00fcr das Gesundheitssystem<\/a>.\n<\/p>\n<p>        Der Brexit ist nicht das Hauptproblem        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Aber nach den Jahren der Austerit\u00e4t verschlimmerte der Brexit die Lage: Er unterbrach Handelsketten, hemmte den Au\u00dfenhandel \u2013 vor allem die Exporte \u2013 und f\u00fchrte dazu, dass Fachkr\u00e4fte fehlen. <a href=\"https:\/\/www.economicsobservatory.com\/what-are-the-economic-implications-of-the-uk-eu-reset-deal\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studien sch\u00e4tzen<\/a>, dass das britische Bruttoinlandsprodukt ohne Brexit ein bis f\u00fcnf Prozent h\u00f6her l\u00e4ge. &#8222;Der Brexit ist aber nicht das Grund\u00fcbel der britischen Volkswirtschaft&#8220;, sagt Andrew Lee. &#8222;Das Hauptproblem ist seit der Finanzkrise die fehlende Produktivit\u00e4t.&#8220;\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Eine durchschnittliche Stunde Arbeit tr\u00e4gt im Vereinigten K\u00f6nigreich also aus \u00f6konomischer Sicht zu wenig zum Bruttoinlandsprodukt bei. Denn schlecht ausgestattete Arbeiterinnen und Arbeiter k\u00f6nnen weniger leisten als gut ausgestattete. Arbeiter in <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/grossbritannien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gro\u00dfbritannien<\/a> k\u00f6nnen einer aktuellen Studie zufolge pro Stunde im Mittel\u00a0<a href=\"https:\/\/www.productivity.ac.uk\/research\/the-uks-capital-gap-a-short-fall-in-the-trillions-of-pounds-that-will-take-decades-to-bridge\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Drittel weniger Kapital<\/a>\u00a0nutzen als jene in L\u00e4ndern wie den USA, Frankreich und Deutschland. &#8222;Alle anderen sind den Briten davongerast, was die Produktivit\u00e4t angeht&#8220;, sagt Lee. Unproduktive Volkswirtschaften aber wachsen nicht, langfristig kann ihr Lebensstandard sinken.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auch hier w\u00e4ren Investitionen die L\u00f6sung. Starmers Regierung wei\u00df das. Sie hatte etwa angek\u00fcndigt,\u00a0die l\u00e4ndliche Infrastruktur zu verbessern, die hinter den Gro\u00dfst\u00e4dten weit zur\u00fcckf\u00e4llt, und wollte im gro\u00dfen Stil neue Wohnungen bauen\u00a0\u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.homebuilding.co.uk\/news\/how-many-homes-have-labour-managed-to-build-in-their-first-year-in-power\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verpasste ihr Ziel<\/a> aber zun\u00e4chst. Nun stockt Rachel Reeves <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/finance\/what-will-be-britains-27-trillion-spending-review-2025-06-10\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Mittel f\u00fcr den Wohnungsbau<\/a>\u00a0noch einmal auf, au\u00dferdem will sie in eine britische St\u00e4rke investieren: Forschung und Entwicklung. Auch <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/news\/government-steps-in-to-build-first-major-reservoirs-in-30-years#:~:text=Water%20companies%20have%20committed%20to,Sussex%20and%20the%20West%20Midlands.\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">f\u00fcr neue Wasserreservoire<\/a>\u00a0zahlt die Regierung. Die Eisenbahnbetriebe verstaatlicht sie gerade wieder, sie sollen besser werden\u00a0\u2013 ob die hohen Ticketpreise sinken, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/ceqg73znzzeo\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ist aber unklar<\/a>. Und der National Health Service erh\u00e4lt \u00fcber zwei Jahre zus\u00e4tzliche 26 Milliarden Pfund. Allerdings wird <a href=\"https:\/\/www.health.org.uk\/reports-and-analysis\/analysis\/the-nhs-maintenance-backlog-rising-costs-and-falling-investment\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">allein sein Wartungsr\u00fcckstand<\/a>, etwa bei Geb\u00e4uden,\u00a0auf fast 14 Milliarden Pfund gesch\u00e4tzt. Patientinnen merken von dem zus\u00e4tzlichen Geld noch nicht viel.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Darauf wird es aber ankommen,\u00a0findet Jonathan Portes vom King\u2019s College: ob Keir Starmer in seiner verbleibenden Zeit bei seinen Versprechen liefern k\u00f6nne. &#8222;Er muss den Leuten nahebringen, dass sie nicht erwarten k\u00f6nnen, dass \u00fcber Nacht alles wundervoll wird&#8220;, sagt er. &#8222;Aber dass es am Horizont Hoffnung gibt und dass die Regierung einen Plan hat.&#8220; Der Premierminister braucht also mehr Profil. Sonst herrscht weiter der Eindruck, die Labour-Politik best\u00fcnde vor allem aus Kehrtwenden (wie bei den Sozialleistungsk\u00fcrzungen) und aus Versuchen, die Rechten zu bes\u00e4nftigen (wie bei der Migration).\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Gleichzeitig sorgen sich die Britinnen und Briten um weitere finanzielle Einschnitte: um die Steuern, um ihre Rente. Darum, dass die Lebenshaltungskosten weiter steigen, w\u00e4hrend das durchschnittliche verf\u00fcgbare Einkommen inflationsbereinigt nicht h\u00f6her liegt als kurz vor der Eurokrise. Deshalb haben die Menschen wenig Geduld mit ihrer ungeschickt kommunizierenden Regierung, solange sie keine Erfolge sehen \u2013 und halten das Geld, das sie haben, beisammen. Die Nachfrage nach Liebhaberst\u00fccken wie gebrauchten Segelbooten d\u00fcrfte also noch eine Weile leiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Wachstum, verzweifelt gesucht Seite 2Die Schatzkanzlerin hat kaum Spielraum Aber die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":278017,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,551,13,5554,82852,32758,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997,55,381,3945],"class_list":{"0":"post-278880","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-grossbritannien","11":"tag-headlines","12":"tag-keir-starmer","13":"tag-labour-regierung-in-grossbritannien","14":"tag-labourpartei","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-uk","19":"tag-united-kingdom","20":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","21":"tag-vereinigtes-koenigreich","22":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","23":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland","24":"tag-wirtschaft","25":"tag-wirtschaftspolitik","26":"tag-wirtschaftswachstum"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114882792818046400","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/278880","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=278880"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/278880\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/278017"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=278880"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=278880"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=278880"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}