{"id":278999,"date":"2025-07-20T01:50:12","date_gmt":"2025-07-20T01:50:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278999\/"},"modified":"2025-07-20T01:50:12","modified_gmt":"2025-07-20T01:50:12","slug":"wie-es-ist-sich-fremd-im-eigenen-land-zu-fuehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/278999\/","title":{"rendered":"Wie es ist, sich fremd im eigenen Land zu f\u00fchlen"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Genau so, wie der Augsburger Stadtteil <a href=\"https:\/\/augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/ort\/Oberhausen\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Oberhausen<\/a> schon ist, will Andreas Knoll es bei sich zu Hause nicht haben. Und trotzdem findet er es dort eigentlich gut. Monatelang hat der 46-J\u00e4hrige aus <a href=\"https:\/\/augsburger-allgemeine.de\/augsburg-land\/ort\/Westendorf\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Westendorf<\/a> im Ostallg\u00e4u gegen ein Containerdorf f\u00fcr Gefl\u00fcchtete demonstriert, machte sich als Sprecher einer B\u00fcrgerinitiative dagegen stark, wie in seinem Heimatdorf mehrere Dutzend Fremde untergebracht werden sollten. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/vielfalt-der-zuwanderung-in-augsburg-migration-und-ihre-herausforderungen-105974805\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">In Oberhausen, da hat ungef\u00e4hr jeder zweite Einwohner keinen deutschen Pass<\/a>, und von der anderen H\u00e4lfte haben viele Migrationshintergrund. Und ja, Knoll macht das Thema Migration in Deutschland Sorgen, so sehr wie kein anderes politisches Thema im Land, wie er sagt. Aber hier, in diesem Viertel mit Graue-Maus-Image, das zugleich das bunteste <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburgs<\/a> ist, f\u00fchlt er sich nicht unwohl.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110346190\/crop\/c1_1-w100\/2100682595\/194610995\/ulmer-strasse-andreas-knoll.jpg\" alt=\"Andreas Knoll in der Ulmer Stra\u00dfe in Augsburg.\" title=\"Andreas Knoll in der Ulmer Stra\u00dfe in Augsburg.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>      Icon Vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Andreas Knoll in der Ulmer Stra\u00dfe in Augsburg.<br \/>\n    Foto: Christof Paulus<\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>   Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110346190\/crop\/c1_1-w100\/2100682595\/194610995\/ulmer-strasse-andreas-knoll.jpg\" alt=\"Andreas Knoll in der Ulmer Stra\u00dfe in Augsburg.\" title=\"Andreas Knoll in der Ulmer Stra\u00dfe in Augsburg.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>    Andreas Knoll in der Ulmer Stra\u00dfe in Augsburg.<br \/>\n    Foto: Christof Paulus<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Andreas Knoll ist mit seinen Sorgen nicht alleine. In einer repr\u00e4sentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey, die kurz vor der <a href=\"https:\/\/augsburger-allgemeine.de\/special\/bundestagswahl\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Bundestagswahl<\/a> im Auftrag unserer Redaktion durchgef\u00fchrt wurde, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/special\/bayern-monitor\/bayern-waehlt-migration-als-zentrales-thema-104436806\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">nannten\u00a031 Prozent der Befragten aus Bayern Migration als wichtigstes politisches Thema<\/a>. Und so spricht Knoll nicht nur f\u00fcr viele in Westendorf, auch andere Menschen im Land d\u00fcrften etwas mit ihm verbinden k\u00f6nnen: 46 Jahre ist er alt, l\u00e4chelt viel und wohnt mit Frau und Kindern im Einfamilienhaus am Ortsrand. Er mag Fu\u00dfball, spielt Schlagzeug und ist Mitglied in etlichen Vereinen. Im benachbarten Kaufbeuren arbeitet er als Hardware-Entwickler bei einem Mittelst\u00e4ndler und engagiert sich dort im Betriebsrat. Politiker sollten Menschen wie ihn im Blick haben. Doch mit vielen politischen Entscheidungen fremdelt er. Ein Treffen verspricht deshalb Antworten auf die Frage, was in Deutschland wirklich Konsens sein k\u00f6nnte \u2013 auch beim Thema Migration.\n  <\/p>\n<p>            \u201eIn einem Wohnblock, in dem keiner mehr Deutsch sprechen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich mich nicht wohlf\u00fchlen\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Daf\u00fcr ist Knoll ins eine Stunde entfernte Augsburg gefahren, wo Migrationshintergrund anders als in seinem Heimatort nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Er bekennt sich dazu, \u201eMigrationskritiker\u201c zu sein, spricht von \u00c4ngsten, Gefahren und Sorgen \u2013 und l\u00e4uft nun die Ulmer Stra\u00dfe in Oberhausen entlang, einer der Orte, an denen der Einfluss von Zugewanderten un\u00fcbersehbar ist. Es ist ein warmer, sonniger Freitagabend, die Tram rumpelt vorbei. Knoll passiert ein Baklava-Gesch\u00e4ft, ein Wettb\u00fcro, einen Barbershop und ein D\u00f6ner-Restaurant, dazwischen entdeckt er auch einen H\u00f6rger\u00e4te-Handel und einen Trachtenladen. \u201eSchon das vierte t\u00fcrkische Brautmoden-Gesch\u00e4ft, das ich jetzt gesehen habe\u201c, sagt er auf halber Strecke. Was verbindet er mit diesem Stra\u00dfenbild? \u201eEin ruhiges St\u00e4dtchen\u201c, findet er. \u201eIst doch eine normale Einkaufsstra\u00dfe.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zugegeben, hier wohnen wolle er nicht, aber nicht des Migrantenanteils wegen, sondern weil ihm der L\u00e4rm, die Hektik und die Anonymit\u00e4t der Stadt nicht gefallen. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/auf-dem-weg-zur-metropole-augsburger-lebensgefuehl-darf-nicht-verloren-gehen-104569858\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Ja, es gebe ein \u201efalsch\u201c und \u201ezu viel\u201c bei der Zuwanderung f\u00fcr ihn<\/a>. \u201eIn einem Wohnblock, in dem keiner mehr Deutsch sprechen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich mich nicht wohlf\u00fchlen\u201c, sagt er. Dass Augsburg-Oberhausen als sozialer Brennpunkt bekannt ist und nahezu Dreiviertel der Bewohner Migrationshintergrund hat, daran st\u00f6rt sich Knoll nicht. Was aber sind die Punkte, die ihm Bauchschmerzen verursachen? Woher kommen die Sorgen der Menschen?\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Um darauf eine Antwort zu finden, muss man zun\u00e4chst mit einigen Vorurteilen brechen. Es sind oft Gegenden mit hohem Migrationsanteil, die als Brennpunkte gelten. Und tats\u00e4chlich findet man ausgerechnet am Helmut-Haller-Platz in Oberhausen den Treffpunkt der Drogenszene, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/augsburgs-aermster-stadtteil-wie-leben-die-menschen-in-oberhausen-104439763\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">im Stadtteil ist zudem der Anteil an Arbeitslosen am h\u00f6chsten und die Polizei vermeldet in fast allen anderen Stadtbezirken weniger Straftaten als hier<\/a>. Tats\u00e4chlich beobachtet auch Knoll w\u00e4hrend seiner Tour durch Oberhausen Polizeieins\u00e4tze, sagt: \u201eSolche Zust\u00e4nde m\u00f6chte ich in Westendorf nicht.\u201c Aber im Viertel merkt man auch, dass auch hier das Leben meist seinen normalen Gang nimmt, in den Seitenstra\u00dfen Kinder spielen, Hunde Gassi gef\u00fchrt werden und Arbeiter an den Tischen vor Gastst\u00e4tten ihr Feierabendbier trinken. Was nach einer banalen Feststellung klingt, muss doch festgehalten werden in Zeiten, in denen die zweitst\u00e4rkste Partei im Bundestag vor Gegenden <a href=\"https:\/\/bodensee.afd-bw.de\/aktuelles\/news\/30615\/Die+No-Go-Area+von+Friedrichshafen?newsListStyle=list\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"underline \">mit verschiedenen Nationalit\u00e4ten als \u201eNo-Go-Areas\u201c<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/alternativefuerde\/photos\/schulen-werden-zu-angstorten-r%C3%BCckf%C3%BChrungsoffensive-statt-parallelgesellschaftimm\/1231999374962375\/?_rdr\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"underline \">Schulen mit ausl\u00e4ndischen Parallelgesellschaften als \u201eAngstorten\u201c warnt<\/a>: Anders, als die <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/organisationen\/aa-afd\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">AfD<\/a> suggeriert, macht Migration eine Umgebung nicht per se weniger lebenswert. Auch Andreas Knoll findet das nicht.\n  <\/p>\n<p>            Knoll w\u00fcnscht sich f\u00fcr seine Kinder ein mehrheitlich christlich gepr\u00e4gtes Deutschland<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Protest gegen Migrationspolitik plump als AfD-Sprech zu brandmarken, dagegen wehrt er sich ohnehin \u2013 das ist noch so ein Klischee. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/klage-gegen-fluechtlingscontainer-in-westendorf-allgaeu-urteil-heute-vor-dem-verwaltungsgericht-augsburg-104446505\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Er und seine Mitstreiter der B\u00fcrgerinitiative in Westendorf<\/a> wollten sich freimachen von politischen Parteien, er betont, dass man sich von Extremisten distanziert habe, \u201evon links und rechts\u201c. Ja, man wollte sich nicht das Leben im Dorf durch zu viele Fremde durcheinanderbringen lassen, sagt Knoll. 50 Menschen wollte das Landratsamt ihnen in den Ort setzen, zu viele, fand man. Aber der Protest beinhaltete noch eine andere Forderung, denn auch an der Art der Unterbringung st\u00f6rte man sich in Westendorf: \u201eZwei Menschen pro Container, meistens einfach zusammengew\u00fcrfelt, dazu zwei Aufenthaltsr\u00e4ume\u201c, erkl\u00e4rt Knoll. \u201eWer will so leben?\u201c Am Ende fand man vor Gericht einen Vergleich, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/streit-beigelegt-gefluechtete-ziehen-in-westendorf-ein-109420218\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">es kommen nur 30 Gefl\u00fcchtete, die aber in zwei renovierte leer stehende H\u00e4user der Gemeinde ziehen<\/a>.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Jetzt sitzt Knoll in einem Kiosk und blickt auf den Bahnhof in Oberhausen, vor ihm steht eine Dose t\u00fcrkischer Limonade. Wenn er \u00fcber Probleme spricht, prangert er an, wie gutsherrenartig das Landratsamt \u00fcber seinen Ort habe bestimmen wollen, er f\u00fchlt sich oft nicht gut informiert; beeinflusst auch von \u201eAngstmedien\u201c, wie er es nennt, mit ihren rei\u00dferischen Schlagzeilen, gesteht ein, dass auch subjektive Eindr\u00fccke und ein mulmiges Gef\u00fchl bei der Meinungsbildung eine Rolle spielten. Knoll findet, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/friedrich-merz-im-bundestag-angriff-auf-die-afd-110405381\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">die anderen Parteien w\u00fcrden die AfD ausgrenzen<\/a>, er m\u00f6chte, dass Deutschland auch f\u00fcr seine Kinder noch ein mehrheitlich christlich gepr\u00e4gtes Land ist. \u201eWenn \u00fcberhaupt niemand seine Heimat verlassen m\u00fcsste, jeder bei sich zu Hause bleiben k\u00f6nnte, dann w\u00e4re das doch das Beste\u201c, sagt er. Vor muslimischen Massengebeten sorge er sich, davon habe er Bilder und Videos im Internet gesehen. Aber in Oberhausen f\u00fchle er sich nicht fehl am Platz. Es gebe so viele Gesch\u00e4fte hier, also w\u00fcrden auch viele Menschen arbeiten, schlie\u00dft er. Und das sei wichtig f\u00fcr die Integration. Viele Probleme, die mit Migration zusammenh\u00e4ngen, lie\u00dfen sich in St\u00e4dten besser l\u00f6sen als auf dem Land.\n  <\/p>\n<p>            \u201eIch habe mich alleine gef\u00fchlt\u201c: Abdul Shukoor Saboori wurde in Deutschland lange nicht anerkannt<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ortswechsel. Maximilianstra\u00dfe. Augsburgs Prachtmeile. Es sind die Geb\u00e4ude, die noch den Prunk von damals zeigen \u2013 immerhin war Augsburg einst die m\u00e4chtigste Finanzmetropole Europas. Mittlerweile pr\u00e4gen Boutiquen, Bars und Restaurants das Bild. Vor einem Lokal trinken Studierende Matcha-Latte und reden \u00fcber die Pr\u00fcfungsphase, beim Italiener nebenan wird schon vormittags die erste Runde Aperol-Spritz serviert. Das ganz gro\u00dfe Portemonnaie brauchen die Menschen aber nicht, um dazuzugeh\u00f6ren.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110368243\/crop\/c1_1-w100\/195495799\/1412693201\/img1347.jpg\" alt=\"Abdul Shukoor Saboori f\u00fchlt sich in Augsburg zu Hause.\" title=\"Abdul Shukoor Saboori f\u00fchlt sich in Augsburg zu Hause.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>      Icon Vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Abdul Shukoor Saboori f\u00fchlt sich in Augsburg zu Hause.<br \/>\n    Foto: Mariana Silva Lindner<\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>   Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110368243\/crop\/c1_1-w100\/195495799\/1412693201\/img1347.jpg\" alt=\"Abdul Shukoor Saboori f\u00fchlt sich in Augsburg zu Hause.\" title=\"Abdul Shukoor Saboori f\u00fchlt sich in Augsburg zu Hause.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>    Abdul Shukoor Saboori f\u00fchlt sich in Augsburg zu Hause.<br \/>\n    Foto: Mariana Silva Lindner<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Am Ende der Maxstra\u00dfe, direkt am Rathausplatz, arbeitet Abdul Shukoor Saboori in der Stadtverwaltung. Das Gef\u00fchl, dazuzugeh\u00f6ren, hatte er zwischenzeitlich fast vergessen. Er wurde in Afghanistan geboren, da kannte er es noch. Doch aufgrund der bedrohlichen Lage mussten seine Frau und er 2014 fl\u00fcchten. Das Ziel war Gro\u00dfbritannien, schlie\u00dflich arbeitete er in der britischen Botschaft. Geworden ist es Deutschland. Knapp drei Jahre wurde Saboori weder anerkannt noch abgelehnt. Er geh\u00f6rte noch nicht zu Deutschland, aber auch nicht mehr zu Afghanistan. \u201eUngewissheit ist das schlechteste Gef\u00fchl im Leben\u201c, erinnert sich Saboori. Darf er bleiben, endlich einen Sprachkurs besuchen, arbeiten? Da kam ihm sein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl langsam abhanden.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/afghanistan-viele-ortskraefte-sitzen-weiter-in-afghanistan-fest-id67477941.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Statt Kabul, vier Millionen Einwohner, Hauptstadt<\/a>, ging es zun\u00e4chst nach Kirchheim im Unterallg\u00e4u, 2500 Einwohner, Dorf. Es war der Austausch, der Saboori fehlte: \u201eIch konnte die Sprache nicht sprechen, habe mich alleine gef\u00fchlt.\u201c Feiertage wie das Zuckerfest, bei dem in Afghanistan die ganze Familie zusammenkommt, feierte in Deutschland niemand mit Saboori und seiner Frau. Sie bekamen Heimweh. Und doch mischte sich unter das Heimweh bald ein anderes, sch\u00f6neres Gef\u00fchl \u2013 und das hatte einen Grund: Menschen. Ein Helferkreis in Kirchheim unterst\u00fctzte bei Sprache und Fahrten, der Landrat half bei der Anerkennung und dem Einstieg ins Berufsleben. Noch heute imponiert Saboori, \u201ewie stark sich Menschen verbunden f\u00fchlen, wie sch\u00f6n Menschen sein k\u00f6nnen\u201c.\n  <\/p>\n<p>            Wenn Menschen erfahren, dass Saboori einen Job hat und Deutsch spricht, reagieren sie anders<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Er lernte auch, wie verschieden die Gepflogenheiten in seiner alten und neuen Heimat sind \u2013 und wie man damit umgeht. \u201eIn Afghanistan konnten wir laut sprechen. Hier musst du ein bisschen aufpassen. Ich habe immer versucht, mich in meine Mitmenschen reinzudenken.\u201c Gleichzeitig schritt die Schw\u00e4bisierung Sabooris weiter voran, als Azubi wagte er sich das erste Mal an Sp\u00e4tzle. Mittlerweile isst er sie gerne, kocht sie auch \u00f6fter f\u00fcr seine drei Kinder, die alle in Deutschland geboren sind.\n  <\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/original\/maxstrasse\/\" class=\"hidden  &#010;                md:block md:mr-5 md:min-w-[140px]  aspect-photo md:aspect-tv lg:aspect-tv w-fullXXX relative self-start inline overflow-hidden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/100289830\/crop\/c1_1-w100\/775741497\/1356424114\/mensch-maxstrasse-maxstrasse-maximilianstrasse-augsburg-video-serie-videoserie-doku-dokuserie-augsburger-allgemeine-original-vorschaubild-thumbnail.png\" alt=\"\u201eMensch, Maxstra\u00dfe\u201c: Unsere Videodoku zeigt das Leben auf Augsburgs Prachtmeile\" title=\"\u201eMensch, Maxstra\u00dfe\u201c: Unsere Videodoku zeigt das Leben auf Augsburgs Prachtmeile\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><br \/>\n   <\/a><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Und doch f\u00fchlt sich Saboori, der seit 2022 Deutscher ist, manchmal fremd in der Bundesrepublik. Etwa in der Tram oder im Restaurant, berichtet Saboori, wenn die Familie so lange angestarrt wird, bis die Kinder fragen, was los ist. Erst, wenn die Menschen erfahren, dass er einen Job hat und Deutsch spricht, reagieren sie anders. Die Konsequenz: Saboori stellt sich nach M\u00f6glichkeit direkt vor, erz\u00e4hlt Menschen, die er gerade kennenlernt, seinen halben Lebenslauf. Ein weiteres Beispiel: M\u00fclltrennung. \u201eMeine Nachbarn haben mich \u00f6fter beobachtet, ob ich den M\u00fcll richtig trenne.\u201c Was Saboori beschreibt, ist eine Vermeidungsstrategie: Blo\u00df keinen Fehler machen, denn der wird sofort \u201eden Ausl\u00e4ndern\u201c oder \u201edem Afghanen\u201c zugeschrieben.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zuschreibungen, die schon im Kindesalter existieren. Als ein afghanischer Junge in der Schule von Sabooris Kindern den Feueralarm ausgel\u00f6st hatte, wurde das genau so \u00fcber Lautsprecher in der Schule verk\u00fcndet: \u201eEin afghanischer Sch\u00fcler hat den Feueralarm ausgel\u00f6st.\u201c Sabooris Kind kam heim und sagte: \u201eAfghanen sind so unh\u00f6flich\u201c, erinnert er sich. \u201eWarum wurde nicht einfach gesagt: \u201aEin Sch\u00fcler&#8230;\u2018?\u201c, kritisiert der Familienvater. Ob auch die Nationalit\u00e4t genannt worden w\u00e4re, wenn ein deutscher Sch\u00fcler den Alarm ausgel\u00f6st h\u00e4tte? Mindestens fraglich.\n  <\/p>\n<p>            Saboori f\u00fchlt sich in Augsburg und Deutschland zu Hause<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Saboori wirkt nachdenklich, auf der H\u00f6he des Herkulesbrunnens wandert sein Blick zur\u00fcck Richtung Rathausplatz. \u201eEin sch\u00f6nes Bild\u201c, sagt er und l\u00e4chelt. Was er mittlerweile, elf Jahre nach seiner Flucht, empfindet, wenn er durch Augsburg schlendert? \u201eIch f\u00fchle mich hier zu Hause, Deutschland ist zu meinem Heimatland geworden. In Afghanistan w\u00fcrde ich mich viel fremder f\u00fchlen.\u201c\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110345221\/crop\/c1_1-w100\/1915995649\/1591816001\/fuggerhaeuser-andreas-knoll.jpg\" alt=\"Andreas Knoll vor den Fuggerh\u00e4usern in der Maximilianstra\u00dfe.\" title=\"Andreas Knoll vor den Fuggerh\u00e4usern in der Maximilianstra\u00dfe.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>      Icon Vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Andreas Knoll vor den Fuggerh\u00e4usern in der Maximilianstra\u00dfe.<br \/>\n    Foto: Christof Paulus<\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>   Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110345221\/crop\/c1_1-w100\/1915995649\/1591816001\/fuggerhaeuser-andreas-knoll.jpg\" alt=\"Andreas Knoll vor den Fuggerh\u00e4usern in der Maximilianstra\u00dfe.\" title=\"Andreas Knoll vor den Fuggerh\u00e4usern in der Maximilianstra\u00dfe.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>    Andreas Knoll vor den Fuggerh\u00e4usern in der Maximilianstra\u00dfe.<br \/>\n    Foto: Christof Paulus<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Auch Knoll f\u00e4hrt nach seinem Besuch in Oberhausen noch in die Maximilianstra\u00dfe. Manchmal schmunzelt er, anhalten will er auf dem Weg vom Moritzplatz zum Ulrichsplatz fast kaum, nur an den Fuggerh\u00e4usern macht er kurz Stopp und fotografiert die Prachtgeb\u00e4ude. Nach seiner langen Tour durch die Stadt wird er hungrig, er freut sich, als er den D\u00f6nerladen am S\u00fcdende der Stra\u00dfe entdeckt. Auch zu Hause habe er seinen Stamm-D\u00f6ner, Haare und Bart lasse er sich im Barbershop stutzen. W\u00e4hrend er auf der Terrasse vor dem Laden isst, blickt er noch einmal die Stra\u00dfe entlang, mustert die herrschaftlichen H\u00e4user und beobachtet die vorbeilaufenden Menschen: Anzugtr\u00e4ger und Frauen in Kleidern sind auf dem Weg ins F\u00fcnf-Sterne-Hotel Maximilian\u2018s, andere steuern eine Cocktailbar an, immer wieder fahren teure Autos vorbei, ein Mercedes, ein Aston Martin, auch ein Maserati ist dabei. Was Knoll h\u00e4ngen bleibt, hat mit Migration, Sicherheit und all diesen Dingen wenig zu tun: Ein bisschen abgehoben sei es hier. Am besten an der Maxstra\u00dfe gefalle ihm der D\u00f6ner, sagt er. \u201eAber Oberhausen war da eher meine Welt.\u201c\n  <\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/augsburgs-aermster-stadtteil-wie-leben-die-menschen-in-oberhausen-104439763\" class=\"hidden  &#010;                md:block md:mr-5 md:min-w-[140px]  aspect-photo md:aspect-tv lg:aspect-tv w-fullXXX relative self-start inline overflow-hidden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/104455323\/crop\/c1_1-w100\/1668460207\/953743457\/mma543100080578140008057815sta.jpg\" alt=\"Nirgendwo ist das Einkommen so niedrig, kaum irgendwo leben so viele Migranten wie in Augsburg-Oberhausen. Wie spiegelt das das Leben vor Ort wider? \" title=\"Nirgendwo ist das Einkommen so niedrig, kaum irgendwo leben so viele Migranten wie in Augsburg-Oberhausen. 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