{"id":279638,"date":"2025-07-20T08:06:12","date_gmt":"2025-07-20T08:06:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/279638\/"},"modified":"2025-07-20T08:06:12","modified_gmt":"2025-07-20T08:06:12","slug":"ausbildung-in-stuttgart-nicht-durch-maschinen-ersetzbar-buchbinderin-glaubt-an-ihren-beruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/279638\/","title":{"rendered":"Ausbildung in Stuttgart: \u201eNicht durch Maschinen ersetzbar\u201c \u2013 Buchbinderin glaubt an ihren Beruf"},"content":{"rendered":"<p>Als junge Auszubildende ist Leontine in der Buchbinderei eine Seltenheit. Wie blickt die 21-j\u00e4hrige Stuttgarterin auf die Zukunft ihrer Arbeit?<\/p>\n<p>Leontine erinnert sich noch gut an eine Abmachung mit ihrer Kunstlehrerin. W\u00e4hrend ihrer Schulzeit habe sie eigenh\u00e4ndig <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/B%C3%BCcher\" title=\"B\u00fccher\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B\u00fccher<\/a> hergestellt, erz\u00e4hlt die heute 21-J\u00e4hrige. \u201eDie fertigen Exemplare konnte ich dann bei meiner Lehrerin gegen frische Pappe eintauschen \u2013 um daraus noch mehr B\u00fccher zu machen.\u201c<\/p>\n<p>Inzwischen hat die Stuttgarterin gewisserma\u00dfen ihr einstiges Hobby professionalisiert. Seit September des vergangenen Jahres absolviert sie eine <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Ausbildung\" title=\"Ausbildung\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausbildung<\/a> in der Buchbinderei Mende in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart-Untert%C3%BCrkheim\" title=\"Untert\u00fcrkheim\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Untert\u00fcrkheim<\/a>. Damit stellt sie eine Seltenheit dar. In ganz <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> arbeiten nur noch 123 Menschen unter 35 Jahren im Feld Drucktechnik und -weiterverarbeitung sowie Buchbinderei. Vor zehn Jahren waren es noch fast dreimal so viel. <\/p>\n<p>In der Buchbinderei schwindet der Nachwuchs <\/p>\n<p>Der Anteil der j\u00fcngeren Arbeitnehmer ist auf 16,2 Prozent gesunken und im Vergleich unterschiedlicher Berufsfelder weit unterdurchschnittlich. Das zeigen Berechnungen unserer Redaktion auf Basis von Daten der Agentur f\u00fcr Arbeit.<\/p>\n<p>Leontine scheint in der Buchbinderei jedoch ihre Nische gefunden zu haben. Nach der Schulzeit studierte sie zun\u00e4chst einige Semester Chemie in M\u00fcnchen, kehrte dann allerdings nach Stuttgart zur\u00fcck. Mit dem Wunsch, etwas Handwerkliches zu machen, landete sie schlie\u00dflich bei Mende. Dort ist sie \u2013 entgegen des Trends in der Branche \u2013 momentan nicht die einzige Auszubildende.<\/p>\n<p>Buchbinderei als <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Handwerk\" title=\"Handwerk\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Handwerk<\/a> <\/p>\n<p>Leontines Azubi-Kollegin Ulla H\u00e4rer schl\u00e4gt in der Statistik aber nicht als junge Besch\u00e4ftigte nieder \u2013 wird sie doch in K\u00fcrze 54 Jahre alt. Die gelernte Krankenschwester sagt, im vergangenen Jahr habe sie einen Tapetenwechsel angestrebt. Nach eigener Aussage war H\u00e4rer \u201csofort Feuer und Flamme\u201d, als sie den Ausbildungsberuf Buchbinderin entdeckte. Denn: \u201cB\u00fccher sind einfach mein Ding.\u201d<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ihrer dualen Ausbildung erhalten Leontine und H\u00e4rer an der Johannes-Gutenberg-Schule in Bad Cannstatt blockweise Unterricht, zusammen mit Azubis aus der Druckweiterverarbeitung. \u201cWir sagen immer: Das sind die Industriebuchbinder und wir sind die Handwerker\u201d, erz\u00e4hlt H\u00e4rer. Zwar kommen auch in der Buchbinderei Mende Ger\u00e4te wie ein Planschneider, Pr\u00e4gepressen und Leimmaschinen zum Einsatz. \u201cWir k\u00f6nnten ein Buch auch komplett ohne Maschinen herstellen\u201d, sagt H\u00e4rer.<\/p>\n<p>Ausschlie\u00dflich Frauen in der Ausbildungsklasse <\/p>\n<p>Bei Mende machen Leontine und H\u00e4rer vor allem Umbindungen. Das bedeutet: In Untert\u00fcrkheim kommt ein Buch mit Softcover an, das nun ein Hardcover erhalten soll. Daf\u00fcr trennen die Buchbinderinnen zun\u00e4chst vorsichtig den alten Einband von den Seiten. Anschlie\u00dfend schneiden sie den neuen Einband aus Pappe zu und \u00fcberziehen ihn mit Gewebe oder Leder. Zum Schluss werden der neue Einband und der alte Inhalt zusammengeklebt. Bei der Bindung neuer B\u00fccher ist der Ablauf \u00e4hnlich, nur dass die Seiten dann ohne Einband frisch aus der Druckerei kommen.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/media.media.9a8edbe9-80e2-4d92-8cf0-703bfec4477f.original1024.media.jpeg\"\/>     Ulla H\u00e4rer (links) und Leontine schneiden Gewebe f\u00fcr den Einband eines Buches zurecht.    Foto: Lichtgut\/Christoph Schmidt    <\/p>\n<p>In der Ausbildungsklasse sind die Buchbinderei-Azubis in der Minderheit \u2013 und allesamt Frauen. Leontine vermutet, dass der relativ geringe Lohn in dieser Sparte ein Grund daf\u00fcr sein k\u00f6nnte. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.tarifliche-ausbildung-wo-azubis-die-hoechsten-verguetungen-erhalten.180ef6e3-d281-4836-8ac4-d7bbc042404f.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Ausbildungsverg\u00fctung<\/a> in der Buchbinderei Mende betr\u00e4gt rund 500 Euro, der regul\u00e4re Verdienst liegt Betriebsinhaber Frank Siegle zufolge \u201cknapp \u00fcber dem Mindestlohn\u201d.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr hat der Job laut H\u00e4rer andere Vorz\u00fcge: \u201cHier geht es zwar nicht gem\u00fctlich zu, aber es ist doch etwas anderes als Akkord-Arbeit in der Fabrik.\u201d In der Werkstatt zwitschert ein Kanarienvogel gegen die gusseisernen Maschinen an. Leontine lobt: \u201cEin besseres Betriebsklima als hier geht vermutlich nicht.\u201d Neben Inhaber Frank Siegle arbeiten auch dessen Frau und einer seiner S\u00f6hne in dem Betrieb \u2013 fast die H\u00e4lfte der sieben Personen in der Werkstatt. Der Vogel geh\u00f6rt ebenfalls zur Familie Siegle. \u201cEr w\u00e4re zuhause allein, weil wir alle hier sind\u201d, sagt Siegle. <\/p>\n<p> Markt f\u00fcr Buchbinderei schwindet <\/p>\n<p>Ein sorgenloses Wohlf\u00fchl-Refugium ist Buchbinderei aber bei weitem nicht. Siegle erkl\u00e4rt, dass der Markt mit der zunehmenden Digitalisierung deutlich geschrumpft sei und viele Betriebe aufgegeben h\u00e4tten. F\u00fcr die gesamte Druck- und Medienindustrie \u2013 von der die Buchbinderei nur einen kleinen Teil ausmacht \u2013 <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.firma-in-leinfelden-echterdingen-konradin-druck-meldet-insolvenz-an.73ce4ab5-355c-4a27-b491-b379b3533d3e.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ist der Trend \u00e4hnlich<\/a>. Unter diesen Bedingungen setzt Mende laut Siegle auf Klasse statt Masse. Das hei\u00dft: Auftr\u00e4ge in kleiner Auflage f\u00fcr Kundschaft, die etwas Besonderes will \u2013 und sich das leisten kann. Dazu geh\u00f6ren etwa Kommunen, die bei Mende ihre Goldenen B\u00fccher in Auftrag geben. Zudem Privatkunden, die ihre Lebenserinnerungen aufgeschrieben oder Ahnenforschung betrieben haben. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/media.media.16152284-4852-42b5-8a98-aab00fdbca26.original1024.media.jpeg\"\/>     Leontine findet es \u201eeinfach sch\u00f6n, ein Buch in der Hand zu halten.    Foto: Lichtgut\/Christoph Schmidt    <\/p>\n<p>Die Restauration von einzelnen Exemplaren ist ein weiterer Zweig. \u201cDas sind meistens B\u00fccher, die den Kunden enorm viel bedeuten. Deshalb muss man da sehr vorsichtig sein\u201d, sagt Leontine. Auch deshalb kommt sie zu der Einsch\u00e4tzung: \u201cIch glaube, ein guter Teil von unserer Arbeit ist nicht durch Maschinen ersetzbar.\u201d Trotz des schrumpfenden Marktes und geringer Verdienstaussichten sieht sie ihre berufliche Zukunft in der Buchbinderei. Sie ist davon \u00fcberzeugt, dass es weiterhin genug Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr ihre Arbeit vorhanden sei. Denn vielen Leuten gehe es \u00e4hnlich wie ihr, wenn sie sagt: \u201cDas Papier, der Geruch \u2013 ich finde es einfach sch\u00f6n, ein Buch in der Hand zu halten.\u201d<\/p>\n<p> Daten zu jungen Besch\u00e4ftigten in Stuttgart <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Quelle<\/strong><br \/>Die Berechnungen zum Anteil der jungen Besch\u00e4ftigten in Stuttgart basieren auf Daten der Agentur f\u00fcr Arbeit. Diese zeigen, f\u00fcr wie viele Besch\u00e4ftigte der Altersgruppen unter 25 Jahren, 25 bis unter 35 Jahre, 35 bis unter 55 Jahre sowie 55 Jahre und \u00e4lter jeweils 2014 und 2024 in Stuttgart arbeiteten. Die Zahlen beziehen sich ausschlie\u00dflich auf Besch\u00e4ftigte mit dem Arbeitsort Stuttgart. Das hei\u00dft: Es ist nicht der komplette Zust\u00e4ndigkeitsbereich der Agentur f\u00fcr Arbeit Stuttgart eingeschlossen. Dieser umfasst auch den Landkreis B\u00f6blingen.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Besch\u00e4ftigung<\/strong><br \/>In die Daten sind alle Formen von Besch\u00e4ftigung eingeflossen. W\u00e4hrend sozialversicherunsgpflichtig Besch\u00e4ftigte in den meisten Berufsfeldern den \u00fcberwiegenden Anteil ausmachen, z\u00e4hlen auch geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte in die Statistik.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Berufe<\/strong><br \/>Die Zahlen zu Besch\u00e4ftigten in Stuttgart beziehen sich nicht auf einzelne Berufe, sondern auf sogenannte Berufsgruppen. Darin sind jeweils mehrere Berufe zusammengefasst. Eine Auflistung, welcher <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Beruf\" title=\"Beruf\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beruf<\/a> zu welcher Gruppe geh\u00f6rt, findet sich auf der Webseite der Agentur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als junge Auszubildende ist Leontine in der Buchbinderei eine Seltenheit. 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