{"id":27967,"date":"2025-04-13T06:46:12","date_gmt":"2025-04-13T06:46:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/27967\/"},"modified":"2025-04-13T06:46:12","modified_gmt":"2025-04-13T06:46:12","slug":"die-gefahren-der-schoenheit-parthenope-von-paolo-sorrentino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/27967\/","title":{"rendered":"Die Gefahren der Sch\u00f6nheit \u2013 &#8222;Parthenope&#8220; von Paolo Sorrentino"},"content":{"rendered":"<p>Parthenope. Wer so einen Namen tr\u00e4gt, ist schlichtweg dazu verdammt, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vielleicht sogar mehr als gesund ist. Der griechischen Mythologie zufolge lockte die Sirene Parthenope mit ihrem bet\u00f6renden Gesang unz\u00e4hlige Seem\u00e4nner ins Verderben. Nur Odysseus widersetzte sich ihren Verlockungen mit einer List. Was die so schm\u00e4hlich Ignorierte derma\u00dfen erz\u00fcrnte, dass sie mit einem Sprung ins Meer Selbstmord beging.<\/p>\n<p>Aber das sind Geschichten von gestern, die Paolo Sorrentino lediglich als Basis f\u00fcr seine eigene Parthenope-Interpretation dienen. In seiner Abhandlung \u00fcber die Gefahren der Sch\u00f6nheit ist die Titelfigur weit willensst\u00e4rker als die Menschen, die ihrem Zauber verfallen.<\/p>\n<p>Eine moderne Nymphe<\/p>\n<p>1950 in einer Bucht vor Neapel zur Welt gebracht, ist Parthenope von Geburt an eine moderne Nymphe, ein geheimnisvoll l\u00e4chelndes Wesen mit mystischer Aura. Kaum dass sie vollj\u00e4hrig ist, sieht man sie zumeist in Meeresn\u00e4he im knappen Bikini oder im tief ausgeschnittenen Kleidchen ohne BH. Steigt sie aus dem Wasser, inszeniert Sorrentino diesen Moment gerne in Zeitlupe, denn klar: Die Welt steht still im Angesicht dieser \u00fcberirdischen Kreatur, die allen den Kopf verdreht \u2013 dem Sohn der Haush\u00e4lterin, dem eigenen Bruder, dem reichen Patenonkel.<\/p>\n<p>Schlau ist Parthenope obendrein. Und weil sie sich f\u00fcr die Menschheit im Allgemeinen mehr interessiert als f\u00fcr ihre vielen faden Verehrer, studiert sie Anthropologie mit Schwerpunkt auf: &#8222;Kultur! Das sind alle materiellen und spirituellen Werte. Sie bildet also die Gesamtheit der gesellschaftlichen Probleme ab. Vom Profanen wie der Nahrungssuche bis zur Erschaffung von Kunstwerken&#8220;, sagt Parthenope im Film. Ein Kunstwerk schaffen, das will auch Leinwand-Maestro Paolo Sorrentino.<\/p>\n<p>Opulent sind die Bilder, die Kamerafrau Daria D&#8217;Antonio an den sonnengefluteten Str\u00e4nden und Stra\u00dfen von Sorrentinos Heimatstadt Neapel oder auf Capri gedreht hat. Handlung und Dialoge \u00e4hneln einmal mehr einem philosophischen Traktat, in dem die Hauptfigur das Publikum mit existenziellen Gedanken konfrontiert. Im Zentrum steht wie so oft bei Sorrentino die Liebe als Dreh- und Angelpunkt menschlichen Handelns, das gef\u00e4hrliche Zusammenspiel von Verlangen und Verderben. Und obendrein: die Sch\u00f6nheit des Lebens, das die Jugend in ihrer Selbstbezogenheit kaum zu sch\u00e4tzen wei\u00df. <\/p>\n<p>Faible f\u00fcr groteske \u00dcberspitzungen<\/p>\n<p>Entsprechend sind Parthenopes Lehrmeister vor allem verkrachte Vaterfiguren. Sei es ein l\u00fcsterner M\u00f6chtegern-Papst oder ein depressiver und alkoholkranker Schriftsteller, gespielt von Gary Oldman. Der bereichert &#8222;Parthenope&#8220; nur kurz mit seinen elegant hingenuschelten Lebensweisheiten. <\/p>\n<p>Oldman bleibt umso mehr im Ged\u00e4chtnis, da der Film nach seinem Auftritt zunehmend ins Episodische abdriftet und Sorrentino sein Faible f\u00fcr groteske \u00dcberspitzungen auslebt. Sie dienen wie die penetrant in Szene gesetzte Sch\u00f6nheit von Hauptdarstellerin Celeste Dalla Porta als Lockmittel, um hinzuschauen \u2013 denn das ist die Kernbotschaft des Films: Das Wesen der Menschheit wird nur von jenen erkannt, die gelernt haben hinzusehen. Hier d\u00fcrfte das schwerfallen. Denn allzu oft verleitet die bedeutungsschwangere Inszenierung dazu, die Augen zu verdrehen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Parthenope. Wer so einen Namen tr\u00e4gt, ist schlichtweg dazu verdammt, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. 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