{"id":280477,"date":"2025-07-20T15:49:12","date_gmt":"2025-07-20T15:49:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/280477\/"},"modified":"2025-07-20T15:49:12","modified_gmt":"2025-07-20T15:49:12","slug":"wie-ein-feriencamp-kindern-helfen-will-die-im-ukraine-krieg-ihre-eltern-verloren-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/280477\/","title":{"rendered":"Wie ein Feriencamp Kindern helfen will, die im Ukraine-Krieg ihre Eltern verloren haben"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Kolya verkauft seine Angst. Die Angst, nicht auf eine wichtige Warnung zu h\u00f6ren. F\u00fcr drei, vier Bonbons und einen kleinen Schoko-Riegel wechselt die \u201eAngst\u201c den Besitzer. Auf einem kleinen Zettel, in krakeligen Buchstaben von einem Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen geschrieben. Doch vorher erz\u00e4hlt der Junge, was er auf das St\u00fcck Papier geschrieben hat. Davon, wie seine Mutter, als die Sirenen erklingen, in den Keller will. Der Vater aber abwiegelt. Kolya war in seinem Zimmer, als die Granate einschlug. Seine Eltern \u00fcberlebten die Explosion im Wohnzimmer nicht. Kolya wird sein Leben lang Narben auf der Haut tragen, wie die an seinem linken Oberarm. Und andere Narben, die unertr\u00e4glich schmerzen, aber niemand sieht.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Vielleicht hat der Krieg mittlerweile schon den ganzen Wohnblock zum Einsturz gebracht, in dem Kolya aufwuchs. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/drohnenkaempfe-und-erinnerungen-soldaten-und-familien-im-ukrainischen-krieg-106737566\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Pokrowsk ist heute eine leere, zerst\u00f6rte Stadt unter russischem Artillerie-Beschuss.<\/a> Kamikaze-Drohnen jagen nach allem, was sich noch auf der Stra\u00dfe und zwischen den Geb\u00e4uden bewegt. Pokrowsk hat als ein Lebensraum aufgeh\u00f6rt zu existieren. Kolya wohnt jetzt bei Freunden seiner Eltern in der Gro\u00dfstadt Dnipro. Auch dort gibt es regelm\u00e4\u00dfig russische Drohnenangriffe.\n  <\/p>\n<p>            \u00c4ngste zu verkaufen, sich zu \u00f6ffnen, ist Teil der therapeutischen Arbeit<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eAuf eine Warnung zu achten, kann alles entscheiden\u201c, sagt Kolya, als er seinen Angst-Zettel \u00fcbergibt. Ein Dutzend Kinder und Jugendliche sitzt auf in mit Styropork\u00fcgelchen gef\u00fcllten Kissen und St\u00fchlen im Kreis. Alle haben sie ihre \u00c4ngste aufgeschrieben. Meist sind sie mit dem Krieg verbunden. Keiner tuschelt, wenn jemand seine \u201eAngst\u201c vorstellt. Es herrscht Stille. Nur die Stimmen von denen, die erz\u00e4hlen, sind zu h\u00f6ren. Elvira, die es nicht zu Ruhe kommen l\u00e4sst, dass vielleicht weitere geliebte Menschen get\u00f6tet werden. Ihr Vater fiel an der Front. Ihr Mutter starb bei einem Einschlag, als sie f\u00fcr ihre Tochter einen Geburtstagskuchen kaufen wollte. Neben ihr sitzt Juliana, die sich vor dem Tod selbst f\u00fcrchtet. Es sind dunkelste \u00c4ngste, von denen die M\u00e4dchen und Jungen berichten.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der \u201eVerkauf von \u00c4ngsten\u201c untereinander, das damit verbundene \u201eSich \u00f6ffnen\u201c, Zuh\u00f6ren und die Anteilnahme sind Teil der therapeutischen Arbeit im Feriencamp der Organisation \u201eGen Ukrainian\u201c. Fast 50 Kinder und Jugendliche, die mindestens ein Elternteil durch Russlands Angriffskrieg verloren haben, nehmen daran teil. Das Feriencamp ist ein psychotherapeutischer R\u00fcckzugsort. Weitab von Drohnenangriffen, die viele der Kinder wieder erleben werden, wenn sie in ihre Wohnorte zur\u00fcckkehren, die \u00fcber die ganze <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/schlagworte\/aa-ukraine-konflikt\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Ukraine<\/a> verteilt sind.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471220\/crop\/c1_1-w100\/1236785282\/1248991644\/3.jpg\" alt=\"Kolya ist bei den j\u00fcngeren Kinder beliebt, weil er so viel R\u00fccksicht nimmt.\" title=\"Kolya ist bei den j\u00fcngeren Kinder beliebt, weil er so viel R\u00fccksicht nimmt.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>      Icon Vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Kolya ist bei den j\u00fcngeren Kinder beliebt, weil er so viel R\u00fccksicht nimmt.<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>   Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471220\/crop\/c1_1-w100\/1236785282\/1248991644\/3.jpg\" alt=\"Kolya ist bei den j\u00fcngeren Kinder beliebt, weil er so viel R\u00fccksicht nimmt.\" title=\"Kolya ist bei den j\u00fcngeren Kinder beliebt, weil er so viel R\u00fccksicht nimmt.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>    Kolya ist bei den j\u00fcngeren Kinder beliebt, weil er so viel R\u00fccksicht nimmt.<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Kolya ist ein Junge, den sich einige von den J\u00fcngsten des Camps sicherlich gerne als gro\u00dfen Bruder w\u00fcnschen. Steht er bei der Obstausgabe an, l\u00e4sst er die J\u00fcngsten vor. Kurzhaarschnitt, hochgeschossen, ein freundliches Gesicht, dass immer wieder ein L\u00e4cheln findet. Selbst wenn seine Augen von tiefer Trauer erz\u00e4hlen. Wie bei all den anderen Jungen und M\u00e4dchen der Ferienma\u00dfnahme, die in einem Erholungskomplex in den Karpaten, im \u00e4u\u00dfersten S\u00fcdwesten der Ukraine, stattfindet.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Am Morgen scheint die Sonne milde \u00fcber die bewaldeten Bergr\u00fccken und eine gro\u00dfe Wiese. Dort leuchtet ein gewaltiger Ballon, \u00fcber dessen orangefarbener Kunststoffhaut sich ein L\u00e4cheln wie ein Halbmond zieht.\n  <\/p>\n<p>            Zuhause darf Iwanka nicht \u00fcber den Verlust sprechen, zu gro\u00df ist der Schmerz der Mutter<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammeln sich zum Morgensport. Kein Stimmengewirr. Stille. Die Stille wird in so vielen Momenten des Tags eine traurige Begleiterin bleiben. Die Betreuerin im Sport-Outfit l\u00e4sst aus einer Box Pop-Songs t\u00f6nen. Die ersten \u00dcbungen f\u00fchrt sie vor, dann \u00fcbernehmen andere Kinder. Iwanka, neun Jahre, tritt stolz vor. L\u00e4sst den Kopf kreisen und schlie\u00dft dabei die Augen. Ihr Vater starb als Soldat an der Front. Der Schmerz der Mutter ist so gro\u00df, dass das Kind zuhause kaum \u00fcber den eigenen Verlust zu sprechen wagt, berichtet sp\u00e4ter eine Betreuerin.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471215\/crop\/c1_1-w100\/353326304\/893014409\/1.jpg\" alt=\"Kolya (Mitte) beim Morgensport. Der Tag im Camp beginnt f\u00fcr die Kinder mit Stille. Dann ist nur die Musik aus der Lautsprecher-Box zu h\u00f6ren.\u00a0\" title=\"Kolya (Mitte) beim Morgensport. Der Tag im Camp beginnt f\u00fcr die Kinder mit Stille. Dann ist nur die Musik aus der Lautsprecher-Box zu h\u00f6ren.\u00a0\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>      Icon Vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Kolya (Mitte) beim Morgensport. Der Tag im Camp beginnt f\u00fcr die Kinder mit Stille. Dann ist nur die Musik aus der Lautsprecher-Box zu h\u00f6ren.\u00a0<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>   Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471215\/crop\/c1_1-w100\/353326304\/893014409\/1.jpg\" alt=\"Kolya (Mitte) beim Morgensport. Der Tag im Camp beginnt f\u00fcr die Kinder mit Stille. Dann ist nur die Musik aus der Lautsprecher-Box zu h\u00f6ren.\u00a0\" title=\"Kolya (Mitte) beim Morgensport. Der Tag im Camp beginnt f\u00fcr die Kinder mit Stille. Dann ist nur die Musik aus der Lautsprecher-Box zu h\u00f6ren.\u00a0\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>    Kolya (Mitte) beim Morgensport. Der Tag im Camp beginnt f\u00fcr die Kinder mit Stille. Dann ist nur die Musik aus der Lautsprecher-Box zu h\u00f6ren.\u00a0<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Als Kolya an der Reihe ist, macht er Liegest\u00fctzen vor. Aber eigentlich bewundern ihn die anderen Kinder, weil er zuh\u00f6ren kann. Nicht, weil er schon die Muskeln eines Heranwachsenden hat. Nach dem Morgensport geht es ins nahe Schwimmbad. Ein Junge ist aufgel\u00f6st. Kolya versucht, ihn zu beruhigen. Doch daf\u00fcr bekommt er zuerst unsch\u00f6ne Worte von dem Buben zu h\u00f6ren. Kolya l\u00e4sst ihm seine Wut und Trauer.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Am Schwimmbecken-Rand angekommen, holt der Krieg die Gruppe schnell wieder ein. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/krieg-in-der-ukraine-vadyms-haertester-kampf-103570585\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Kriegsversehrte Soldaten, denen der Krieg Gliedma\u00dfen, ganze Beine oder Arme weggerissen hat,<\/a> nutzen den Pool f\u00fcr ihre Reha-\u00dcbungen. Rollst\u00fchle stehen unter Sonnenschirmen, und auf den Liegen haben die Soldaten ihre Kr\u00fccken zur\u00fcckgelassen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Kolya blickt traurig, als er die Verwundungen der Soldaten sieht. Am benachbarten Becken mit dem Sprungturm geht es dann weiter mit der Angst\u00fcberwindung. Eine Elfj\u00e4hrige will ihren ersten Sprung vom Drei-Meter-Turm wagen. Sie blickt auf das blau schimmernde Wasser hinab und z\u00e4hlt mit ihrer Betreuerin r\u00fcckw\u00e4rts: drei-zwei-eins. Der Sprung bleibt aus. Die Betreuerin gibt ihr Zeit, keiner dr\u00e4ngelt. Aber als sie dann springt, klatscht die ganze Gruppe Beifall. Es gibt aufmunternde Zurufe. Die Kinder haben es wieder einmal geschafft, die Stille zu durchbrechen. Dann geht es zur\u00fcck in die Zimmer f\u00fcr das Mittagessen und eine Pause. Kolya plaudert mit dem Jungen von vorhin und legt ihm seinen Arm um die Schulter, als sie \u00fcber den Weg zum Haus laufen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In der Unterkunft warten zwei Hunde auf die Kinder. Olaf, eine franz\u00f6sische Bulldogge, ist der ganz gro\u00dfe Star. Der Hund geh\u00f6rt einer der sechs Psychologinnen, die zusammen mit f\u00fcnf Tutorinnen und Tutoren die Kinder und Jugendlichen betreuen. Der Vierbeiner ist eine geduldige Seele, die den Dauer-Streichelmodus klaglos \u00fcber sich ergehen l\u00e4sst.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471229\/crop\/c1_1-w100\/1688123437\/1780199160\/7.jpg\" alt=\"Hund Olaf ist der Star bei den Kindern. Geduldig nimmt er nicht enden-wollende Streicheleinheiten hin.\u00a0  \" title=\"Hund Olaf ist der Star bei den Kindern. Geduldig nimmt er nicht enden-wollende Streicheleinheiten hin.\u00a0  \" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>      Icon Vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Hund Olaf ist der Star bei den Kindern. Geduldig nimmt er nicht enden-wollende Streicheleinheiten hin.\u00a0<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>   Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471229\/crop\/c1_1-w100\/1688123437\/1780199160\/7.jpg\" alt=\"Hund Olaf ist der Star bei den Kindern. Geduldig nimmt er nicht enden-wollende Streicheleinheiten hin.\u00a0  \" title=\"Hund Olaf ist der Star bei den Kindern. Geduldig nimmt er nicht enden-wollende Streicheleinheiten hin.\u00a0  \" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>    Hund Olaf ist der Star bei den Kindern. Geduldig nimmt er nicht enden-wollende Streicheleinheiten hin.\u00a0<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dann ist da noch Labrador-Mischling Lola. Obwohl sie erst sieben Jahre alt ist, hat sie viele graue und wei\u00dfen Haare rund um die Schnauze. \u201eSie ist selbst durch die Explosionen bei den russischen Angriffen traumatisiert\u201c, sagt Psychologin Olena. Wenn sie aufgeregt ist, dann zittern ihre Muskeln an den Beinen. Manchmal kann es auch zu schweren epileptischen Anf\u00e4llen kommen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Den Krieg tr\u00e4gt wohl jeder in der Unterkunft in sich. Olena kommt aus Kyjiw, der Hauptstadt. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/krieg-in-der-ukraine-wann-endet-trumps-geduld-mit-putins-raketenterror-110420987\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Russland verst\u00e4rkt derzeit seine Drohnen- und Raketenangriffe auf zivile Ziele in der ganzen Ukraine.<\/a> Insbesondere auf die ukrainische Hauptstadt schicken die russischen Angreifer regelm\u00e4\u00dfig Hunderte von Drohnen und Raketen. Oft h\u00f6ren die Menschen die Explosionen der Luftabwehr und Einschl\u00e4ge \u00fcber Stunden hinweg. Auch Hunde wie Lola mit einem deutlich empfindlicheren Geh\u00f6r.\n  <\/p>\n<p>            \u201eDer Krieg ist schlecht f\u00fcr die mentale Gesundheit\u201c, sagt die Psychologin<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Psychologin hat selbst eine zw\u00f6lfj\u00e4hrige Tochter. \u201eEs ist eine furchtbare Zeit. Meine Tochter hat gelernt, mit der Situation umzugehen. Sie kennt die Regeln. Heult die Sirene, gilt es einen sicheren Platz zu finden. Nat\u00fcrlich machen ihr die Angriffe Angst. Nicht selten kommt sie nachts zu mir ins Bett gekrochen. Der Krieg ist schlecht f\u00fcr die mentale Gesundheit von so vielen von uns.\u201c Mehr Fachpersonal m\u00fcsse ausgebildet werden, weitere Programme f\u00fcr Trainer von Psychologen und \u00c4rzten aufgelegt werden. \u201eDie ukrainische Gesellschaft muss lernen, mit Traumata umzugehen. Und wir machen Fortschritte\u201c, erkl\u00e4rt sie.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471250\/crop\/c1_1-w100\/982585284\/241250208\/10.jpg\" alt=\"Pokrowsk, die Heimatstadt von Kolya, versinkt in Tr\u00fcmmern. Russische Drohnen jagen alles, was sich in der Stadt bewegt.\" title=\"Pokrowsk, die Heimatstadt von Kolya, versinkt in Tr\u00fcmmern. Russische Drohnen jagen alles, was sich in der Stadt bewegt.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>      Icon Vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Pokrowsk, die Heimatstadt von Kolya, versinkt in Tr\u00fcmmern. Russische Drohnen jagen alles, was sich in der Stadt bewegt.<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>   Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471250\/crop\/c1_1-w100\/982585284\/241250208\/10.jpg\" alt=\"Pokrowsk, die Heimatstadt von Kolya, versinkt in Tr\u00fcmmern. Russische Drohnen jagen alles, was sich in der Stadt bewegt.\" title=\"Pokrowsk, die Heimatstadt von Kolya, versinkt in Tr\u00fcmmern. Russische Drohnen jagen alles, was sich in der Stadt bewegt.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>    Pokrowsk, die Heimatstadt von Kolya, versinkt in Tr\u00fcmmern. Russische Drohnen jagen alles, was sich in der Stadt bewegt.<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Zahlen, die Unicef dieses Jahr f\u00fcr die Ukraine bekannt gab, sind ersch\u00fctternd: <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/alltag-in-der-ukraine-feiern-und-ueberleben-im-schatten-des-krieges-109139922\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">75 Prozent der Kinder und Jugendlichen zeigen Anzeichen eines Traumas.<\/a> 38 Prozent der Erwachsenen erf\u00fcllen die Kriterien f\u00fcr eine psychische St\u00f6rung. F\u00fcnf Millionen Kinder haben traumatische Erfahrungen wie Flucht, Zerst\u00f6rung, Luftangriffe bis zum Verlust geliebter Menschen erlebt. Ihr Zugang zu Bildung und Entwicklungsm\u00f6glichkeiten wird durch den russischen Angriffskrieg eingeschr\u00e4nkt. Und die ununterbrochenen russischen Luftangriffe sollen eines rauben: das Vertrauen auf Sicherheit.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    An all das erinnert die Vorsitzende und Gr\u00fcnderin von \u201eGen Ukrainian\u201c, Oksana Lebedieva: \u201eDer Folgen f\u00fcr die Psyche, die der Krieg fordert, wurde noch nie so umfassend erforscht wie aktuell. Die Erfahrung, die wir in diesem Krieg sammeln, ist wertvoll f\u00fcr die ganze Welt. Aber sie kommt zu einem schrecklichen Preis.\u201c Hinter der Bezeichnung \u201eCamp\u201c stehe ein intensiver therapeutischer Prozess, eine \u201ehoch strukturierte psychologische Intervention\u201c, erkl\u00e4rt Oksana Lebedieva. Langfristige Unterst\u00fctzung sei fundamental, fordert sie. Kolya werde auch im Anschluss weiter von \u201eGen Ukrainian\u201c betreut.\u00a0\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471381\/crop\/c1_1-w100\/66235014\/2088306787\/9.jpg\" alt=\"Mit Gruppen\u00fcbungen gewinnen die Kinder und Jugendlichen Vertrauen zueinander. Die Trauer steht ihnen oft ins Gesicht geschrieben.\" title=\"Mit Gruppen\u00fcbungen gewinnen die Kinder und Jugendlichen Vertrauen zueinander. Die Trauer steht ihnen oft ins Gesicht geschrieben.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>      Icon Vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Mit Gruppen\u00fcbungen gewinnen die Kinder und Jugendlichen Vertrauen zueinander. Die Trauer steht ihnen oft ins Gesicht geschrieben.<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>   Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/110471381\/crop\/c1_1-w100\/66235014\/2088306787\/9.jpg\" alt=\"Mit Gruppen\u00fcbungen gewinnen die Kinder und Jugendlichen Vertrauen zueinander. Die Trauer steht ihnen oft ins Gesicht geschrieben.\" title=\"Mit Gruppen\u00fcbungen gewinnen die Kinder und Jugendlichen Vertrauen zueinander. Die Trauer steht ihnen oft ins Gesicht geschrieben.\" class=\"group-[.is-overlay]:w-full\"\/><\/p>\n<p>    Mit Gruppen\u00fcbungen gewinnen die Kinder und Jugendlichen Vertrauen zueinander. Die Trauer steht ihnen oft ins Gesicht geschrieben.<br \/>\n    Foto: Till Mayer<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Neben Psychologin Olena h\u00e4ngt ein Poster mit einer Ampel, die verschiedene Smileys zeigt. Im Gr\u00fcnen l\u00e4chelt das Gesicht, aus dem roten Feld blickt es dagegen voller Furcht. \u201eWir erkl\u00e4ren den Kindern und Jugendlichen, was sie tun m\u00fcssen, wenn sie in die gelbe Phase kommen. Atem\u00fcbungen zum Beispiel, das Gespr\u00e4ch suchen. Versuchen, Ruhe zu finden.\u201c Wichtig sei f\u00fcr die Heranwachsenden auch zu erkennen, die rote Phase hat begonnen: \u201eJetzt brauche ich dringend Hilfe, und ich habe das Recht, danach zu fragen.\u201c Im Camp gibt es Mal-Therapien, Gespr\u00e4chstherapien, gemeinsame Spiele und \u00dcbungen. Und die Stille. Stille und Trauer geh\u00f6ren zusammen. Beides wird nach den drei Wochen weiter tief in den Kindern und Jugendlichen sein. Aber sie lernen, damit umzugehen. Es ist ein Anfang hier in den Karpaten, der in der Stille beginnt. Jedes dabei gewonnene L\u00e4cheln ist ein wertvoller Schritt.\u00a0\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Stille lastet auch auf dem Betreuer-Team. Manchmal f\u00e4llt es den Betreuern schwer zu glauben, dass in dem Geb\u00e4ude 50 junge Menschen untergebracht sind. \u201eUmso sch\u00f6ner ist es, wenn es gelingt, dass die Kinder wieder Kinder sind, spielen und lachen. Das ist so wertvoll f\u00fcr mich\u201c, sagt Olena.\u00a0\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dann l\u00e4uft Kolya vorbei. Er wei\u00df, dass der Reporter aus Deutschland kommt. \u201eIch w\u00fcrde gerne einmal das BMW-Museum besuchen\u201c, sagt der Junge. Der Zw\u00f6lfj\u00e4hrige hat sich zuvor eigentlich als Audi-Fan geoutet. \u201eAber BMW haben meine Eltern mehr gemocht\u201c, erkl\u00e4rt er nachdenklich. Zwei S\u00e4tze gibt er dem Reporter f\u00fcr deutsche Kinder mit: \u201eSeid gl\u00fccklich, dass ihre eure Eltern habt. Sie sind das Wichtigste.\u201c W\u00fcrden seine Eltern noch leben, sie w\u00e4ren sicher eines: stolz auf ihren Sohn.\u00a0\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Till Mayer<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Feriencamp<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Karpaten<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kolya verkauft seine Angst. Die Angst, nicht auf eine wichtige Warnung zu h\u00f6ren. 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