{"id":280569,"date":"2025-07-20T16:39:11","date_gmt":"2025-07-20T16:39:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/280569\/"},"modified":"2025-07-20T16:39:11","modified_gmt":"2025-07-20T16:39:11","slug":"ueber-3-stunden-grosses-kino-dieser-thrillerklassiker-hat-bis-heute-nichts-an-dringlichkeit-verloren-jetzt-neu-im-heimkino-kino-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/280569\/","title":{"rendered":"\u00dcber 3 Stunden gro\u00dfes Kino: Dieser Thrillerklassiker hat bis heute nichts an Dringlichkeit verloren \u2013 jetzt neu im Heimkino! &#8211; Kino News"},"content":{"rendered":"<p>Eine Wendephase deutscher Geschichte, mahnend erz\u00e4hlt, aufw\u00e4ndig inszeniert und packend gespielt: \u201eDas Spinnennetz\u201c ist ein langer, harscher und wichtiger Film, der jetzt wieder auf Blu-ray erh\u00e4ltlich ist.<\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"article-figure-img\" width=\"654\" height=\"368\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/73c6569ebb30935c92d6b24554e9fdfc.jpg\"\/><\/p>\n<p>        Filmjuwelen<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Regisseur <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/8026.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bernhard Wicki<\/a> war eine wichtige Pers\u00f6nlichkeit f\u00fcr den deutschsprachigen Film. Allein schon, weil er als in \u00d6sterreich geborener Tr\u00e4ger der Schweizer Staatsb\u00fcrgerschaft in Deutschland lebte und oftmals arbeitete \u2013 er war die wandelnde DACH-Region! Zudem inszenierte er mehrere Filme, die deutsche Kinohistorie geschrieben haben, wie den gefeierten Antikriegsfilm \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/117253.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die Br\u00fccke<\/a>\u201c von 1959.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Eine von Wickis prestigetr\u00e4chtigsten Regiearbeiten war zugleich seine letzte: Das hochpolitische Historien-Thrillerdrama \u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/116769.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das Spinnennetz<\/a>\u201c blickt auf gesellschaftliche Umbr\u00fcche in den Jahren 1918 bis 1923 und skizziert auf unbequeme Weise deutschen Opportunismus sowie die erbarmungslose Suche nach S\u00fcndenb\u00f6cken. Daf\u00fcr gab es unter anderem drei Deutsche Filmpreise in Gold! Jetzt l\u00e4sst sich der Klassiker ganz leicht nachholen und neu erleben, denn <b>diese Woche hat \u201eDas Spinnennetz\u201c eine Neuauflage auf Blu-ray erhalten.<\/b><\/p>\n<p>            &#8222;Das Spinnennetz&#8220; bei Amazon*<\/p>\n<p>Darum geht es in &#8222;Das Spinnennetz&#8220;<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Die deutsche Bev\u00f6lkerung in den Jahren zwischen den Weltkriegen: St\u00e4ndig locken Karrierismus und Opportunismus in die nachhaltig zerst\u00f6rerische Falle des Mitl\u00e4ufertums und Faschismus. Ein Exempel ist Leutnant Theodore Lohse (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/15354.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ulrich M\u00fche<\/a>), der nach dem Untergang des Kaiserreiches zun\u00e4chst als Hauslehrer arbeitet, doch unentwegt nach Beziehungen sucht, die ihn in m\u00e4chtigere Kreise bringen. <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Durch st\u00e4ndige Tritte nach unten, dauerndes Buckeln nach oben, wiederholten Verrat, Mord und taktische Heirat gelangt er erst in eine rechtsextreme Geheimorganisation und dann ins Innenministerium&#8230;<\/p>\n<p>Ein Passionsprojekt, das schlaucht<\/p>\n<p class=\"bo-p\">\u201eDie faschistische Faszination ist nie verschwunden. Sie ist nach dem Krieg nur d\u00fcnn \u00fcberpinselt worden. Und die Jugendlichen heute verg\u00f6ttern Gewalt\u201c, beklagte Wicki 1989 im Magazin Der Spiegel. Diese Feststellung war einer der Gr\u00fcnde, weshalb er sich <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/70558.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Joseph Roths<\/a> \u201eDas Spinnennetz\u201c annahm, einer erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ruhm gelangten, 1923 in der Wiener Arbeiter-Zeitung ver\u00f6ffentlichten Fortsetzungsgeschichte, die <b>Satire, Poesie, Sozialstudie und derbe Tatsachenschilderung<\/b> vereint.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Wickis mit Herzblut, Wut und Dringlichkeit versehene Adaption war als Mammutfilm angelegt \u2013 nicht nur angesichts ihrer \u00fcber 190 Minuten langen Laufzeit, sondern auch hinsichtlich inszenatorischer Anspr\u00fcche. <b>So hielt <\/b><b>Der Spiegel<\/b><b> fest, dass Wicki aus Authentizit\u00e4tsgr\u00fcnden deutsches Saatgut zu einem der tschechischen Drehorte importieren lie\u00df, weil sich der dort heimische Weizen nicht so im Wind wiegt, wie es Wicki aus seiner Kindheit kannte!<\/b><\/p>\n<p class=\"bo-p\">Dies ist nur ein Exempel f\u00fcr den detailversessenen Perfektionismus, den Wicki bei der Arbeit an \u201eDas Spinnennetz\u201c verfolgte \u2013 zum Nachteil seiner eigenen Gesundheit. Nach etwa der H\u00e4lfte des Drehs erlitt er einen Schlaganfall, auf den er zuallererst mit dem besorgten Gedanken reagiert haben soll: \u201eWas wird aus meinem Film?\u201c<\/p>\n<p>Ein Film, \u00fcber den gestritten wurde<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Nach einer fast dreij\u00e4hrigen Produktionszeit erhielt Wicki die Antwort: \u201eDas Spinnennetz\u201c sollte zu einem viel diskutierten Werk werden.<b> Der in den Historienstoff geflossene, inszenatorische und kunsthandwerkliche Aufwand fand gemeinhin Anklang, ebenso wie die komplexe, mit immenser Pr\u00e4senz auftrumpfende Leistung des sp\u00e4teren \u201e<\/b><a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/111643.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Das Leben der Anderen<\/b><\/a><b>\u201c-Hauptdarstellers M\u00fche.<\/b><\/p>\n<p class=\"bo-p\">Inhaltlich traf das Thrillerdrama bei Publikum und Presse damals allerdings nicht durchweg den richtigen Nerv. Feuilletonist Michael Althen beschrieb im Lifestyle-Magazin Tempo, dass nach der Premiere viel \u201ediskutiert und analysiert, abgewogen und abgewiegelt\u201c wurde, was den an der Kontroverse interessierten Wicki jedoch zufrieden stellte. Auch bei namhaften deutschen Gremien sorgte \u201eDas Spinnennetz\u201c f\u00fcr Spaltung:<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden lobte Wickis \u201eDarstellung der politischen und sozialen Situation nach dem Ersten Weltkrieg\u201c, weil sie \u201emit Recht Gef\u00fchle der Beklemmung\u201c hinterlasse. Teile des Gremiums kritisierten aber den Mangel an Identifikationsfiguren, weshalb man sich nicht zur Spitzenbewertung durchringen konnte. Und<b> laut J\u00fcrgen Knieps Zensur-Fachbuch \u201eKeine Jugendfreigabe\u201c h\u00e4tte die FSK dem Film aufgrund seiner emotionalen Drastik fast eine Freigabe ab 18 Jahren aufgebrummt.<\/b> Letztlich habe man sich \u201eangesichts des k\u00fcnstlerischen Niveaus\u201c des Films f\u00fcr die mildere Altersempfehlung ab 16 Jahren entschieden.<\/p>\n<p>            &#8222;Keine Jugendfreigabe&#8220; bei Amazon*<\/p>\n<p class=\"bo-p\"><b>Auch die relevante Botschaft des aufr\u00fcttelnd, mahnend umgesetzten Films f\u00fchrte dazu, dass die FSK ihn nach l\u00e4ngeren Diskussionen einer gr\u00f6\u00dferen Altersspanne zug\u00e4nglich machen wollte.<\/b> Ein Blick auf zeitgen\u00f6ssische, positive Stimmen f\u00fchrt nachdr\u00fccklich vor Augen, dass \u201eDas Spinnennetz\u201c nichts an Aktualit\u00e4t und Aussagekraft verloren hat. Etwa fasste Althen seine Gedanken \u00fcber Wickis Werk zusammen: \u201eSeine Verfilmung aus der Vorgeschichte des Nationalsozialismus, diese Karriere eines Speichelleckers, der Blut geleckt hat, kommt genau richtig in unsere Zeit, da der Nationalismus nach ein paar Wahlen ebenfalls Blut geleckt zu haben scheint.\u201c<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Und Der Spiegel urteilte angesichts dessen, dass \u201eDas Spinnennetz\u201c zus\u00e4tzlich zum Aufstieg einer national-selbsts\u00fcchtigen, Opfer fordernden Ideologie von deren be\u00e4ngstigenden Unzerst\u00f6rbarkeit und der Leid erm\u00f6glichenden Bereitwilligkeit zum Wegschauen handelt: \u201eVielleicht hat Bernhard Wicki, der fast 70-j\u00e4hrige Au\u00dfenseiter des deutschen Kinos, gar keinen historischen Film gedreht, sondern einen prophetischen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Ein anderer, deutscher Film, der schmerzt und Geschichte geschrieben hat, wurde ebenfalls mit einer Heimkino-Neuauflage bedacht. Mehr \u00fcber den ersch\u00fctterten Meilenstein erfahrt ihr im folgenden Artikel:<\/p>\n<p>    <a class=\"cms-see-also\" data-title=\"Auch interessant\" href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/nachrichten\/1000149123.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">So ersch\u00fctternd kann deutsches Kino sein: Dieser Klassiker legt den Finger direkt in die klaffende Wunde<\/a><\/p>\n<p class=\"bo-p\">*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf \u00fcber diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Wendephase deutscher Geschichte, mahnend erz\u00e4hlt, aufw\u00e4ndig inszeniert und packend gespielt: \u201eDas Spinnennetz\u201c ist ein langer, harscher und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":280570,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[1778,29,214,30,95,1777,215],"class_list":{"0":"post-280569","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-cinema","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kino","13":"tag-movie","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/280569","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=280569"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/280569\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/280570"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=280569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=280569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=280569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}